Berichte 18.08.2019 | 18:30von Colin McGourty

Sinquefield 1: Anand schnappt sich die Führung

Vishy Anand schnappt sich nach der ersten Runde des Sinquefield Cups 2019 die Führung, weil Ian Nepomniachtchi nach 77 hart umkämpften Zügen gegen ihn einen Turm einstellte. Die anderen Partien endeten Remis, wobei Magnus zu seinem Remis gegen Giri meinte: "Nach all dem Graus in den Schnell- und Blitzschachpartien wenigstens eine halbwegs ruhige Partie." Doch stellte es sich heraus, dass Giri beinahe in eine "sehr hübsche Falle" getappt wäre.

A shell-shocked Nepomniachtchi resigns since his a7-rook is doomed | photo: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Alle Partien des Sinquefield Cups 2019 kannst du hier nachspielen:

Den Live-Kommentar zu Runde 1 findest du hier:

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Keine Kopie von Zagreb

Runde1 der Grand Chess Tour 2019 in Kroatien sah die exakt gleichen Paarungen. Beim Sinquefield Cup sind nun die Farben vertauscht:


Wie du sehen kannst, gab es in Zagreb eine explosive erste Runde, unter anderem mit der Miniatur des Weltmeister gegen Anish Giri. Diese Partie bekam auch großes Lob von Garry Kasparov. Es sollte aber keine Kopie Zagrebs werden zu Beginn der siebten Auflage des Sinquefield Cups, doch eine Gemeinsamkeit gab es  - die guten Freunde Sergey Karjakin und Shakhriyar Mamedyarov stellten ein weiteres Mal ein schnelles Remis aufs Brett.

Sergey und Shakh konnten sich entspannt die anderen Partien anschauen | Foto: Crystal Fuller, Grand Chess Tour

Die Skandinavische Verteidigung, die Shakh wählte, wäre auch bei anderen Spielern eine interessante Provokation gewesen - IM Greg Shahade hatte zuvor eine Umfrage gestartet...

Greg Shahade: Was ist die schlechteste Schacheröffnung? A) Skandinavisch, B) Zentrumsgegenschlag, C) 1.e4 d5

.. und es war nicht verwunderlich, dass die Partie nach 31 Zügen mit Remis endete. Magnus dazu:

Wenn Karjakin und Mamedyarov gegeneinander spielen, weiß jeder, wie das Ergebnis aussieht.

Levon Aronian scherzte in der russischen Sendung, dass "Sergej und Shakh immer etwas Schönes spielen", obwohl in diesem Fall die Damen mit Zug 13 das Brett verlassen hatten und es keine spektakulären taktischen Schläge gab, um die Zuschauer zu unterhalten. Robin van Kampens Fazit:

Robin van Kampen: Haben wir beschlossen, dass es in Ordnung ist, wenn Karjakin und Mamedyarov bei jedem Top-Turnier Remis nach Remis vereinbaren?

Aber wie genau kann man beweisen, dass ein Remis im Voraus vereinbart wurde und Maßnahmen dagegen ergreifen? Und zur Verteidigung der beiden Spieler ist anzumerken, dass nicht immer dasselbe passiert. Alle drei ihrer Partien beim Schnell- und Blitzschachturnier fanden einen Sieger und auch wenn man das "nur" als Schnell- und Blitzschach abqualifiziert, wie sieht es dann mit Runde 1 im Berliner Kandidatenturnier 2018 aus? Dort gewann Mamedyarov gegen Karjakin und nahm ihm damit die  Chancen, sich für ein weiteres WM-Match gegen Magnus zu qualifizieren.

Es scheint so, als ob Maxime nicht ewig frisch rasiert sein möchte! | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Das überraschendeste Remis ereignete sich in Aronian-MVL:


Anstatt hier mit 25...Lg6 weiterzuspielen, wonach Schwarz zumindest gut, wenn nicht gar leicht besser stünde, wiederholte Maxime hier mit 25...Ld3 die Züge. Levon gab zu: "Ich habe die Stellung einfach nicht verstanden." Aber er hatte das Gefühl, dass der schwarze Bauer auf g5 eine Schwäche sein könnte und dass es unklar ist, was beide Seiten tun sollten. Er meinte ebenfalls, dass er nach dem Schnell- und Blitzschach noch im "falschen Rhythmus" für das klassische Schach sei und dass Maxime kein Spieler sei, den man leicht reinlegen kann:

Im Allgemeinen ist es gut, schneller zu spielen, wenn dein Gegner auch im klassischen Schach schnell spielt und er es nicht auf dem Schirm hat, dass tatsächlich klassisches Schach gespielt wird. Aber Maxime legt man so leicht nicht rein, weil er ein sehr kniffliger Kerl ist, also wird er so tun, als würde er schnell spielen und dann einfach anfangen zu denken, wenn es darauf ankommt!

