Berichte 25.08.2019 | 18:22von GM

Sinquefield Cup 7: Totes Rennen an der Spitze

Fabiano Caruana, Ding Liren und Vishy Anand führen weiterhin beim Sinquefield Cup 2019, nachdem zum vierten Mal in Runde 7 alle Partien mit einem Unentschieden endeten. Wieder einmal entglitt dabei Vishy Anand eine Gewinnstellung. Dieses Mal konnte er Ding Liren nicht schlagen. Hikaru Nakamura elaborierte, dass in seinen Augen die Spieler der heutigen Generation taktisch schwächer sind als die Spieler der Vergangenheit und fügte noch hinzu, "wenn Magnus keine Partien gewinnt, ist das kein gutes Zeichen." GM Denes Boros berichtet aus St. Louis.

Caruana und Nakamura schauen sich das Aufeinandertreffen der Führenden Ding und Anand an | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Alle Partien des Turniers kannst du hier nachspielen:

Den Live-Kommentar aus Runde 7 kannst du dir hier noch einmal ansehen:

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Für Vishy Anand schien alles gut zu laufen: Er überspielte Ding Liren in einem komplizierten geschlossenen Katalanen. Doch dann verteidigte sich der chinesische Super-Großmeister hartnäckigst. In Kombination mit etwas unsicherem Spiel von Seiten Anands war das dann ausreichend für Ding, um die Partie zu retten.

Selbst Fotografen müssen manchmal kreativ werden, um an die Action zu gelangen! | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Anand hätte die Partie früh mit dem starken 21…Nc4! beenden können:


Nach 22.Lc3 Sg4! ist der schwarze Angriff unwiderstehlich und Weiß kann den Nachziehenden nicht davon abhalten, den Turm via c6 nach h6 in den Angriff zu überführen. Stattdessen spielte Anand 21...Txc1. Doch das war bei weitem nicht die einzige Chance in der Partie. Ein wunderschöner Sieg war beispielsweise nach 26.gxh4 möglich:


Hier ist der Trick nun 26...Se4!! 27.fxe4 (ansonsten geht der Springer nach d2) 27...Txe4, wonach der weiße König in höchsten Nöten schwebt. Vishy spielte stattdessen 26...Dc6, was objektiv gesehen den gewinnbringenden Vorteil noch festhält, aber ein Zeichen dafür war, dass er den Knockout nicht finden konnte. Hikaru Nakamura beurteilte diesen Moment später wie folgt:

Ich glaube das liegt an der Natur der Schachentwicklung. Das Spiel ist viel positioneller geworden, weshalb wir heute taktisch schwächer sind als wir einmal waren. Das ist glaube ich wirklich wahr, denn so, wie sich die Partien entwickeln, wenn wir zum Beispiel an Vishy Anand denken... Ich denke, jeder Top-Spieler der 90er hätte von Anand erwartet, ...Se4 innerhalb von 2 Minuten oder so zu spielen. Vishy war früher so unsagbar schnell und ein taktisches Monster.

Es ging dabei nicht nur um Vishy, sondern um Schach im Allgemeinen. Nakamura denkt, dass die Computer und ihre Fähigkeit, nahezu jede Stellung zusammenzuhalten, hier ihren Einfluss hinterlassen haben.

Hikaru Nakamura war einer der wenigen Großmeister, die der Meinung sind, dass Spieler vergangener Generationen in einem bestimmten Aspekt des Spiels besser waren als die Spieler der heutigen Generation | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Er fügte dem hinzu:

Zum Beispiel denke ich, wenn man in der Zeit zurückreisen könnte und wenn Garry taktische Stellungen bekommen könnte, wie er es in den 80er und 90er Jahren getan hat, denke ich, dass er heute wahrscheinlich der beste Spieler der Welt sein würde, aber noch einmal, diese Positionen zu bekommen - man bekommt sie nicht so oft, also ist man viel mehr daran gewöhnt, positionell zu spielen, und deshalb denke ich, dass wir Defizite im taktischen Bereich haben.

Vishy sollte später eine weitere, aber kniffligere Chance zum Sieg im Endspiel verpassen. Insgesamt jedoch muss das ein herber Rückschlag für Anand gewesen sein. Er konnte die alleinige Führung mit einem Sieg übernehmen, genau so, wie er es in den vorherigen Runden bei seinen Fast-Siegen über So und Giri hätte tun können.

