Berichte 24.04.2015 | 11:23von Colin McGourty

Shamkir (6): Caruana mit dem einzigen Sieg

Fabiano Caruana und Vladimir Kramnik boten absolutes Vollblutschach, während alle anderen Spieler einen inoffiziellen Ruhetag einlegten.  | Foto: Shamkir Chess 

In der 6. Runde des Gashimov Memorials sah es lange nach fünf Remisen aus. Letztlich verhinderte Vladimir Kramnik aber, dass zum ersten Mal keine Partie entschieden wurde, als er sich gegen Fabiano Caruana im 29.Zug in Probleme brachte und diese trotz heftigen Widerstands nicht lösen konnte. In der nächsten Runde wird es für Kramnik nicht leichter – er muss mit Schwarz gegen den Tabellenführer Magnus Carlsen ran!

Wir haben eine Videoanalyse von IM Lawrence Trent, der sich Fabiano Caruanas Gewinnpartie genauer angeschaut hat, werfen aber erst einmal einen Blick auf die anderen Partien:

1. Giri ½-½ Carlsen

Carlsen fand die Partievorbereitungen nicht so amüsant wie sein Gegner Giri. | Foto: Shamkir Chess

In dieser Partie passierte so wie gar nichts, wobei sich nicht nur die Amateure unter den Kibitzen fragten, warum der Computer nach 11…Se5: recht klaren Vorteil für Weiß anzeigt:


"Frage mich, was Magnus auf 12.Sxe5 Dxe5 13.Db3! parat hat!"

Beide Spieler wussten aber offenbar, dass es nicht mehr als ein forciertes Remis zu holen gab, und nach 12.Sxe5 Dxe5 13.0-0 war die Partie im Grunde schon beendet. Am Ende blitzten die Spieler ihre Züge herunter und einigten sich im 37.Zug auf ein Remis.

Elmira Mirzoevas neue Frisur war definitiv der Höhepunkt der Pressekonferenz.  | Foto: Shamkir Chess

Normalerweise geht es nach solch blutleeren Remisen wenigstens in der Pressekonferenz ein wenig unterhaltsam zu. Doch gestern gab es nicht einmal das, vielmehr schoben sich die Spieler gegenseitig die Schuld zu. Magnus Carlsen:

Mir scheint, dass Anish sein positives Score gegen mich behalten möchte.

Giri gab zu, dass er mit Weiß sehr solide gespielt hatte, wollte dafür aber nicht die volle Verantwortung übernehmen: 

Währt er eine solide Eröffnung, muss ich entweder alles riskieren oder einen kleinen Vorteil suchen. Verteidigt sich der Gegner gut, kann man auch einem kleinen Vorteil nichts herausholen. Mein Gefühl nach einer solchen Partie ist schnell umschrieben: „Was soll’s.“

Das Thema der Pressekonferenz war deshalb eher der Ruhetag davor und natürlich das Fußballspiel, das laut Carlsen weniger dramatisch als im Vorjahr verlief. Hier einige Bilder davon:

Carlsen wurde gefragt, ob er seine Schachkarriere beenden würde, wenn er ein Angebot von Real Madrid hätte:

Würden sie mir einen Vertrag als Fußballer anbieten, würde ich sie fragen, ob sie den Verstand verloren haben.

Hier die gesamte Pressekonferenz:


2. Mamedov ½-½ Anand

Die zweite Remispartie des Tages war etwas umkämpfter, aber man kann trotzdem sagen, dass der erste Zug der Partie der interessanteste war.

Mamedov hatte in der ersten Partie seines Lebens gegen den Ex-Weltmeister keinen Grund zur Verzweiflung... | Foto: Shamkir Chess 

Mamedov eröffnete wie bei seinen ersten drei Weiß-Remisen mit 1.e4, worauf Anand mit seiner alten Liebe 1…c6, also Caro-Kann antwortete. Mamedov gab zu, dass er damit nicht gerechnet habe, fügte aber hinzu…

Vor sechs Jahren spielte Vishy das bei einem Schnellturnier in Baku gegen mich.

ITatsächlich war dies die einzige Schwarzpartie, die Anand je gegen Mamedov gespielt hatte und die ebenfalls remis endete. Anands Erklärung war deshalb ein wenig überraschend: 

Ich dachte, ich könnte ihn damit ein wenig überraschen, obwohl mir klar war, dass ich ja schon so gegen ihn gespielt hatte. Ein wenig Undurchschaubarkeit ist nicht schlecht, aber ich konnte daraus keinen Nutzen ziehen.

