Berichte 24.08.2019 | 19:39von Colin McGourty

Sinquefield Cup 6: Vishy lässt Giri entwischen

Vishy Anand hatte eine große Chance, die Führung beim Sinquefield Cup 2019 zu übernehmen. Denn Anish Giri gab zu, in ihrer Partie in der 6. Runde "völlig auf Verlust" gestanden zu haben. Stattdessen endeten alle Partien friedlich, wenn auch nicht ohne Kampf. Insbesondere Caruana-MVL war ein superscharfer Najdorf, in dem Schwarz ausgangs der Eröffnung zwei Qualitäten ins Geschäft steckte. Hikaru Nakamura frustrierte Magnus Carlsen, da dieser nun sein sechstes Remis in Folge hinnehmen musste.

Anish Giri entkommt gegen Vishy Anand mit einem Remis| Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Alle Partien des Sinquefield Cups 2019 kannst du hier nachspielen:

Und hier kannst du dir den Live-Kommentar von Jan Gustafsson und Steve Berger anhören. Erwähnenswert: Kein Geringerer als der 8-fache Russische Meister Peter Svidler schaltet sich auf Englisch für 50 Minuten mit in die Kommentierung ein (nach ca. 40 Minuten):

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Man könnte denken, dass beim einzigen Ruhetag eines 11-rundigen Turniers die Spieler auch wirklich ruhen würden. Doch stattdessen wurden manche ziemlich aktiv. Der Weltmeister Magnus Carlsen zum Beispiel spielte den ersten Pitch der St. Louis Cardinals in der amerikanischen Baseball-Liga - und sogleich gewann das Team gegen die Colorado Rockies:

Olimpiu G. Urcan: Magnus Carlsen, amtierender Schachweltmeister, wirft den traditionellen ersten Pitch im Spiel zwischen den St. Louis Cardinals und den Colorado Rockies.

Auf dem Foto sieht es gut aus, aber Magnus war mit dem Wurf nicht zufrieden:

Um ehrlich zu sein, war mir mein Pitch ein wenig peinlich. Ich wurde gerade nervös, als ich da draußen ankam, was dumm ist.... aber alles war plötzlich ungewohnt, die Home Plate schien weit weg zu sein. Ich hatte letzte Woche geübt und es lief so gut, und als ich dann da oben war, konnte ich einfach nicht mit dem Rampenlicht umgehen!

Grand Chess Tour: Magnus spricht darüber, den ersten Pitch am Vortrag zu werfen und wie nervös er sich gefühlt hat!

Auch mit dem Rossolimo-Sizilianer in seiner Partie gegen Hikaru Nakamura war er nicht sonderlich zufrieden. Nach dem Schlagen auf c6 entschied sich Hikaru für das eher abenteuerliche 11.b4!?, das auch Fabiano Caruana in der fünften Partie des WM-Kampfs gespielt hatte.

Wieder einer dieser Handschläge ohne Augenkontakt | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Mit 11.b4!? zerstört Weiß die schwarze Bauernstruktur und gibt Weiß einen langfristigen Zugriff auf die weißen Felder. Die Spieler wiederholten dann mit Zug 30 die Züge:


Magnus fasste die Partie so zusammen:

Ich erinnere mich, dass ich mir vor und während der Weltmeisterschaft Sorgen um diese konkrete Variante gemacht habe, weil der Computer sie nicht wirklich für Weiß empfiehlt und er denkt, dass sie einfach ausgeglichen ist, aber ich war irgendwie besorgt, dass ich einfach völlig festgefahren bin und Weiß sich langsam verbessern kann. Aber es scheint, dass Schwarz einfach zu solide ist - es gibt absolut nichts Positives über meine Position zu sagen, aber er kann einfach nicht zu meinen Schwächen vordringen. Er hat diese schöne Blockade, aber es gibt nicht viel zu tun. Es ist nicht die Art von Stellung, von der man träumt, sie ausgangs der Eröffnung zu bekommen, offensichtlich, da es so wenig Gegenspiel gibt, aber ich spiele dieses Repertoire schon seit einer Weile, also wenn ich etwas anderes will, muss ich mir wohl etwas anderes suchen.

