Berichte 19.06.2018 | 07:34von Colin McGourty

Schnellschachsiege für Svidler und Harikrishna

Das Schnellschach dominiert die Schachwelt – zumindest in den letzten beiden Wochen! Während der Großteil der Weltelite in Leuven die erste Etappe der Grand Chess Tour bestritt, reiste Peter Svidler ins chinesische Shenzhen und überrannte Yu Yangyi förmlich beim Schnellschach. Im Anschluss konnte er es sich sogar leisten, vier der letzten fünf Blitzpartien zu verlieren und trotzdem die Siegprämie von $20.000 mit nach Hause zu nehmen. Derweil trug die tschechische Nummer 1 David Navara sein traditionelles Match in Prag aus. Sein Gegner hieß nicht wie geplant Ding Liren, sondern Harikrishna, aber der Gast behielt einmal mehr die Oberhand.

Svidler siegt in China

Svidler zeigte, wer Herr im Haus ist | Foto: qipai.org.cn

Peter Svidler gönnte sich nach seinem Job als Live-Kommentar des Altibox Norway Chess-Turniers keine Ruhepause und flog direkt vom chess24-Hauptquartier in Hamburg ins chinesische Shenzhen. Dort traf er auf die Nummer 13 der Welt und chinesische Nummer 2, Yu Yangyi, der sich mit 7 aus 9 und Platz 2 bei der Chinesischen Schnellschachmeisterschaft (hier sein Sieg gegen Wei Yi) und dem ersten Platz bei der Chinesischen Blitzmeisterschaft (dank eines Siegs gegen Wang Hao, der ebenfalls 7 aus 9 erzielte) aufgewärmt hatte.

Angesetzt waren zunächst acht 10-Minuten-Partien mit zehn Sekunden Bonus pro Zug, und als Svidler die erste Partie mit der Grünfeld-Verteidigung verlor, musste man befürchten, dass er Probleme mit dem Jetlag hatte. Auch in der nächsten Partie hatte er Probleme und hielt sie mit einer Minus-Qualität remis, doch danach wendete sich das Blatt dramatisch. Er gewann erst mit Grünfeld und legte dann vier weitere Siege in Folge nach:


Alle Partien könnt ihr hier nachspielen:

Peter spielte schneller und präziser als sein Gegner, sein fünfter Sieg in Folge illustriert sehr schön die Kräfteverhältnisse:


32…Txg2! 33.Txg2 Dxh3+! Weiß gab auf

Da Siege beim Schnellschach doppelt zählten, hätte ein sechster Sieg in Folge bereits bedeutet, dass Yu Yangyi alle zehn Blitzpartien gewinnen musste, um einen Stichkampf zu erzwingen! Durch das Remis in Partie 8 hätte es aber „gereicht“, wenn er acht Blitzpartien gewonnen hätte.

Durch die Siegesserie verbesserte sich Peter auf einen Platz unter den Top Ten im Schnellschach - und war sogar noch besser platziert, ehe Wesley So und MVL gut in Leuven abschnitten | Quelle: 2700chess

Natürlich lag es auf der Hand, bereits einen Gesamtsieg des Russen zu prognostizieren, doch als der Chinesische Blitzmeister die erste Blitzpartie gewann, wurden bei Svidler Erinnerungen an den Weltcup 2015 in Baku wach. Damals hatte Svidler die ersten beiden Stichkampfpartien gewonnen und bereits die Glückwünsche von Lawrence Trent ausgesprochen bekommen, als er in der dritten Partie auf Gewinn stand … fehlgriff und die Partie verlor, ehe das gesamte Match nach verrücktem Verlauf an Sergey Karjakin ging. Er meinte dazu:

Ja, ich hatte das Match noch nicht gewonnen, und als ich die neunte Partie aus "unverlierbarer Stellung" heraus verlor, kamen einige Erinnerungen hoch, doch dann hielt ich den Laden zusammen.  

Svidlers Fans mussten sich in der Folge aber keine Sorgen machen. Er gewann die nächste Partie, nachdem er Yu Yangyi in einem Springerendspiel überspielt hatte und holte sich schon in der nächsten Runde das entscheidende Remis, um sieben Runden vor Schluss den Gesamtsieg abzusichern. Durch Yangyis Fehlgriff 39…Lxc4? in der fünften Blitzpartie wurde sogar ein für den Chinesen peinliches Endergebnis möglich:


Svidler vollstreckte mit 40.Th7+! Kf8 41.Lxc4 bxc4 42.g6! und die folgenden Zügen zögerten das Matt auf f7 nur hinaus.

Nach der Hälfte der Blitzpartien wurde eine halbstündige Pause eingelegt, die einen, wie Jan und Peter beim Norway-Chess-Blitz anmerkten, aus dem Rhythmus bringen kann. Essen ist vermutlich schlecht und auch Eric Lobrons Ratschlag “ein Cognac vor der Partie nimmt den Druck” ist sicher nicht für jedermann geeignet… Peter derweil nutzte die Zeit, um Hearthstone zu spielen…


Nach der Pause war das Match zwar längst entschieden, doch Yu Yangyi schaffte es auf einmal, die gegnerische Dominanz zu brechen und vier der letzten fünf Partien zu gewinnen. Svidler meinte, “Er spielte außerordentlich gut,” und selten zuvor wurde die Grünfeld-Verteidigung brutaler zerlegt wie in Partie 6 und Partie 8. Letztere endete laut Svidler mit “einer Stellung von seltener Schönheit”:

Die Dame hat mehrere Felder, doch keins davon ist gut. Auf 19...Tc8 folgt einfach 20.Dxc8+, während 19…Sd5 an 20.Dxb7 mit Angriff auf den Turm auf a8 scheitert.