Fabiano Caruana war gegen Anish Giri die ganze Zeit unter leichtem Druck, aber nach 34...Tf4 war es klar, dass die Partie nach einigen weiteren Vereinfachungen mit der Punkteteilung enden müsste. Anish startete anschließend einen temperamentvollen Angriff auf die Idee, dass es wichtig ist, ob eine hart umkämpfte Partie mit einem Unentschieden oder einem Sieg endet:

Grand Chess Tour: Bist du mit Anish einer Meinung?

Und Anish ließ Maurice die Diskussion nicht mit Essens-Metaphern gewinnen!

Anish Giri: Es macht immer Spaß, mit Maurice Ashley zu reden! Es scheint mir so, als ob die Kommentatoren hungrig werden, wenn die Partien in die fünfte Stunde gehen...

An einem anderen Brett versuchte Magnus Carlsen den Zauber Ian Nepomniachtchis zu brechen, doch obwohl er eine "scharfe, forcierte Variante" mit Weiß gegen Grünfeldindisch spielte, endete die Partie nach einer Serie von Abtauschaktionen remis.


14.Lxf3 und 15.e5 war eine neue Idee von Magnus, aber nach 15…Sc4! 16.Db4 Tc8 17.Lh6 Lxa1 18.Txd8 Tfxd8 19.e6 Se5 konnte Schwarz die Stellung mit zwei Türmen gegen die Dame problemlos halten.

Nakamura meinte zum siebten Remis des Weltmeisters:

Wenn Magnus keine Partien gewinnt, ist das kein gutes Zeichen, weil nicht viele Spieler hier gutes Schach gezeigt haben. Doch Magnus ist seit dem WM-Kampf sehr, sehr beständig. Er gewinnt Partien wie früher. Aber wenn selbst er keine Partien gewinnt, ist das kein gutes Zeichen.

Immer noch nicht der erste Sieg für Magnus beim Sinquefield Cup 2019 | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Das erinnerte ein wenig an das, was Alexander Grischuk bereits vor acht Jahren in einem Interview mit Vlad Tkachiev sagte, als fast alle klassischen Partien beim Kandidatenturnier 2011 keinen Sieger fanden:

Grischuk: Stell dir vor, beim Fußball wäre das Tor nur halb so weit weg. Wie würde die meisten Matches ausgehen?

Tkachiev: 0-0

GrischukOK. Aber dann stell dir vor, ein anderer Spieler kommt vorbei, der eine Mischung aus Messi, Bolt und Schwarzenegger repräsentiert, und dann fängt er an, regelmäßig die Hälfte der gegnerischen Mannschaft wie Kegel zu umlaufen, und dann der Torwart, und whack! Ein Tor! Sein Team würde natürlich anfangen, kontinuierlich zu gewinnen. Großartig! Aber bedeutet das trotzdem, dass die Tore so klein sein sollten? Und jetzt haben wir Carlsen. Obwohl er oft schlechte Stellungen mit beiden Farben hat, schafft er es trotzdem, großartige Ergebnisse zu erzielen. Aber das bedeutet nicht, dass nichts geändert werden muss - reduziert die Bedenkzeit und vergrößert damit die Tore!

Aber ist die Situation so dramatisch oder ist es nur ein klassisches Turnier mit ungewöhlich hoher Remisquote? Magnus fühlt jedenfalls die Notwendigkeit, wieder Partien zu gewinnen!

Olimpiu G. Urcan: Ein Gefühl der dringenden Notwendigkeit

Auch meinte er noch:

Ich habe morgen Weiß gegen Ding, das ist eine Chance. Ich habe immer noch das Gefühl, dass ich eine Chance habe. Wenn ich in Gang komme, habe ich eine Chance auf den Sieg. Aber derzeit habe ich das sicher noch nicht geschafft.

In Runde 7 gab es zumeist ruhige Manöverpartien ohne größere Erfolge, wie beispielsweise in MVL-Mamedyarov, Aronian-Nakamura und So-Karjakin. Diese Partien endeten jeweils nach 33, 40 und 42 Zügen mit Remisen. 

MVL konnte in diesem Turnier noch nicht zuschlagen. Doch haben buchstäblich noch alle Spieler im Turnier Siegchancen! | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Vier Runden vor Schluss sieht die Tabelle so aus:


Die wichtigen Matches in Runde 8 sind sicherlich Carlsen-Ding Liren und Caruana-Anand. Wird es eine Runde mit entschiedenen Partien? Verfolgt dazu unseren Live-Kommentar auf chess24 ab 20 Uhr MEZ!

Weitere Links:


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