Berichte 28.04.2015 | 13:19von Colin McGourty

Shamkir Chess 2015: Gewinner und Verlierer

Magnus Carlsen erzielte den einzigen Sieg in der letzten Runde des diesjährigen Shamkir Chess und gewann somit erneut ein Superturnier, und zwar einen Punkt vor Vishy Anand und zwei Punkte vor Wesley So. All diese Spieler gelten bei uns als Sieger des Events, das tut aber auch Rauf Mamedov auf dem letzten Platz. Wir schauen uns ebenfalls die Verlierer an, zu denen die Mannschaftsweltmeisterschaften und die schwarzen Figuren gehören!

Das letzte Gruppenfoto von Shamkir Chess 2015 | Foto: Offizielle Webseite

Shamkir Chess war zwei Monate vor Beginn mit Spannung erwartet worden und dominierte die Schachwelt nun zwei Wochen lang. Wir schauen uns den Verlauf an und konzentrieren uns dabei auf die Gewinner und die Verlierer...   

Gewinner

1. Magnus Carlsen

Magnus Carlsen bei seinem Sieg in der letzten Runde gegen Rauf Mamedov | Foto: Macauley Peterson

Was kann man dazu noch sagen? Magnus Carlsens ungeschlagene Performance von +5, 2983 war die Art von Ergebnis, die selbst er in Superturnieren nicht oft erreicht:


Es war von allem etwas dabei. Der Weltmeister schlug Maxime Vachier-Lagrave mit einem kreativen Spiel, das von Anfang bis Ende wirklich schön war. Er gewann die Eröffnungskämpfe gegen Shakhriyar Mamedyarov und Vladimir Kramnik (letzteres hat Seltenheitswert), und gab ihnen nach ihrem Fehltritt keine Chance mehr. Gegen Fabiano Caruana benutzte er seinen alten Trick, nämlich seinem Gegner ein falsches Gefühl von Sicherheit zu vermitteln und dann eine minimale Chance in einer scheinbar harmlosen Stellung zu nutzen. Der letzte Sieg gegen Rauf Mamedov war als einziger nichts Besonderes.

Es waren jedoch nicht nur seine Siege – er setzte Michael Adams mit einem Qualitätsopfer stark unter Druck und spielte im ganzen Event nur eine einzige Nicht-Partie gegen Anish Giri. Insgesamt war er nur in der ersten Partie überhaupt in Schwierigkeiten und selbst dort zeigte er gegen Vishy Anand nach einem Schnitzer bei einem Zug eine fantastische Hartnäckigkeit. Es sieht bedrohlicherweise so aus, als hätte er es geschafft, seinen neuen Experimentierdrang mit seiner alten Solidität zu kombinieren.

Wesley So beglückwünschte ihn sowohl nach der vorletzten als auch nach der letzten Runde und kommentierte:

Immer, wenn er da ist, hat man das Gefühl, man kämpft nur noch um den zweiten Platz.

So ein Erfolg ist natürlich schon einmal dagewesen. Magnus hat jetzt alle drei Events gewonnen, an denen er dieses Jahr teilgenommen hat, und seine Gesamtausbeute bei Superturnieren ist schon so groß, dass sogar ein Spezialist für dieses Gebiet den Überblick verlor…

‌"[KORRIGIERTE] Liste von "Superturnier"-Siegen im Laufe der Karriere:"

…er liegt über 70 Punkte vor dem Rest der Schachwelt und 15 Punkte entfernt von seiner höchsten je erzielten Elo. Er hat allen Grund zum Lächeln:

‌"Glücklich nach dem Sieg der 2. Ausgabe von #ShamkirChess im Gedenken an Vugar Gashimov. Hoffentlich bin ich nächstes Jahr wieder dabei!"

Offenbar hat er nicht vor, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen, da er bei der letzten Pressekonferenz erklärte:

Natürlich lerne ich noch die ganze Zeit. Das Schwierige ist, das Erlernte in den Partien anwenden zu können. Das ist etwas, was ich und auch andere nicht einfach finden. Man weiß immer mehr als das, was man in den Partien zeigen kann. Ich habe das Gefühl, ich verbessere mich, und das reicht als Antrieb aus, um weiterzumachen.


