Berichte 21.08.2019 | 14:04von Colin McGourty

Sinquefield Cup 4: Caruana schließt zu Anand auf

Fabiano Caruana hat beim Sinquefield Cup zum Führenden Vishy Anand aufgeschlossen. Gegen Levon Aronian brachte der Amerikaner eine Variante aufs Brett, die er für den WM-Kampf gegen Carlsen vorbereitet hatte. Der Armenier verbrauchte viel Zeit und stellte schließlich in Zeitnot die Partie ein. Auch Anand stand gegen Wesley So auf Gewinn, doch konnte er sich nicht an die komplizierte Gewinnvariante erinnern, die er zu Hause auf dem Brett gehabt hatte. Auch Magnus Carlsen fehlte gegen Shakhriyar Mamedyarov nicht viel zum Sieg, doch am Ende mündete die Partie in ein Endspiel mit verschiedenfarbigen Läufern, das nicht zu gewinnen war.

Endlich wieder ein Sieger! | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Alle Partien des Sinquefield Cup 2019 könnt ihr hier nachspielen:

Und hier die Bilder von der gestrigen Live-Übertragung:

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Fabiano Caruana bricht den Bann

Levon Aronians Hemd reichte in Runde 4 nicht aus | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour 

Eine Zeit lang sah es so aus, als würde die Remisserie beim Sinquefield Cup auf 18 Partien anwachsen, aber dann stellte Levon Aronian in Zeitnot seine Partie gegen Fabiano Caruana ein. Caruana hatte 7.d4!? gespielt, einen, wie er meinte, “sehr seltenen Zug”. Der Zug d5 war schon eine Neuerung, und als der Bauer schließlich auf d6 landete, war klar, dass Aronian eine schwierige Denksportaufgabe zu lösen hatte:


Während der Armenier 17 Minuten lang ins Grübeln versank, suchte Anish Giri den Beichtstuhl auf und sagte als erstes: “Legen wir zunächst eine Schweigeminute für Levons Läufer auf c8 ein!” Fabiano Caruana erklärte hinterher, dass die Idee alles andere als tödlich war:

Es handelt sich um ein Relikt aus der WM-Vorbereitung – das war eine unserer Ideen. Sie bringt aus mehreren Gründen keinen Vorteil, ganz gleich, was Schwarz zieht, aber er hat es allein deshalb schwer, weil er so viele Möglichkeiten hat. Manchmal ist das gar nicht so toll! Manchmal ist es mit einem einzigen geradlinigen Weg zum Ausgleich leichter als mit vielen Optionen, und die Variante, für die er sich entschieden hat, hatte auch etwas Natürliches, da er die Stellung sofort vereinfacht. 

Aronian spielte 11…cxd6 12.Sc4 d5 13.Sd6 Tf8 14.Lg5 Se4 15.Sxe4 dxe4 16.Dxe4 f6 17.Le3 d5 18.Df3:


Der Läufer auf c8 lebt wieder, und Caruana bezeichnete die schwarze Stellung als „leicht schlechter“, aber „haltbar“. Das Problem war aber, dass Aronian nach überstandenen Problemen immer noch einen Plan entwickeln musste und für seine nächsten vier Züge fast eine Stunde investierte. Caruana konnte sich schließlich den isolierten Bauern d5 einverleiben, doch Aronian hatte die Stellung im Gegensatz zur Uhr zunächst im Griff. Bei jedem anderen Turnier außer der Grand Chess Tour hätte er das unangenehme Endspiel vermutlich gehalten, aber er hatte gleich zwei Probleme: Nach dem 40.Zug erhielt er keine frische Bedenkzeit und bei der GCT gibt es keine Zeitgutschrift, sondern nur die Verzögerung. Dadurch konnte Aronian keine zusätzliche Bedenkzeit ansammeln und blieb bis zum Ende in Zeitnot…

"Levon zieht mit einer Sekunde auf der Uhr."

…da er nie mehr als 30 Sekunden auf der Uhr hatte. Mit wenigen Sekunden auf der Uhr reagierte er dann auf 46.a4 nicht korrekt mit 46…bxa4!, sondern mit 46…Dc5??:


Der Turm auf e3 ist angegriffen, aber es folgte mit 47.Te8+! ein typischer Ablenkungszug aus dem Taktiklehrbuch. Zwar gewinnt der Zug in diesem Fall nicht die Dame, aber nach 47…Kh7 48.Txc8 Dxc8 konnte Caruana den b-Bauern schlagen und hatte zwei verbundene Freibauern, die nicht zu stoppen waren. Nur noch ein Dauerschach hätte Aronian retten können, doch wenige Züge später gab er auf.

