Berichte 12.08.2019 | 01:12von Colin McGourty

STL Rapid & Blitz 1: Ding schlägt Carlsen, Levon führt

Ding Liren holte mit Weiß seinen ersten Sieg überhaupt gegen Magnus Carlsen beim Schnell- und Blitzschachturnier in St. Louis. Doch Magnus schlug umgehend zurück und gewann gegen die Wildcard-Inhaber Richard Rapport und Leinier Dominguez in den folgenden Runden. Damit hatte er am Ende des Tages zwei Punkte Rückstand auf Levon Aronian, der mit drei Siegen eine weiße Weste behalten konnte. Doch die Partie des Tages lieferte Maxime Vachier-Lagrave, der gegen Richard Rapport die Dame gegen zwei Leichtfiguren opferte und den Sieg davontrug.

Levon Aronian schaut vorbei, während in Ding-Carlsen in vollem Gang ist | Foto: Crystal Fuller, Grand Chess Tour

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Carlsen stolpert

Einen Tag zuvor hatte sich Ding Liren noch in Bezug auf seine Niederlage gegen Magnus bei der Grand Chess Tour in Zagreb geäußert, wie man den Weltmeister stoppen könnte:

Zuerst muss ich meine Partie gegen ihn überleben - das letzte Mal habe ich mit Weiß gegen ihn verloren, von daher muss ich es besser machen. 

Das Schicksal wollte es so, dass er mit Weiß in Runde 1 gegen Carlsen antreten musste und ab einem gewissen Punkt in der Eröffnung hatte er die Chance, sich großen Vorteil zu sichern:


13.0-0! ist nicht der erste Kandidat in einer Schnellschachpartie und einer unbekannten Stellung, aber es stellt sich heraus, dass Weiß nach 13…Dxc4 14.Sxe4 oder 13…Sxc3 14.bxc3 Dxc4 15.cxb4 gut und nach 13…Lxc3 14.Ld3! schlicht auf Gewinn steht. 

Gerade sah es so aus, als ob Magnus gegen Ding die Initiative an sich reißen würde | Foto: Austin Fuller, Grand Chess Tour

Stattdessen investierte Ding ein Tempo in 13.Db3, wonach Magnus schnell einen kleinen Vorteil besaß. Aber das sollte sich ändern:


In diesem Jahr sahen wir es häufig, dass Magnus am Königsflügel angriff, während seine Gegner am Damenflügel etwas zu erreichen versuchten. Doch dieses Mal war es genau andersherum. Carlsens Figuren stehen sich am Damenflügel ungelenk auf den Füßen während Dings Figuren für den Angriff bereitstehen. Dazu sagte er später:

Vielleicht hat er meinen Plan mit 20.Dg4 und 21.Lf4  übersehen und dann habe ich gute Angriffschancen am Königsflügel. Nach Td1-d3 und vielleicht Tg3 mache ich mächtig Druck.

Ding Liren kombinierte den Angriff am Königsflügel gekonnt mit dem Vorantreiben seines c-Bauern, als er schlussendlich nach 42...Dxh5 Schwarz den finalen Todesstoß verpassen konnte:


43.c8=D? wäre nun ein schlimmer Fehler, denn darauf könnte Magnus sofort Dauerschach auf d1 und h5 geben. Stattdessen entschied sich die Nr. 3 der Welt für das vernichtende 43.Dxg7+! Kxg7 44.c8=D+ Kf6 45.Dd8+ und Magnus gab auf, da das Matt in 2 Zügen nicht zu verhindern ist.

Grand Chess Tour: Der finale Moment in Ding-Carlsen.

Für Ding war das ein denkwürdiger Sieg:

Es war mein erster Sieg mit Weiß gegen Magnus. Wir haben bereits so viele Partien gespielt und nun ist es mein erster Weißsieg... ich glaube, unabhängig von der Zeitkontrolle.

Schon bei der Eröffnungszeremonie hatte Magnus angemerkt, dass "wenn ich einmal anfange, schlecht zu spielen, dann riechen die anderen Blut, dann wird es nicht einfach werden". Sollte das der Start seines Kollaps' werden?

Nein, um es kurz zu machen! Sein nächster Gegner hieß Richard Rapport und auch wenn der Ungar lange Zeit einen Vorteil auf der Uhr besaß, verlor er kompensationslos einen Bauern. Beim Versuch, den Eindruck zu erwecken, etwas für den Bauern zu haben, stieß er sich selbst ins Schwert:


Weiß droht Dxe7+, aber Magnus gewinnt zu diesem Zeitpunkt bereits mit dem prosaischen 35...De8, wenn er will. Stattdessen beendete Magnus stilvoll die Partie mit 35…Dxc7!. Rapport gab auf, weil nach 36.Dxc7 er nicht einmal Material mehr hat, geschweige, dass er das Matt nach 36...Se4 abwehren könnte.

