Berichte 19.08.2019 | 11:36von Colin McGourty

Sinquefield Cup 2: “Das tut weh!”

“Das tut weh!” meinte Ian Nepomniachtchi, nachdem er gegen Fabiano Caruana den siegreichen Schlag verpasst hatte, der allerdings viel schwerer zu sehen war als der am Vortag gegen Vishy Anand. Anish Giri hatte im Endspiel ebenfalls gute Chancen auf einen vollen Punkt gegen Levon Aronian, doch am Ende gingen alle Partien der 2.Runde des Sinquefield Cup remis aus. Damit liegt Vishy, der gegen Magnus Carlsens Überraschung in der Eröffnung gut gewappnet war, weiter in Führung.

"Das tut weh!" Ian Nepomniachtchi im Gespräch mit Maurice Ashley über seine beiden Überseher gegen Anand und Caruana | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Alle Partien des Sinquefield Cup 2019 könnt ihr hier nachspielen:

Und hier die Bilder vom deutschen Livestream:


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Alle Partien der 2.Runde des Sinquefield Cup endeten remis, aber nur bei Karjakin-Ding Liren gab es so gut wie keinen Kampf. Erst im 23.Zug in einem Marshall-Gambit wich Sergey Karjakin von dem Zug 23.Dxf5 ab, den Wesley So gegen Ding Liren beim Berliner Kandidatenturnier gespielt hatte, und zog 23.Ta5. Offenbar funktionierte der neue Zug gut, aber Karjakin entschied sich in einer Stellung, die von den Computern als günstig eingeschätzt wird, das Remis durch Zugwiederholung anzusteuern.

Magnus Carlsen hat Vishy Anand als Weißer in diesem Jahr ganz schön gequält, aber mit Schwarz musste er in der Eröffnung ganz schön hart arbeiten| Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Deutlich härter gekämpft wurde bei Anand-Carlsen, wo Magnus Carlsen in einem Rossolimo-Sizilianer mit 4…bxc6 vom Hauptzug 4…dxc6 abwich:


Vishy musste direkt einiges überlegen:

Heute Morgen habe ich zu meinem Sekundanten gesagt, dass wir alle Nebenvarianten im Rossolimo überprüfen müssen, und ich sagte, dass bxc6 kommen könnte, obwohl er das noch nie gespielt hat. Dann blieb ich bei anderen Dingen hängen und vergaß, mir die Varianten anzuschauen. Aus diesem Grund fühlte ich mich ein wenig unsicher. Er nimmt im Grunde meine Partien gegen Shakh in Norwegen und Boris in Amsterdam [und zudem eine Schnellpartie gegen Carlsens Sekundanten Dubov in Paris] aufs Korn, und da ich diese nicht noch einmal angeschaut hatte, lautete die Frage, ob ich etwas ausprobieren und seine Vorbereitung auf den Prüfstand stellen sollte. Recht bald fiel mir dann ein, dass es diese interessante Idee mit 5.d4 gab.

Vishy Anand weiß mehr als jeder andere, wie es ist, gegen Magnus anzutreten | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

5.d4 wurde etwa 20-mal seltener gespielt als das normale 5.0-0, auf das auch Vishy immer zurückgegriffen hatte, und schon bald war Magnus an der Reihe, in der Eröffnung kreativ zu werden. Der Weltmeister meinte hinterher, „dass man als Schwarzer oft Risiken eingehe, um positionellen Vorteil zu bekommen, aber damit verliere man Zeit“, und so begründete er auch die Züge 8…d6 und 9…f6:

Um das Läuferpaar zur Geltung zu bringen, braucht man in der Regel eine gewisse Zeit. Ich hatte das Gefühl, dass ich diese mit d6 und f6 investieren musste, um eine stabile Stellung zu bekommen. Und vielleicht bekäme ich sogar die Möglichkeit mich zu entwickeln und meine Läufer ins Spiel zu bekommen, was in der Partie dann ja auch mehr oder weniger passierte.