Beide Spieler waren sich einig, dass es sich um eine sehr solide Variante handelte, in der das Remis eine logische Folge war.

Vermutlich war dies die erste Partie dieses Knirpses gegen den Ex-Weltmeisters | Foto: Shamkir Chess

In Bezug auf den Ruhetag erwähnte Anand, dass er eine Simultanvorstellung gegeben und anschließend ein wenig Musik gehört habe. Auf Nachfragen verwirrter Journalisten antwortete er: „Die Party, die ich bis auf meinem Zimmer noch gehört habe.“

Später fügte Anand noch hinzu, dass er mit Carlsens Mannschaft (zu der auch dessen Vater, Fabiano Caruana und Maxime Vachier-Lagrave gehörten) beim Fußball 7:1 verloren hatte!

"Anand über Fußball: Ich war nicht glücklich darüber, der Mannschaft anzugehören, die 7:1 verlor."

"Magnus' Mannschaft verlor beim Fußball 7:1? Gerüchten zufolge haben ihr meine Defensivqualitäten (sprich wie ein Verrückter herumzuschreien) gefehlt."

Anand wurde gefragt, ob er seine Strategie für den Rest des Turniers ändern wolle: 

Ich werde mir was Schlaues ausdenken, aber das vorher zu verraten, dürfte nicht sonderlich vielversprechend sein…

Hier die Pressekonferenz mit den beiden:

3. So ½ - ½ Mamedyarov

Nach Magnus Carlsens schnellem Remis hatte Wesley So ziemlich bald die Chance, mit dem Weltmeister gleichzuziehen.

Mamedyarov erklärte nach der Partie, dass ein Remis gegen So auf jeden Fall ein gutes Ergebnis ist.  | Foto: Shamkir Chess

Nach 21 Zügen Theorie im Blitztempo versank Mamedyarov in 31-minütiges Nachdenken, doch obwohl beide Spieler bald auf sich allein gestellt waren, war erst der Zug 23.Td4 noch nie da gewesen. (Gelfand spielte gegen Akopian 23.Sxe7 beim Karen Asrian Memorial in Yerevan 2008). So hatte mit 23…Se6 nicht gerechnet, aber vermutlich war dieser Zug längst nicht so stark, wie er annahm. Nach 25…Td8: hatte er nämlich ausgezeichnete Chancen auf größeren Vorteil:


So dachte nur knapp fünf Minuten nach und spielt dann 26.Dd3?!, wonach die Partie recht schnell verflachte und mit einem Remis endete. Wie schon gegen Anand zog er vermutlich zu schnell – ein Fehler, den er abstellen sollte.

Er schätzte korrekt ein, dass das ursprünglich beabsichtigte 26.Txe7 Sxe7 27.Sxe7 wegen 27…Sd4! nicht gut war, doch stattdessen hätte er 26.Txd8 mit der möglichen Folge 26…Lxd8 27.Sfd6 Sg5 (Mamedyarovs Empfehlung) spielen können und dann entweder einfach 28.Lg2 oder den Trick 28.Db3! folgen lassen, wonach Schwarz zwar den Läufer mit Schach schlagen kann, anschließend aber ein einzügiges Matt bedienen muss. So hatte diese Züge gesehen, zumindest gab er dies in der Pressekonferenz an, umso mysteriöser ist, warum er darauf verzichtete. 

Für beide Spieler war das Remis aber kein schlechtes, sondern ein konsolidierendes Ergebnis (in Runde hatte Mamedyarov gewonnen, und So verloren). So fasste sein Ziel für die letzten drei Runden so zusammen: 

Meine letzten beiden Partien brachten nicht das optimale Ergebnis, damit muss ich klarkommen. Noch stehen drei Partien gegen drei sehr starke Spieler aus, in denen ich zweimal Schwarz habe und mich gut verteidigen muss.

In seiner einzigen Weißpartie spielt er gegen Magnus Carlsen und kann das Turnier somit immer noch aus eigener Kraft gewinnen.

Mamedyarov dagegen enthüllte, dass er in der Nacht davor bis 4 Uhr morgens mit Maxime Vachier-Lagrave geblitzt hatte!

"Ein-Minuten-Schach am Ruhetag."

4. Adams ½ - ½ Vachier-Lagrave

Angesichts dieses Tweets brauchen wir kein Photo von dieser Partie!

