Berichte 08.07.2017 | 11:56von Colin McGourty

So schlägt Duda in León trotz unglaublichen Einstellers

Wesley So liegt auf Kurs, um am Sonntag im Finale des León Masters 2017 ein Match über vier Schnellschachpartien gegen Vishy Anand zu spielen - es war jedoch nicht einfach! Er stellte in der ersten Partie des Semifinales gegen Jan-Krzysztof Duda im 17. Zug unerklärlicherweise seine Dame ein und musste aufgeben. Er erreichte in der nächsten Partie nichts, konnte aber mit einem Sieg im Endspiel die dritte Partie gewinnen und ausgleichen. Die letzte Partie verlief für den jungen polnischen Spieler gut, aber als sein Angriff ins Stocken geriet, übernahm Wesley das Kommando und stellte sicher, dass keine Entscheidung im Tiebreak nötig war.

Superman stieß im ersten Semifinale in León beinahe auf Kryptonit... | Foto: Offizielle Facebook-Seite

Es ist bereits die 30. Ausgabe des León Masters (Magistral de Ajedrez Ciudad de León), einem spanischen Schachturnier, an dem schon viele der weltbesten Schachtalente teilgenommen haben:

Alle bisherigen Turniersieger | Quelle: Offizielle Turnierseite

Und auch in diesem Jahr ist das Turnier spannend besetzt. Vishy Anand hat das Turnier neunmal gewonnen, darunter auch im Vorjahr, während Wesley So als Nummer Drei der Welt nicht groß vorgestellt werden muss. Jan-Krzysztof Duda ist hingegen ein 19-jähriger polnischer Spieler, der unlängst die 2700-Marke geknackt hat - nur Wei Yi (der in León 2014 und 2015 gewonnen hat) ist jünger und hat eine höhere Wertungszahl. Duda hat auch die Schnellschach-EM 2014 gewonnen und wurde bei der Blitzschach-Meisterschaft im selben Jahr Zweiter, ist also bei schnellen Zeitkontrollen kein leichter Gegner. Der letzte Spieler ist Jaime Santos, ein Internationaler Meister mit 2542 Elo, der etwas fehl am Platz wirkt - der 21-jährige Spanier stammt jedoch aus León und hat eine Chance bekommen, gegen die Besten anzutreten.

Das Teilnehmerfeld in diesem Jahr | Quelle: Offizielle Turnierseite

Das Format sieht ein Semifinale am Freitag vor, das zweite am Samstag, gefolgt vom am Sonntag ausgetragenen Finale. Jedes Match wird in vier Schnellschachpartien ausgetragen, in denen die Teilnehmer mit 20 Minuten + 10 Sekunden Aufschlag/Zug spielen. Steht es nach vier Partien unentschieden, gibt es zwei weitere Partien (5 Minuten + 3 Sekunden/Zug), und im Bedarfsfall noch eine Armageddonpartie. Hier hat Weiß 6 Minuten, Schwarz nur 5, aber ein Remis wird als Sieg für den Nachziehenden gewertet.

Wesley So 2,5 : 1,5 Jan-Krzysztof Duda

Es kommt nicht oft vor, dass man die Nummer Drei der Welt in 17 Zügen schlägt | Foto: Offizielle Facebook-Seite

Egal, was beim León Masters 2017 noch passiert - das Turnier wird wegen einem der außergewöhnlichsten Einsteller in Erinnerung bleiben, den ihr von einem der weltbesten Spieler je sehen werdet. Wesley So war schon einigermaßen auf dem falschen Fuß erwischt worden, als Duda im achten Zug eine Neuerung spielte, mit der er von seinen beiden vorangegangenen Partien abwich (der Zug war jedoch die erste Wahl des Computers, daher ist es fraglich, wie groß die Überraschung sein konnte). Danach wurde die Lage sehr scharf, bis die folgende Stellung erreicht wurde:


Hier spielte Wesley 17. axb4??, was gegen jeden anderen Zug gut gewesen wäre, nicht aber gegen das Schlagen einer hängenden Dame mit 17. ... Lxd1. Wesley hatte keine Wahl, als geschockt über das soeben Getane aufzugeben.

