Interviews 06.03.2019 | 08:18von Colin McGourty

Shankland: “Ich will Weltmeister werden”

Im Alter von 26 Jahren gewann Sam Shankland die US Meisterschaft 2018 vor Fabiano Caruana, Wesley So und Hikaru Nakamura und hörte damit urplötzlich auf, ein "solider 2650er Großmeister" zu sein. Dieser Sieg katapultierte ihn in den 2700er Klub und seine darauffolgenden Ergebnisse brachten ihn in die Top 25 der Welt. Es ist deshalb faszinierend, sich seinen Vortrag im Los Angeles Chess Club anzuhören, wo er darüber sprach, was sich seit seinem Sieg verändert hat, welche Ambitionen er für die Zukunft hat und was Magnus Carlsen vom Rest der Welt unterscheidet.

Sam Shankland analysiert seine Partie gegen  Awonder Liang, welche ihn zum US Meister 2018 machte | Foto: Lennart Ootes, uschesschamps

Zu Beginn des einstündigen Vortrags am 16. Februar 2019 im Los Angeles Chess Club kommentiert Sam: "Ich möchte die nächste Generation amerikanischer Spieler inspirieren und ich hoffe, ich kann die Herzen einiger berühren!" Im Anschluss analysiert er seinen Letztrundensieg über Awonder Liang, der ihn 2018 zum US Meister machte, bevor er dann noch Fragen aus dem Publikum beantwortete. Du kannst das Video hier anschauen: 

Nachfolgend haben wir die Antworten, die Sam dem Publikum gab, transkribiert: 

Wie hat sich sein Training und seine Vorbereitung verändert, nachdem er in die Weltspitze vorgestoßen ist und er mehr unter Beobachtung steht? 

Ich versuche natürlich so zu trainieren wie ich das auch zuvor getan habe. Wenn du besser wirst im Schach, bedeutet das, dass irgendetwas funktioniert. Ich bin eher so der "nichts ändern, solange es gut läuft"-Typ. Es ist einfach, selbstgefällig zu werden, insbesondere jetzt wo ich viel Geld verdiene, was ich vorher nicht getan habe. Leidenschaft motiviert mich allerdings mehr als alles andere. Ich kann definitiv nachvollziehen, dass manche Menschen denken: "Oh, ich verdiene jetzt leicht meinen Lebensunterhalt und nehme meinen Fuß nun etwas vom Gas". Aber so bin ich einfach nicht. Und was meine Partien angeht, die nun mehr unter öffentlicher Beobachtung stehen, das interessiert mich nicht wirklich. Ich spiele aus Liebe zum Schach, nicht weil mich interessiert, was irgendwelche Experten darüber sagen.

Ob er schon einmal gegen Magnus gespielt hat?

Ja, ich habe vor ein paar Wochen gegen ihn gespielt. Ich habe auch bereits mit ihm und seinem Team in der Vorbereitung gearbeitet - ich war sein Sparrings-Partner, aber ich habe erst eine wirklich Turnierpartie gegen Magnus gespielt Magnus. Das war vor einigen Wochen. Sie endete remis. 

Wie fühlt es sich an, statt regulärer Turnierpartien nur als Sparrings-Partner gegeneinander zu spielen?  

Naja, es ist weniger ernst und es geht mehr darum, etwas zu lernen als dass es um den sportlichen Aspekt geht, weshalb es sich ganz anders anfühlt. Ich bin sehr eigen, was meine Routinen vor Turnierpartien angeht, das schließt zum Beispiel ein, was und wann ich morgens esse, welche Art von Vorbereitung ich mache, welche Art von Stellungen ich anstrebe, wann ich schlafen gehe, solche Dinge halt, und Sparring ist viel weniger ernst. Dennoch lernst du viel davon, wenn du es macht, insbesondere dann, wenn du es richtig machst.

Was hältst du vom Carlsen-Caruana Match?

