Berichte 22.08.2019 | 17:18von Colin McGourty

Sinquefield Cup 5: Ding und Nepo gewinnen

Die Nummer 3 der Welt Ding Liren erzielte einen beeindruckenden positionellen Sieg gegen Anish Giri und schließt damit vor dem Ruhetag zu den Führenden Fabiano Caruana und Vishy Anand im Sinquefield Cup auf. Zum ersten Mal in dieser Auflage gab es zwei Sieger, denn Ian Nepomniachtchi gewann mit einem "billigen Trick" gegen Hikaru Nakamura einen Bauern und nach vielen Abenteuern machte er aus ihm einen vollen Punkt. Das brachte Nepo wieder auf 50%, wo auch Magnus Carlsen nach fünf Unentschieden, zuletzt gegen Sergey Karjakin, verweilen muss.

Dieses Mal saß Nepo auf der richtigen Seite bei der längsten Partie des Tages | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Alle Partien des Turniers kannst du hier nachspielen:

Und hier findest du den Live-Kommentar zu Runde 5:

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Ding Liren schließt zu Caruana und Anand auf

Vishy Anand war zuerst bei +1, nun ist es auch Ding | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Die Nr. 3 der Welt Ding Liren hat nun mittlerweile 30 Elo mehr auf dem Konto als die Nr. 4, Maxime Vachier-Lagrave. Und so wie er am Mittwoch gegen Anish Giri gewann, spricht das auch für ihn. Genauso, wie Fabiano Caruana ein gutes Stück hinter Magnus Carlsen, aber vor dem Rest des Verfolgerfeldes liegt. Nach 24 Zügen schien Giri keine Probleme mit Schwarz zu haben. Weiß hatte zwar hübsch auf der d-Linie verdoppelt und hatte die besseren Leichtfiguren, aber dafür waren die weißen Bauern auch zersplittert und Schwarz nahm den c3-Bauern ins Visier:


Hier fand Ding das starke 25.Lb5!, welches nicht nur eine taktische Pointe hat (25…Txc3 26.Ld7! und die schwarze Stellung fällt auseinander), sondern auch der Beginn einer Umgruppierung war. Nach 25…g6 (was den f5-Bauern deckt) kam 26.Se2! (deckt c3) 26…Df6 27.La4! De5 28.Lb3! und Giri hatte nichts besseres, als die weiße Struktur zu reparieren: 28…Sxb3 29.axb3

Nach einigen kleinen Ungenauigkeiten fand sich Anish Giri in einer hoffnungslosen Stellung gegen Ding wieder | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Einige Züge später war es an der Zeit, sich einen Freibauern zu schaffen 33.c5!


Wieder ist der c-Bauer durch Taktik gedeckt, denn 33...Txc5 scheitert an 34.Sb6! und die Gabel auf d7 entscheidet. Der c-Bauer fiel zwar später, doch selbst mit einem Mehrbauern stand Giri total auf Verlust:


43.g3! legt den Finger in die Wunde: Schwarz ist total paralysiert und der gefesselte Turm auf c4 ist nur schwer als wirkliche Figur zu bezeichnen. Die Partie endete nach 43…Tc8 44.T1d6 Kf8 45.Txg6 b4 46.Txh6 f4 und obwohl  47.Dd2 Matt in 10 Zügen gewesen wäre, gibt es auch nichts gegen das Schlagen des Bauern f4 einzuwenden, wie Seirawan es früher getan hätte 47.gxf4! Anish hatte genug gesehen und gab auf:

Nepos billige Tricks

Ein langer, harter Tag für den US-Meister | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Ian Nepomniachtchi machte in der ersten Runde gegen Vishy Anand einen groben Patzer und war nah dran, das Turnier bereits abzuschreiben:

Es fühlt sich gut an, denn eigentlich denke ich, dass ich dieses Turnier nach dem Start ein wenig aufgegeben habe. Es lief ziemlich dumm in Runde 1 und ich verpasste einen Sieg in runde 2, wie sich später herausstellte [vs. Caruana], dann gewann ich eindeutig in Runde 3, aber ich habe es einfach schlecht zu Ende gespielt und anstelle eines Gewinns war es ein simples Remis für Shakhriyar. Das war zu viel - man kann 2/3 erreichen, sagen wir 2,5, wenn man Glück hat, aber man bekommt 1/3. Das war wirklich schmerzhaft, also interessierte ich mich nicht wirklich für die heutige Partie, also wollte ich einfach nach der Eröffnung etwas Druck ausüben und war sehr nervös, als ich diesen billigen Trick fand.