Der nächste sehr aktive Spieler am Ruhetag war Anish Giri, der vielleicht mehr bekommen hat, als er erwartet hat, als er ein Foto von seiner Reise in den Zoo von St. Louis auf Instagram teilte!

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FYI

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Dann erinnerte sich Giri überraschenderweise an ein Zitat von Levon Aronians Frau Ariannae Coili "This is what balls look like. Big balls" in Bezug auf Aronians Sieg im Armageddon gegen MVL im 2017er World Cup. Von da an würde es verrückt...

Anish Giri: Schaut euch mein Instagram-Bild an um herauszufinden, warum Levon Aronian kein Tischtennis mag, sondern eher auf Basketball steht.

Levon Aronian: Nimm es dir nicht so zu Herzen, mein Freund.

Mit Giris Bällen gab es hingegen keine Probleme, wenn man sich seine Eröffnungswahl gegen Vishy Anand anschaut. Aber mit dem, was er im Anschluss tat, war er ganz und gar nicht zufrieden:

Ich war einfach selbst dran Schuld. Ich habe etwas Schreckliches in der Eröffnung getan. Ich spielte Sizilianisch, was gut ist, aber dann wechselte ich zu Französisch ist, was eine Katastrophe ist. Man sollte niemals Französisch spielen!

Das eigentlich Problem kam, als Vishy das schwarze Gegenspiel am Damenflügel radikal mit 11.b4 stoppte:


Giri dachte hier für 38 Minuten nach und erklärte, dass seine erste Intuition war, 11…a5!? 12.Tb1 axb4 13.axb4 d5 zu spielen, auch wenn ihm klar war, dass nach 14.e5 Se8 15.Sxb5 Sxb4!? 16.Lxh7+ Kxh7 17.Txb4 kommt und Weiß die Figur auf b4 mit einer Gabel am Ende einer spektakulären Variante zurückgewinnt:

Jaideep Unudurti: Das hätte passieren können.

Giri gab zu, "als ich das bemerkte, hätte ich meine lächerliche Idee von ...a5 einfach aufgeben sollen, aber ich beschloss, an ihr festzuhalten, und ich versuchte, sie zum Laufen zu bringen, und ich entwickelte diese 15...Ba6!??-Idee". Bald wurde die Stellung kritisch und als 18.f5! auf dem Brett auftauchte, war Giri klar, dass er in großen Schwierigkeiten steckte:


Zuerst dachte ich, dass ich schlechter stehe, und dann dämmerte es mir plötzlich, dass ich einfach total auf Verlust stehe und zwar nicht nur wegen einer einzigen Sache, sondern ganz allgemein - meine Stellung ist einfach platt.

Giris Gebete sollten erhört werden | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Bald jedoch wurde ihm ein Rettungsseil zugeworfen, da Vishy einen direkten Angriff auf den schwarzen König ausschlug, um einen Bauern zu gewinnen. Anish kommentierte:

Wenn er einfach weiter angreift, werde ich irgendwann verlieren, denn es gibt keinen Zug für mich - ich werde mehr als einen Bauern spucken müssen. Als er sich für einen Bauern entschied, war ich wirklich glücklich, denn zumindest habe ich jetzt Chancen. Es ist viel schlimmer, unkoordiniert zu sein und gleiche Bauern zu haben, als einfach nur einen Bauern weniger zu haben.

Der Endspiel war dennoch kein Zuckerschlecken:


30.Tc1! sieht hier stark aus, weil man 30...f6 mit dem Verdoppeln der Türme auf der siebten Reihe beantworten kann. Stattdessen ging es in der Partie weiter mit 30.g3!? Tf5! 31.Kg2 f6! Giri schaffte es dann erfolgreich, die weißen Bauern zu zersplittern. Auch wenn 36.Tb8+! wie ein forcierter Gewinn für Weiß aussieht, lief Vishy hier so langsam die Zeit davon und die Partie versandete zum Remis.

