Berichte 26.08.2019 | 16:36von Colin McGourty

Sinquefield Cup 8: Nepo & Karjakin schließen zur Spitze auf

Ian Nepomniachtchi landete in Runde 8 einen Sieg gegen Levon Aronian und Sergey Karjakin nutzte einen Eröffnungsschnitzer von MVL aus, was für einen perfekten russischen Tag beim Sinquefield Cup 2019 sorgte. Auch sonst verlief die Runde spannend, da fast alle Partien ausgekämpft wurden. Magnus Carlsen bekam nach eigenen Angaben “einen heftigen Angriff” gegen Ding Liren, aber erneut verteidigte sich sein Gegner perfekt, wobei der Chinese vermerkte, dass es einem „Wunder“ gleichkomme, dass er diesen Angriff heil überstand. Trotz seiner bisherigen acht Remis ist der Weltmeister einer von drei Spielern, die nur einen halben Punkt hinter der Spitze liegen.

Ein guter Tag für die Russen beim Sinquefield Cup! | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Alle Partien des Sinquefield Cup 2019 könnt ihr hier nachspielen:

Und hier die Bilder von der gestrigen Live-Übertragung:


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Immerhin zwei Siege!

Nach zwei Runden ohne Gewinnpartie wollte sogar Anish Giri in Runde 8 Blut sehen, und tatsächlich gab es zwei Sieger. Bei Karjakin-MVL war dieses Ergebnis lange Zeit nicht zu erkennen, da Maxime Vachier-Lagrave im Grünfeld die ersten 20 Züge herunterblitzte. Dass er dabei schon einen Bauern weniger hatte, hätte nichts bedeutet, wenn er einer tief analysierten Vorbereitung gefolgt wäre, doch in Wirklichkeit handelte es sich um eine Eröffnungskatastrophe.

Ein unaufmerksamer Moment bescherte MVL stundenlange Qualen | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Die von ihm gewählte Variante mit 10…b6!? gegen 7.Lc4 im Grünfeld spielte Peter Svidler bereits gegen Magnus Carlsen beim Tal Memorial 2011, aber der Russe empfahl sie nicht in seiner chess24-Series, da “die Vorstellung, ein Endspiel mit einem Bauern weniger zu verteidigen, selbst dann nicht jedermanns Geschmack, wenn man es für haltbar hält”. Dieselbe Stellung hatte MVL beim Weltcup 2013 selbst als Weißer gegen Boris Gelfand auf dem Brett (mit englischen Anmerkungen von Peter Svidler):


Hier spielte MVL 17.Lxf7+ mit späterem Remis, wobei anzumerken ist, dass Gelfand auf 17…Kh8 18.Sd4 richtigerweise 18…bxc5! spielte.

In St. Louis jedoch entschied sich Karjakin für das sofortige 17.Sd4, das zuvor schon einmal Matthias Blübaum ausprobiert hatte. Und darauf passierte MVL auch schon das entscheidende Missgeschick, denn er spielte 17…bxc5?, was in diesem Fall ein Fehler ist. Seine Erklärung hinterher:

Das war eine sehr verdiente Niederlage, da ich den Zug ohne nachzudenken gespielt habe, und sofort nach bxc5 merkte, dass er nicht richtig war.

Richtig wäre 17…Lh3! gewesen, wonach vieles für ein Remis gesprochen hätte. Karjakin war überrascht vom Eröffnungsfehler seines Gegners, behauptete aber, dass er in solchen Fällen normal auf der anderen Seite des Bretts sitze:  

Das passiert normal immer mir, daher habe ich die Züge bei der Vorbereitung etwa 100-mal wiederholt, damit ich nichts durcheinanderbringe. Aber natürlich hätte Lh3 statt bxc5 kommen müssen - das ist sehr wichtig.

