Berichte 29.08.2019 | 16:07von Colin McGourty

Sinquefield Cup 11: Carlsen erreicht Stichkampf gegen Ding

Magnus Carlsen und Ding Liren bestreiten heute einen Stichkampf mit zwei Schnellpartien, um den Sieger des Sinquefield Cup 2019 zu ermitteln. “Es ist ein wenig surreal”, meinte Magnus, nachdem er seiner Serie von neun Remis zwei Siege folgen ließ und damit noch Ding einholte. MVL kam ihm dabei zu Hilfe, indem der Franzose in einer komplizierten Stellung nur zwei Minuten nachdachte, ehe er seine Stellung ruinierte. Ding Liren musste in seiner Partie gegen Shakhriyar Mamedyarov einige bange Momente überstehen, während Sergey Karjakin um ein Haar der Dritte im Bunde gewesen wäre, dann aber seinen Vorteil gegen Fabiano Caruana nicht verwerten konnte.

Wieder eine Schlussrundenbegegnung zwischen Magnus und MVL, und wieder feierte der Weltmeister einen Sieg! | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Alle Partien des Sinquefield Cup 2019 könnt ihr hier nachspielen:

Und hier die Bilder von der Live-Übertragung mit einem gut halbstündigen Auftritt von Peter Svidler, der sich bei Jan Gustafsson und Robert Rabiega zuschaltete:


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Nach der Remisseuche in der Mitte des Turniers hätte es beim Sinquefield Cup 2019 kein besseres Finale geben können. Nur in einer Partie war kein Spieler beteiligt, der das Turnier noch gewinnen konnte, und daher war es auch keine große Überraschung, dass So-Aronian nach weniger als einer halben Stunde mit einem Remis endete. Wesley So und Levon Aronian landeten damit gemeinsam mit neun Remis und zwei Niederlagen auf dem letzten Platz. Vor allem für Levon Aronian kam dieser Absturz überraschend, nachdem er zuvor das St. Louis Rapid & Blitz gewonnen hatte. Zum Teil führte er sein Abschneiden auf den engen Terminkalender zurück und meinte “es ist unmöglich, 100% zu bringen”.

Ein schnelles Ende! | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Die nächste beendete Partie war Anand-Nakamura. Hikaru Nakamura hatte bis dahin noch keine Partie gewonnen und seine Entscheidung für die Berliner Mauer lässt vermuten, dass er in der Schlussrunde keine Heldentaten anstrebte. Vishy Anand reagierte mit “einer kleinen Idee, die schnell verflachte“, worauf die Partie nach 26 Zügen remis endete. Dritter Platz somit für Anand:

Das ist vermutlich das erste Turnier, bei dem ich nach +1 völlig enttäuscht bin. Mit meinen Stellungen hätte Magnus eventuell +6 geholt! Meine schlechte Technik ist mir wirklich peinlich.

Es hätte noch viel besser für Vishy laufen können, doch der 3.Platz in einem der stärksten Turniere aller Zeiten ist für einen 49-Jährigen keineswegs ein schlechtes Ergebnis! | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Peter Svidler sah das genauso und meinte, “Eigentlich hätte dies einer von Vishys größten Triumphen werden müssen”. Vor allem die verpassten Siege gegen Ding Liren und Anish Giri waren schwer erklärbar, aber Svidler war mit Jan Gustafsson einer Meinung, dass das Gewinnen schwerer geworden ist:

In den letzten Jahren ist es generell zunehmend schwerer geworden, eine Partie zu gewinnen, und die junge Garde wird weiter rechnen und Widerstand leisten, und man muss sie irgendwie besiegen. 

Der Vorreiter dieser Generation ist Magnus Carlsen, der das Turnier mit einem Traumfinale beendete:

MVL 0-1 Carlsen

Vor dem Sinquefield Cup hatte Magnus Carlsen ein schlechtes Abschneiden beim St. Louis Rapid & Blitz zu verkraften, und auch danach reichte es zunächst nur zu neun Remis in Folge. Da Anand viele Chancen ausließ und auch sonst niemand herausragte, lagen Ding Liren und Ian Nepomniachtchi zwei Runden vor Schluss einen Punkt vor dem Weltmeister. Der meinte nach der letzten Partie, “Ich muss gestehen, dass ich das gestern und vor allem vorgestern nicht mehr gedacht hätte.”

