Allgemein 13.01.2018 | 13:21von Colin McGourty

Sieben Fragen vor dem Start des 80. Tata Steel Masters

Magnus Carlsen trifft in der ersten Runde des Tata Steel Masters auf Fabiano Caruana, und damit kommt es gleich zu Beginn zum brisanten Duell der beiden Weltranglistenersten. Zum ersten Mal seit 2013 ist der fünfmalige Sieger Vishy Anand dabei, und auch der andere Ex-Weltmeister Vladimir Kramnik hat sich erstmals seit 2011 zu einer Teilnahme entschlossen. Zur 80.Austragung haben die Organisatoren die stärkste Besetzung seit vielen Jahren zusammengestellt und sechs Spieler aus den Top Ten verpflichtet. Wir werfen die sieben wichtigsten Fragen vor dem Turnierstart auf.

Die fünfmaligen Sieger von Wijk aan Zee, Magnus Carlsen und Vishy Anand, sind bei der 80.Austragung wieder dabei | Foto: Offizielle Turnierseite

Mit einem Klick auf die Runde bzw. die Spielernamen könnt ihr euch sämtliche Paarungen des Masters von Wijk aan Zee ansehen:

Nun zu den zentralen Fragen vor dem Turnierbeginn:

 1. Holen Carlsen oder Anand ihren sechsten Sieg?

Seit 1938 wird das Turnier in Wijk aan Zee ausgetragen, und in diesem Video könnt ihr euch einen kurzen historischen Abriss anschauen:

"Der Turniersaal des Hoogovens-Turniers in Beverwijk im Jahr 1959."

Anatoly Karpov und Nigel Short konnten das Turnier zweimal gewinnen…

"32 Jahre ist es her, dass ich erstmals in Wijk aan Zee gewonnen habe. Das ist eine lange Zeit..."

…und Garry Kasparov dreimal. Max Euwe, Viktor Korchnoi, Lajos Portisch und Levon Aronian sind die Spieler, die viermal gewonnen haben, doch die einzigen Spieler, die fünf Siege auf dem Konto haben, sind Vishy Anand und Magnus Carlsen.

Holt einer der beiden seinen sechsten Sieg? Beide zeigten zuletzt gute Form und teilten in Riad die WM-Titel im Schnellschach (Anand) und Blitzen (Carlsen) unter sich auf. Zudem genießen beide den Vorteil, neben So, Kramnik, Svidler, Giri und Jones) sieben Mal die weißen Steine zu führen.   

Favorit ist grundsätzlich der Weltmeister und die Nummer 1 der Welt Magnus Carlsen. Wijk aan Zee ist so etwas wie seine schachliche Heimat, und er konnte das Turnier in den letzten fünf Jahren dreimal gewinnen. Der Weltmeister dürfte obendrein hochmotiviert sein, da er seit Bilbao 2016 kein Rundenturnier im klassischen Schach gewonnen hat!

"Bin heute in Wijk aan Zee zu meiner vierzehnten Teilnahme am Tata Steel Masters angekommen. Auf dem Bild werde ich gerade vom norwegischen Fernsehsender TV2 interviewt, der das Turnier live überträgt. Das Feld ist das stärkste seit Jahren!" 

Vishy derweil wurde letztmals 2006 Erster (gemeinsam mit Veselin Topalov) und hat seit 2013 nicht mehr teilgenommen, bis heute aber immer wieder gezeigt, dass er noch Turniere gewinnen kann!

2. Oder kann Wesley So seinen Titel verteidigen?

Es ist erstaunlich, wie schnell sich die Wahrnehmung beim Schach verändern kann. Die zweite Jahreshälfte 2016 gehörte Wesley So, der den Sinquefield Cup, die London Chess Classic und die Grand Chess Tour gewann und anschließend auch noch den Sieg beim Tata Steel Masters holte. Nach diesen Erfolgen war er die klare Nummer 2 der Welt, doch danach kam nur noch wenig von ihm – in Shamkir verlor er nach langer Zeit wieder eine Partie, beim Norway Chess endeten seine Partien allesamt remis und zum Jahresbeginn 2018 fand er sich auf Platz 6 der Weltrangliste wieder. Es sieht also so aus, als wäre er regelrecht eingebrochen, doch wenn man genauer hinschaut, sieht man, dass er 2017 mit dem Sinquefield Cup nur ein wirklich schwaches Turnier spielte – dort verlor er vier Partien und wurde geteilter Letzter.

