Berichte 24.03.2017 | 02:59von Colin McGourty

Shenzhen, Runde 1: Neues Superturnier in China gestartet

Die chinesische Nummer Eins Ding Liren hat sich vom Strategiebuch Bobby Fischers inspirieren lassen, indem er in einem 88-zügigen Kampfremis gegen seinen Landsmann Yu Yangyi eine Leichtfigur für einen Bauern opferte. Das war der Höhepunkt der ersten Runde beim Shenzhen Chess Masters, da die übrigen Partien alle um den 30. Zug herum remis endeten. Anish Giri legte in seiner Partie gegen Mickey Adams erst nach 25 Zügen eine (kurze) Nachdenkpause ein, während Peter Svidler präzise Züge fand und so Harikrishnas Hoffnungen zerstörte, Raumvorteil auszunutzen. Das Restprogramm umfasst nicht weniger als neun Runden.

Dieser unangenehme Moment, wenn man ein Schild hoch hält, das in einer Sprache verfasst ist, die man nicht spricht... | Foto: Chinesische Schachföderation

Bislang war es ein sehr ruhiger Monat für die besten Schachspieler der Welt, daher ist es gut, endlich wieder ein Superturnier zum Kiebitzen zu haben. Das Shenzhen Chess Masters ist eine neue Veranstaltung, die im Friends International Hotel im Longgand-Distrikt in Shenzhen stattfindet, einer Stadt mit 12 Millionen Einwohnern nördlich von Hong Kong:

  • Friends International Hotel, Shenzhen

Beim Turnier waren bei der Eröffnungsfeier auch Tänzer dabei | Foto: Chinesische Schachföderation

Der Preisfond beträgt 90.000 Dollar, von denen 20.000 an den Erstplatzierten gehen. Die durchschnittliche Elozahl aller Teilnehmer ist 2756, und die Spielstärke ist in der Tat ziemlich ausgeglichen, da die Nummer Eins der Setzliste Anish Giri (2769) nur 28 Punkte vom schwächsten Spieler Peter Svidler (2741) trennen. Dieses kompakte Teilnehmerfeld macht es wahrscheinlich, dass wir mehr Tage erleben werden, an denen alle Partien wie in der ersten Runde am Donnerstag unentschieden enden:

Bei Adams - Giri traf mit Mickey Adams (45) der älteste Spieler im Turnier auf den jüngsten: Anish Giri (22 - Yu Yangyi ist jedoch nur zwei Wochen älter). In der Folge gab es eine Demonstration an Eröffnungsvorbereitung durch den jungen Holländer - Giri dachte nie mehr als 23 Sekunden über einen Zug nach, bis in einer Spanischen Partie der 25. Zug erreicht wurde. 

1. e4 ist kein so schlechter Zug... | Foto: Chinesische Schachföderation

Seine Idee war bereits einmal zu sehen, allerdings nur in einer Schnellschach-Partie Anna Muzychuks im Jahr 2013:


Diese Stellung wurde von Weiß 13 mal erreicht, darunter dreimal von Sergey Karjakin und einmal von Magnus Carlsen. Nur Anna spielte das vorübergehende Bauernopfer 21. ... d4 22. cxd4 c4 23. b3, mit der Idee, dass Schwarz nun mit dem Zug 23. ... Lc5! den Bauern zurückgewinnt und die Fesselung entlang der d-Linie ausnutzt. Schwarz bekam einen potentiell gefährlichen Freibauern, aber Mickey hatte keinerlei Schwierigkeiten, die Partie nach wenigen Zügen in ein ausgeglichenes Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern zu lenken.

"Harry Krishna" und Wei Yis Cousin "Si Weidler", wie Google Translate sie auf Basis chinesischer Berichte gerne nennt, trennten sich in ihrer Auftaktpartie remis | Foto: Chinesische Schachföderation

Harikrishna - Svidler verlief viel spannender, da im Anfangsstadium viel los war. Peter Svidler dachte 20 Minuten lang darüber nach, was er auf 14. Sb3 antworten sollte:


Ohne eine Partieanalyse durch Peter Svidler ist das Folgende eine Vermutung, aber es ist wahrscheinlich, dass er Fabiano Caruanas Los vermeiden wollte, nachdem er in der ersten Runde des Tata Steel Masters 2015 gegen Ding Liren 14. ... Tac8 gespielt hatte. Die chinesische Nummer Eins eroberte Raum mit dem kniffligen 15. e4!, da das Schlagen des Bauern Schwarz Material kosten würde. Fabiano gewann diese Partie schlussendlich, aber nicht wegen der Eröffnung.