In Zagreb wurde Hikaru Nakamura von einer bösen Neuerung Fabiano Caruanas erwischt und stand auf Verlust, bevor Fabi anfangen musste, selbst zu denken. In St. Louis sollte es weniger spannend werden. Dieses Mal konnte Hikaru seinen Gegner mit 11.b3 zum Denken bringen:


Damit wich er von 11.Sc3 ab, das Fabiano selbst zuvor gegen Magnus Carlsen in einer weiteren spannungsgeladenen Partie gespielt hatte.

Fabiano Caruana war froh, mit dem Remis davonzukommen | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Caruana dachte für 15 Minuten nach und Hikaru hatte das Gefühl, dass sein Gegner "ein wenig ungenau" spielte. Das erlaubte es Hikarus h-Bauern, bis nach h6 vorzustoßen:


Hikarus Kommentar dazu:

Es war so ein bisschen eine Magnus-Stellung. Wenn man die richtige Aufstellung hinbekommt, kann man vermutlich ewig Druck ausüben. Aber wie, das habe ich während der Partie nicht gesehen.

Caruana meinte allerdings, nie wirklich richtig schlecht gestanden zu haben, war aber dennoch glücklich, dass die Partie mit der Punkteteilung endete.

Ding Liren bereute seinen schwindenden Reisvorrat während der Eröffnungsfeier. Doch viele Pandas konnten ihn vielleicht an seine Heimat erinnern! | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Wesley So konnte ebenfalls glücklich über sein Remis gegen Ding Liren sein, weil er zwischenzeitlich ziemlich schlecht stand und Gefahr lief, noch schlechter zu stehen. Maurice Ashley legte in der Post-Mortem-Analyse einen Fokus auf die Stelllung nach 25…Txd3:


Ding hätte nun 26.exd3 Dxc5 27.Txa6 g6 28.Df6 spielen können, wonach Schwarz erst einmal Kompensation fü den Bauern hätte nachweisen müssen. Stattdessen spielte die Nr. 1 Chinas 26.Tc8+ Td8 27.Tac4 und nun nicht 27...Td7, was Ding erwartete. Stattdessen spielte Wesley das starke 27...h6! und die Stellung verflachte schnell zum Remis.

Carlsen-Giri ist immer eine Partie, die sich zum Anschauen lohnt | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Carlsen-Giri war sicherlich die Parite, auf die in der ersten Runde die meisten Leute gewartet hatten. Dabei geht es nicht nur um ihre Rivalität oder das, was in Zagreb geschah. Denn eine der größten Fragen des Sinquefield Cups 2019 ist, ob Magnus Carlsen es schaftt, neue Rating-Rekorde aufzustellen. Tarjei Svensen zeigte dazu, was nötig ist:

Tarjei J. Svensen: Laut Elo sollte Carlsen 7,13/11 beim Sinquefield Cup holen. Er braucht also 7,5 Punkte, um keine Elo zu verlieren. Mit 8/11 wird er seinen eigenen Rekord (2890,7) brechen und mit 9/11 durchbricht er die 2900 (2900,7).

Doch Magnus war nicht in der Laune, irgendwelche Brücken hinter sich abzubrechen. Im Anschluss sagte er zur Partie:

Nach all dem Graus in den Schnell- und Blitzschachpartien war ich glücklich, wenigstens eine halbwegs ruhige Partie zu haben. Von daher bin ich nicht unglücklich über die Partie heute... Es gibt noch 10 Runden, von daher tut mir ein Remis nicht sonderlich weh. Es ist nicht so, dass ich es gar nicht probiert hätte. Ich war nur etwas konservativer unterwegs als sonst.

Giri bewies, auf der Höhe der Stellung zu sein, und spielte mit 23…e4! einen starken Zug, der das Remis besiegelte:


Magnus fand nichts besseres als 24.dxe4 Dxe3 25.fxe3 Txe4 26.Txa5 Tb4 27.Ta8:


Die Partie fand nach 27…Rxa8 ein ruhiges Ende, aber Giri spielte den Zug nach einigen Minuten Bedenkzeit. Magnus' erklärte die Geschichte dahinter:

Gerade mit Zug 27, im Grunde genommen ein paar Züge vor dem Ende, fragte ich ihn, woran er dachte. Denn es sieht so aus, als hätte er einen trickreichen Versuch mit 27...Tf8, aber eigentlich gibt es dort eine sehr hübsche Falle. Als er nachzudenken begann, hatte ich eine kleine Hoffnung. Es handelt sich nämlich um 28.Sc8! Darüber haben wir nach der Partie gesprochen und er sagte, dass er das auch tun könnte, und dann ist es ein Remis. Doch es ist eigentlich nicht so simpel, denn 28...Sxd5? 29.Td1! Tc4 wäre ein Matt in 3 Zügen!


30.Se7+! Sxe7 31.Txf8+ Kxf8 32.Td8# wäre ein schockierendes Ende der Partie!

Giri: Ja, das wäre ein wenig hässlich gewesen.