Wesley So und sein neuer Freund | Foto: Alina l'Ami, Facebook-Seite des Tata Steel Chess-Turniers

3. Wird Wijk aan Zee der perfekte Aufgalopp für das Kandidatenturnier?

Ein Faktor spricht allerdings gegen Wesley, denn vermutlich liegt seine Konzentration vor allem auf dem Kandidatenturnier im März. Wijk aan Zee ist dafür ein ideales Training, da es eines der letzten Superturniere mit einer großen Teilnehmerzahl ist. Wer im Januar 13 Runden an der Nordsee durchsteht, schafft auch 14 Runden in Berlin!

Außer Wesley So sind mit Fabiano Caruana, Shakhriyar Mamedyarov, Vladimir Kramnik und Sergey Karjakin vier weitere WM-Kandidaten am Start, die alle im selben Boot sitzen. Normalerweise halten diese Spieler ihre Eröffnungen für das Kandidatenturnier zurück und experimentieren lieber, was dafür spricht, dass ein Sieg eines dieser fünf Spieler eher unwahrscheinlich ist, doch wer weiß – vielleicht befindet sich einer ja schon in Frühform!

"Mamedyarov erklärt sein gutes Abschneiden 2017: Ich trinke keinen Alkohol mehr"

4. Kann Wei Yi mit Magnus Schritt halten?

Glückszahl oder nicht? | Foto: Alina l'Ami,  Facebook-Seite des Tata Steel Chess-Turniers

Der 18-jährige Wei Yi ist weiterhin der weltbeste Junior, doch das chinesische Wunderkind konnte seinen Ruf als “künftiger Weltmeister” in den letzten Jahren nicht untermauern. Seit 2015 (damals hatte er 2737 Elo) hat er nur ein paar Punkte dazugewonnen, während Carlsen als 17-Jähriger bereits das Turnier in Wijk aan Zee gewinnen konnte. Sehr unwahrscheinlich ist auch, dass er früher als Carlsen eine Elo von 2800 erreichen wird:

"Wei Yi ist der jüngste Spieler (15 Jahre und neun Monate), der die Marke von 2700 knackte, aber er hat nur noch vier Monate, um im selben Alter (18 Jahre und elf Monate) wie Carlsen die 2800 zu erreichen. Das unmögliche Unterfangen beginnt beim Tata Steel Chess..."

Gleichwohl ist Wei Yi ein gefährlicher Angriffsspieler, der in Wijk schon auf dem siebten und fünften Platz landete. Nach einer längeren Turnierphase ist nicht ausgeschlossen, dass er jetzt den großen Durchbruch schafft.  

5. Was machen die Russen?

In diesem Jahr sind vier Russen beim Tata Steel Masters dabei: Vladimir Kramnik, Peter Svidler, Sergey Karjakin und Maxim Matlakov. Zuletzt war dies 2005 der Fall, als neben Kramnik und Svidler auch Alexander Grischuk und Alexander Morozevich am Start waren. Seitdem waren maximal drei Russen dabei, 2015 sogar keiner. 

Karjakin feierte kurz vor Turnierbeginn seinen 28.Geburtstag und zeigte sich bestens gerüstet für den niederländischen Winter!