Ich denke, Magnus spielte sehr, sehr schlecht. Realistisch betrachtet, geht man von den Stellungen aus, die er bekommen hat, dann sollte das Match nicht eng gewesen sein. Aber das war es. Das Match endete 6:6, deshalb denke ich, dass man sagen kann, es hätte so oder so ausgehen können. Es war bedauerlich, dass alle Partien remis endeten, aber die Stellungen, die Magnus nicht gewonnen hat, das fand ich verblüffend. Er zeigte offensichtlich nicht sein bestes Schach verglichen mit dem, was er normalerweise spielt. Im Endeffekt muss ich aber auch sagen: Ich bin wirklich gut im Schach, ich bin die Nummer 24 der Welt, aber das Level der beiden ist immer noch etwas höher als das meinige and ich kann wirklich nicht über alles im Detail reden, denn da gibt es vermutlich viele Dinge, die ich nicht verstehe.

Was sollten Spieler unter 2000 tun, um sich zu verbessern? 

Das ist eine schwierige Frage, denn du sagst Spieler unter 2000 und ich weiß nicht einmal dein Rating - vielleicht bist du ein 1900er - aber ich kann dir versprechen, dass du nicht überall ein 1900er bist. In irgendeinem Bereich spielst du wie ein 2100er, in einem anderen wie 1700. All diese zufälligen Fähigkeiten, die sich in dir vermischen, machen dich zu jemandem mit einem Durchschnitt von 1900 als Spielstärke. Im Allgemeinen aber glaube ich, dass du speziell die Bereiche in deinem Spiel verbessern musst, wo du am schwächsten bist, wenn du ein besserer Schachspieler werden willst. Denn im Schach  musst du jede Stellung spielen können, die vor dir aufs Brett kommt. Wenn ich eine Analogie machen müsste: Wenn du gut den Ball mit dem Fuß passen kannst, wenn du gut rennen kannst, du gut schießen kannst, aber du eine absolute Niete bist, wenn es darum geht, den Ball mit der Hand zu fangen, dann ist das super - aber sei kein Torwart. Im Schach allerdings musst du alle Stellungen gut spielen können, die aufs Brett kommen. Wenn du also Schwächen in einer Phase der Partie hast, wirst du nicht so gut spielen wie andere. Du solltest speziell diesen Bereich deines Spiels ins Auge nehmen. Stellen wir uns einen 1900er vor, der im Bereich Taktik wie 2100 und in Endspielen wie 1700 spielt. Ihm würde ich raten: "Lerne Endspiele." Wenn der 1900er wie 2100 im Endspiel und wie 1700 spielt, wenn es um Taktik geht, würde ich ihm raten: "Lerne Taktik". Deshalb fällt es mir schwer, einen allgemein gültigen Hinweis zu geben, der für alle und für jede Situation richtig ist, wenn das überhaupt Sinn ergeben sollte.

Welche Bücher haben ihm am meisten geholfen, um besser zu werden?

Das beste Buch das ich jemals gelesen habe ist die Endspieluniversität von Dworetzki. Es ist definitiv für Fortgeschrittene, aber Dworetzki, möge er in Frieden ruhen, war meiner Meinung nach der größte Autor, sicherlich zu meiner Lebzeit, möglicherweise aber auch aller Zeiten. Ich mag seine Bücher sehr. Und dann auch die Grandmaster Preparation Serie von Jacob Aagaard, die ist ebenfalls sehr gut.

Was ist dein Ziel im Leben, wenn es um Schach geht? 

Ich will Weltmeister werden. Ich werde das Ziel aller Voraussicht nach nicht erreichen, denn Magnus ist einfach verflucht gut und da gibt es noch eine Menge an Konkurrenten. Ich kann dir allerdings garantieren, dass ich dieses Ziel nicht erreichen werde, wenn ich es nicht versuche und dass ich mein Bestes geben werde. Und schlussendlich, wenn du deine Ziele so hoch wie möglich ansetzt, dann wirst du es so weit wie möglich gebracht haben, auch wenn du kurz vorher scheitern solltest. Wenn ich die Nummer 1 der Welt werden will und am Ende nur Fünfter bin, dann wird mich das glücklicher machen als wenn ich mir als Ziel gesetzt hätte, die Nummer 10 zu werden und Nummer 10 geworden bin. Ich glaube also daran, sich die ambitioniertesten Ziele zu setzen. Mein Ziel ist es, Weltmeister zu werden - unwahrscheinlich, dass es passiert, aber ich werde mein Bestes geben.