Hier die entscheidenden Momente der Partie:

Caruana sprach über die Probleme, die mit der Verzögerung verbunden sind:

Irgendwann ist es schwer, konstant gute Züge zu machen, und man macht einen Fehler. Auch wenn er den Fehler nicht gemacht hätte, wäre die Partie noch nicht remis gewesen und er hätte noch leiden müssen. Die Remischancen wären bei normaler Bedenkzeit aber sehr groß gewesen… Wenn man nur noch Sekunden übrig hat, arbeitet das Gehirn auf leicht rätselhafte Weise und es befällt einen eine gewisse Unentschlossenheit. Natürlich ist es leicht, auf a4 zu schlagen, aber man fragt sich auch, was man als Nächstes ziehen soll, und vermutlich hat er nach Dxa4 keine klare Fortsetzung gesehen und wollte die Geschehnisse forcieren.

Mit diesem Sieg schloss Caruana zu Vishy Anand auf, der beim Sinquefield Cup einen guten Lauf hinlegt:


Mit den drei 3 Remis und dem Sieg gegen Nepomniachtchi im aktuellen Turnier ist der fünffache Weltmeister seit 38 Partien ungeschlagen, doch gestern hätte sogar der zweite Sieg dazukommen können. Wesley So räumte ein, “Mein Russisch war grausam”, doch wurde er auch mit einem erst einmal gespielten Zug (14.Tb1) konfrontiert, und einen Zug später war eine völlig neue Stellung auf dem Brett.

Wesley So entwischte Anand so gerade eben | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Wesley So spielte immer die Computerempfehlung, aber das weist nur darauf hin, dass die ganze Variante nichts taugt, denn nach 18.c4! steckte Schwarz bereits in großen Problemen:


Der Computer zeigt 18…Dxd4!? als einzigen Zug an, aber gegen einen Spieler, der wusste, was er tut (und Anand erwähnte, dass er sich darauf vorbereitet hatte), kann Schwarz bei bestem Verlauf nur auf ein Endspiel mit Minusbauer hoffen. Stattdessen spielte So 18…Da5?, wonach der Computer großen Vorteil für Weiß anzeigte. Anand wusste das, hatte aber “schon weitergeblättert”, da er die Lösung notfalls am Brett finden wollte.

Den richtigen nächsten Zug 19.Ld2! fand er, fragte sich aber hinterher, ob dies ein Fehler gewesen sein könnte. Nach 19…Sb4 folgte der kritische Moment der Partie:


Mit dieser Stellung quälten die amerikanischen Kommentatoren hinterher die Spieler. Schnell wurde klar, dass sie nur Db3, Df3 und Dh3 berücksichtigt und den Gewinnzug übersehen hatten. 20.Df1!!, mit der Hauptidee 20…Dxa2 21.Te1! Tf8 (21…Txe1 22.Dxe1 und die Mattdrohung auf e8 ist tödlich) 22.De2! und der weiße Angriff ist nicht mehr zu parieren. Dafür musste man aber noch einiges mehr sehen, etwa dass 20…h6 mit 21.c5! beantwortet wird und Weiß nach 21…bxc5 22.dxc5 Lxc5 23.Dc4+ Kh8 24.Df7 Tf8 25.Dg6! hxg5 auf Gewinn steht…


…weil 26.Lc3! folgt. Es war aber absolut nachvollziehbar, dass Anand stattdessen das natürliche 20.Df3 zog (es “sah so gut aus, dass ich es schnell spielte”) und dann aber enttäuscht war, dass er nach 20…h6 die Möglichkeit 21.a3! hxg5 gefolgt von dem Zwischenzug 22.Db3!! übersehen hatte. In der Partie landete Weiß nach 21.Lxb4 in einem Damenendspiel mit Mehrbauer, das aber mit Remis durch Dauerschach endete.