Danach soll Wesley erklärt haben, er habe von Duda erwartet, seine Züge in einer anderen Reihenfolge auszuführen, aber wir hoffen, dass er auch die folgende Erklärung abgegeben hat (es scheint, als ob sich das Video zur Runde nicht abspielen lässt):

DER GRUND WARUM SO PATZTE:

"Ich habe das Brett nur von der 2. bis zur 8. Reihe betrachtet" - Wesley So

Falls Wesley von dieser Partie durcheinander gebracht wurde, ließ er sich nichts anmerken, da er trotz der schwarzen Steine in der zweiten Partie bald in Vorteil kam. Er konnte jedoch nicht den ganzen Punkt erobern, sondern musste nach 76 Zügen ins Remis einwilligen.

Wesley So trat zur zweiten Partie mit seiner bereits bekannten Sonnenbrille an! | Foto: Offizielle Facebook-Seite

In der dritten Partie konnte er aber durchbrechen - sein 36. f4! zeigt die Schwäche des schwarzen Königs. 


Nach 36. ... gxf4 37. Dg4+! gewinnt Weiß nicht nur den f4-Bauern, sondern auch den auf h4. Wesley gelang es, feine Technik und Mattdrohungen zu kombinieren und dadurch ohne große Mühe nach 73 Zügen zu gewinnen.

Duda hatte in der vierten Partie wieder Weiß, somit war es auch gut möglich, einen Tiebreak zu erleben. Es zeigte sich jedoch, dass beide Spieler die sofortige Entscheidung suchten. In einer Französischen Verteidigung mit 2. d3 schien Wesley wieder in Vorteil zu kommen, bis er die Drohung von Dudas 21. Sg4 ignorierte und 21. ... c4? zog:


22. Sf6+! war ein korrektes Opfer, allerdings verpasste Duda nach 22. ... Kh8 23. dxc4 dxc4 die subtile Pointe, dass er die weißfeldrigen Läufer mit 24. Lxb7! abtauschen musste, wonach Weiß hervorragende Gewinnaussichten hat. Das Problem in der Partie war, dass nach 24. Tcd1 cxb3 25. cxb3 Schwarz die Läufer mit 25. ... Lxg2 26. Kxg2 tauschte, womit der weiße König auf einem Feld stand, auf dem er Schachgeboten ausgesetzt war - nach 27. Le3 könnte Schwarz die Fesselung mit einem Damenschach aufheben, anstatt Material zu verlieren. Duda versuchte stattdessen 27. Te4, aber 27. ... Sf5 war der Anfang vom Ende:


Es scheint, als ob er mit 28. g4! weiter drücken hätte sollen, und der Computer bewertet die Stellung  als ausgeglichen; nach 28. Sg4? Db7! hatte sich das Blatt gewendet - wieder wegen des auf g2 stehenden Königs. Die schwarzen Figuren konnten in die weiße Stellung eindringen, und der a-Bauer war nicht aufzuhalten. Der letzte Schlag kam nach dem verzweifelten 38. Tb8:


Hätte Wesley den Tag so beenden wollen, wie er ihn begonnen hatte, hätte er 38. ... Kg8?? 39. Txf8+ Kxf8 40. Dd8# spielen können - er spielte hingegen das vernichtende 38. ... Df1+, und nach 39. Kh4 Dh1+ 40. Kh4 h5+ gab Duda das Match verloren. Die Teilnahme an solch einem Turnier war eine neue Erfahrung für den Polen, der zugab, es schwierig gefunden zu haben - er sei gewohnt, während seiner Partie umherzublicken und bei anderen Partien zuzusehen, doch hier gab es nur das Match gegen Wesley! Er ist ein Spieler, von dem wir in der Zukunft noch einiges erwarten können.

Kann es Duda schaffen, regelmäßiger Teilnehmer bei Superturnieren zu werden? | Foto: Offizielle Facebook-Seite

Wesley So hat unterdessen einen Tag frei, da Vishy Anand und Jaime Santos am Samstag das zweite Semifinale spielen. Dieses beginnt um 15:30 Uhr MEZ, und ihr könnt natürlich über chess24 dabei zusehen. GM Miguel Illescas und IM Olga Alexandrova werden auf Spanisch kommentieren, während wir hören, dass unser GM Jan Gustafsson beim Finale am Sonntag auf Englisch berichten könnte!

Ihr könnt bei allen Partien auch über unsere kostenlosen Apps zusehen:

         

Weitere Links:


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