Wie sehen seine Routinen aus? 

Ich ernähre mich während Turnieren ziemlich strikt. Abseits von Turnieren esse ich allerdings verdammt ungesund, trainiere aber glücklicherweise viel. Zu meinen Routinen kann ich im Allgemeinen sagen: Ich lebe im nördlichen Kalifornien, also immer noch in der Pazifischen Zeitzone. Ich wache morgens auf und das erste, was ich tue, ist meinen Laptop zu nehmen und alle Partien zu checken. Denn für gewöhnlich gibt es Turniere in Europa und Asien, die zwischen 9 und 15 Stunden in anderen Zeitzonen versetzt stattfinden. Ich schaue mir diese Partien an, checke, was dort gespielt wird. Einen guten Teil des Tages trainiere ich Variantenberechnung. Ich überprüfe meine Eröffnungen, insbesondere dann, wenn in den aktuellen Turnierpartien relevante Updates der Theorie zu sehen waren. Andere Spieler kommen zu mir um mit mir zu trainieren. Ich reise nach Europa und Asien, um dort ebenfalls mit anderen Spielern zu trainieren. Es ist verdammt viel Arbeit, aber bisher hat es so für mich gut funktioniert. Und du musst halt einfach geduldig sein, denn der große Erfolg kommt niemals so schnell wie du es dir wünschst - aber wenn du hart genug arbeitest, dann kommt er. 

Gegen die besten Gegner der Welt zu spielen, wird immer mehr zur Routine für Shankland, der am Wochenende in der Bundesliga gegen Shakhriyar Mamedyarov verlor, am Wochenende aber mit einem Remis gegen Fabiano Caruana und Peter Leko zurück kam | Foto: Georgios Souleidis, official website

Welche persönlichen Herausforderungen hat er durch das Schach bewältigen können? 

Während meines Abschlussjahres auf dem College hatte ich einige emotionale Probleme aufgrund von Dingen abseits des Schachs und ich denke, dass Schach spielen und sich mit Schach intensiv auseinandersetzen, so viel wie ich es getan habe, mir dabei geholfen hat, negative Emotionen in das Schach zu kanalisieren. Das hatte einen positiven Einfluss auf mich in Bezug auf meine allgemeine Zufriedenheit und auf meine Fähigkeit, Schach spielen zu können. Ganz generell kann man sagen, dass wenn du an etwas so sehr hängst wie ich am Schach und einigen weiteren Dinge hänge, insbesondere zu dieser Zeit, dann schmerzt es unsagbar stark, wenn du deine Ziele nicht erreichst oder wenn du es knapp nicht schaffst oder du scheiterst. Dann trifft dich die Enttäuschung oder gar eine Art von Selbstzerstörung und was mir hier das Schach und solche Lebenserfahrungen grundsätzlich gelehrt haben, ist es, mit Rückschlägen umzugehen.