"Die französisch-englische Rivalität ist keine Legende :). Vorwärts Frankreich!" 

Obwohl Vachier-Lagrave gegen die englische Eröffnung seines englischen Gegners kreativ sein wollte, sah es in dieser Partie lange Zeit nach einem Remis aus, über das schon alles geschrieben worden ist. Der Ausgang war aber unklar geworden, als der Franzose (laut seinen Worten) nach 19…b5!? einen Bauern einstellte:


Sein Kommentar:

Ich dachte, nach b5 sei die Stellung forciert remis, doch das war im Nachhinein ein wenig optimistisch.

Stattdessen konnte Adams am Damenflügel erobern, doch obwohl die Dame eigentlich eine schlechte Blockadefigur ist, konnte Vachier-Lagrave mit 25…Da3! allen gegnerischen Gewinnversuchen einen Riegel vorschieben:


Vachier-Lagrave war froh, dass er mit einem Remis davongekommen war:

Ich hatte Glück, dass mein Versehen keine ernsten Konsequenzen hatte.

Adams dagegen hatte nach eigenen Angaben nie die Hoffnung, diese Partie gewinnen zu können:

Zwar erzielte ich zwischendurch ein paar kleine Fortschritte, doch kurz vor Zeitkontrolle verpuffte mein Vorteil. Irgendwie konnte ich meine Schwerfiguren nicht gut aufstellen, da Schwarz zu aktiv ist. 

Die Partie dauerte noch bis zum 59.Zug, das Remis war mit den verschiedenfarbigen Läufern aber nie in Gefahr.

Hier die Pressekonferenz:

Bleibt noch...

Kramnik 0-1 Caruana

Kramnik sah ziemlich mitgenommen aus, nachdem er seine zweite 6-Stunden-Partie in Folge verloren hatte.

Nach dieser Partie waren sich beide Spieler über den Verlauf der Eröffnung absolut einig. Kramnik reagierte entgeistert, als jemand fragte, ob seine Eröffnungswahl falsch gewesen sei:

Ich hatte eine vorteilhafte Stellung ohne Risiko, besser hätte es also kaum laufen können!

Caruana war derselben Meinung:

Nach 20 Zügen ging ich davon aus, um mein Leben kämpfen zu müssen, und nicht ansatzweise, dass ich diese Stellung gewinnen könnte. Manchmal läuft es aber so.

IM Lawrence Trent hat sich die Partie genauer angesehen und zeigt auf, was bei Kramnk schief lief:

Ihr könnt euch auch die Pressekonferenz anschauen, doch die könnte man auch mit zwei Sätzen zusammenfassen: “Mir fehlt in allen Varianten ein Tempo” (Kramnik) und “Ich glaube, alles gewinnt” (Caruana):

Die vorderen Plätze haben sich durch diese Runde nicht verändert, aber Caruana und Kramnik tauschten die Plätze:


In der nächsten kann sich aber schon wieder alles ändern. Caruana hat Weiß gegen So, während Kramnik mit Schwarz gegen Magnus Carlsen ranmuss. Wie immer gibt es alle Partien ab 12 Uhr live auf chess24. Die Partien könnt ihr auch mit unseren kostenlosen Apps anschauen:

         

Zum Weiterlesen:


Sortieren nach Datum (absteigend) Datum (absteigend) Datum (aufsteigend) meiste Likes Benachrichtigung bei neuen Kommentaren

Kommentare 2

Guest
Guest 9245748844
 
chess24 beitreten
  • Kostenlos, Schnell & Einfach

  • Sei der Erste, der kommentiert!

Registrieren
oder

registriere dich und leg los!

Mit einem Klick auf 'Registrieren' stimmst du unseren Nutzungsbedingungen zu und bestätigst, dass du unsere Datenschutzrichtlinie und den Abschnitt über die Verwendung von Cookies gelesen hast.

Lost your password? We'll send you a link to reset it!

Nach der Übermittlung deiner E-Mail-Adresse erhältst du von uns eine E-Mail mit einem Link zum Zurücksetzen des Passworts. Wenn du dann weiterhin nicht auf deinen Account zugreifen kannst, melde dich bitte beim Kundendienst.

Welche Funktionen möchtest Du aktivieren?

Wir respektieren Deine Privatsphäre und Datenschutzbestimmungen. Einige Komponenten erfordern das Speichern von personenbezogen Daten in Cookies oder dem lokalen Speicher.

Show Options

Hide Options