Berichte 25.03.2017 | 13:35von Colin McGourty

Sharjah Masters, R1-2: Auftritt der Wunderkinder

Obwohl die erste Austragung der Sharjah Masters mit vielen kampflosen Partien durch nicht angetretene Spieler einen holprigen Start erlebte, boten die ersten beiden Runden faszinierendes Schach. In Abwesenheit von Shakhriyar Mamedyarov ist Radek Wojtaszek der Topfavorit, aber das Hauptinteresse gilt einigen Wunderkindern, die in ein paar Jahren die Schachwelt dominieren könnten. Den beiden 11-jährigen bzw. 12-jährigen Indern Praggnanandhaa und Nihal Sarin sowie den 11-jährigen bzw. 12-jährigen Usbeken Javokhir Sindarov und Nodirbek Abdusattorov gelang es bereits, starke Resultate gegen GM zu erzielen.

Radek Wojtaszek ist die Nummer 1 des Turniers, Arkadij Naiditsch daneben musste in Runde 1 gegen den 11-jährigen Praggnanandhaa ran | Foto: Maria Emelianova, Offizielle Turnierseite

Das erste Sharjah Masters ist ein neunrundiges Open mit mehr als 200 Spielern, das wie der kürzlich ausgetragene Sharjah Grand Prix im Schach- und Kulturklub von Sharjah stattfindet. Als Nummer 1 war eigentlich Shakhriyar Mamedyarov angekündigt, doch als die Paarungen der ersten Runde bekannt gegeben wurden, fehlte er genauso wie einige andere Spitzenspieler wie etwa Etienne Bacrot. Es kam aber noch schlimmer, denn da viele angemeldete Spieler einfach nicht angereist waren, kam es zu vielen kampflosen Partien!

Gawain Jones gehört nicht zu denjenigen, die kurzfristig dem Turnier fernblieben, und ist dabei! | Foto: Maria Emelianova, Offizielle Turnierseite 

Durch ein beschleunigtes Paarungssystem wurde dafür gesorgt, dass die besten Spieler direkt zum Auftakt Spieler aus dem Bereich von 2400 bis 2500 Elo zugelost bekamen. Dies führte dazu, dass an den ersten 13 Brettern, abgesehen von kampflosen Partien, nur Adhiban und Gawain Jones ihre Partien gewannen. Erst Runde 2 verlief halbwegs normal, als die Favoriten sieben der acht Spitzenbretter für sich entscheiden konnten. Alle Partien könnt ihr hier nachspielen, indem ihr auf die jeweilige Runde und den jeweiligen Spieler geht:

Werfen wir nun einen Blick auf einige der vielversprechendsten Talente der Welt und beginnen mit dem 11-jährigen Inder Praggnanandhaa.

Praggnanandhaa: Auf Rekordjagd

Als jüngster IM der Schachgeschichte muss man über den jungen Inder wenig einführende Worte verlieren. Sein Ziel ist natürlich, Sergey Karjakin als jüngster Großmeister aller Zeiten abzulösen – der Russe wurde mit 12 Jahren und 7 Monaten GM. Drei Großmeisternormen muss er noch holen, aber wer würde ihm das nicht zutrauen? Ist hier bereits die erste Norm drin? Sein Start verlief vielversprechend!


Viel schlimmer kann es kaum kommen, als in der ersten Runde mit Schwarz gegen die Nummer 3 des Turniers Arkadij Naiditsch gelost zu werden, und tatsächlich sah es nicht gut aus, als die ehemalige deutsche Nummer 1 mit einem Mehrbauern das Endspiel erreichte. Nach dem 40.Zug gibt es bei diesem Turnier nur Zeitboni und keine frische Bedenkzeit, doch Praggnanandhaa bewahrte kühlen Kopf und hielt die Partie remis. Auch gegen Naiditsch Mannschaftskollegen Eltaj Safarli musste der Inder ein schwieriges Endspiel verteidigen, löste aber auch diese Aufgabe mit Bravour.

Diesen Jungen sollte man nicht unterschätzen... | Foto: Maria Emelianova, Offizielle Turnierseite

In der dritten Runde muss er gegen den Lokalmatador Salem Saleh ran, der eine der herbsten Niederlagen des bisherigen Turniers erlebte. Gegen einen indischen IM spielte er erbittert auf Gewinn, griff dann aber mit 41.Te7?? (41.e6! war der einzige Zug) furchtbar fehl:


41.De2! Das Matt auf h5 kann nur mit 42.g4 verhindert werden, aber dann folgt 42…Df2#

Größter Skalp für Nihal Sarin

Der 12-jährige Nihal Sarin steht ein wenig in Praggnanandhaas Schatten, aber nach seinem Schwarzsieg gegen Matthias Blübaum in Runde 1 erzählte er Daniel King, dass dies bereits sein sechster Sieg gegen einen Großmeister gewesen sei. Blübaum war mit einer Elo von 2632 allerdings sein bislang stärkstes Opfer. Hier Kings Kommentar in englischer Sprache:

Weitere Video gibt es auf der offiziellen Turnierseite.


