Berichte 23.04.2017 | 23:14von Colin McGourty

Shamkir, R1-2: Sos Serie gerissen, Eljanov führt

Wesley Sos ungeschlagene Serie wurde nach 67 Partien in der spektakulären Auftaktrunde des Gashimov Memorial 2017 am Freitag von Shakhriyar Mamedyarov beendet. Zeit war ein großer Faktor, da Wesley sich nicht auf den fehlenden Zeitzuschlag vor dem 61. Zug umstellen konnte und mit nur noch wenigen Sekunden auf der Uhr patzte. Teimour Radjabov überstand sogar noch größere Zeitnot, konnte die Niederlage gegen Pavel Eljanov aber dennoch nicht verhindern. Eljanov übernahm hingegen mit einem Sieg über Harikrishna in der zweiten Runde früh die Führung im Turnier.

Der Sieger des Shamkir-Turniers 2016 Shakhriyar Mamedyarov war derjenige, der Wesleys ungeschlagene Serie beenden konnte | Foto: Offizielle Turnierseite

Ihr könnt alle Partien mittels des Selektors unterhalb nachspielen. Bewegt den Mauszeiger über einen Spieler, um dessen Auslosung und bisherige Ergebnisse anzuzeigen:

Wesley hat keine Zeit mehr

Alles hat einmal ein Ende. Magnus Carlsen konnte Wesley So am 16. Juli 2016 in Bilbao bezwingen, doch seit damals war Wesley in klassischen Partien ungeschlagen - eine 67 Partien währende Serie:

Bilbao Masters (ab Runde 5): 6 Partien, +1
Sinquefield Cup: 9 Partien, +2
Schacholympiade: 10 Partien, +7
Isle of Man Open: 9 Partien, +4
London Chess Classic: 9 Partien, +3
Tata Steel Masters: 13 Partien, +5
US Championship: 11 Partien, +3

Insgesamt: 67 Partien, +25

Nach der US-Meisterschaft kam er schon frühzeitig, am Sonntag, den 16. April, nach Aserbaidschan, und war somit vor seiner Erstrundenpartie gut erholt.

Er traf auf den Turniersieger von 2016, den Lokalmatador Shakhriyar Mamedyarov - doch als Nummer Zwei der Welt und im Vorjahr insgesamt angesagtester Spieler hatte er mit Weiß wenig Grund zur Sorge. Seine überraschende Eröffnungswahl - die Schottische Partie (1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. d4) -, die er zuvor erst wenige Male versucht hatte, ließ annehmen, dass er viel vorhatte.

Doch von da an verliefen die Dinge nicht nach Plan. Shakhriyar meinte nach der Partie, er habe eine Variante gespielt, mit der er Remis erreichen wollte, doch Wesley schien auf alte Theorie nicht vorbereitet zu sein und verbrauchte in einer schon oft gesehenen Stellung für die Züge 9 und 10 über 40 Minuten Zeit. Mamedyarov wurde später selbst ehrgeizig und gab viel vom Bedenkzeitvorsprung zurück, doch es war Wesley, der sich in einer extrem unangenehmen Lage befand: er hatte nur noch rund zwei Minuten übrig, musste jedoch in einer sehr scharfen Stellung noch rund zehn Züge ausführen. Normalerweise müssen wir bei solchen Angaben hinzufügen, dass die Spieler auch 30 Sekunden Gutschrift pro Zug bekommen, aber das war hier nicht der Fall, da dieser Zeitaufschlag erst ab dem 61. Zug dazukommt.

Schach auf der großen Bühne | Foto: Offizielle Turnierseite

Zunächst schien Wesley dennoch all seine Probleme lösen zu können, im 39. Zug unterlief ihm jedoch ein entscheidender Fehler:


Mit zusätzlichen 30 Sekunden auf der Uhr hätte Wesley zweifellos 39. gxf3! gespielt, oder zumindest 39. Kxf3!? - mit nur noch 13 Sekunden verfiel er aber in Panik und zog 39. Dxf3+??. Möglicherweise machte das mit dem Zug verbundene Schachgebot unterbewusst den Zug reizvoll, da es die Möglichkeiten des Gegners einzuschränken scheint. Leider war eine davon  jedoch 39. ... e4!, und die Partie ist einfach vorbei. Zum Beispiel: 40. Da3 Dxc4+ 41. Kd1 Tb1+ und Matt im nächsten Zug.

Shakh und Sergey wussten womöglich, dass ihnen kein harter Arbeitstag bevorstand | Foto: Offizielle Turnierseite

In der zweiten Runde musste Wesley von vorne beginnen, was er mit einem zweischneidigen Remis gegen Mickey Adams auch machte. Mamedyarov konnte seinen großartigen Beginn mit einem schnellen Remis durch Stellungswiederholung (Remisangebote sind vor dem 40. Zug verboten) gegen Sergey Karjakin konsolidieren - er war im letzten Weltmeisterschaftsmatch sein Sekundant und betrachtet ihn als guten Freund.

Pavel Eljanov hebt ab

Der zweite einheimische Spieler, Teimour Radjabov, hatte eine schwierige erste Runde | Foto: Offizielle Turnierseite

In der ersten Runde gab es noch einmal Zeitnot, dieses Mal bei Teimour Radjabov: er hatte nur noch 12 Sekunden für fünf Züge, und dann 2 Sekunden für zwei Züge. Er überstand diese unmittelbare Krise, aber schlussendlich kostete ihn die fehlende Zeit, um ein kniffliges Endspiel zu berechnen, die Partie:


Hier spielte Teimour im Blitztempo 34. ... Ld5?!, doch es scheint, dass er danach bereits so gut wie auf verlorenem Posten steht, da der Springer den schlechten Läufer beherrscht und Pavel Eljanovs König über die dunklen Felder in die gegnerische Stellung eindringen konnte.