2. Vishy Anand

Vishy Anand kennt sich mit Weitermachen gut aus und beweist nun, mit Mitte 40 und befreit von der Last des Weltmeistertitels, dass er immer noch fit genug ist, um um den Hauptgewinn zu kämpfen. 

Der alte Tiger ist zurück! | Foto: Offizielle Webseite

Wie Wesley So kommentierte:

Vielleicht sehen wir nächstes Jahr ein weiteres Rematch zwischen ihm und Magnus, wenn Vishy es schafft, seine gute Form beizubehalten. Das wäre lustig.

Dieses Turnier verlief besser als Anands jüngste Leistungen. Er erzielte ein ungeschlagenes Ergebnis von +3 in 9 Runden, während er beim Kandidatenturnier 14 Runden brauchte, um auf diesen Score zu kommen. Seine jüngsten Superturniersiege fanden alle in Sprintevents statt – Bilbao Masters (6 Runden, einschließlich einer Niederlage in der letzten Runde), London Chess Classic (5 Runden) und Zürich Chess Challenge (5 Runden). Er hätte in Shamkir mehr erreichen können, vor allem in der ersten Partie gegen Magnus Carlsen, (was ihn aufgrund eines sonstigen Gleichstands punktgleich auf den ersten Platz gebracht hätte), aber auch nach einem schönen Qualitätsopfer gegen Giri in Runde 3, das die Kreativität anzuregen schien. Er vollbrachte dann Meisterleistungen gegen So, Adams und Mamedyarov und beendete das Turnier mit einer Darbietung, die oft ausgereicht hätte, um das ganze Event zu gewinnen. 

Vishy fasste es bei der Pressekonferenz zusammen:

Ich gewann ein paar nette Partien und bin ganz zufrieden. Schade um die erste Partie, weil man davon nicht so viele  erlebt, aber ich denke, dass ich es danach wieder wettgemacht habe.

Und auf Twitter:

‌"Zufrieden mit meinem Spiel bei Shamkir. Auf dem Weg nach Hause für eine Pause vor dem Kasachstan Rapid im Juni."

Wir wissen nicht, ob wir offiziell enthüllen dürfen, worauf Vishy sich hier bezog, wir begnügen uns also mit dem Teaser, dass an dem Event sechs (!) Schachweltmeister teilnehmen werden.

Es handelt sich vielleicht um einen hauchdünnen Vorsprung, aber es ist trotzdem symbolisch, dass Vishys Live-Rating jetzt 2803.7 beträgt, noch ein bisschen entfernt von seiner Bestmarke (2820.7), aber hoch genug, um ihn (in diesem Moment) zum aktuellen Weltranglistenzweiten zu machen.

3. Wesley So

Wesley selbst war mit seinem Schlussergebnis von +1 nicht unbedingt zufrieden:

Endlich ist das Turnier vorbei. Es lief nicht wirklich gut. Ich spielte besser als einige andere Spieler, aber ich habe viele Fehler gemacht und es gibt vieles, das ich verbessern kann.

Auf der anderen Seite kam er in einem großen Superturnier auf den 3. Platz, verbuchte eine Rating-Performance von 2814 und fügte seiner bereits brillanten Elo noch ein paar Punkte hinzu. Es liegt zum Teil an der Wahrnehmung, da er wie eine Dampfwalze startete und in den ersten vier Runden alle drei seiner Weißpartien gewann. Danach gelang ihm kein Sieg mehr, er erlitt aber nur zwei Niederlagen, und zwar mit Schwarz gegen Anand and Caruana. Das ist keine Katastrophe, vor allem, weil Vishy eine brillante Neuerung entkorkte.

Wesley konnte seinen stürmischen Start nicht fortsetzen, war aber nie ein einfacher Gegner | Foto: Offizielle Webseite

Der Grund, warum man Wesley nicht aus der Gewinnergruppe streichen kann, ist die Art, wie er gewisse Widrigkeiten meisterte. Seine Probleme am und abseits vom Brett bei der US-Meisterschaft wurden erschöpfend diskutiert und wir können davon ausgehen, dass es im Zusammenhang mit der Grand Chess Tour noch weitere Dramen gab. Es ist immer noch verwirrend, dass Wesley drei lukrative und viel beachtete Events ablehnt, nur weil Norway Chess (15-26. Juni) mit einem Showkampf gegen David Navara in Prag kollidiert (12-16. Juni). Das Netz der Intrigen wurde noch dadurch verstärkt, dass bei der Grand Chess Tour-Pressekonferenz kein neunter Spieler genannt wurde, obwohl die am selben Tag gestartete Webseite bereits eine Biographie von Maxime Vachier-Lagrave beinhaltete.

