Berichte 29.11.2020 | 10:51von Colin McGourty

Skilling Open Halbfinale 2: Und das Finale heißt Carlsen gegen So!

Wesley So vergab zwei total gewonnene Stellung hintereinander gegen Hikaru Nakamura, schaffte es aber dennoch in allen 4 Partien Remis zu halten und somit sein Halbfinale zu gewinnen und sich für das Finale zu qualifizieren. Sein Gegner wird der Weltmeister Magnus Carlsen sein, welcher zugab, dass er "einfach nicht so gut spielt", nachdem er einen weiteren schwierigen Tag gegen Ian Nepomniachtchi hatte. Nach einigen verpassten Chancen am Vortag, gelang es dem Russen die erste Partie des Samstagsmatches zu gewinnen, aber Magnus konnte in der nächsten Runde zurückschlagen und ein weiteres Finale erreichen.

Magnus Carlsen vs. Wesley So is a clash of two World Champions, since Wesley won their Chess960 battle last year | photo: Lennart Ootes, Fischer Random World Championship website

Du kannst die Partien mit der folgenden Grafik durchspielen.

Hier ist der Stream von Jan Gustafsson und Rustam Kasimdzhanov.


Wesley So: “Ein sehr verwirrender Tag”

Nachdem im Viertelfinale drei der vier Verlierer des ersten Tages zurückschlagen konnten, hätte man Hikaru Nakamura als Favoriten einstufen können, auch gegen Wesley so ein Comeback zu schaffen. Nur wenige Spieler auf der Welt sind besser als Wesley, wenn es um das Verteidigen einer Führung geht, und wenn man hört, dass es am zweiten Tag 4 Remis gab, könnte man denken, dass er alle Partien austrocknete und so mit Leichtigkeit das Finale erreicht. Aber das ist sehr weit weg von der Wahrheit! 

Hikaru machte seine Intentionen direkt in der ersten Partie klar, als er nach 1.e4 einen Spanier mit 3…a6 und 4…g6 anstatt der Berliner Verteidigung wählte. Er spielte diese Variante nie zuvor auf Toplevel. Dies schlug jedoch bald fehl und Wesley stand schon bei Zug 15 nahezu auf Gewinn. Zug 31 war Wesleys Chance die Partie zu beenden.


31.Tf4! hätte die Dame vom f8-Feld vertrieben und dann würde nach 32.Sf7+ Txf7 33.exf7 der f-Bauer die Dame angreifen. Stattdessen folgte das direkte 31.Sf7+?! Txf7 32.exf7 Txe4 und Hikaru erlangte kurz Chancen. Doch Wesley konnte schnell die Kontrolle wiedererlangen und hatte dann einfach zwei extra Freibauern, die die Partie für ihn entscheiden hätten sollen. Den Höhepunkt erreichte diese Partie jedoch nach Zug 60, nur kurz nachdem Peter Leko Wesley den vollen Punkt zusprach.

“Diese Partie nicht zu gewinnen war natürlich entmutigend”, sagte Wesley, aber das war erst der Anfang. In der zweiten Partie übertrieb es Hikaru mit 27.Sh5?, was 27…Sxg4! einstellt

Nach 28.Sf4 Tf6! hätte Nakamura in einer klassischen Partie vermutlich aufgegeben, aber in einer Schnellschachpartie war es sehr sinnvoll weiterzuspielen. Hikaru hielt die Dinge kompliziert, bis Wesley in Zug 42 schließlich zusammenbrach.


Den Turm irgendwohin zu ziehen hätte eine Gewinnstellung behalten. Aber Wesley wählte 42…Se5? nur um herauszufinden, dass er seinen ganzen Vorteil verspielt hatte nach 43.Sxg6. Tatsächlich musste sogar Schwarz ein paar Züge später darum kämpfen, nicht vom starken weißen Springer+Dame Duo mattgesetzt zu werden. Doch Wesley gelang dies.