In der 2.Runde wäre es fast zu einer noch größeren Sensation gekommen, als der 12-Jährige einen Mehrbauern gegen Arkadij Naiditsch hatte, doch mit wenig Zeit auf der Uhr büßte Sarin erst seinen Vorteil ein und stellte dann mit 55.Te6? sogar die ganze Partie ein. Hier die Stellung nach 57.Ta6 (zwei Züge zu spat…):


Sarin versuchte einen letzten Trick, denn 57…h2?? hätte wegen 58.Ta8+, 59.Ta7+, 60.Txh7 sogar noch gewonnen. Naiditsch konnte dieses Problem auf verschiedene Arten lösen, er entschied sich aber für die eleganteste: 57…Th4+! 58.Kxh4 h2 und Weiß gab auf, da der weiße Springer nach 59.Ta1 entscheidend nach g1 kommt. Eine herbe Niederlage nach hartem Kampf!

Nodirbek Abdusattorov: Wunderkind in der Krise

Als Schachwunderkind hat man es nicht leicht. Der 12-jährige Nodirbek Abdusattorov war U8-Weltmeister und besiegte bereits mit neun Jahren zwei Großmeister, zudem war er mit 11 und 12 der Spieler mit der höchsten Elo seines Jahrgangs. Vor zwei Jahren war seine Elo höher als heute, und damit ist es auch sehr unwahrscheinlich geworden, dass er Karjakin als jüngsten Großmeister aller Zeiten ablösen wird.

Der 12-jährige Nodirbek Abdussatorov vor seiner Erstrundenpartie gegen Vladimir Akopian | Foto: Maria Emelianova, Offizielle Turnierseite

Natürlich sagt das noch nichts Endgültiges aus, da nicht der schnelle Aufstieg entscheidend ist, sondern wo ein Spieler letztlich landet. Mit seinem Remis gegen Vladimir Akopian, der 2675 Elo hat, zeigte der junge Mann jedenfalls, dass er mithalten kann.


In Runde 2 musste er gegen den 21-jährigen spanischen Großmeister David Anton antreten, der dieses Jahr beim Tradewise Gibraltar Masters ein großartiges Turnier spielte. Anton schlug im Verlsuf einen Bauern auf dem Damenflügel und hatte richtig eingeschätzt, dass der schwarze Angriff am Königsflügel trotz eines Figurenopfers im Sande verlaufen würde. Die lustigste Stellung kam nach Abdusattorovs 35…fxe3 aufs Brett:


Quadrupelbauern sieht man nicht oft!

Javokhir Sindarov: Durch Schützenhilfe…

Sindarov ist ein weiteres Wunderkind aus Usbekistan. Er ist 11 und sogar noch jünger als Praggnanandhaa, zudem halt er mit 2299 den Rekord für die jüngste Elo eines Zehnjährigen. Da es teilweise durch fremde Schützenhilfe zustande kam, ist sein momentanes Ergebnis allerdings ein wenig schmeichelhaft!


Oleg Korneev ist einer der Spieler, die in Runde 1 nicht antraten, wodurch Javokhir mit Schwarz einen kampflosen Punkt einfuhr. 

Benjamin Gledura, Schachsenior mit 17 Jahren, gegen den 11-jährigen Javokhir Sindarov | Foto: Maria Emelianova, Offizielle Turnierseite

In Runde 2 spielte er gegen den ungarischen Jungstar Benjamin Gledura eine dramatische Partie, die für beide nicht ganz planmäßig verlief:


Javokhir dachte nach Gleduras 55.Txd7?? nicht lange nach, und nach 55…Dxh3+ einigten sich die beiden Kontrahenten wegen des Dauerschachs auf g3 und h3 auf Remis. Stattdessen hätte Benjamin einfach nur 55.T1f6+! Kh5 einschalten müssen, wonach es nach 56.Txd7 kein Dauerschach mit 56…Dxh3+ gibt, da der Turm das Feld f1 freigemacht hat und der weiße König auf den Damenflügel fliehen kann.

Man darf gespannt sein, wie die jungen Stars in den weiteren Runden abschneiden werden. Aktuell liegen 31 Spieler mit 2 aus 2 an der Spitze, darunter Gawain Jones, Laurent Fressinet, Adhiban und Wang Hao. Mit dabei sind auch einige starke Damen:

Jeweils um 13:30 Uhr könnt ihr die Partien vom Sharjah Masters live verfolgen, wie üblich auch mit unseren kostenlosen Apps:

         

Weitere Links:


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