Beide Spieler waren nach der Partie in guter Verfassung. Anish bedauerte, keine Krawatte getragen zu haben, nachdem er Maurices Krawatte gesehen hatte ("Aber zumindest habe ich heute mein Spiel gut gebunden, also ist das in Ordnung!"). Dann enthüllte er, wie das Schnell- und Blitzschachturnier ihm ein besseres Gefühl über seinen letzten Platz in Paris gab ("Ich denke, es war ein sehr schönes Turnier für mich!") und darüber nachdachte, wie man Leute dazu bringt, den Beichtstuhl zu benutzen:

Ich denke, du solltest die Spieler dafür bezahlen, dass sie in den Beichtstuhl gehen, denn es gibt wenig Motivation für mich, ihn zu benutzen. Ich kann gehen, ich kann auch nicht gehen - doch was kann ich dabei gewinnen? Ich denke, das sollte es sein: Geh in den Beichtstuhl und bekomme dafür 10 Dollar. Schachspieler sind billige Menschen, gib ihnen einfach 10 Dollar und sie werden anfangen zu gestehen wie verrückt! Aronian wird hereinkommen: "Ich habe ein weiteres, neues Geständnis". Jeder Besuch bringt 10 Dollar, Rex ist das egal!

Es scheint, dass Magnus unterdessen den ersten Pitch machen wird, wenn die St. Louis Cardinals am Ruhetag gegen die Milwaukee Brewers in einem Baseballspiel antreten:

Maurice fragte, ob es Magnus einschüchtern würde, dass er gegen einen der besten Fänger antreten wird, Yadier Molina:

Ich weiß nicht, wen sie aufstellen, aber ich denke nicht, dass du dich vom Fänger einschüchtern lassen solltest, wenn du ein Pitcher bist, oder? Du bist von den Schlägern eingeschüchtert!

Grand Chess Tour: Magnus hat ein neues Hobby

Die Partie des Tages fand zwischen zwei Spielern statt, die nicht beim Blitz und Schnellschach mitgespielt hatten:

Nepomniachtchi 0-1 Anand: Fehler warten nur darauf, gemacht zu werden

Vishy Anand verlor gegen Nepo in Zagreb eine Partie, in der er auf Gewinn stand. Doch in St. Louis lachte er zuletzt! | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Die frühe Phase der Englischen Eröffnung war ein wenig verwirrend, denn Ian Nepomniachtchi entwickelte erst seine Springer nach c3 und f3 und ließ sie dann woanders ihre Arbeit verrichten, um sie im Anschluss wieder nach c3 und f3 zurückzubringen. Vishy verbrauchte hier viel Zeit und meinte: "Eigentlich ist das ein etwas übertriebener Versuch." Von Ians Damentausch war Vishy dann nicht so überzeugt. Er stand schnell besser und es war nur eine Frage der Zeit, ob Vishy seinen Vorteil verwerten konnte:


Er bereute es später, sich nicht für 57...Tf7 entschieden zu haben, denn nach 57…Kxg3 58.Txf6 Sxh4 schaffte es Nepomniachtchi, seinen Läufer für den h-Bauern aufzugeben. Er erreichte dann eine anscheinend solide Festung. So zumindest war Vishys Einschätzung und er gab zu, er hätte Remis angeboten, wenn Remisangebote beim Sinquefield Cup erlaubt gewesen wären. Anish Giri glaubte das natürlich nicht!

GIri: Warum ein Remis anbieten, wenn man einen Bauern oder eine Figur mehr hat? Ich glaube, der Tiger hat nur Witze gemacht.

Schlussendlich kulminierte die Partie in einem einzigen Moment, obwohl es eigentlich nach Remis aussah. 77…Kc4?? war Nepos Zug, wobei er noch 12 Minuten auf der Uhr hatte. Das stellte die Partie ein (um fair zu sein, ließ er sich mit dem Zug Zeit und dachte drei Minuten über ihn nach):


77…b5+! kam wie ein Schock. Nepo dachte vermutlich, dass 78.axb6den Laden zusammenhält, aber vergaß die Ressource 78…Sxb6+ mit Schach und Gewinn des Turms.

Garry Kasparov: Die Fehler warten darauf, gemacht zu werden.

Der Kamerawinkel unserer deutschen Live-Berichterstattung von Jan Gustafsson und Steve Berger hat die Reaktion Nepos perfekt eingefangen:

Vishy fasste die Partie so zusammen:

Das war ein Schock. Ich habe nur darauf gewartet, dass er noch zwei genaue Züge macht und wir uns dann die Hände schütteln. Und als er buchstäblich sich für Kc4 entschied, musste ich eine Minute nachdenken und dann: bäm! Spielte ich ...b5+. Schau, ich gewinne! Offensichtlich bin ich sehr glücklich.

Nach einer Runde führt also Vishy. Nepo ist Letzter und der Rest hat einen halben Punkt. Aber natürlich ist das Turnier noch lang. Anands nchster Gegner: Es geht mit Weiß gegen Carlsen in Runde 2!

Unsere Übertragung auf chess24 beginnt um 20 Uhr MEZ.

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