Richard Rapport schlug Yu Yangyi in der ersten Partie des Tages, aber dann begannen die besten Spieler der Welt, Damenopfer gegen ihn zu bringen... | Foto: Austin Fuller, Grand Chess Tour

Der letzte Spieler, der Carlsen's Zorn spürte, war ein weiterer Wildcard-Inhaber, nämlich Leinier Dominguez, der unvorbereitet von einer Aggression im AlphaZero-Stil erwischt wurde. Marke "h-Bauer nach vorne schieben und Figuren in Richtung des gegnerischen Königs schmeißen!" 


Oder wie Garry es formulierte:

Garry Kasparov: Höflich von Magnus, in der ersten Runde gegen Ding zu verlieren, um für Spannung zu sorgen. Mit zwei Siegen kam er zurück. 

Garry Kasparov: Ich gebe zu, dass ich mich gefreut habe, Carlsens frühes h4 und einen schönen Sieg gegen Dominguez zu sehen. Mit h5 & Dg4 und der Nicht-Entwicklung seiner Figuren, also Zügen, die entweder nur ein Anfänger oder ein Weltmeister macht!

10…f5?! war nicht die beste Antwort, aber das Hauptproblem bei diesem Zug waren die 10 Minuten, die Leinier dafür verbraucht hatte. Später hatte er einige Chancen bei den entstehenden Verwicklungen, aber ohne Zeit zum Berechnen ging er einfach unter. Magnus war nicht allzu enttäuscht über das Ergebnis des Tages:

Es war schon sehr schlceht, von daher bin ich froh, dass es noch so lief. Aber jeder konnte sehen, dass ich weit entfernt von meiner Bestform bin.


Aronian stellt sich der Herausforderung

In St. Louis gibt es einige potentielle Rivalen für Magnus, doch Levon startete von ihnen am besten | Foto: Crystal Fuller, Grand Chess Tour

Aronian war der Spieler, der von Carlsens Ausrutscher am meisten Profit schlug. Gegen Maxime Vachier-Lagrave entschied er sich für einen exzentrischen Rückzug des Springers in der Eröffnung:


10…Sg8!?

Jonathan Rowson: Respekt für Levon Aronian, der bei 3/3 steht. Seine Erstrundenpartie war beeindruckend. Es ist nicht schwer, das wirre und etwas absurde 10...Sg8 zu spielen. Was schwer ist, ist, es zu spielen und daran zu glauben, während man fokussiert und objektiv bleibt.

Und dann zauberte er aus dieser verschachtelten Stellung einen Sieg:

Romain Edouard: Arbeite hart daran, dass Levon Aronian für ThinkersPublishing ein Buch darüber schreibt, wie man seine Figuren aktiviert. Bleibt auf dem Laufenden!

Jan und Artur haben sich zuletzt einem ähnlichen Thema angenommen!

Dann zeigte Levon noch mehr Endspielzauberei gegen Sergej Karjakin in einer Partie, die innerhalb der ersten 12 Züge der vielleicht denkwürdigsten Partie der letzten drei Jahre folgte: Karjakins Sieg über Carlsen in der achten Partie des WM-Kampfs 2016 in New York, mit dem Karjakin die Führung übernahm. Diesmal sah es so aus, als ob die Partie für den Verteidigungsminister innerhalb der Remisbreite liegen sollte, aber nach 32.Tg6! hatte Sergey schwierige Aufgaben zu lösen:


"Im Allgemeinen war es eine gute Partie", fasste Levon zusammen, wie er aus der Stellung einen Sieg presste. Aber seine Gedanken schweiften im Anschluss nicht ab. Wie half ihm Magnus' Niederlage in Partie Nummer 1?

Es wird spannend werden, denn er wird zurückschlagen, wie er es bereits tat. Von daher gibt es Hoffnung auf ein spannendes Rennen um den Sieg.

Derzeit führt Levon dieses Rennen von vorne an, denn er gewann ebenfalls seine letzte Partie des Tages gegen Shakhriyar Mamedyarov, nachdem er im 17. Zug eine Neuerung brachte. Dieser Zug widerlegte Ben Finegolds Regel "spiele niemals ...f6":


Levon:

Diese f6-Idee habe ich bereits in der Rybka-Ära vor langer Zeit analysiert. Es ist eine schwierige Stellungzu spielen, besonders im Schnellschach, denn Schwarz hat so viele Pläne und es ist eine komplexe Position und mein Gegner kannte es nicht. Ich dachte, ich hätte mehr oder weniger die Kontrolle, denn als ich meinen Springer nach d6 brachte, sieht es für Weiß wirklich schlecht aus.

Mamedyarov verbrauchte fast 20 Minuten für seine nächsten fünf Züge und konnte dem unerbittlichen Druck Aronians im Endspiel nicht standhalten. 