Man musste allerdings gar nicht auf das Ende der Partie warten, um Einblick in seine Gedanken zu bekommen, da er im Beichtstuhl eine ungewöhnliche Faustregel preisgab:

Eine gute Grundregel für die Eröffnung ist meines Erachtens, dass man ziemlich gut steht, wenn man noch einen Zug für die Rochade braucht. Braucht man noch drei Züge, steht man nie gut, und wenn es zwei sind, weiß man es nicht. Da ich noch zwei Züge bis zur Rochade brauche, schauen wir einfach mal, was passiert!

Magnus verriet später, dass er diese Idee kürzlich selbst entwickelt hatte. Er musste noch Sh6 und 0-0 spielen, doch das gelang ihm in den beiden nächsten Zügen, und als er dann auch noch den Durchbruch 16…e5! verwirklichen konnte, wusste er, dass er aus dem Gröbsten raus war:


Vishy meinte:

Irgendwie hatte ich e5 total vergessen, was letztlich meine Springer auf g3 und f3 kaltstellt. Danach kämpfe ich vermutlich nur noch um Ausgleich.

Magnus hatte denselben Eindruck:

e5 ist einer der Züge, die sich richtig gut anfühlen, wenn man die Idee dahinter verstanden hat.

Neben dem Zurückdrängen der Springer hatte Magnus auch gesehen, dass er nach 17.cxd6 nicht direkt zurückschlagen musste, sondern mit 17…c5 erst die weiße Dame angreifen konnte. Vishy musste aufpassen, hatte aber nach eigenen Angaben alles im Griff, als er die Partie in der Folge sicher in den Remishafen steuerte – eine Aufgabe, die gegen Carlsen meist nicht gerade einfach ist!

Applaus gab es zwar für MVl, aber Wesley So war dem Sieg näher | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Carlsens Aufmerksamkeit bekam auch die Partie MVL-So, wo der Franzose seinen b4-Bauern opferte, um die „perfekte“ Stellung zu bekommen. Das Diagramm zeigt die Stellung nach 16.Tad1:


Davor suchte der Weltmeister noch einmal den Beichtstuhl auf:

Beim letzten Mal habe ich vergessen, Maxime dazu zu gratulieren, dass er wirklich positionelles Schach spielt, wenn man mal davon absieht, dass er einen Bauern geopfert hat. Als Kind hat er gelernt, dass die Figuren optimal positioniert sind, wenn die Läufer auf f4 und c4, die Springer auf c3 und f3 und die Bauern auf d4 und e4 stehen, weil man dann die maximale Zentrumskontrolle hat, und er hat schon einen Turm auf [e1], für die perfekte positionelle Harmonie fehlt daher nur noch der Turm auf d1, zumindest was die Ausbildung betrifft, die wir als Kinder erhalten haben.

Man könnte meinen, dass dies ein wenig ironisch war, aber wie spätere Kommentare des Weltmeisters zeigten, war er wirklich beeindruckt. Er fügte hinzu “Maxime wird nicht als klassischer Spieler gesehen, aber ich finde, dass diese Einschätzung nicht korrekt ist”, und verglich diese Partie mit der von MVL gegen gegen Rapport beim St. Louis Rapid & Blitz.

Dieses Mal hielt die Harmonie nicht lange an, denn vier Züge später hatte Maxime einen Bauern nach b7 gebracht und bot ein Damenopfer an!


Wesley schlug nicht auf b3, sondern spielte das stärkere 20…Tb8. Im Endspiel hatte MVL dann eine Qualität weniger, aber ausreichend Gegenspiel für ein sicheres Remis.

Shakhriyar Mamedyarov war in der Frühphase seiner Partie viel unterwegs und saß selten am Brett | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

In dieser Partie ging es hoch her, aber damit war sie nicht die einzige. Shakhriyar Mamedyarov fühlte sich vor der Partie gut und spielte gegen Hikaru Nakamura mit 11.Tg1 statt des sofortigen 11.g4 einen Zug, der laut eigenen Angaben eher fürs Schnellschach oder Blitzen geeignet ist als fürs Turnierschach. Sein Vorteil war, dass er Nakamura zum Nachdenken zwang, während er selbst die Züge aufs Brett schleuderte.

"Welche Emojis geben Nakamuras Mimik wider?"