Ich bin sehr behütet groß geworden und stamme aus einer gut situierten Familie. Ich war sehr talentiert im Schach, wurde schnell signifikant besser und begegnete niemals wirklich vielen Herausforderungen in meinem Leben. Und als ich dann wirklich auf Widerstände traf, lernte ich, wie ich nicht an ihnen zerbreche. Es kann dir Angst machen, aber es darf dich nicht brechen oder dich davon abhalten, weiterzukämpfen. Und ich denke, als bestes Beispiel dafür kann ich die elfte Runde beim Tata Steel Turnier vor wenigen Wochen anführen. Das war der mit Abstand beschämendste Moment in meiner Karriere. Ich  gab in einer technischen Remis-Stellung gegen Anish Giri auf. Ich dachte, ich stünde auf verlorenem Posten - aber es gab eine rettende Ressource, die ich jedoch nicht völlig verstand. Ich gab eine Remis-Stellung auf, von der alle und ihre Computer verstanden, dass sie schlicht remis war. Ich war das Gespött der Schachwelt und mein jüngeres Ich wäre daran vielleicht zerbrochen. Jetzt, da ich bis zu einem gewissen Punkt abgehärteter bin, hatte ich ein Comeback und riss meinen beiden nächsten Gegner einfach den Kopf ab, insbesondere in der Partie, die ich unmittelbar auf diese Niederlage spielte [gegen Ian Nepomniachtchi].


Shankland gibt nach Giri's 45.b6 auf, obwohl Weiß mit bestem Spiel nicht gewinnen kann.

Mein Gegner nahm in dieser Partie früh einige wirkliche Risiken in Kauf, was in meinen Augen eine durchaus nachvollziehbare Entscheidung war, um jemanden zu schlagen, der gerade am Boden liegt - das ist der Sport. Das ist, was du tun musst: Nutze es aus, wenn es jemandem gerade richtig mies geht und er nicht in der Lage ist, alles abzurufen. Gegen ein jüngeres Ich hätte das vermutlich funktioniert, aber so wie ich mich an diesem Tag fühlte, da... habe ich ihn einfach vom Brett gefegt. Diese charakterliche Stärke ist etwas, das ich durch das Schach gelernt habe, denn zumindest ich hatte diese Stärke nicht von Natur aus. Ich war nicht immer so. 


Shankland's Angriff gegen Nepomniachtchi schlägt durch. In der letzten Runde gewinnt er zudem noch gegen Kramnik.

Was ist deine Lieblingsvariante?


Ich mag den Halb-Slawen sehr, mit beiden Farben. Ich liebe es, dass dort überall diese Spannung im Zentrum ist, die so solide aussieht, aber in jedem Moment kann die Stellung explodieren und dann ist plötzlich überall Taktik. Im Allgemeinen mag ich Eröffnungen, die dazu neigen, sehr solide Stellungen zu produzieren, so ganz generell, die dann aber das Potential haben, schnell, sehr schnell zu explodieren, sodass es nicht so sehr um Vorbereitung und den Computer geht - denn in Stellungen, die von Beginn an offen sind, da sind die Computer tödlich - in diesen Eröffnungen geht es mehr um ruhige Stellungen, die irgendwann an einem bestimmten Punkt explodieren. So wie der Halb-Slawe. Ich mag solche Stellungen sehr.

Auf dem Weg Weltmeister zu werden

Das Kandidatenturnier, um den Weltmeister herausfordern zu dürfen, würde vermutlich der zweite Schritt eines 3-Schritt-Plans sein, um Weltmeister zu werden. Schritt 1 ist, sich für das Kandidatenturnier zu qualifizieren. Das Kandidatenturnier funktioniert wie folgt: Es gibt acht Spieler, und typischerweise denke ich, dass dort die Top 9 der Welt spielen, denn der Weltmeister spielt natürlich nicht. Diese Top 9 sind allerdings nicht strikt die neun besten Spieler nach Rating. Ich glaube, dieses Jahr gibt es zwei Spieler, die sich über das Rating qualifizieren [derzeit scheint es allerdings eher so, dass ein Platz über Rating vergeben wird und der andere über eine Wild Card], die zwei Besten des World Cup, der Gewinner des FIDE Grand Swiss und der Verlierer des Weltmeisterschaftsmatches, sowie die beiden Besten des Grand Prix. Ich bin für den World Cup und das Grand Swiss qualifiziert. Also habe ich potentiell die Chance auf drei dieser Plätze. Ich müsste unfassbar gut spielen, um das zu erreichen, aber im nächsten Zyklus wäre das möglich. Ich müsste einfach nur sehr, sehr sehr gut spielen. Ich hatte die Hoffnung, dass es für mich möglich wäre, auf mehr als drei Qualifikationsplätze spielen zu können und in 2022 wird das aller Voraussicht nach auch der Fall sein, aber es gibt eine Fülle von Möglichkeiten, wie ich beim nächsten Kandidatenturnier mitspielen könnte.