Sowohl Maurice Ashley als auch Yasser Seirawan fragten, ob die neuen Schachtische im St. Louis Chess Club die Spieler inspirierten, und Levon enttäuschte mit seiner Antwort nicht:

Es liegt glaube ich an der grünen Farbe. Das macht Spieler kreativ. Im Allgemeinen mögen die Spieler Veränderungen und hier ist es ein schöner Tisch. Von daher ist es etwas, worauf man sich freut, wenn man ans Brett zurückkommt.

Nate Cohens speziell konstruierte Schachtische scheinen die Kommentatoren in helle Aufregung versetzt zu haben! | Foto: Crystal Fuller, Grand Chess Tour

Doch nicht nur die Führenden sollten im Rampenlicht stsehen, denn auch woanders gab es beeindruckende Züge:

Spektakuläres Schach

Maxime Vachier-Lagrave schien mit einem Kater von seinen harten letzten beiden Tagen in Paris nach St. Louis gekommen zu sein. Zuerst verlor er ein Endspiel, das er nie und nimmer gegen Levon hätte verlieren sollen, dann er war gezwungen, sich für ein Remis in einem 4 gegen 5 Turm-Endspiel gegen Yu Yangyi zu verteidigen, und dann, wie er später gegenüber Almira Skripchenko (die ihn auf Französisch auf dem russischen Kanal interviewte) zugab, hatte er Richard Rapports starkes 24...Dh7! schlicht übersehen. Danach versank erin ein 7-minütiges Nachdenken und entwickelte einen Plan, der in der Stellung nach 27...Ld7 mündete:


Schwarz hat für diesen taktischen Trick eine Figur geopfert. Wenn Maxime als das simple 28.Dd6+ Lc7 29.Db4 spielt, nimmt Rapport auf h3 und die Stellung ist mehr oder weniger ausgeglichen. Die französische Nr. 1 jedoch hatte ein lästiges, interessantes Konzept im Hinterkopf und spielte 28.Dxd7!??!

Weiß hat lediglich zwei Leichtfiguren für die Dame, aber ein paar Ungenauigkeiten waren schon alles, was es brauchte, damit Weiß den Sieg davontrug. Levon sagte dazu scherzhaft:

Ja, schöne Partie. Ich bin stolz auf ihn! Man kann sehen, dass er vom Tandem-Schach gelernt hat, dass weit vorgerückte Bauern gefährlich sind.

Garry sollte dazu später sagen:

Garry Kasparov: In MVL-Rapport spielte ein Franzose gegen Französisch im Stil von Labourdonnais in einer Stadt, die nach einem französischen König benannt ist. Eine spaßige Partie, die ein gutes Beispiel für das Aufregende am Schnellschach ist.

Magnus Carlsen war nach 42.Tdc1 im Studio:


Hier wurde sein Sinn für Harmonie im Schach angesprochen:

Es ist wirklich eine bemerkenswerte Stellung in dem Sinne, dass sie vor Txc7 wirklich ein Bild der perfekten Koordination war. Jede Figur hatte ihre Funktion, es gab keine überflüssigen Figuren. Denn alle Figuren arbeiteten zusammen, einfach schön!

Nach 42…Dxd4 43.Txc7 errang Maxime einen majestätischen Sieg, auch wenn dieser nicht fehlerfrei war. Er gab gegenüber Almira auch zu, dass er Rapports 46..Dh5 nicht gesehen hatte und dass 47.Sf5? den Gewinn verdorben hätte, wenn Rapport 47...Sd7! geantwortet hätte. Doch das ist nur ein Detail und diese Partie hat sich definitiv ihren kleinen Platz in der Schachhistorie verdient.

In der Zwischenzeit war Ding Liren vs. Caruana keine schachliche Gaumenfreude, aber es gab dort einen fantastischen Zug:


Weiß hat den Angriff des b3-Turms auf die eigene Dame ignoriert und stattdessen mit dem Springer auf d5 einen Bauern eingesackt und dabei die schwarze Dame angegriffen. Partie vorbei? Nicht wirklich, denn Fabi hatte ein Ass im Ärmel: 31…Da3!! Nun käme auf 32.Txa3 schlicht 32…e1=D+, während nach 32.Dxe6 Dxa1+ 33.Kh2 folgt und Caruana das Matt mit 33…Tb6! stoppt. Weiß hatte bald nichts besseres, als das Dauerschach zu forcieren. Yasser war beeindruckt!

Grand Chess Tour: Yasser findet Fabis 31...Da3 richtig gut.

Das Remis bedeutete, dass Ding gleichauf mit Magnus bei 4/6 liegt. Beide sind zwei Punkte hinter Levon Aronian:


Die Action geht mit drei Runden am Sonntag weiter. Die Paarungen der ersten Runde sind dabei nahezug perfekt: Caruana gegen Carlsen und Aronian gegen Ding Liren in Runde 4 gefolgt vom potentiellen Showdown Carlsen-Aronian in Runde 5. Schalte ein ab 20:00 Uhr MEZ hier bei chess24!

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