Das änderte sich nach 19 Zügen:


19…Sxf4! ist offenbar der Computerzug, doch obwohl 19…Dxa3?! ein “schlechter Zug war”, wie Mamedyarov meinte (und die Engines bestätigen dies), hatte er den doppelten Vorteil, dass er ein Endspiel erzwang und Shakh zum Nachdenken brachte. Weiß hatte das klar bessere Figurenspiel, doch der Aseri lamentierte hinterher: „Normal verliere ich als Schwarzer diese Stellung, aber mit Weiß kann ich sie nicht gewinnen.“ Dieses Gefühl kennt jeder, und die Partie endete so nach 44 Zügen remis: 

Auch Caruana-Nepomniachtchi war im Najdorf ein wildes Handgemenge, und vermutlich die Partie, die einem Sieger am nächsten war. Hier die kritische Stellung nach Caruanas 28.Dg2?


“Der Zug sah so schlau aus”, meinte Nepo hinterher, denn Caruana hatte auf 28…Txa3! 29.bxa3 Dxa3 den Verteidigungszug 30.f3 vor, der den Läufer e4 deckt und die zweite Reihe für die Dame öffnet:


An dieser Stelle gab es aber einen Zug für Schwarz, der die Partie nicht nur rettete, sondern gewann – 30…Da7!! Nach dem Rückzug der Dame kann Schwarz b2 mit tödlichen Drohungen spielen, während die weiße Dame nicht nach b2 kann, weil der Turm auf g1 hängt.

Fabiano Caruana lebte gefährlich | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Nepomniachtchi meinte, “Das tut weh!”, dass er das übersehen hat. Er überprüfte Txa3 bei jedem Zug, übersah aber Da7, was er als „Zug aus einer Schachaufgabe“ bezeichnete und hinzufügte, „Für diesen Zug muss man ein brillanterer Taktiker sein als für b5 gestern“. Wie schwer war der Zug zu sehen? Der allgemeine Konsens lautete „sehr schwer“, obwohl Yasser Seirawan ihn im Studio für machbar hielt und Wesley So ihn schnell fand, als er wusste, dass es eine konkrete Lösung gibt:

"Ich mag Tests. Wesley So fand in wenigen Sekunden 30...Da7!!" 

Es gab noch einen weiteren Grund, warum Nepo die Idee übersah – er überschätzte den Partiezug 28…Lf8 komplett. Objektiv ist die Stellung völlig ausgeglichen, und die Spieler fanden sehr schnell eine Zugwiederholung, um die Partie nach 35 Zügen zu beenden.

Hinterher gab Nepo, der zu den schnellsten Spielern in der Weltspitze zählt, einige Tipps für den Umgang mit Zeitnot:

Damit kommen wir Giri-Aronian, wo Anish Giri seinen ersten Sieg in einer Turnierpartie gegen Levon Aronian anstrebte (Nach Gewinnpartien steht es 7:0 für den Armenier!).

Levon Aronian bekam gegen Anish Giri gewisse Probleme | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Seine beste Chance hatte Giri kurz vor Schluss nach 47…Tb5:


Giri schätzte das Turmendspiel nach 48.Sf6+ als “50:50 – entweder für mich gewonnen oder remis” ein. Stattdessen spielte er aber 48.b7?!, weil er dachte, sein Gegner müsste aktiv werden, aber Aronian spielte mit 48…Tb2! “einen sehr starken Abwartezug”. Giri musste mit seinem Springer ziehen, aber nach 49.Se7 Sd6! war der Vorteil dahin und die Partie endete mit Zugwiederholung.

Giri konnte hinterher trotzdem lächeln | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Damit liegt Vishy Anand weiterhin mit 1,5 aus 2 an der Spitze, während Nepo mit 0,5 aus 2 das Tabellenende ziert und alle anderen Spieler 50% haben. Runde 3 bringt unter anderem Carlsen vs. Caruana! Und Magnus meinte dazu:

Das ist immer interessant. Ich freue mich auf das Duell, und es ist ein guter Zeitpunkt, ihn in einer Turnierpartie zu schlagen!

Gelingt ihm das? Ab 20 Uhr könnt ihr die Partien live auf chess24 verfolgen. 

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