Betreibt er nun mehr Training der Variantenberechnung im Vergleich zu der Zeit, als er IM oder "nur" GM war? 

Ich habe damit begonnen, ernsthaft das Training der Variantenberechnung zu beginnen, als ich zum ersten Mal meinen Trainer Jacob Aagaard traf - es war unsagbar gut. Ich habe zuvor nicht viel Variantenberechnung trainiert weil ich schlicht dachte, dass ich darin schon sehr gut war. Und im Allgemeinen gilt ja: Was du nicht weißt, macht dich nicht heiß. Aber was dich heiß macht ist das, wenn du weißt, dass du in irgendetwas schlecht bist. Ich war nicht gut in der Variantenberechnung. Ich glaubte nur, dass ich gut wäre obwohl ich es nicht war und dann, wenn ich mit Jacob trainierte und herausfand, wie viel in dem Bereich noch zu lernen war und wie viel besser ich noch werden konnte, da realisierte ich nicht nur, wie schlecht ich bisher war, sondern wie schlecht auch alle anderen waren und dass ich, wenn ich lernen würde, richtig zu rechnen, ich damit anfangen würde, meine Gegner umzubringen. Ich entschied mich also, dass ich das Berechnen von Varianten trainieren würde wie kein Zweiter.

Shankland's Trainer Aagaard redet über ihre gemeinsame Arbeit in Ben Johnson's podcast

Denkt man einmal gut darüber nach, ist es wie diese Typen, die Komodo, Stockfish und solche Schachengines programmiert haben Sie haben alle ein Rating von 2000, 2200. Ihre Fähigkeit, einem Computer beizubringen, wie man Schachpositionen bewertet und wie man Schach versteht sollte nicht höher sein als meine, aber warum sind dann Computer so viel besser als wir? Es ist schlicht und ergreifend weil sie so viel besser rechnen als wir. Diese Fähigkeit ist die allerwichtigste im Schach and mittlerweile bereue ich es, dass ich die Variantenberechnung nicht früher trainierte, als ich noch jünger war.

Hat er früher Engines geschlagen?

Keine guten. Zu der Zeit als ich wirklich gut wurde hatten wir den Kampf gegen die Computer bereits verlieren. Sie sind einfach besser als wir und ich glaube, ich habe gegen einige alte Engines gespielt, irgendwelche alten Deep Fritz Versionen und sowas und ich konnte von 20 Partien vielleicht eine gewinnen, wenn ich Glück hatte und die richtige Art von Stellung bekam. Aber gegen Stockfish, Houdini, Komodo oder Leela, vergiss es.

Glaubst du, Talent im Schach ist etwas, womit du geboren wirst?

Fragen auf einem kosmischen Niveau wie diese sind wie "bist du so gut wie du bist weil du als Genie geboren wurdest oder weil du hart gearbeitet hast?" - auf diese Art von Fragen werden Menschen wohl niemals eine Antwort finden. Ich glaube daran, dass es eher daran liegt, dass man hart gearbeitet hat, denn das motiviert mich zum arbeiten. Ehrlicherweise, wenn man sich ein solches Naturtalent anschaut, wie es Magnus sicherlich hat - dann bin ich mir vollkommen im Klaren darüber, dass es größer ist als alles, was ich mir vorstellen kann, aber harte Arbeit kann viel Boden gut machen. Ich hatte immer eine Theorie, dass wenn du dein Leben wirklich etwas Bestimmtem widmest und du dich zu 110% dort hinein hängst, Tag für Tag, dann kannst du es problemlos in die Top 1% von absolut allem schaffen, das du willst. Über dieses 1% hinweg hingegen brauchst du allerdings dieses Talent.