Alexander Grischuk meinte kürzlich während der letzten Runde der Mannschafts-EM, dass er sich eine lebenslange Sperre für Wijk aan Zee verhängt habe. Einerseits machte er das Wetter verantwortlich, monierte aber auch, dass statt hoher Preisgelder lieber hohe Antrittsgelder bezahlt würden. Außerdem verwies er darauf, dass die anderen Spieler einen Zeitvorteil hätten, da er zum Rauchen vor die Tür muss. Vladimir Kramnik, der ebenfalls Raucher ist, meinte vor sechs Jahren zu Vlad Tkachiev:

Der Winter ist eine schwierige Zeit. In Wijk aan Zee spiele ich zum Beispiel immer schlecht, während es in Dortmund gut läuft. Im Winter bekomme ich einfach nicht genug Tageslicht ab. Ich stehe sehr spät auf, und in Wijk aan Zee habe ich den Eindruck, dass ich überhaupt kein Tageslicht abbekomme.

Kramnik kann dieses Mal allerdings nicht allzu spät aufstehen, da die Runden schon um 13:30 beginnen... 

Maxim Matlakov ist das neue Gesicht in Wijk aan Zee | Foto: Alina l'Ami, Facebook-Seite des Tata Steel Chess-Turniers!

Peter Svidler ist zum ersten Mal seit 11 Jahren dabei und fällt daher leider als Kommentator für chess24 aus. Neben dem achtmaligen Russischen Meister ist auch sein langjähriger Sekundant Maxim Matlakov dabei. Matlakov qualifizierte sich via ACP-Tour, hätte nach einem fantastischen Jahr 2017 aber ohnehin eine Einladung zu einem Supergroßmeisterturnier verdient gehabt. Nun muss er zeigen, dass er sich im Haifischbecken behaupten kann!

6. Wer ist der neue Loek van Wely?

Die Frage ist ein wenig unfair, da Loek van Wely dieses Jahr auf einen Start verzichtet, obwohl ihm nur noch eine Partie fehlt, um den bisherigen Rekordhalter Johannes Donner als den Spieler abzulösen, der in Wijk die meisten Partien (299) ausgetragen hat. 2016 und 2017 wurde er Letzter, und dadurch steigt der Druck auf die Teilnehmer mit relativ niedrigen Elo-Zahlen umso mehr.

Auf dem Papier ist der Brite Gawain Jones, der sich 2017 durch den Sieg bei den Challengers qualifizierte, der größte Außenseiter, er wird aber sicher versuchen, den einen oder anderen Nadelstich zu setzen.

Ähnliches gilt für den Inder Adhiban, der 2017 überraschend Dritter wurde und nachwies, dass man die Weltspitze mit riskantem Spiel in der Eröffnung durchaus ärgern kann. Die Nummer 1 der Damen, Hou Yifan, dagegen hat in Wijk aan Zee schon viele Erfahrung gesammelt und ist aktuell sogar auf einem guten Weg, die Marke von 2700 zu knacken.

Ein gutes Omen? | Foto: Alina l'Ami, Facebook-Seite des Tata Steel Chess-Turniers

Der letzte Name, der noch fehlt, ist Anish Giri, der zuletzt einiges an Elo einbüßte und als Einziger im Masters die niederländischen Farben vertritt. Er hat definitiv das Potential ein solches Turnier zu gewinnen, zumal er sich nicht auf das Kandidatenturnier konzentrieren muss…

7. Wer fehlt und warum?

Angesichts des extrem starken Feldes mit sechs Spielern aus den Top Ten ist diese Frage extrem leicht zu beantworten - drei der restlichen vier Top-Ten-Spieler, Levon Aronian, Maxime Vachier-Lagrave und Hikaru Nakamura, fehlen in Wijk aan Zee und gehen stattdessen in Gibraltar an den Start.   

Der einzige Top-Ten-Spieler, der beide Turniere auslässt, ist Ding Liren. Der Grund könnte die Vorbereitung auf das Kandidatenturnier sein.

Neben dem Masters finden in Wijk aan Zee etliche Amateurturniere sowie das ebenfalls 14-rundige Turnier der Challengers statt. Wie üblich setzt sich das Feld aus einer spannenden Mischung von jungen Talenten, gestandenen Spielern, starken Frauen und Niederländern zusammen…

Hier die Paarungen:

Alle Partien könnt ihr ab Samstag um 13:30 live auf chess24 verfolgen: Masters | Challengers

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