Rückblickend auf die ersten beiden Partien, sagte Wesley:

Es ist immer sehr schwierig, weil Hikaru sehr taktisch und trickreich ist und er alle seine Chancen nutzt und niemals aufgibt. Er hat diesen enormen Kampfgeist, also wird er einfach weiter kämpfen, bis er keine Chancen mehr hat. Wenn wir also auf eine oder zwei Minuten auf der Uhr kommen, spielt er einfach viel besser, während ich einfach mit Panik spiele.

In einem Schachspiel kann man nicht viel mehr Spannung bekommen als in diesen Spielen, aber Partie 3 war etwas völlig anderes. Wesley wechselte zu 1.d4 und die Spieler erzielten ein Unentschieden, das sie zuvor zweimal gegeneinander gespielt hatten, zuerst in der letzten Runde der US-Meisterschaft 2018 und zuletzt in der letzten Runde der diesjährigen US-Meisterschaft. Es dauerte kaum eine Minute.

“Ich dachte eine kleine Verschnaufpause in Runde drei würde mir gut tun” sagte Wesley, aber in Partie vier hätte einiges passieren können. Hikaru Nakamura hatte Weiß und wusste, dass er um jeden Preis gewinnen muss. Die Spannung produzierte mutiges und spannendes Spiel.


Hier anstatt des Bewegens des e4-Läufers hätte Hikaru nicht einen, sondern zwei Zwischenzüge spielen können, zuerst 20.c5! und dann nach 20…Dc8 ein zweiter Zwischenzug, 21.Sa4!? (nach 21…fxe4 22.Sb6 und die Dame kann den e6-Springer nicht länger verteidigen). Wesley sagte später:

Ich bin sehr verwirrt über das, was im letzten Spiel passiert ist, weil ich um mein Leben gekämpft habe und versucht habe, Gegenspiel zu generieren, aber dann hat er am Ende einfach seinen Springer gegeben, also bin ich mir immer noch nicht sicher, was dort passiert ist.

Dieser Moment entstand nach 29…Td8.


30.c6!? war ein spektakulärer Versuch, hätte Hikaru 30…Txd5 mit 31.La3!! beantwortet, welches den Versuch des schwarzen Turms, die weißen Bauern zu stoppen unterbräche, doch auch dies wär nur genug für ein Remis gewesen. In der Partie folgte 31.cxb7? und nach 31…Td8 32.Ta1 Sc7 33.Ta7.


33…Sxb7! 34.Txb7 Td1+ 35.Kg2 Txc1 endete die Partie im Remis, da dies genug für Wesley war, um das Finale zu erreichen.

Das Comeback wurde vereitelt

“Vermutlich trifft man im Finale immer auf Magnus, egal um welches Turnier es sich handelt.", sagte Wesley.

Magnus Carlsen: “Ehrlich gesagt, spiele ich nicht besonders gut”

Die russische Nr. 1 Ian Nepomniachtchi hatte am ersten Tag des Halbfinales zwei Gewinnstellungen in Folge gegen Magnus verspielt, aber im ersten Spiel am Samstag hat er endlich eine verwertet. Er verdankte diesen teilweise schönen Sieg dem, was tatsächlich ein Fehler war, 31.De8?


Magnus hatte weniger als eine Minute auf der Uhr und blitzte 31…Lxf2?, was eine gute Antwort auf 31.Dc8! gewesen wäre. Nach dem Zug, den Nepo in der Partie spielte, hätte 31…Dc7! für Schwarz gewonnen. Die offensichtliche Drohung des Abzugsschachs – das Ziehen des Turms, was den Angriff der Dame auf den König auf f4 eröffnet – ist leicht zu verhindern, aber es gibt eine zweite Drohung Td8!, und die weiße Dame ist gefangen.

Stattdessen folgte in der Partie nach 31…Lxf2? 32.Kg4! und es stellte sich heraus, dass der schwarze König größere Probleme hatte. Nepo gelang es in einem Mattangriff zu gewinnen.

37…gxh5 38.Tg2+! Kf6 39.Tg6+ Ke5 40.Lb3+ folgte, und Magnus gab auf ohne sich das Matt in 2 zeigen zu lassen.

Magnus musste zurückschlagen und das gelang ihm direkt in der nächsten Partie, obwohl auch diese alles andere als klar war. Der Weltmeister schlug einen Bauern auf h6, mehr aus Notwendigkeit als aus der Intention seinen Läufer zu fesseln. 

