Berichte 20.08.2019 | 23:25von Colin McGourty

Sinquefield 3: Alles ruhig an der Front

"Ich dachte nur, schon wieder das Gleiche!" So beschrieb Magnus Carlsen, wie es sich anfühlte, wieder in eine Neuerung Caruanas zu laufen. Und auch wenn der US Star noch ein wenig leiden musste, bevor er das Remis gegen den Weltmeister holte, schaffte er es am Ende. Überall sonst gab es ebenfalls Punkteteilungen, obwohl HIkaru Nakamura es 104 Züge lang probierte, Sergey Karjakins Festung zu stürmen. Das macht insgesamt aus 18 Partien 1 Sieg beim diesjährigen Sinquefield Cup, womit Anand der Führende bleibt.

Fabiano Caruana war vorbereitet gegen Magnus | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Alle Partien des Sinquefield Cups 2019 kannst du hier nachspielen:

Und hier findest du den Live-Kommentar zu Runde 3:

Nach wie vor gibt es ein günstiges Angebot, Premium-Mitglied zu werden, indem ihr auf den Link klickt und einen der folgenden Gutscheincodes eingebt:

  • 2FOR1 – Kauft eine einmonatige Mitgliedschaft (9.99€) und ihr bekommt einen Monat gratis dazu.
  • SINQUEFIELD2019 – Kauft eine Mitgliedschaft für zwei Jahre und bezahlt weniger als 6 Euro pro Monat.

Magnus hat immer noch keinen Spaß

Wenn Magnus Carlsen noch plant, die 2900 in diesem Turnier zu überschreiten, darf er sich nur noch ein weiteres Remis aus den letzten 8 Partien leisten. Gut, seine Ziele sind vermutlich etwas bescheidener als das. Denn die erste Aufgabe wird es sein, eine Partie zu gewinnen, was Vishy schon geschafft hat. Es wäre natürlich süß gewesen, hätte Magnus diesen Sieg gegen den Spieler eingefahren, der ihn im klassischen Schach seit dem Norway Chess 2018 regelmäßig frustriert. Aber in einer scharfen Wiener Variante hatte Fabiano Caruana die Neuerung 9...Ld6 parat statt dem normalen 9...Tb8:

chess24: Fabiano Caruana spielt die Neuerung 9...Ld6 und weicht damit von Carlsen-Duda von Wijk aan Zee 2019 ab.

Magnus meinte dazu:

Ich dachte nur, schon wieder das Gleiche! Jedes Mal hat er eine Neuerung parat, aber so wie die Partie lief, war ich zufrieden.

Fabiano gab zu, dass es nicht die Art von Neuerung war, mit der man leichtes Spiel hat:

...Ld6 ist ein neuer Zug, soweit ich weiß. Das Problem ist, du spielst einen neuen Zug und wirfst deinen Gegner aus dem Buch. Du erwartest, dass das eine gute Sache ist, aber diese Stellung ist halt immer noch traurig für Schwarz. Du leidest immer, zumindest ein wenig. Ich habe diese Variante nun zum dritten Mal glaube ich gespielt. Gegen Levon machte ich nach wenig Leid Remis. Gegen Shakh musste ich für den halben Punkt einige Qualen auf mich nehmen. Und heute war es ein moderates Leiden... die Variante macht keinen Spaß, aber wenn du gut spielst, solltest du einen halben Punkt bekommen.

Für alle eine harte Partie! | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Magnus sah hier bereits die Konturen eines Endspiels am Horizont aufziehen nach 19…gxf6:


Nach 20.d5 e5 steht Weiß klar besser, aber auch wenn Magnus später ein mutiges Bauernopfer spielte, um drei isolierte schwarze f-Bauern zu erzeugen, konnte er keine Fortschritte machen. Er fasste die Partie so zusammen:

Ich hatte das Gefühl, dass es für ihn schnell unangenehm wurde, aber dann konnte ich nichts finden und die Partie versandete.

