Berichte 12.08.2019 | 12:21von Colin McGourty

STL Rapid & Blitz 2: Kein guter Tag für Magnus

Magnus Carlsen musste am zweiten Tag des Schnellschach- und Blitzturniers von St.Louis Niederlagen gegen Fabiano Caruana und Levon Aronian hinnehmen, nachdem ihm jeweils für ihn untypische Fehler unterliefen. Aronian liegt weiterhin an der Spitze und hat mittlerweile fünf Punkte Vorsprung auf den Weltmeister, meinte aber, dass dessen Niederlagen ein „Zeichen seien, dass für ihn das restliche Jahr nicht so glatt verlaufen würde wie bisher“. MVL bekannte, dass er bei seinen drei Siegen an Tag 2 „so viel Glück gehabt habe wie Levon“, und liegt nun nur noch einen Punkt zurück.

Magnus Carlsen vor seiner Partie gegen Fabiano Caruana| Foto: Austin Fuller, Grand Chess Tour

Alle Partien des St. Louis Rapid & Blitz 2019 könnt ihr hier nachspielen:

Und hier die Bilder von der Live-Show des zweiten Turniertages:


Kein guter Tag von Magnus Carlsen

Nachdem Magnus in der ersten Partie des St. Louis Rapid & Blitz gegen Ding Liren verloren hatte, konnte er mit Siegen gegen Richard Rapport und Leinier Dominguez die Dinge schnell wieder gerade rücken. Die Frage nach einer Formkrise schien sich erledigt zu haben, zumal der Weltmeister bereits wieder auf Platz 2 lag und für die Aufholjagd gerüstet schien. An Tag 2 ging jedoch so ziemlich alles schief, was schiefgehen konnte. 

Ein Duell, das fast nie enttäuscht! | Foto: Austin Fuller, Grand Chess Tour

Zu Beginn stand direkt das mit Spannung erwartete Duell Caruana-Carlsen auf dem Programm. Bis zu Fabis 6.b3 (statt 6.h4) verlief die Partie analog zu Carlsens 23-zügigem Sieg gegen Anish Giri, den er kürzlich in Zagreb errungen hatte. Obwohl Carlsen genauso mutig wie gegen den Niederländer spielte, erwies sich sein aggressives Spiel dieses Mal aber als Bumerang. Als er seinen Springer nach e6 stellte, übersah er, dass er damit seinem Läufer auf g4 den Rückweg abschnitt und einen taktischen Schlag zuließ:


17.Sxe5! Dxe4 18.dxe4 fxe5 19.f3! und der Läufer war gefangen. Caruana meinte hinterher:

Ich ging davon aus, dass ich nach Sxe5 im Grunde auf Gewinn stehe. Als ich diesen Zug und f3 sah, dachte ich bereits, dass ich ihn platt mache, da seine Struktur im Eimer ist. 

Magnus hängte sich aber voll rein, und bis zum 26.Zug konnte er auf einen positiven Ausgang der Partie hoffen:


Fabiano meinte, er habe nach 26…Txe4! 27.h6 übersehen, dass Schwarz die lange Diagonale mit 27…Sd4! schließen kann, doch stattdessen machte Magnus den laut Fabi “katastrophalen Zug” 26…c4?, nach dem 27.h6! gewinnt.

Magnus verzögerte durch Mattdrohungen das Ende der Partie, doch nach einigen sorgfältigen Zügen und guten Abtäuschen spielte Fabi das elegante 39.Th6!

„Neun Monate zu spät gewinnt Fabiano Caruana eine Schnellpartie gegen Magnus Carlsen.“

Da der schwarze König und Turm nicht ziehen können, hat der weiße König alle Freiheiten und kann die Partie entscheiden. Magnus hatte genug gesehen:

Nachdem Fabiano bereits in Norwegen beim Armageddon gegen Carlsen gewonnen hatte, zeigte er erneut, dass er sich im Schnellschach nicht zu verstecken braucht. Nach dem zweiten Turniertag in St. Louis ist er die neue Nummer 3 in der Schnellschach-Weltrangliste, doch natürlich wirkt das 0:3 von der WM in London noch nach. Als Maurice Ashley dieses Thema anschnitt, antwortete Fabi:

Die Umstände sind hier etwas anders! Unabhängig vom Ort ist ein Sieg gegen Magnus aber etwas Besonderes.

Der Amerikaner machte gestern fast genauso weiter, denn nach einem Remis in einer komplizierten Partie gegen Dominguez gewann er gegen Rapport eine Stellung, die auch anders hätte ausgehen können. Sein Fazit:

Der Tag verlief sehr positiv - Ich hatte zweimal Schwarz, musste gegen Magnus antreten und habe 2,5 aus 3 geholt, was will man mehr.

Carlsen dagegen musste direkt danach die nächste Niederlage einstecken, was ihm zuletzt zu Beginn der Schnellschach-WM 2018 passiert war, als er sensationell gegen Adam Tukhaev und Shamsiddin Vokhidin verloren hatte. Dieses Mal waren wenigstens die Gegner von einem anderen Kaliber, denn sein nächster Bezwinger hieß Levon Aronian.