Selbst Magnus konnte es nicht glauben | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Der Sieg gegen Wesley So in der vorletzten Runde war der Auslöser für den Schlussangriff, und Garry Kasparovs Worte erwiesen sich als prophetisch: “Bei Magnus wissen wir, dass er nur einen Sieg braucht und dann nicht mehr aufzuhalten ist.“  Carlsen spielte wie gegen Vishy Anand in Runde 2 4…bxc6 in der Sizilianischen Rossolimo-Variante und war dieses Mal mit 5…cxd4 (statt 5…Lg7) besser auf den seltenen Zug 5.d4 vorbereitet. Die Eröffnung verlief absolut wunschgemäß für den Weltmeister, und Peter Svidler meinte:

Er bekam heute genau das, was er wollte, also eine sehr spielbare Stellung mit einer sehr unklaren, sehr unausgewogenen Struktur – schlicht alles, was er mag. 

Auch MVL spielte eindeutig auf Gewinn, um seine Chancen auf einen Platz beim Finale der Grand Chess Tour in London zu erhöhen, entschied sich laut Magnus aber nach 14 Zügen für den falschen Plan:


Aronian erzählte Alejandro Ramirez, dass der weiße Plan in f4 bestehe, was der Computer insofern bestätigt, als er das sofortige 14.Sh4 empfiehlt. Stattdessen spielte MVL 14.h4!? Tb7!? 15.h5, was Carlsen später so kommentierte:

Ich habe den Aufzug h4, h5 recht gern gesehen, da ich ihn ehrlich gesagt nicht für besonders gut hielt! Stattdessen sollte er f4 anstreben, doch danach wurde es sehr kompliziert.

Magnus unterminierte die weiße Bauernstellung  mit 21…f5!?, was Svidler “als typische Magnus-Lösung bezeichnete”:


Objektiv scheint Weiß nach 22.exf5 gut zu stehen. Svidler meinte, “deine Figuren bekommen mehr Luft”, und Weiß gibt gern eine Qualität für den schwarzfeldrigen Läufer des Schwarzen. Dieses Mal war es aber an MVL, der am Vortag noch von einem übereilten Zug von Ian Nepomniachtchi profitiert hatte, die Partie einzügig herzuschenken. Nach gerade einmal knapp 2 Minuten und mit 1 Stunde und 32 Minuten auf der Uhr spielte der Franzose 22.Sf3?? und stellte damit die Partie ein. Magnus meinte, “Ich traute meinen Augen nicht”, da er gesehen hatte, dass Maxime zwar auf den Trick 22…Ld4 23.e5 hoffte, dabei aber 22…Lxc3! 23.Txc3 e5! übersehen hatte.

"Und Magnus findet die korrekte Lösung! MVL steckt in großen Schwierigkeiten!"

Zieht der Läufer zurück, folgt f5-f4 und Schwarz setzt laut Svidler, “einfach am Königsflügel Matt”:


MVL zeigte, dass er immer noch einer der hartnäckigsten Spieler der Welt ist und zog 24.Td3!, was Magnus zurückwarf:

Dann spielte er das großartige Td3, das ich gar nicht gesehen hatte, doch zum Glück hatte ich nach exf4 genug Vorteil.

Was sagte das weltmeisterliche Gefühl zu diesem Zeitpunkt?

Es sagte mir, dass es nicht so einfach ist, wie es aussah! Ich gehe immer davon aus, dass meine Gegner etwas übersehen haben, aber das stimmt nicht immer. Intuitiv spürte ich, dass ich klar besser stehen und einfach nur den richtigen Weg finden muss, daher habe ich hier lange nachgedacht.

Leider für MVL gab es gleich mehrere Wege zum Sieg, von denen Carlsen mit 24…exf4 25.Db2+ Tbg7 26.h6 fxe4! vielleicht den ästhetischsten wählte:

Die französische Nummer 1 versuchte seinen Zeitvorteil auszunutzen, aber im Endeffekt war das zum Scheitern verurteilt. Magnus meinte dazu:

Langsam, aber sicher verliert er. Im Grunde kann ich die Stellung nicht verderben, und die einzige Chance wäre ein Dauerschach, und wenn ich ein wenig aufpasse, lasse ich das nicht zu..

Magnus' tolles Jahr geht somit weiter:

“Es ist ein wenig surreal, aber ich muss wieder auf den Boden kommen, da ich morgen wieder Schach spielen muss,” meinte Magnus nach der Partie.  Anish Giri meinte zum Endspurt des Weltmeisters:

Beim Rapid & Blitz erlebte er den absoluten Kulturschock. Er hat dieses unglaubliche Jahr und plötzlich ist er völlig außer Form. Ich denke, das war für ihn so schockierend, dass er sich eine Weile erholen musste, und das hat er mit seiner Remisserie dann auch getan, sie war seine Therapie. Er hat so viele Remis gemacht, dass er sein bisheriges Leben vergessen hat. Das war wie eine Art Wiedergeburt. Und als er gegen Wesley antreten musste, vergaß er St. Louis, vergaß er alles andere, vergaß er seinen Namen, spielte einfach Schach und das sogar gut!