Eine Idee für ein T-Shirt für Fabis nächste Partie gegen Magnus! | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Das Interview nach der Partie war eine Chance, Caruanas Fast-Katastrophe gegen Ian Nepomniachtchi vom Vortag noch einmal unter die Lupe zu nehmen. Dort hatte der Russe die Chance, die Partie durch einen cleveren Damenrückzug zu gewinnen. Fabiano gab zu, nach seinem Zug 28.Dg2 die Taktik gesehen zu haben. Aber der Schock war eigentlich, dass Weiß danach keine Verteidigung mehr hat.


28...Txa3! 29.bxa3 Dxa3 30.f3 Da7!! war Nepos Chance

Dann gab es das Problem, dass er seinem Gegner nicht zeigen durfte, was er gesehen hatte:

Zuerst hatte ich die totale Panik, dann nach zwei Minuten dachte ich, dass ich wohl nicht zu beängstigt schauen sollte. Hätte er in mein Gesicht gesehen, hätte er es wohl erkannt. Mein Trainer sah die Übertraung und sagte, dass das absolut offenkundig war von meinem Gesichtsausdruck her.

Magnus meinte, dass es absolut möglich war, die Kombination zu sehen, doch einen Haken gab es:

Es ist sehr, sehr thematisch, aber die Idee während einer Partie zu sehen, wenn der zweitbeste Spieler der Welt diesen Zug gegen dich spielt, ist nicht so einfach! Daher kann ich verstehen, dass Ian es übersehen hat, aber wenn man diese Stellung als Übung bekommt, findet man die Lösung. Sonst muss man wirklich danach suchen - vielleicht hat er es einfach nicht genug geglaubt.

Alles ruhig an der Front im mittleren Westen

An easy day for Levon and Vishy | photo: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Die schnellste Partie der dritten Runde wurde in Aronian-Anand beendet. Vishy wich von der Giri-Karjakin Partie beim Shamkir Chess Turnier diesen Jahres ab und beantwortete 10.d4 mit 10...Lb6 (Karjakin spielte 10...La7 und gewann die Partie, stand aber nach der Eröffnung auf Verlust). Wenige Züge später schien das Remis schon unausweichlich zu sein und die Spielern brauchten nur knapp eine Stunde, um das nachzuweisen.

So-Giri war eine Partie für Fans des Minoritätsangriffs. Doch auch wenn die Partie eine Stunde länger dauerte, gibt es wenig, was man darüber berichten könnte.

MVL war vorsichtig, während der Partie keine Fehler zu machen... | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Die vielleicht vielversprechendste Partie war schon früh der Grünfeldinder in Ding Liren-MVL, sowohl für das, was auf dem Brett geschah als auch für das, was nicht zu sehen war. Es war leicht zu verstehen, warum die Variante, die Maxime nach 14...c6 15.Sd1 sah, so schön war, dass er sich gezwungen sah, in den Beichtstuhl zu kommen und darauf aufmerksam zu machen.

Maxime musste traurig gestehen, dass 15.Tc1! die Variante wiederlegt, sodass er aus purer Notwendigkeit 14...Df6 spielte. Wie so oft in den Partien des Franzosen lebte er gefährlich, aber nach 22.Sg4 (22.Kf1! könnte stärker sein) konnte er eine takische Lösung finden:


22…f5! 23.Sh6+ Kg7 24.hxg6 hxg6 25.Sxf5+ Sxf5 (nicht 25…gxf5?? 26.Dg5+ und Weiß setzt matt) 26.exf5 Txf5 und auch wenn der schwarze König wacklig steht, sind die schwarzen Figuren aktiv genug, sodass ein Remis für beide Seiten in Ordnung geht.

Im Beichtstuhl fühlte sich MVL an seine Jugend erinnert:

Nepomniachtchi-Mamedyarov erinnert mich daran, wie jung ich einmal war, denn vor 10 Jahren spielte ich diese Stellung gegen Vlad Tkachiev. Und damals wies er nach, dass Weiß absolut keinen Vorteil hat, denn Sc4 Lc8 ist eine hübsche Umgruppierung der schwarzen Figuren.

chess24: MVL sagt, er fühlt sich im Angesicht von Nepo gegen Mamedyarov alt, da er die Stellung nach 16...Lc8 schon 2009 gegen Tkachiev hatte.