Man braucht schon Selbstvertrauen um zu glauben, dass sich Hikaru Nakamura mit dem Springerzug nach b4 verkalkuliert haben könnte. Aber das hatte er. 15.Lxh7+! schreit danach, gespielt zu werden, doch nach 15…Kh8 würde auf 16.Db1 der Zug 16...g6 Material für Schwarz gewinnen. Natürlich hatte Nepo etwas anderes im Sinn, wobei es auch nach 16.Dc7! Dxc7 17.Txc7 Ld8 auf den ersten Blick so aussieht, als ob sich Weiß übernommen hätte:


Doch erst hier wird Nepos billiger Trick offenbart - die ungewöhnliche Taktik 18.Ld6!, was den f8-Turm und den b4-Springer angreift, hält am gewonnenen Material fest. Hikaru hatte das offensichtlich übersehen, als er 39 Minuten für das Wiedernehmen der Dame auf c7 investierte. Aber es gibt nichts Besseres und Nepo hatte einen gesunden Mehrbauern.

Von dort an war der russische Großmeister mit seinem Spiel nicht sonderlich zufrieden. Er übersah zwar den taktischen Schlag 23...Sxa2, doch auch das änderte die Stellungseinschätzung nicht dramatisch. Trotz vieler Aufs und Abs hatte Nepo bis zum Endspiel einen gesunden Mehrbauern und erst mit 57...b4 scheint Nakamura endgültig auf Abwege gekommen zu sein:


Doch hier gab es schon keine leichten Entscheidungen mehr, wie Ian ausführte:

Natürlich führt ...b4 zu einer verlorenen Stellung, aber ab einem gewissen Zeitpunkt ist es einfach sehr unangenehm. Früher oder später werde ich auf f5 tauschen und Kd4-c5 spielen, wonach er sowieso ...b4 spielen muss.

Als der b-Bauer fiel, gab sich Nakamura geschlagen.

Grand Chess Tour: Hikaru Nakamura schaut ziemilch bedient aus, als er gegen Nepo aufgibt.

Nach der Partie erinnerte Nepo daran, dass er Nakamura schon einmal auf ähnliche Art und Weise beim Schnellschach in Paris schlagen konnte. Den Vergleich zog auch der französische Großmeister Romain Edouard:

Four draws

Die übrigen Partien endeten allesamt unentschieden. Aronian-Mamedyarov war eine langweilige Russische Verteidigung, die nie wirklich aus dem Quark kam.

Selbst wenn er nicht in Topform ist, steht Magnus im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Carlsen-Karjakin wurde auch nie richtig spannend, wozu Sergey meinte: “Endlich konnte ich ein wenig meiner Vorbereitung für New York zeigen!” 14…Te8 sorgte dafür, dass der Weltmeister für 30 Minuten ins Nachdenken verfiel.


Magnus gab später zu:

Nach ...Te8 ging es für mich nicht wirklich weiter, denn er versucht, meinen Plan e3-e4-e5 zu spielen, zu verhindern. Ich dachte lange nach, konnte mich aber nicht entscheiden. Daher entschied ich mich für das Endspiel [15.Sd2 Db7 16.Df3 Dxf3 17.gxf3], das ein wenig besser fühl mich sein sollte in meinen Augen, aber er konnte den Druck leicht neutralisieren. Von daher hätte ich sicherlich was anderes probieren sollen, so war es zu einfach für ihn.

Zumindest endete die Partie in einem hübschen Patt:

chess24: Eine schöne Schlusstellung in Carlsen-Karjakin!