Stell dir vor, ich würde morgen mit Schach aufhören und mich dafür entscheiden, den Rest meines Lebens mich jeden Tag dazu zu motivieren, der beste Basketballspieler zu werden, der ich werden kann, ich würde ein herausragender Basketballspieler werden... and ich würde es niemals in die NBA schaffen. Ich denke, es ist klar, dass ich nicht das habe, was es natürlicherweise braucht, aber ich würde sehr, sehr gut werden, wenn ich mich dem Basketball verschreibe und ich denke, beim Schach ist das genau so. Ich bin mir sicher, jeder kann es zum FM, vielleicht zum IM, möglicherweise sogar zum GM schaffen wenn er sich wirklich sein ganzes Leben lang dem Schach verschreibt und das Schach im Prinzip das eigene Dasein bestimmt, so wie ich es getan habe. Mehr als GM, das weiß ich aber nicht.

Wie manifestiert sich Carlsen's Genie?

Wenn ich wüsste, was Magnus zu dem Genie gemacht hat, das er heute ist, dann wäre ich heute vielleicht selbst Weltmeister und nicht er. Er hat einfach diese Art, auf das Brett zu schauen und er weiß einfach, welche Züge die kritischsten sind - nicht unbedingt, was die besten, aber welche Züge die kritischen sind. Er hat diese Art, wie sie Bobby Fischer hatte, wenn du ihm beim Spielen zusiehst. Ich habe eine Statistik gesehen, bei denen die Zugauswahl des Computers mit der von den Top 10 Spielern verglichen wurde. Und die Übereinstimmung in Bezug auf den besten Zug war bei Carlsen am geringsten. Wenn es aber darum geht, einen der besten drei Züge zu finden, dann ist Magnus spitze. Das bedeutet schlicht, dass Magnus vielleicht nicht immer so oft den besten Zug spielt wie andere Spieler es möglicherweise tun, er aber immer gute Züge spielt und er damit eben keine groben Fehler macht, weil sein natürliches Gefühl so gut ist. Noch einmal, er ist so viel besser als ich, das ist wirklich schwer in Worte zu fassen. Selbst als Nummer 24 der Welt gibt es zwischen uns so krasse Unterschiede. Es ist für mich hart, wirklich zu verstehen, was in seinem Kopf vorgeht, weil er einfach so viel besser ist.

Welche Meinung hast du zu den Partien von AlphaZero?

AlphaZero gegen Stockfish interessierte mich nicht wirklich, da das Match offensichtlich hinter verschlossenen Türen stattfand und einer anderen Art von Überwachung. AlphaZero war viel stärker, aber es kann nicht auf der Art von Computern laufen, die normale Menschen besitzen - es funktioniert nur auf spezieller Hardware. Viel interessanter fand ich, dass LeelaZero zuletzt Stockfish geschlagen hat oder zumindest die Führung im Match übernahm, als ich es das letzte mal bei TCEC prüfte [am Ende gewann Stockfish knapp mit 50.5:49.5]. Nun war es keine totale Zerstörung, wie es noch bei AlphaZero der Fall war, aber dennoch schlug die AI Engine, ich vermute, eine schwächere Version, den Stockfish, den Menschen entwickelt hatten. Das war für mich viel interessanter, wenn man sich den Unterschied im Spielstil anschaut. Ich weiß nicht. Ich verwende nicht so viel Aufwand für Computerschach weil ich mich mehr darauf konzentriere, Menschen zu schlagen. Wenn du einen Computer schlagen willst: Viel Glück!

Immer fröhlich, der amtierende US Meister @GMShanky, Vladimir Jagr #chess #picf2019

Sam wird versuchen, seinen Meistertitel in Saint Louis im Laufe des Monats zu verteidigen. Zuerst spielt er allerdings bei der Premiere des Prager Chess Festival Masters, das am 6. März um 16 Uhr beginnt. Die Partien kannst du  hier auf chess24 verfolgen!

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