Es zeigte sich, dass Svidlers Neuerung 14. ... Tfd8 15. e4 erfolgreich verhindert, da in einem an Pacman erinnernden Abspiel Weiß auf f8 keinen Turm schlagen kann, nachdem dieser nach d8 gezogen wurde. In der Partie folgte 15. Le5 a5 16. c5 Da6 17. Db2, wonach Svidler mit dem präzisen 17. ... Db7! seine Probleme lösen konnte:


Die weiße Drohung, den Läufer nach c7 zu stellen und den a5-Bauern anzugreifen, ist verhindert, während Schwarz a4 droht. Der Läufer auf f5 nimmt Weiß das Feld b1, und nach 15 Minuten Nachdenken konnte Harikrishna nichts Besseres finden als das unangenehme 18. Da3. Svidlers 18. ... Le4 bereitete die Abtausche vor, die den Damenflügel auflösten und zu einem Remis nach 30 Zügen führten.

Hari war nicht übermäßig davon enttäuscht, wie die Dinge gelaufen waren:

Erste Partie, erste Show... Mein Auftaktmatch gegen Svidler beim #shenzhenmasters endete nach 30 Zügen remis. Gar kein schlechter Beginn.

Er genoss auch das Dasein als Fernsehstar:

Alles verkabelt... ich werde für ein Fernsehinterview vor dem #shenzhen masters-Turnier in China vorbereitet. 5 weitere Großmeister nehmen am Schlachtgewühl teil.

Jetlag und allgemeine Müdigkeit durch die Anreise könnte bei den ausländischen Teilnehmern ein Thema gewesen sein; Yu Yangyi und Ding Liren hatten jedoch keine derartigen Probleme und lieferten sich eine sehr hart umkämpfte Partie, die nach 88 Zügen remis endete. 

Begeisterung bei der chinesischen Nummer Zwei Yu Yangyi! | Foto: Chinesische Schachföderation

Der denkwürdigste Moment der Partie weckte Erinnerungen an Bobby Fischers berühmtes Läuferopfer im 29. Zug seiner ersten Partie im Weltmeisterschafts-Match gegen Boris Spassky:


Hier spielte Ding Liren 40. ... Sxh2!, obwohl klar war, dass die Tage des Springers nach 41. f3! gezählt waren. Das Opfer war aber zumindest korrekt, und im 48. Zug, als der Springer geschlagen wurde, hatte Schwarz einen gefährlichen a-Freibauern bekommen:


Fünf Züge später hat es den Anschein, als ob die Partie für Weiß gelaufen ist, da der Springer den Bauern nicht aufhalten kann...


Yu Yangyi hatte jedoch alles unter Kontrolle und zog 54. e4! - der e-Bauer rannte ans Brettende und verwandelte sich direkt nach dem schwarzen a-Bauern in eine Dame. Das Damenendspiel wurde noch rund 20 Züge lang fortgesetzt, aber das unentschiedene Resultat schien niemals außer Zweifel zu stehen.

Ding Liren und Yu Yangyi zeigten, dass sie in kämpferischer Stimmung waren | Foto: Chinesische Schachföderation

In der zweiten Runde können Giri und Svidler ihr Glück mit den weißen Figuren versuchen:

Das Turnier wird hier bei chess24 live übertragen. Die Runden beginnen um 14:30 Uhr Ortszeit, womit offensichtlich bei der Technik-Sitzung eine Änderung um eine halbe Stunde beschlossen wurde. Für die Schachfans in Europa sind das gute Nachrichten, da die Runden um 7:30 Uhr MEZ beginnen (nach der Umstellung auf Sommerzeit am 26. März um 8:30 Uhr).

Ihr könnt bei allen Partien auch über unsere kostenlosen Apps zusehen:

         

Weitere Links:


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