Ein geschockter MVL leistete nicht den maximalen Widerstand, aber es wäre ohnehin schwer gewesen, den weißen a-Bauern aufzuhalten. Karjakin gelang jedenfalls ein schönes Finale, indem er den stolzen Bauern mit 46.Df3! leichten Herzens opferte:


Es sah zwar erst so aus, als hätte er etwas übersehen, da Schwarz nach 46…Dxa7 47.Dxf6 Da3+ 48.Ld3 Dxd3+ sogar einen Bauern mehr hatte, aber nein, das Matt folgte auf dem Fuß! 49.Kh4 Dd4 50.Df8+ Dg7 51.g5#


MVL ließ sich das Matt auch tatsächlich zeigen:

Die andere Gewinnpartie des Tages wird zwar keinen Schönheitspreis gewinnen, aber immerhin erzielte Ian Nepomniachtchi mit ihr als erster Spieler seinen zweiten Sieg. Sein Opfer war Levon Aronian, der im Italienischen auf dem falschen Fuß erwischt wurde.

Der zweifache Sieger des Sinquefield Cup, Levon Aronian, liegt derzeit auf dem eher ungewohnten letzten Platz | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Nepomniachtchi spielte eine Variante, die er schon gegen Karjakin in Zagreb aufs Brett bringen wollte, aber damals verwechselte er die Zugreihenfolge und überstand eine klar schlechtere Stellung nur deswegen, weil Karjakin im falschen Moment die Damen tauschte. Dieses Mal funktionierte die „etwas trickreiche“ Idee perfekt, nachdem sich Aronian zu einer ungerechtfertigten Aggressivität am Königsflügel hinreißen ließ. Nepo übernahm die Kontrolle im Zentrum und befand sich nach eigenen Angaben nach 28.Te2 bereits auf der Siegerstraße:  


Er befürchtete, Levon könnte sich mit 28…a5! befreien, doch in der Partie entschied nach 28…Tad8?! 29.Tf1 Sd6 30.De1 Shf5 31.a5! auch hier der a-Bauer. Nepo konnte schon bald auf a6 schlagen und nach dem forcierten Damentausch war der Bauer nicht mehr aufzuhalten:

Aronian ist der vielleicht trickreichste Spieler der Weltklasse und er hätte um ein Haar noch die Remisbreite erreicht, aber wie in seiner Partie gegen Fabiano Caruana wurde ihm die Bedenkzeit der Grand Chess Tour zum Verhängnis. Dieses Mal hatte er nur noch die 30 Sekunden Verzögerung, während sein Gegner über eine Stunde auf der Uhr hatte.

Kampfremis

An den anderen Brettern gab es nur ein Nakamura-So ein langweiliges Remis - nach vielen Figurenabtäuschen war das Remis nach 29 Zügen unterschriftsreif. 

Erneute stellte Magnus seinen Gegner auf die Probe, aber wieder hielt dieser stand | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Magnus Carlsen zeigte seinen Siegeswillen einmal mehr, indem er Ding Liren eine gefährliche Vorbereitung vorsetzte. Elf Züge lang folgte die Partie im Nimzo-Inder Topalov-Ding aus dem Vorjahr, und die Neuerung kam dann im 14.Zug, als Magnus im Gegensatz zu einer Partie gegen Peter Leko die Damen tauschte. Erst nach 17.f4! versank der Chinese aber in tiefes Nachdenken:


Obwohl die Damen vom Brett verschwunden sind, will Weiß den Königsflügel öffnen und mattsetzen, bevor Schwarz sich koordinieren kann. Ding meinte nach der Partie:

Ich war mir nicht sicher, ob ich die Variante schon einmal vorbereitet hatte. Wenn ja, dann war es schon lange her und ich hatte schon alles vergessen.

"Sehr starke Vorbereitung von Magnus. Respekt vor seinen Sekundanten, solche komplizierten Varianten zu finden, ist nicht leicht." 

Ding rechnet aber sehr gut, und Magnus lamentierte wieder:

Das ist der Nachteil forcierter Eröffnungsvarianten. Berechnet der Gegner alles sauber, steht er gut – aber das gelingt ihm nicht immer! 