34. ... Ld7! scheint die bessere Wahl gewesen zu sein, da er das Feld f5 im Auge behält und den Bauern auf b5 deckt, sofern Schwarz den c6-Bauer bewegen möchte. Die Partie dauerte nach der Zeitkontrolle im 40. Zug nur noch sechs Züge.

Mr. 100%! Pavels beeindruckende Leistungen in Aserbaidschan gehen weiter. Nach seinem Abschneiden beim Weltcup 2015 in Baku wurde er in Elojanov umbenannt | Foto: Offizielle Turnierseite

Pavel setzte seinen großartigen Beginn fort, durch den er bereits auf Platz 13 in der Weltrangliste vorgestoßen ist, und besiegte in der zweiten Runde mit Schwarz Harikrishna. Hari spielte eine ambitionierte Eröffnung mit entgegengesetzten Rochaden, in der sich beide Könige in Gefahr befanden, aber ab dem Zeitpunkt, als er die Damen getauscht hatte, stand er schlechter:


Er spielte 17. Dxe6?! dxe6 18. h6, doch selbst wenn es schon nichts Besseres als Damentausch gegeben hätte, hätte er zumindest Schwarz mit dem unmittelbaren 17. h6! zwingen können, ein Tempo dafür zu vergeuden. 17. ... Dxd5 18. Txd5 würde eine weitere weiße Figur entwickeln (17. ... Dxh6? verliert sofort wegen 18. Sf5!). Hari musste schlussendlich ein schwieriges Endspiel mit einem Bauern weniger verteidigen und gab im 54. Zug auf.

Kramnik und Topalov wärmen sich für ihr Duell auf

Kramnik war gewillt, ewig zu spielen, um seine Partie gegen Wojtaszek noch zu gewinnen | Foto: Offizielle Turnierseite

Vladimir Kramnik konnte nach der ersten Runde des Shamkir-Turniers Wesley So kurze Zeit von Platz Zwei der Weltrangliste verdrängen...

Nach der heutigen Niederlage Wesley Sos belegt Vladimir Kramnik mit 41 Jahren Platz Zwei der Weltrangliste!

... und nach seinem bisherigen Spiel ist klar, dass er ehrgeizig wie eh und je ist. Selbst nach Vladimirs Maßstäben war sein Versuch, die folgende Stellung gegen die polnische Nummer Eins Radek Wojtaszek gewinnen zu wollen, bemerkenswert:


Womit kann Schwarz arbeiten? Nun, fürs Erste hat er den besser platzierten Springer... Der entscheidende Faktor war schlussendlich, dass Kramnik einen Turm auf die zweite Reihe stellen und den weißen König abschneiden konnte. Vladimir war tatsächlich sehr nah dran, Blut aus einem Stein zu pressen, doch schlussendlich musste er nach 83 Zügen und 7 Stunden Spielzeit ins Remis einwilligen.

Die Geschichte wiederholte sich in der zweiten Runde, da Kramnik einen Bauern für eine positionelle Klammer opferte und Radjabov 73 Züge lang quälte, ehe es Remis durch Stellungswiederholung gab.

Zeigt Veselin einmal mehr, dass es zu früh ist, um ihn abzuschreiben? | Foto: Offizielle Turnierseite

Veselin Topalov drückte unterdessen in der ersten Runde mit seinem eigenen scharfen Stil gegen Mickey Adams, und gegen Wojtaszek eroberte in der zweiten Runde endlich den ganzen Punkt. Nach seiner 7-stündigen Partie gegen Kramnik war das Letzte, was Radek brauchte, auf einen inspirierten Topalov zu treffen:


Es war womöglich nicht einmal der beste Zug in der Stellung, doch wer könnte dem wunderschönen Zug 22. ... Txb2!! widerstehen? Weiß kann mit 23. Dxe7 die Dame schlagen, aber nach 23. ... Txc2 24. De5 Txd2+ sind die Tage von Weiß gezählt.

In der Partie "gewann" Weiß eine Qualität mit 23. Dxb2 dxe3+ 24. Lxe3 Dxe3+ 25. Kg3


... doch der weiße König war den schwarzen Figuren zu sehr ausgesetzt. Wojtaszek hätte 25. Kf1 versuchen müssen, aber es ist verständlich, dass die Aussicht darauf, den Turm auf h1 einzusperren, nicht sehr verlockend war.

Wir würden Wojtaszek gerne sagen, dass es jetzt nur noch einfacher wird, aber er hat in der nächsten Runde Schwarz gegen Wesley So! | Foto: Offizielle Turnierseite

Somit führt Pavel Eljanov vor der dritten Runde mit 2 aus 2 vor Mamedyarov und Topalov mit 1,5 aus 2. Die wichtigste Partie ist in der dritten Runde das größte Groll-Duell in der Schachwelt: Topalov gegen Kramnik. Veselin scheint im Vorteil zu sein, da er die weißen Figuren führt, in Form ist und auf einen Gegner trifft, der in den letzten zwei Tagen 15 Stunden ohne vollen Erfolg am Schachbrett verbracht hat.  Wie wir jedoch wissen, kann zwischen diesen beiden Spielern alles passieren!

Die Partien beginnen jeweils um 13:00 MEZ - die GMs Igor Khenkin und Ljubomir Ljubojevic kommentieren. Ihr könnt auch über unsere kostenlosen Apps zusehen:   

         

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