Magnus versuchte, es zu positiv zu sehen:

Es ist offensichtlich, dass ich ein wenig zu kämpfen habe, würde ich sagen. Ich komme bis jetzt nicht wirklich zu Potte. Gestern hatte ich eine kleine Chance [gegen Mamedyarov] und ich habe sie vergeigt. Die gute Nachricht für mich ist, dass ich nach dem Ruhetag in Zagreb ziemlich gut gespielt habe. Vielleicht kann ich hier einfach das Gleiche tun. Ein halber Punkt ist keine unüberwindliche Führung, aber im Moment ist es ein großer K(r)ampf.

Vishy ist nun seit 39 Partien im Sinquefield Cup ungeschlagen | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Ein Spieler, der derzeit gar nicht zu kämpfen hat, ist der 49 Jahre alte Vishy Anand, der es schaffte, mit einer Neuerung im Italiener bereits im achten Zug zu überraschen. Es folgte ein mutiges Bauernopfer und ein Königsangriff. "Der Eröffnung ging schief, das muss ich reparieren", meinte der Franzose im Anschluss. Er bereute es, dass er am Bauern kleben bleiben wollte, da er dann gezwungen war, einem Remis durch Zugwiederholung zuzustimmen:

chess24: Wenn du wirklich glücklich über ein schnelles Remis und den folgenden Ruhetag bist.

Vishy konnte zum Schluss nicht weiterspielen, er verwies dabei auf Folgendes:

Wenn man sich die Schlussstellung anschaut, ist es offensichtlich, dass Schwarz beste Voraussetzungen für einen Angriff hat. Nur machen leider König, Läufer und Ta8 einen schlechten Eindruck, weshalb ich das Remis nehmen muss.

Vishy wollte auch abseits des Brettes keine groben Fehler begehen:

Grand Chess Tour: Yasser fragt Vishy, ob er zur abendlichen Karaoke-Party geht. Einige Höhepunkte:
Vishy: Das wird immer auf Video aufgenommen... möglicherweise honorierst du es (,dass es nicht aufgenommen wird), aber Anish wird das nicht tun.
Maurice erinnert sich an ein Video von ihm, Alejandro und Yasser, wie alle drei rappen.

Die letzte Partie, So-Caruana, ist eine dieser verrückten modernen Theoriediskussionen, bei denen es schwer nachzuvollziehen ist, was eigentlich abgeht.

Magnus staunt über die Position und Wesleys Sitzhaltung | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Fabiano behauptete, seine Eröffnungsvorbereitung vergessen zu haben: "Ich glaube, ich habe etwas durcheinander gebracht, weil mir das, was passiert ist, nicht gefiel", während Wesley So die ersten 17 Züge blitzte und dann im 18.Zug  fast 40 Minuten nachdachte, obwohl sein vorheriger Zug der erste Vorschlag des Computers ist. Nach 18.Dg5!? f6 wurde es sofort spektakulär:


19.Sxf6+ Txf6 war das erste Opfer auf f6. Es ging weiter mit 20.Se4 Sd7 21.Taf1 Kh8 22.Sxf6 Sxf6 23.e4 Ld7 und nun war es an der Zeit für ein weiteres Opfer:


24.Txf6 gxf6 25.Txf6 und natürlich geben die Computer nach 25…De7 0.00 als Bewertung der Stellung aus. Dass die Spieler es überzeugend geschafft haben, diese Bewertung zu rechtfertigen, zeugt davon, wie gut beide in der Lage sind, zu rechnen, fasst Fabiano zusammen: "Wenn unsere Züge gut waren, dann bin ich mit der Partie sehr zufrieden!"

Remis? | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Damit haben wir die ungewöhnliche Situation, dass vor dem Ruhetag zweölf Spieler maximal einen Punkt Rückstand auf die Spitze haben. Doch noch führen Caruana, Ding und Anand!


Am Freitag gibt es den einzigen Ruhetag (Vishy: "Um ehrlich zu sein hätte ich nichts dagegen, wenn Rex per präsidialer Anordnung uns noch einen weiteren zugestehen würde!"). In Runde 6 gibt es dann die Wiederauflage des Klassikers Namakura-Carlsen. Schalte wieder ein und schau dir den Live-Kommentar ab 20 uhr MEZ auf chess24 an.

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