Es war der objektiv beste Zug und Magnus kämpfte, bis schließlich Nepo einbrach mit 41…Dg7? (41…Kf7!):


Der Fokus lag zuletzt nur auf dem Königsflügel, doch nach 42.De8+! fielen beide Damenflügelbauern

Magnus sagte später über seinen Tag:

Ehrlich gesagt war es wie die meisten anderen - sehr schwierig! Ich glaube, ich konnte nicht viel Schwung gewinnen. Sogar das Spiel, das ich gewonnen habe, war sehr unklar, und ich glaube, ich stand irgendwann viel schlechter. Ehrlich gesagt spiele ich nicht so gut, aber es hat bisher gereicht. Ich denke, ich muss es im Finale verbessern, weil Wesley extrem stark ist.

Die letzten zwei Runden waren trickreich, aber mit dem Hintergedanken, dass Remis ausreichten, gab Magnus niemals die Kontrolle ab. In Runde 3, nachdem er einigen Druck aushalten musste, opferte er die Qualität, um Ians Springer auf e4 zu entfernen.

Objektiv war dies nicht der beste Zug, aber es verringerte die weißen Chancen drastisch irgendeinen Angriff zu starten. Die Partie endete nach 39 Zügen im Remis.

Das ließ Nepomniachtchi mit der undankbaren Aufgabe zurück, Magnus in der letzten Partie mit den schwarzen Steinen schlagen zu müssen. Der Weltmeister erzwang den Damentausch mit15.Dc4!?, ein Angebot, dass man nicht ablehnen sollte 15…Db8?? or 15…Tc8?? würden zu einer typischen Taktik führen:

Beide Züge laufen in 16.Dxe6+! fxe6 17.Lh5+ g6 18.Lxg6#

Nepo spielte stattdessen 15…Dxc4 mit leichtem Vorteil, der jedoch kaum zum Gewinn der Partie ausreichen konnte. Verzweifelte Maßnahmen wurden benötigt und seine Versuche die Stellung zu verkomplizieren führten dazu, dass Weiß einen großen Vorteil erringen konnte, bis Magnus schließlich in einer Gewinnstellung ins Remis einwilligte, um sein Finalticket zu lösen. 

Ian fasste zusammen:

Magnus hat nun die Chance die Champions Chess Tour so zu starten, wie er die Magnus Carlsen Chess Tour beendete. Wesley besiegte Magnus 13.5:2.5 im Finale der FIDE Fischer Random Weltmeisterschaft 2019, aber beide Spieler spielen dieses Resultat runter. Wesley fragte ob dieses Ergebnis ihm Selbsvertrauen gibt:

Ja, wenn wir Chess960 spielen, bin ich sehr zuversichtlich! Aber Schach und Chess960 sind zwei völlig unterschiedliche Spiele, da Magnus bereits die typischen Pläne und typischen Setups und die typischen Manöver in praktisch jeder einzelnen Eröffnung kennt.

Magnus machte klar, dass er Wesley in anderen Events schlagen konnte, sagt aber auch, dass er Wesley mit Sicherheit nicht unterschätzen wird:

Er ist sehr stark. Wenn er gut drauf ist, ist es sehr schwer irgendwelche Schwächen in seinem Spiel zu finden, also ist er einfach sehr sehr stark. Manchmal ist er ein bisschen zu sehr in seinem eigenen Kopf, das ist das einzige, was ihm schaden kann.

Er elaborierte:

Er ist ein starker Gegner, einer derjenigen, gegen die es schwer ist zu spielen, denn er macht selten taktische oder positionelle Fehler. Er ist einfach sehr sehr stark und ich werde mein Bestes zeigen müssen.

Was wird Magnus versuchen zu ändern?

Ich werde versuchen besser und eventuell ein bisschen schneller zu spielen. In den letzten Tagen war ich wirklich langsam.

Das Format ist das gleiche wie im Viertel- und Halbfinale. Schaltet ab 17:30 Uhr ein!


Siehe auch:


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