Sos knapper Terminplan sorgte für einen schnellen Trip von St. Louis nach Shamkir. Er erklärte:

Es ist sehr hart, zwei schwierige Turniere in einem Monat zu haben, aber zugleich haben sie die US-Meisterschaft verschoben, um Hikarus Terminplan zu berücksichtigen, und ich bekam diese Gelegenheit erst vor zwei Monaten.

Einmal um die halbe Welt zu reisen wäre für einen schwächeren (oder älteren) Mann vielleicht zuviel gewesen. Der 21-jährige Wesley schien jedoch ganz im Gegenteil von seinen Sorgen befreit und startete voll durch. Wenn er seine Arbeitsmoral und seine Lernfähigkeit beibehält, wird er in den nächsten Jahren ein sehr harter Gegner sein.

4. Rauf Mamedov

Ok, zugegebenermaßen schmuggelte sich Rauf nur auf diesen Platz, weil seine sorgfältig aufgebaute Turnierleistung in der letzten Runde irgendwie zusammenfiel. Magnus Carlsen ruinierte Raufs Geburtstagsfeier (er wurde 27, Carlsen sagte nach der Partie: "Ich wusste nichts davon!").


Obwohl es ehrlich gesagt selbstverschuldet war, da man nicht Magnus sein muss, um zu sehen, dass 34…De5?? ein großer Fehler war. Nach einem Zug wie 34…Te5 hätte die Partie gut und gern noch lange dauern können, aber Magnus war sich seiner Chancen auf den Sieg nicht ganz sicher. Letztlich reichte 35.Df7! aus, um Rauf zu einem direkten Aufgeben zu bringen. Schwarz musste lebenswichtige Bauern aufgeben, da es keine andere Reaktion auf offensichtliche Drohungen wie Dg6+ und Td8 gibt.

Rauf Mamedovs Geburtstagsstimmung schien seine Züge gegen Magnus zu verschlechtern - das ist nichts Ungewöhnliches! | Foto: Offizielle Webseite

Dieses hässliche Ende bedeutete, dass Rauf tatsächlich auf dem vorhergesehenen letzten Platz landete, aber erst nach der Feinwertung und nachdem er, entgegen der Vorhersagen, nicht von den regelmäßigen Superturnier-Teilnehmern in der Luft zerrissen worden war. Sieben Remis und die einzigen Niederlagen mit Schwarz gegen Carlsen und So sind ein mehr als anständiges Ergebnis und brachten ihm eine ansehnliche Performance von 2706 ein. Sein Ergebnis verdankt er zweifellos größtenteils den durchtriebenen Eröffnungen von seinem Sekundanten Alexander Khalifman, aber Rauf zeigte in spannenden Aufeinandertreffen mit Mamedyarov und Caruana, dass er sich mit jedem einen Schlagabtausch liefern kann. Er muss nur noch an seinem Englisch in der Pressekonferenz feilen, angenommen das war der Grund, warum er kaum ein Wort sagte!

5. Shamkir Chess

Insgesamt wird das Turnier in Aserbaidschan immer stärker! Das 10-Spieler-Format ist für Zuschauer attraktiver als das Doppelrundenturnier mit 6 Spielern, das 2014 stattfand, und wenn das die Generalprobe von Shamkir für die Grand Chess Tour war (bei der genau dieses Format verwendet wird), dann hat das Event sie mit Bravour bestanden.