Jan Gustafsson gab während der Live-Show preis, dass er mit Giri über Vishys jüngste Form gesprochen hat:

Etwas hat sich bei Vishy verändert. Er ist nicht mehr so super-solide und er wird langsam wieder zum Vishy vergangener Tage.

Der fünffache Weltmeister hätte beim Sinquefield Cup 2019 bereits dem Feld mit +3 enteilen können, aber er verpasste klare Gewinnchancen gegen Wesley So und Anish Giri. Sein Frust war offensichtlich, wenn man sich anschaut, was er Maurice Ashley in den Interviews nach den Partien sagte. Giri hingegen hatte das Gefühl, dass sein Spiel bisher "ganz gut" gewesen wäre:

Ich verlor eine Partie, aber dort zauberte Ding ein Meisterwerk aufs Brett, er spielte sehr, sehr gut. Ich glaube, er war mit der Stelllung vertraut, weil er innerhalb von wenigen Minuten seine Züge spielte. Er manövrierte seine Figuren so schnell und kraftvoll, und ich glaube nicht, dass es so offensichtlich ist, wohin die Figuren gehören, zumindest für mich.

Svidler gab ebenfalls seinen Kommentar zur Partie Ding Liren 1-0 Giri aus Runde 5:

Die Partie gestern war extrem beeindruckend. Und andere sehr respektable Personen teilen diese Meinung.

In Runde 6 war Ian Nepomniachtchi bereit, Ding Liren im Ruhigen Italiener herauszufrodern, einer der Lieblingsvarianten des Chinesen, mit der er unter anderem Etienne Bacrot bei der Mannschafts-WM 2018 geschlagen hatte. Aber Ding war super vorbereitet, brachte eine neue, scharfe Idee und glich damit ohne Probleme aus.

Ding Lirens Haarschnitt ist das Gegenteil zu Carlsens | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Zwei Partien wetteiferten am Freitag darum, als Erste zu Ende zu gehen, wobei in Karjakin-Aronian frühe Abtauschaktionen zur schnellen Punkteteilung führten. Das Remis wurde aber erst nach 38 Zügen amtlich, während Shakhriyar Mamedyarov zugab, "ich will mich nur entspannen", als er ein Unentschieden nach 14 Zügen gegen Wesley So zuließ. Er erklärte, dass er am Ruhetag schlecht geschlafen habe.

Levon Aronian - nicht nur scharf, was soziale Medien angeht | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

In der verbliebenen Partie Caruana-MVL gaben sich die derzeit bekanntesten Theoretiker scharfer Eröffnungsvarianten die Klinke in die Hand und kämpften auf dem Territorium der Najdorf-Variante. Man sieht es nicht häufig, dass Schwarz zwei Qualitäten ins Geschäft steckt!


12…Txc3!, und dann…


19…Txg5!?

Fabiano Caruana bleibt einer der Führenden | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Zur stumpfen Wahrheit gehört aber auch, dass bis 20.Lxg5 Dxg5 21.c4 die Spieler ihrer Eröffnungsvorbereitung folgten und die Züge aufs Brett blitzten:


Svidler kommentierte:

Es gibt diese Art von Bienenstock-Mentalität in diesen Tagen, wenn Top-Spieler, die mit den gleichen oder sehr ähnlichen Engines bewaffnet sind, aktuelle Varianten betrachten. Dann werden sie am Ende zu sehr, sehr ähnlichen oder genau den gleichen Antworten kommen. Es gibt keine Möglichkeit, dass beide 20 Züge in dieser Position ausblitzen, ohne dass beide wissen, was hier los ist. Aber dann muss man vermuten, dass sie über die Bewertung der Endstellung irgendwie nicht einer Meinung waren, weil sie beide anscheinend glücklich damit sind, die jeweils eigene Seite zu spielen.