Die 28 Minuten, die Ding hier investierte, zahlten sich aus, denn er blitzte danach eine Variante herunter, bei der fast jeder Zug ein Ausrufezeichen verdient hatte: 17…Sc6 18.fxg5 Lxg5 19.Th5 f6 20.Sf3 Lxe3 21.Te2 Lc1 22.Te4 e5 (der erste Zug, der nicht die erste Wahl des Computers ist und Magnus hoffen ließ!) 23.Lc4+ Kg7 24.Teh4 Kg6 25.Th7 Lg4:


Nach der Partie meinte Magnus, er hätte hier 26.Txb7!? spielen können, aber das sieht nicht besser aus als die Partiefolge: 26.Ld3+ f5 27.Sxe5+ Sxe5 28.Lxe5 Kg5


Der Königszug war der einzige Zug, und sogar Ding räumte ein, dass eine schwarze Rettung kaum für möglich zu halten war:

Ich spielte weiterhin einzige Züge, und nach Kg5 dachte ich, meine Stellung wäre verloren, aber als ich länger hinschaute, erkannte ich, dass ich nicht schlechter stehe – ein Wunder!

Das sah auch Magnus so:

Ich glaube nicht, dass ich viel anders machen konnte. Ich hatte einen gefährlichen Angriff und er musste sich mit aller Kraft verteidigen. Ich drohte mehrfach Matt in einem oder zwei Zügen.

Hier etwa drohte 29.g3 schlicht Tg7#, und nur der einzige Zug 29…Tg8 sorgte für eine erfolgreiche Verteidigung. Magnus spielte nun 30.Txb7, aber nach 30…Tae8! 31.Tb5 Tg6!, mit der Idee Tb6 verflachte die Partie und endete remis.

Ähnlich dramatisch ging es bei Mamedyarov-Giri zu, wo der Niederländer sich darüber ärgerte, dass er dem Aseri nicht die Variante mit Se5, f4 und h4 zugetraut hatte, die aufs Brett kam. Shak meinte, dort sei seine Vorbereitung zu Ende gewesen, aber er spielte offenbar perfekt weiter und sorgte dafür, dass die schwarze Lage nach 14.g4! schon kritisch war:


Beide Spieler hatten gesehen, dass Weiß allerbeste Chancen hat, wenn es ihm gelingt, g5 zu spielen, und daher spielte Giri 14…f6! Am meisten fürchtete er sich vor 15.exf6, doch Mamedyarov zog fast sofort 15.Dxg6

Danach dachte Giri erst einmal 34 Minuten nach, womit sein Zeitverbrauch für die letzten fünf Züge 90 Minuten betrug. Die Zeit sollte sich als entscheidender Faktor erweisen, denn nachdem Giri den Angriff überstanden hatte, hätte er auf Gewinn spielen können, entschied sich stattdessen aber für eine Zugwiederholung:

Eine Stunde weniger auf der Uhr und eine bedrohliche Königsstellung |Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Ich hätte dieselben Züge schneller machen sollen, denn am Ende hatte ich meine Chance.

In der letzten Partie des Tages brachte Fabiano Caruana ein wenig überzeugendes Bauernopfer gegen Vishy Anand. Falls es noch einen Zweifel daran gab, dass Vishy Anand seinen verpassten Chancen in St. Louis nachtrauert, wurden diese im Gespräch mit Maurice Ashley ausgeräumt:

Macht mir nichts aus! Seit gestern spiel ich einfach nur noch und warte, was passiert.

Vishy ärgert sich, führt aber immer noch das Feld an! | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Auch mit der Partie in der 8. Runde war er unzufrieden, und vor allem mit dem 23.Zug:


Beide Spieler hatten das Gefühl, dass Schwarz hier mit 23…c5 das Remis forcieren konnte, während der Computer sogar schwarzen Vorteil anzeigt. Caruana meinte, Vishy habe mit 23…c6 “ambitionierter gespielt”, während Anand von “einer schlechten Ambition” sprach, da er einfach etwas übersehen hatte, und zusammenfasste, “Ich habe grausam gespielt”. Das war etwas selbstkritisch in dieser Partie mit wechselndem Schlachtenglück. Mehr dazu liefert Caruanas Analyse nach der Partie:

Und hier der Zwischenstand nach acht Runden:


Ab 20 Uhr könnt ihr wieder dabeisein, wenn das Geschehen in St.Louis live auf chess24 übertragen wird!

Weitere Links:


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