Die Schachwelt ist sehr weit gekommen! | Foto: Offizielle Webseite

Knapp vorbei: Fabiano Caruana wurde unseren Anforderungen für die Gewinnerliste fast gerecht, aber obwohl sein Score von +1 ihm half, Ratingpunkte gutzumachen (wenn man schon verliert, dann gegen Carlsen!), war es nicht gerade das Level, das wir von dem Mann erwarten, der letztes Jahr der wohl stärkste Schachspieler des Planeten zu sein schien. Auf der anderen Seite verbesserte er sich im Laufe des Turniers, und sein Coach Vladimir Chuchelov erklärte in der Live-Übertragung:

Am Erholungstag veränderten wir ein paar Sachen, und auf einmal wurde er still, konzentriert und selbstbewusst. Er hat sich definitiv verbessert… Letztes Jahr begann sein Aufstieg in Shamkir. Wir hoffen, dass dieses Jahr das Gleiche passiert, mit einem Höhepunkt in St. Louis!


Verlierer

1. Die Mannschaftsweltmeisterschaften

Vassily Ivanchuk gehört zu den bekannteren Namen unter den Teilnehmern | Foto: Arman Karakhanyan, Webseite der Mannschaftsweltmeisterschaften

Wir sind uns nicht sicher, wer die Schuld trägt, aber die Mannschaftsweltmeisterschaften zur gleichen Zeit wie ein Superturnier abzuhalten grenzt an grob fahrlässige Terminplanung. Mannschaftsturniere haben es selbst im besten Fall schwer, das Interesse der Fans zu wecken, sie sind aber auf keinen Fall eine Konkurrenz für ein Event wie Shamkir, vor allem, wenn einige der Teilnehmer von Shamkir sonst an der Mannschaftsweltmeisterschaft teilgenommen hätten. Und dann gab es noch ein paar seltsame Entscheidungen:

  • Das Open und das Damenevent fast gleichzeitig, aber 5.000km voneinander entfernt abzuhalten (eine große Herausforderung für Journalisten oder Live-Übertragungs-Crews, die vielleicht von beiden berichten wollten)
  • Das Logo des Opens zum Vergissmeinnicht-Symbol im Gedenken an den 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern zu machen, die Webseite ganz in Grau zu halten und die Gedenkfeier am Erholungstag live zu übertragen - natürlich sind einige Dinge sehr viel wichtiger als Sport, aber sollte sich die Webseite eines internationalen Sportwettbewerbs ausschließlich ihnen widmen?

Der sich überlappende Zeitplan war bedauerlich, da bei den Events, die gerade zu Ende gehen (hier anschauen: Open | Damen*), doch sehr unterhaltsames Schach gespielt wurde. 

* die letzte Runde der Frauen aus Chengdu, China, ist zur Zeit jedoch nicht abrufbar, da die ganze FIDE-Webseite zusammengebrochen ist. Wir haben immerhin Kirsan Ilyumzhinovs Tweets von einem Panda-Reservat in der Nähe:

"Roter Panda. Chengdu."

Es ist schwer, Richard Rapports Eröffnung gegen Ahmed Adly zu schlagen: 1.b3!? a5!? 2.e4 a4!? 3.b4!?


Richard hatte endlich seinen Seelenverwandten gefunden, verlor jedoch leider gegen ihn!

Und dann machte Wei Yi einen Nigel Short (den Nigel Short vor dem Massaker in St. Louis!) und marschierte mit seinem König über ein geschäftiges Brett, um seinen Gegner Matt zu setzen. Zugegebenermaßen verwendete Wei Yi die weißen und nicht die dunklen Felder und marschierte durch eine verlorene Stellung, aber es war trotzdem spektakulär!


2. Anish Giri and Maxime Vachier-Lagrave

Anish und Maxime schafften überraschenderweise insgesamt nicht einen Sieg | Foto: Offizielle Webseite

Wir fassen die beiden jungen Stars hier zusammen, da sie fast identische Ergebnisse verbuchten – 0 Siege, 7 Remis, 2 Niederlagen, wobei alle Niederlagen mit den schwarzen Figuren erfolgten und völlig vernichtend waren (So 1-0 Giri, Adams 1-0 Giri & Carlsen 1-0 MVL, Kramnik 1-0 MVL). Giri zeigte vielleicht mehr Kampfgeist und hätte seinem Platz hier auf der Verliererseite entkommen können, wenn er Kramniks übermäßigen Optimismus ausgenutzt und in der letzten Partie einen Sieg erzwungen hätte:


Giri sagte, er habe 76...Txg3 bis zum Ende berechnet, wurde aber überrascht von Kramniks 76...Kg6 und war verwirrt und panisch, als er nur noch mit dem 30-Sekunden-Inkrement weiterspielte. 77.Ta4? verschenkte seinen Vorteil nach 77...Sd5!  Das sorgte zumindest für eine unterhaltsame letzte Pressekonferenz, bei der Giri nach der Hälfte dazukam und sagte, "ich habe einfach nicht gemerkt, dass man nach so einer langen Partie noch am Leben ist":

Und dann war da noch der Tweet:

‌"Habe ein schlechtes Turnier gehabt, werde hier aber in Erinnerung bleiben... #AlsDerTypDerDenAbschlussHinauszögerte"

Maxime kam nie richtig in Schwung und beklagte ständig seine Eröffnungsvorbereitung. Selbst als er derjenige war, der wusste, dass er nicht ganz überzeugend daherkam, zum Beispiel in der letzten Pressekonferenz, in der er auf eine Frage von Wesley So Folgendes antwortete:

Ich kann nicht erklären, warum es nicht funktioniert, aber ich weiß, dass es vom Computer nicht empfohlen wird.

Modernes Schach!

Er war vielleicht auch etwas abgelenkt, da ihm anscheinend während des Turniers ein Platz in der Grand Chess Tour angeboten wurde. Das bedeutet einen vollgepackten Terminplan, aber weder er noch Anish können wirklich enttäuscht sein über ihre Teilnahme an einer Serie, die ihnen 45.000$ einbringen wird, selbst wenn sie in allen drei Events auf die letzten Plätze kommen.

3. Schwarz

Es gibt ein hartnäckiges Gerücht, dass Schwarz das neue Weiß ist und es heutzutage einfacher ist, mit Schwarz zu spielen. Kramnik vertrat diese Ansicht z.B. in Shamkir nach seinem Remis gegen Vishy. Wenn man sich jedoch die nackten Tatsachen ansieht, stehen da 45 Partien mit 15 Siegen für Weiß und nur 2 für Schwarz - eine dieser Partien, Caruana 0–1 Carlsen, steuerte direkt auf ein Remis zu, bis Caruana durcheinanderkam, während Kramnik in der anderen Partie, Kramnik 0-1 Caruana, fast einen Vorteil und eine Chance auf den Sieg hatte, bis er mit einem unpassenden Durchbruch alles verschenkte. Wesley So spürte, wie schwierig es war:

Hier war mit Schwarz nicht einmal an einen Vorteil zu denken, ich konnte nur versuchen, zu überleben. Ich hoffe, dass das meine Verteidigungsfähigkeiten verbessern wird.


4. Russischsprachige Kommentare von den Spielern

Im Allgemeinen verdienen die Organisatoren nur Lob für die Pressekonferenzen nach den Partien. Ein Vorteil war, dass sie tatsächlich alle Spieler zur Teilnahme brachten, ob sie nun gewonnen oder verloren hatten. Die einzige Ausnahme war Kramnik nach seiner Niederlage gegen Mamedyarov (wofür er sich entschuldigte). Die Spieler sprachen außerdem fast ausschließlich Englisch, was für den Großteil der Zuschauer perfekt war. Es gab nur kurze Übersetzungen ins Aserbaidschanische.

Unsere einzige Beschwerde betrifft die verdolmetschten Antworten einiger Spieler auf Russisch. Die Schnittmenge zwischen dem, was sie sagten, und dem, was später ins Englische übersetzt wurde, war recht gering… Das Beispiel hier unten stammt aus der Pressekonferenz mit Kramnik und Vachier-Lagrave nach der vorletzten Runde:

Kramnik wurde nach dem Mangel an Spannung im Turnier gefragt und nach der Größe des Abstandes zwischen Carlsen und der restlichen Elite. Seine Antwort auf Russisch (etwa ab 10:00) war:

Auf Russisch? Naja, also zunächst sieht es so aus, als ob er mit einem halben Punkt führen wird, und es ist nicht sicher, ob er das Turnier gewinnt...

Journalist: "Fast" keine Spannung!