Carlsen-Aronian war eine intensive Partie | Foto: Crystal Fuller, Grand Chess Tour

Bitter war aus Sicht des Weltmeisters die Art und Weise der Niederlage, denn mit mutigem Spiel war er zuvor in klaren Vorteil gekommen. Vielleicht war es naiv (und das kann man Carlsen wirklich nicht oft nachsagen!), davon auszugehen, dass Schwarz nach 20.Lh7+!? Kh8 21.Sh4? auf Verlust steht:


Aronian hatte derweil gesehen, dass nach 21…Txf4! 22.Sg6+ Kxh7 23.Sxe7+ Te4+! der Springer auf e7 gefangen ist und er eine Figur mehr hat.

"In sehr untypischer Weise scheint Carlsen von Aronians 19...De7 überrascht und spielt das oberflächliche 20.Lh7+ Kh8 21.Sh4. Aronian hatte 23...Te4+ aber schon lange im Voraus gesehen. An einem besseren Tag sieht Carlsen so etwas sogar im Geschwätzblitz."

Magnus spielte 24.Dxe4+ dxe4 25.Sxc8 Lxc8, aber um mit Turm gegen zwei Leichtfiguren noch eine Chance zu haben, hätte er in der Folge besser spielen müssen. Nach 35 Zügen gab der Weltmeister auf.

Aronian präsentierte sich im Interview nach der Partie in prächtiger Form und erklärte, wie er nach schwacher Eröffnung seine Chance ergriffen hatte:

Ich habe den billigen Trick gesehen. In solchen Fällen verhalte ich mich immer ganz ruhig und bete! (…) Man muss gute und schlechte Züge vermischen, das hat schon Larsen gesagt, und das ist mir perfekt gelungen! Ich vermute, das ist mein Geheimnis.

Im Hinblick auf die beiden Niederlagen von Carlsen meinte er:

Natürlich ist Magnus ein sehr starker Schnellschachspieler… und beim Blitzen… und beim Schach, bei allem! Man kann seine Form aber nicht immer ein ganzes Jahr lang halten, und bisher lief es für ihn perfekt. Das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange, da er das Turnier ja noch gewinnen kann, aber zumindest war das ein Zeichen, dass das restliche Jahr nicht so glatt verlaufen wird wie bisher. Aber weiß ich es? Wir werden sehen!

Aronians andere beiden Partien, bei denen er wegen Zeitnachteils gegen Ding Liren in einer besseren Stellung Remis anbot und gegen Dominguez 70 Züge lang leiden musste, waren nichts Besonderes (“mein Schach ist nicht besonders gut, ich bin zufrieden, aber nicht sehr zufrieden“), reichten aber aus, um allein in Führung zu bleiben.

Für Magnus hätte es sogar noch schlimmer kommen können, da er mit Pirc gegen Yu Yangyi eine passive und unangenehme Stellung erhielt, aber immerhin war dann doch ein wenig Licht im Tunnel, dass er beim Remisschluss nach 69 Zügen sogar leicht besser stand.

MVL mit Lauf

Maxime Vachier-Lagrave hatte guten Grund zu schmunzeln| Foto: Austin Fuller, Grand Chess Tour

Topscorer des zweiten Turniertags war Maxime Vachier-Lagrave, der seinem erfolgreichen Damenopfer am ersten Tag drei Siege am Stück folgen ließ. Er meinte, er sei „sehr zufrieden und habe genau wie Levon Glück“ gehabt, was zumindest auf die ersten beiden Partien zutrifft. Erst “kollabierte Karjakin komplett” in einer laut Maxime “totremisen” Stellung, während er in “einer recht guten Partie” gegen Shakhriyar Mamedyarov einen Zug lang auf Verlust stand.


Nach 52.Ke1! kann Schwarz aufgeben. Es droht Ta8+ und Th8#, und das Vorschieben des f-Bauern scheitert an Lc4+ mit Verlust des Turms auf b3. Der Computer zeigt fast +10 für Weiß an, doch nach 52.Ke3?, mit Selbstfesselung des Läufers auf d3 wechselt die Bewertung auf -8. Nun ging 52…f5! und wenige Züge später hatte MVL dank des a-Bauern den vollen Punkt eingefahren.

Mamedyarov kommt mit seinem Sekundanten Rauf Mamedov | Foto: Austin Fuller, Grand Chess Tour

Es war ein schwerer Tag für Mamedyarov, der auch gegen Yu Yangyi und Sergey Karjakin Einzüger übersah und nun vier Niederlagen in Folge wegstecken muss. MVL dagegen baute seine Serie mit einem hart erkämpften Sieg gegen Ding Liren auf vier Siege aus.

Ding Liren hat nach einem wechselvollen Tag drei Punkte Rückstand | Foto: Austin Fuller, Grand Chess Tour

Vor den drei letzten Schnellschachrunden und den beiden Blitztagen sieht die Tabelle so aus:


In der nächsten Runde trifft MVL nun auf Magnus Carlsen! Dabei geht es um die Frage, ob der Franzose die Nummer 1 in der Schnellschach-Live-Elo-Liste übernehmen kann:


Weiter geht es ab 20:00 Uhr live hier auf chess24!

Weitere Links:


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