17.Txa4 statt Maximes 17.Sxb6 war der neue Zug, aber keiner, der die Bewertung der Stellung wirklich änderte.

Nepo ist immer noch gefangen auf dem letzten Platz | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Die Festung hält

Damit bleibt nur noch Nakamura-Karjakin, welche die langsamste Partie war, die man sich erträumen konnte. Mit Zug 25 gab es noch keinen Abtausch:


25.Sxg6 war der erste, aber es sollte Nakamura sein, der das während und nach der Partie am meisten bereute:

Sich darauf einzulassen, war schon verrückt. Nach Abtausch der Springer wollte ich 26.c5 und 27.b4 spielen, was optisch sehr schön aussieht. Und man steht auch sehr dominant, aber die schwarze Stellung ist wohl zu solide.

Später meinte er, dass 25.Le1 wohl technisch gewonnen sein müsste und dass der Computer das schlussendlich immer gewinnt, aber die Bewertungen der Blechkisten stützen diese Aussage nicht. So oder so, der Verteidigungsminister Sergey Karjakin begann, Gegenspiel zu organisieren mit ...Lc7-a5 und ...Dd8, was Nakamura beeindruckte.

Eine Stellung wie für Sergey Karjakin gemacht | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Der Verteidigungsplan wurde viel leichter nach 44…Ld7:


48 der verbleibenden 58 Züge zog Schwarz nun mit seinem Läufer zwischen d7 und e8 hin und her. Im 104. Zug nahm Hikaru dann zur Kenntnis, dass er aus der Partie nichts mehr holen wird. Er war schlicht "ziemlich bedient mit der ganzen Sache:"

chess24: 104 Züge in Nakamura-Karjakin, aber dennoch erst ein Sieg nach 18 Partien beim Sinquefield Cup!

Seine Erklärungen für all die Remis?

Jeder spielt extrem solide. Alle sind frisch und machen kaum Fehler. Im klassischen Schach ist es dann schwer, etwas Greifbares rauszuholen.

Damit bleibt Vishy nach Nepos krassem Aussetzer in Runde 1 in Führung:


In Runde 4 steigt eine sehr spannende Partie mit Mamedyarov-Carlsen. Bei der Eröffnungsfeier erinnerte Shakh daran, dass er der letzte Spieler war, der Magnus im klassischen Schach bezwingen konnte - vor mehr als 80 Partien in Biel, im Juli 2018:

Magnus dazu: “Das war eine ganz andere Turniersituation, wo ich zwingend gegen ihn gewinnen musste." Dieses Mal gibt es diesen Zwang nicht, aber ohne Zweifel werden die Spieler und insbesondere der Weltmeister ein wenig frustriert über den Mangel an entschiedenen Partien sein. Ab irgendeinem Zeitpunkt muss das Turnier explodieren!

Schau dir unseren Live-Kommentar ab 20 Uhr MEZ an.

Weitere Links:


Sortieren nach Datum (absteigend) Datum (absteigend) Datum (aufsteigend) meiste Likes Benachrichtigung bei neuen Kommentaren

Kommentare 0

Guest
Guest 7939415667
 
chess24 beitreten
  • Kostenlos, Schnell & Einfach

  • Sei der Erste, der kommentiert!

Registrieren
oder

registriere dich und leg los!

Ich bin älter als 16 Jahre.

Mit einem Klick auf 'Registrieren' stimmst du unseren Nutzungsbedingungen zu und bestätigst, dass du unsere Datenschutzrichtlinie und den Abschnitt über die Verwendung von Cookies gelesen hast.

Lost your password? We'll send you a link to reset it!

Nach der Übermittlung deiner E-Mail-Adresse erhältst du von uns eine E-Mail mit einem Link zum Zurücksetzen des Passworts. Wenn du dann weiterhin nicht auf deinen Account zugreifen kannst, melde dich bitte beim Kundendienst.

Welche Funktionen möchtest Du aktivieren?

Wir respektieren Deine Privatsphäre und Datenschutzbestimmungen. Einige Komponenten erfordern das Speichern von personenbezogen Daten in Cookies oder dem lokalen Speicher.

Show Options

Hide Options