Hier wurde alles ein wenig seltsam. Maxime dachte hier 33 Minuten lang nach und Fabiano erzählte Maurice danach, dass es wohl so sein muss, dass sein Gegner nach dem Abtausch auf g5 in seiner Vorbereitung einfach aufgehört hatte zu analysieren, da es für Schwarz so gut aussah. Er erklärte auch, dass c4 "überraschend knifflig" sei:

Die Idee von c4 ist, Tb4 zu spielen und ...b5 zu verhindern. Und wenn er nicht schnell Gegenspiel gegen meinen König generiert, werde ich einen Angriff starten.

Als Maxime jedoch an der Reihe war, interviewt zu werden, sagte er, er hätte die Position auf dem Brett 30 Minuten vor der Partie gehabt, aber: "Es gibt einfach zu viele Varianten und während der Partie dachte ich, ich könnte mir genauso gut etwas Zeit nehmen, um herauszufinden, was los ist". In einer Weise, die eine Interpretation herausforderte, die Peter Svidler während der Live-Show zum Besten gab:

Was denkst du, was in letzter Zeit mit MVL passiert, weil es sich wirklich so anfühlt, als wäre er nicht gerade er selbst. Und eine Sache, die mir irgendwie aufgefallen ist und ich bin ziemlich zuversichtlich, was das angeht, ist, dass er Probleme damit habe, aus dem Blitz-Modus zu kommen, selbst wenn klassisches Schach gespielt wird. Das war schon beim Schnellschach auffällig. Es scheint, dass es für ihn wirklich harte Arbeit ist, sich zum Nachdenken zu zwingen, und das führt häufiger zu Fehlern, weil er gegen die besten Spieler der Welt spielt und die Leute dich bestrafen werden, weil du dir nicht wirklich die Zeit nimmst, wichtige Entscheidungen zu treffen. Es fühlt sich an, als ob ihm sein Gefühl dafür abhanden gekommen ist.

Jan antwortete dazu: "Ich habe eine Antwort, aber sie ist nicht sehr sexy - ich glaube, er hat 2019 einfach zu viel gespielt." Jan fügte hinzu, dass Maximes enges Repertoire es eigentlich erfordert, mehr Zeit als andere Spieler zu investieren, um es aktuell zu halten und kleine Dinge hier und dort zu reparieren.

Maxime Vachier-Lagrave spielt sich am Ohr | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

So oder so, die nächsten Züge 21…Dh4!? 22.De1 Dxe1 23.Txe1 Lh6 wurden in rasanter Geschwindigkeit gespielt, wobei Fabi meinte, glücklich zu sein, als er 24.Td1! spielte (er hätte das Gefühl, dass wenn er 24.Te2 hätte spielen müssen, dass ihn die schwarzen Bauern überrennen):


Maxime gab zu, dass er übersehen hatte, dass 24...e3 nun an 25.Txd6! scheitert, während Fabiano in der Partie nach 24...Kd7 25.c5 d5 sich sicher war, dass nur er gewinnen konnte. Wie so oft in solchen Fällen endete die Partie als von beiden Seiten gut gespieltes Unentschieden, obwohl Caruana verärgert reagierte, als Maurice meinte, es sei "ausgeglichen" gewesen:

Es war ganz und gar nicht ausgeglichen! Weiß steht kurz davor, zu gewinnen, aber es reicht halt nicht ganz. Schwarz bewegt sich auf dünnem Eis. Entweder gewinnt Weiß oder die Partie endet Remis.

Mit dem Ergebnis bleibt Caruana weiterhin in der geteilten Führung, während MVL nach sechs Remis bei 50% verbleibt:


In Runde 7 hat Varuana Schwarz gegen Giri, während Ding Liren Weiß gegen den Co-Führenden Vishy Anand hat. MAgnus hat ebenfalls Weiß und zwar gegen Nepomniachtchi. Danach hat er noch einmal Weiß gegen Ding Liren in Runde 8. Dazu meinte er:

Ich habe jetzt noch zwei Weißpartien in Folge. Das ist also jetzt meine Chance. Noch kann alles passieren.

Die Haare haben nicht mehr so viel Potential zu wachsen | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Wird er seinen ersten Sieg holen können? Ab Samstag 20 Uhr MEZ gehts weiter - finde es selbst heraus!

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