Berichte 28.08.2019 | 06:00von Colin McGourty

Sinquefield Cup 9: Ding und Nepo setzen sich ab

Die Nummer 3 der Welt Ding Liren hat die Nummer 2 Fabiano Caruana beim Sinquefield Cup zum zweiten Mal besiegt und damit einen großen Schritt in Richtung Turniersieg gemacht. Sein schärfster Konkurrent ist nun Ian Nepomniachtchi, der nach 132 Zügen gegen Wesley So gewann, nachdem es zuvor so aussah, als ob er maximal ein Remis erreichen könnte. Die beiden Weltmeister Magnus Carlsen und Vishy Anand gehörten zu den Spielern, die sich in Runde 9 mit einem Remis begnügen mussten.

Entwickelt sich Ding Liren zu Magnus' größter Gefahr? | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Alle Partien des Sinquefield Cup 2019 könnt ihr hier nachspielen:

Und hier die Bilder von der Live-Übertragung:


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Ding Liren zeigt, dass er auch angreifen kann

Ding Lirens Gewinnpartie gegen Anish Giri wurde im Verlauf des Turniers bereits als Glanzpartie bezeichnet, und auch der Sieg gegen Fabiano Caruana in Runde 9 hatte es in sich:

"Starke Partie heute, und sein Sieg gegen Giri war bisher die vermutlich beste Partie des Turniers." 

In der Eröffnung spielte Fabiano Caruana den ersten neuen Zug, aber Ding Lirens mutige Antwort brachte dem Chinesen in einer symmetrischen Stellung Raumvorteil. Hinterher erklärte er, dass er gewinnen wollte und darum das „unklare“ 31.f4!? gespielt habe:


Zu einer grandiosen Partie trug auch Caruana bei, der seinerseits gewinnen wollte und statt Figurentausch mit 31…Td2!? gefolgt von 32.Df3 Td5 33.T1c7 Kh7 laut Ding mit De1 und Td1 mattsetzen wollte. 34.Kh2! machte dem Schwarzen jedoch das Leben schwer, und einige Züge später hätten nur noch Glanzzüge geholfen, um die Stellung im Gleichgewicht zu halten:


Das sofortige 37…Db1? scheitert an 38.Sxf7, und nach 38…Td1? kann Weiß beginnend mit 39.Th8+ in acht Zügen mattsetzen. Der Trick bestand aber darin, mit 37…Db4! den Turm auf f8 anzugreifen und 38.Txf7 zu provozieren, und erst dann 38…Db1! zu spielen, wonach Weiß offenbar nichts Besseres hat, als Dauerschach zu forcieren.

Wieder eine bittere Niederlage gegen Ding Liren für Fabiano Caruana | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Ding bezeichnete das als “sehr schwer zu finden”, und wenn das schon Ding sagt, der sich am Vortag geradezu unfassbar gut gegen Carlsen verteidigt hatte, war es für einen Menschen fast unmöglich. Stattdessen folgte 37…Tb5, aber nach 38.Df1! Dd5 39.Sxf7 Sd7 40.Td8 Tb8 41.Txb8 Sxb8 42.Db1+ Df5 scheint Schwarz die Partie immer noch retten zu können:


Nach Springertausch ist die Stellung sofort remis, aber 43.Db7! hielt die Partie am Leben, und nach 43…Sc6 44.Sd6 Dc5 45.Se4 hätte Caruana mit 45…Dxe3 die Figur geben sollen. Nach 45…Dc2? 46. Sf6+! war Ding der Punkt nicht mehr zu nehmen:

Damit hat Ding Liren nicht nur +2 auf dem Konto, sondern ist seinem Kontrahenten in der Live-Elo-Liste ganz schön auf die Pelle gerückt:


Wie die Liste zeigt, befindet sich ein anderer Spieler ebenfalls in der Form seines Lebens: Ian Nepomniachtchi, der mit einem Sieg gegen Wesley So zu Ding aufschloss:

Nepo ist es immer noch egal

Einmal mehr glänzte Nepomniachtchi durch seine Grimassen | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Nepomniachtchi erinnerte nach dieser Partie daran, dass das Remis gegen Wesley So in Zagreb “extrem schmerzhaft” gewesen sei. Damals hatte er in total gewonnener Stellung Dauerschach zugelassen, doch dieses Mal sah es lange Zeit nicht danach aus, dass er dieses Missgeschick wettmachen könnte. Nach 24 Zügen war ihm längst klar, dass „er die Eröffnung völlig misshandelt hatte“.