Ein frustrierender Tag für Magnus Carlsen | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Magnus Carlsen war der andere Spieler, der am Ende unzufrieden sein konnte. In einer Slawisch-Variante, die zu den Zeiten eines Anatoly Karpov in Mode war, schien Magnus klar in Vorteil zu kommen, bis er das unvorsichtige 22…Db6?! spielte:


Damit ließ er 23.Sa4! Da7 24.Sc5 zu, wonach die weißen Probleme gelöst zu sein schienen, doch wie so oft brachte gegen Magnus die kleinste Ungenauigkeit neue Schwierigkeiten. Schon bald sah es für Shakhriyar Mamedyarov übel aus, denn Sesse zeigte -2 an und Anish Giri verwies auf das Endspiel Ding Liren-Carlsen in Zagreb, wo der Weltmeister das Läuferpaar überzeugend zum Sieg geführt hatte.

Giri erklärte, dass die Frage nicht lautete, “wie Schwarz gewinnt?”, sondern “wie Weiß Remis hält?”, und dass es darauf keine klare Antwort gab. Schon mehrmals hatte der Aseri aber in diesem Jahr gegen Carlsen seine Zähigkeit demonstriert, und auch dieses Mal gelang es ihm, im Endspiel mit verschiedenfarbigen Läufern das Remis anzusteuern.

"Mamedyarov hält remis. Um die 2900er-Marke zu überschreiten, muss Carlsen nun schon einen "Caruana" hinlegen und seine letzten sieben Partien gewinnen!"  

Es bleibt frustrierend für den Weltmeister, der zwar seit 83 Turnierpartien ungeschlagen ist, aber schon 5,6 Elo-Punkte in St. Louis verloren hat.

Zwei ruhige Partien gab es in dieser Runde. Der langweilige Spanier zwischen Nakamura und Ding Liren war vermutlich Nakamuras Seeschlange am Vortag geschuldet, während das Remis bei Karjakin-Nepomniachtchi sicher niemand überraschte:

"Wird es heute einen Sieg geben?

Die Frage lautet wohl eher, welche Partie als erste remis endet. Ich vermute Karjakin-Nepomniachtchi." 

Und so kam es auch...

Bei Giri-MVL kam Grünfeld aufs Brett, und Anish Giri hatte zur Eröffnung nicht viel zu sagen, als er in den Beichtstuhl kam:

Maxime sieht selbstbewusst aus, aber er denkt nach, daher bin ich nicht unglücklich. Schauen wir, was passiert.

Später überraschte MVL seinen Gegner aber mit einem Zug, den man schon einmal übersehen kann:


26…Dc6!? Dieser kleine Grundreihentrick erzwingt den Damentausch, aber nachdem er den Schock überwunden hatte, wurde Giri klar, dass er den Mehrbauern nach 27.Dxc6 Lxc6 28.d6 behalten würde. Dann “verleitete” Giri den Franzosen dazu, seinen Bauern auf h4 zu schlagen, bereute aber sofort, dass dieser den Köder schluckte:


Giri war davon ausgegangen, dass er nun Te1-e7 spielen, den d-Bauern nach vorne schieben und die Partie gewinnen konnte, doch MVL hatte den h-Bauern geschlagen, weil er die Blockade nach 33.Te1 Td4! 34.Te7 Lf5! gefolgt von h5 gesehen hatte. Die Partie endete nach 45 Zügen mit Zugwiederholung.

Nach vier Runden hat Caruana damit zum Führenden Anand aufgeschlossen, wärehnd Aronian bei Nepomniachtchi im Tabellenkeller angekommen ist:


Giri wurde nach seiner Meinung zu den vielen Remis beim Sinquefield Cup gefragt, und nach einem eher scherzhaften Kommentar zum heißen Wetter sprach er einen weiteren Faktor an:

Ein Grund ist wohl, dass Magnus noch nicht angefangen hat zu gewinnen. Normal ist auf ihn Verlass und wenn einer schon davongezogen ist, will er ihn einholen. Ich gehe deshalb davon aus, dass Magnus heute gewinnt und alles seinen Gang nimmt.

Carlsen hat allerdings wieder nicht gewonnen, doch nachdem Caruana zu Anand aufgeschlossen hat, wird der Weltmeister erst recht endlich punkten wollen. In der 5. Runde hat er gegen Sergey Karjakin Weiß, was laut Tarjei eine gute Ausgangslage darstellt, da er gegen den Russen die letzten drei Weißpartien allesamt gewonnen hat:

Gelingt ihm der vierte Sieg in Folge (während Anand und Caruana vor schweren Aufgaben mit Schwarz gegen MVL und So stehen)? Ab 20 Uhr könnt ihr die Partien wieder live auf chess24 verfolgen. 

Weitere Links:


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