Meiner Ansicht nach gab es während des ganzen Turniers genug Spannung. So führte, Anand hatte eine totale Gewinnstellung [gegen Carlsen] und würde jetzt einfach vor ihm liegen. Also nein, es gab Spannung. Ich würde bei diesem Turnier zumindest nicht sagen, dass es eine Art verrückte Kluft zwischen ihm und den anderen Spielern gab. Aber ja, natürlich ist er prinzipiell zur Zeit der stärkste Spieler der Welt, zweifellos, aber es gibt Schachspieler, die sich gegen ihn behaupten können. Und wie groß der Abstand ist? Das ist etwas... es gibt einen Abstand, man kann wirklich definitiv sagen, dass er zweifellos der stärkste Spieler der Welt ist, da gibt es keinen Zweifel, aber mit was für einem Abstand und wie lange das dauern wird? Naja, das ist eher eine Frage für einen Wahrsager als für mich! (lächelt)   

Und Folgendes übermittelte der Dolmetscher dem englischsprachigen Publikum:

Ich kann sagen, dass der Abstand zwar nicht so klaffend groß ist, er beträgt nur 0,5 Punkte. Wesley So führte schon nach der ersten Hälfte des Turniers und man weiß nicht, was Anand hätte ausrichten können. Noch einmal: ja, es gibt tatsächlich einen bedeutenden, auffallenden Abstand, der sehr offensichtlich und bekannt ist.

Natürlich ist es schwer (vor allem, wenn jemand viel spricht und sich manchmal wiederholt, so wie Kramnik, und nicht wie Carlsen gemeißelte Sätze von sich gibt), aber wenn sie 2016 beim Englischen bleiben können, wäre es für alle Beteiligten wohl das Beste     

5. Team Carlsen

Magnus und Henrik Carlsen und Fabiano Caruana beim Fußballspiel am Erholungstag | Foto: Offizielle Webseite 

Bei Shamkir 2014 verlor Magnus Carlsen vor dem Erholungstag zwei Partien in Folge und ließ dann beim Fußballspiel seinen ganzen Frust am Hauptschiedsrichter und an anderen aus. Es war ein Wunder, dass niemand zu Schaden kam. Natürlich erholte er sich danach und gewann das Turnier. Dieses Jahr war alles etwas weniger dramatisch:

Im Grunde war es für mich recht ähnlich - ein guter Start und ein guter Abschluss, aber dieses Mal schaffte ich es, den Zusammenbruch in der Mitte zu vermeiden, das war also der Unterschied zwischen einer guten und einer sehr guten Leistung.

Diese fehlende Intensität war vielleicht der Grund dafür, dass die Mannschaft mit Carlsen Junior und Senior sowie Fabiano Caruana ein Spiel mit 7:1 verlor, wie Vishy Anand hilfsbereit anmerkte. Wir nutzen die Chance jetzt einfach, um Carlsen in die Verlierergruppe zu stecken, da wir demnächst vermutlich nicht so bald wieder eine Gelegenheit dazu bekommen werden!

Nach dem Event veranstaltete er einen Konkurrenz-Wettbewerb zum Kasparov-Short-Match:

‌"Unterdessen sorgt auch ein anderer Weltmeister für eine Menschenmenge!"

Und machte sich dann auf den Weg zu ein paar letzten Herausforderungen:

‌"Verbrachte meinen letzten Tag in Aserbaidschan damit, talentierte junge Schachspieler zu treffen und in den Bergen zu wandern."

Seht ihr andere Gewinner oder Verlierer? Waren wir zu nett, als wir jeden begnadigten, der zumindest eine Partie gewann? 

Auf jeden Fall war es das vom Shamkir Chess 2015! Abgesehen von den Mannschaftsweltmeisterschaften sind die Schachevents der nächsten Woche die Italienische Mannschaftsmeisterschaft ab Mittwoch (Nakamura, Vachier-Lagrave, Bacrot), die Russische Mannschaftsmeisterschaft ab Freitag (Svidler, Dominguez, Morozevich etc.) und das Nakhchivan Open (Hou Yifan, Rustam Kasimdzhanov etc.) ab Samstag. Wir berichten natürlich wie immer live hier auf chess24.

Siehe auch unsere Berichte von Shamkir Chess 2015:


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