Nepo erklärte, dass ihn Wesley Sos 25.Da5!? überrascht habe, da dieser mit 25.Dd6 oder Sc3-e4 “für nur einen Bauern, der bald wieder verloren geht, riesigen positionellen Vorteil” erhalten hätte. Einige Züge später waren die Türme getauscht und das Material ausgeglichen, allerdings nicht für lange. Nach einem unvorsichtigen Damenrückzug seines Gegners konnte sich Nepo den Bauern a2 schnappen, worauf es für den Amerikaner nur noch schlimmer kommen konnte. Die Stellung muss immer noch remis gewesen sein und einmal reklamierte So sogar zu Unrecht dreimalige Stellungswiederholung, doch am Ende brach er, nur noch von der Verzögerung zehrend, unter dem Druck zusammen und musste nach 132 Zügen (neuer Rekord beim Sinquefield Cup) die Waffen strecken!

Nepo blieb seiner Version treu, was seine Turnierambitionen betrifft:

Sie glauben es mir vielleicht nicht, aber mir ist es wirklich egal, da ich einfach sehr müde bin.

Der beste Dialog kam erst noch:

Würde Sie der Sieg beim Sinquefield Cup glücklich machen?

Ich hätte nichts dagegen!


Frustrierte Hoffnungen

Levon Aronians tolle Idee erwies sich als Bluff | Foto: Justin Kellar, Grand Chess Tour

Es gibt noch mehr Spieler in St. Louis, die nichts dagegen hätten, den Sinquefield Cup zu gewinnen, doch in den verbliebenen Partien hatte zumindest jeweils ein Spieler Grund, frustriert zu sein. Magnus Carlsen hat mittlerweile neun Remis hintereinander auf dem Konto und büßt derzeit 13,5 Elo-Punkte ein, was zum Teil auf die brillante Verteidigung seiner Gegner zurückgeht, aber er verpasste auch einige gute Chancen. Ein solcher Fall war die Partie gegen Levon Aronian, wo der Armenier nach 20 Minuten 20.e5!? zog: 


Nach 20...dxe5 21.Sb3 Sc5?! 22.Dxe5+ verflachte die Partie ins Remis, aber Aronian hatte gesehen, was auch die Computer anzeigten:

Ich glaube, mein e5 war ein schlechter Zug. Ich habe etwa 30 Minuten darüber nachgedacht und als ich ihn gespielt hatte, sah ich, dass er [21…Dxe3 22.fxe3 Sc5 23.Sxa5 La6!] spielen kann, wonach Weiß sehr unangenehm steht… Auf den ersten Blick sieht es so aus, als könnte ich einfach die Bauern einsammeln, aber in Wirklichkeit dominiert Schwarz das Zentrum.


Levon zeigte das nach der Partie Magnus und berichtete, “Er sagte, er habe das nicht einmal ansatzweise gesehen!”

Überraschung! | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Magnus war aber nicht der Einzige, der seine Chance verpasste. Einmal mehr verlief für Vishy Anand die Eröffnung gegen Shakhriyar Mamedyarov sehr gut:

Er spielte 16.Sh4!, aber nach einigen Ungenauigkeiten und aktiver Verteidigung von Mamedyarov endete die Partie nach 47 Zügen remis.

Maxime Vachier-Lagrave braucht einen oder zwei Siege, um sich sicher für das Finale der Grand Chess Tour in London qualifizieren, und nach der Eröffnung, wo er im Caro-Kann mit 9.fxg3! aus dem Zentrum schlug, sah es gut aus. Hikaru Nakamura schien darauf nicht vorbereitet, obwohl die Variante recht populär ist und erst kürzlich bei der Russischen Damenmeisterschaft aufs Brett kam:

Obwohl Nakamura einen anderen Plan wählte, geriet er unter heftigen Druck, doch MVL fehlte die Präzision, um den vollen Punkt mitzunehmen.

Giri war von der gegnerischen Eröffnungsbehandlung nicht sonderlich beeindruckt... | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Ähnlich verlief die Partie Giri-Karjakin, wo Anish Giri seinen Gegner mit der Neuerung 7.b4 früh in der Partie überraschte :


Zeitweilig sah es so aus, als wäre Sergey Karjakin zu forsch vorgegangen und würde vom gegnerischen Läuferpaar erdrückt, doch am Ende rettete der Verteidigungsminister nach 44 Zügen das Remis.

Damit haben sich zwei Spieler vor Schluss zwar zwei Spieler etwas abgesetzt, aber sieben Spieler liegen innerhalb von einem Punkt:


In der vorletzten Runde muss Ding Liren mit Schwarz gegen Levon Aronian antreten, währen Ian Nepomniachtchi Weiß gegen MVL hat. Wie immer könnt ihr ab 20 Uhr live auf chess24 dabei sein!

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