Bei der Grand Chess Tour ist Carlsen bereits für das Finale qualifiziert, da ihn niemand mehr einholen kann:


Noch ist in St. Louis aber noch nicht Schluss, denn Ding Liren erreichte nach einem nervösen Remis gegen Shakhriyar Mamedyarov den Stichkampf. Der Chinese räumte ein:

Er überraschte mich in der Eröffnung, und ich konnte mich nicht entscheiden, ob ich auf Gewinn spielen oder solide Züge machen sollte.

Am Ende tat Ding weder das eine noch das andere, und Svidler kommentierte das Turmendspiel mit den Worten, “Ich hätte mit Weiß ziemlich viel Angst”, aber letztlich hielt der Chinese den Laden zusammen und erreichte den Stichkampf.

Ding Liren steht im Stechen, während Mamedyarov alle elf Partien remisierte | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Giri 1-0 Nepomniachtchi

Danach lautete die Frage, ob noch mehr Spieler den Stichkampf erreichen. Ian Nepomniachtchi hatte eine mathematische Chance, aber abgesehen von einem taktischen Trick (17…Sc5!) im frühen Mittelspiel war schnell klar, dass nur Anish Giri besser stehen konnte. Der Niederländer gewann einen Bauern, doch wenn Nepo nicht fehlgegriffen hätte, wäre die Partie trotzdem remis ausgegangen. Er hatte sich das Leben schon schwerer als nötig gemacht, als er 72…Tg3? (72…Kf7) spielte:


Giri zog 73.Ta7+! und gewann schließlich den Bauern g6. Hinterher meinte er:

Mein Gegner machte am Ende eine äußerst seltsame Bemerkung. Er dachte, ich würde die Züge wiederholen. Ich weiß, worauf er anspielt, aber ich habe einen Bauern mehr und er ist in der Verteidigung. Ich bin nicht derjenige, der ihm das Remis überlässt. 

Giri war nicht sonderlich überzeugt | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Wie in Zagreb, wo er zunächst drei Partien gewann, landte Nepo auch in St.Louis wieder bei 50 Prozent und konnte nicht zufrieden sein. Via Twitter kommentierte er den zweiten Einsteller in Folge so:

"So kann es laufen"

Mit diesem Sieg hat Giri auch wieder Nepomniachtchi in der Live-Elo-Liste überholt, aber Platz 5 ist für den Russen immer noch eine tolle Position.


Damit bleibt nur eine Partie aus der Runde übrig, in der Sergey Karjakin sich ebenfalls für den Stichkampf hätte qualifizieren können. 

Karjakin verfehlte den Stichkampf nur knapp | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Seine Chance bekam er, als Fabiano Caruana das "ungesunde" – 19.h4?! spielte:


Kaum gezogen, erkannte Caruana den Haken:

Nach h4 stand ich auf und fragte mich, was ich nach [19…Df6! 20.Ta2Tf8 mache. Einen Moment dachte ich, "vielleicht kann ich 21.e7 spielen und den Laden zusammenhalten", aber dann kam 21…Tf7. Ich musste in ein ziemlich verlorenes Endspiel abwickeln.

In der Folge musste Caruana aber kaum leiden, wobei beide Spieler sich einig waren, dass Schwarz mit a4 die weißen Bauern a3 und b4 festlegen musste.

Fabiano fasste das Turnier als eines “der kleinen Vorteile” zusammen, doch nach seinem Sieg gegen Aronian in Runde 4 und einem Kampfremis gegen So in der nächsten Runde hatte er keinen Grund zur Freude mehr. Sergey Karjakin dagegen wurde gleichauf mit Anand Dritter und hätte sogar noch besser abschneiden können:

Ich hatte drei gute Chancen, gegen Ding Liren, gegen Levon und heute. Ich hatte also drei sehr gute Stellungen, aus denen ich nichts herausgeholt habe… Es lief viel besser als im Vorjahr. Damals hatte ich Glück, dass ich am Ende -3 hatte, und dieses Mal habe ich mit Pech +1 geholt. Ich denke, ich bin auf dem richtigen Weg! 

Und so sieht die Endtabelle vor dem Stichkampf aus: 

Holt Magnus seinen dritten Titel beim Sinquefield Cup oder will Ding Liren seinen ersten? Der Stichkampf beginnt bereits um 17:00 Uhr mit zwei Schnellpartien. Wie immer könnt ihr live auf chess24 dabei sein.

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