In der letzten Partie machte sich bei beiden Spielern die Erschöpfung bemerkbar. Yu Yangyi vergab einen Vorteil von +8, dann verpasste Svidler das Matt, und am Ende gewann Yu Yangyi doch noch. In den letzten Runden konnte sich der Chinese einigermaßen rehabilitieren, doch Svidler hätte das Match auch gewonnen, wenn Schnellschach und Blitz gleich gewertet worden wären. Da die Punkte beim Schnellschach doppelt zählten, gewann er schließlich mit 15,5:10,5.

Peter Svidler sicherte sich den Siegerscheck über $20.000 | Foto: qipai.org.cn

Yu Yangyi durfte sich mit $10.000 trösten | Foto: qipai.org.cn

Wenig später erreichte Svidler einen großen Meilenstein im Leben eines Fans von "Per Anhalter durch die Galaxis"!

Bei seinem nächsten Turnier spielt Svidler erneut Schnellschach und tritt beim Gideon Japhet Cup in Jerusalem an, wo er vom 2. bis 6.Juli auf Ivanchuk, Nepomniachtchi, Gelfand, Meier und Anna Muzychuk trifft. Noch besser ist dann allerdings das ACCENTUS Großmeisterturnier in Biel besetzt, wo er seine positive Bilanz gegen Magnus Carlsen behalten möchte. Die weiteren Spieler sind Mameydarov, MVL, Georgiadis und Navara.

Peter gab zum Abschluss eine Simultanvorstellung | Foto: qipai.org.cn

Harikrishna schlägt Navara 

Auch in diesem Jahr war das Match von David Navara gegen einen ausländischen Großmeister der Höhepunkt der ČEZ Chess Trophy, die vom 12-17 Juni in Prag stattfand. Außerdem wurde ein Dame-Turnier ausgetragen, bei dem Vassily Ivanchuk teilnahm, für das Blitzturnier aber einen Abstecher zum Schach machte:

Vassily Ivanchuk auf dem Weg nach oben |Foto: Anezka Kruzikova, Turnierseite

Schöne Ecke hier | Foto: Anezka Kruzikova, Turnierseite

Eigenwillige Statue! | Foto: Anezka Kruzikova, Turnierseite

David Navara gewann das Blitzturnier mit 10 aus 11 | Foto: Anezka Kruzikova, Turnierseite

Die tschechische Nummer hätte eigentlich gegen die chinesische Nummer 1 Ding Liren antreten sollen, doch nach seinem Hüftbruch in Norwegen entschloss sich Ding, auf das Match zu verzichten. An seiner Stelle trat kurzfristig der Inder Harikrishna an, was man als Vorteil für Navara betrachten konnte… doch der Tscheche sah das im Interview mit Ben Johnson ganz anders:

Zuletzt hatte der Tscheche bei den Französischen Top 12 starke 8 aus 11 und direkt danach in der Polnischen Liga 3 aus 3 geholt. 9 Siege, 4 Remis und 1 Niederlage machten einen Großteil des Schadens seines desaströsen Abschneidens in Shamkir wett und brachten ihn zurück unter die Top 20 der Weltrangliste.

Harikrishna und Navara bei der Arbeit | Foto: Anezka Kruzikova, Turnierseite

Das Format des Matches war simpel – zwölf 20+10-Schnellschachpartien mit drei Partien pro Tag:


Hier könnt ihr alle Partien nachspielen:

Wie man sieht, ging Harikrishna am ersten Tag in Führung, ehe Navara durch zwei Siege an den beiden folgenden Tagen als Führender in den Schlusstag ging. Bei seinem Sieg in Runde 7 tappte Harikrishna mit 11…Lh3 in eine Falle:


Navara spielte wie Mihail Marin und Evgeny Bareev 12.Da4!, wonach es den Schwarzen zu viel Material und Zeit kostet, den Läufer b4 zu retten.

Am Schlusstag lief aber alles perfekt für Harikrishna, und der matchentscheidende Moment kam in der Vorschlussrunde:


Navara überlegte fast sechs Minuten, bevor er das riskante 16.dxc5?! spielte. Er verließ sich darauf, dass der Springer auf e4 wegen des Matts auf h7 aktuell nicht ziehen kann, doch der weiße Angriff versandete und er hatte bald einfach etwas weniger. In der letzten Runde musste Navara unbedingt gewinnen, doch wie so oft ging der Schuss mit Schwarz nach hinten los. 

Damit stand Harikrishna als Sieger fest, und Navara konnte seine dürftige Bilanz nicht aufpolieren:

  • ·         2003 Viktor Korchnoi, Navara GEWINNT 1,5 - 0,5

    ·         2004 Alexei Shirov, Navara verliert 0,5 - 1,5

    ·         2005 Anatoly Karpov, 1 – 1

    ·         2006 Boris Gelfand, 2 – 2

    ·         2007 Nigel Short, Navara GEWINNT  7 - 3

    ·         2008 Vladimir Kramnik, Navara verliert 2,5 – 5,5

    ·         2009 Vassily Ivanchuk, Navara verliert 2,5 - 5,5

    ·         2010 Judit Polgar, Navara verliert 2 – 6

    ·         2011 Sergei Movsesian, Navara GEWINNT  3,5 – 2,5

    ·         2012 Peter Svidler, Navara verliert 1 - 3

    ·         2013 Hou Yifan, Navara verliert 3 - 4

    ·         2014 Hikaru Nakamura, Navara verliert 0,5 - 3,5

    ·         2015 Wesley so, Navara verliert 1 - 3

    ·         2016 Richard Rapport, Navara verliert 1,5 - 2,5

    ·         2017 Vassily Ivanchuk, Navara verliert 4,5 - 7,5

    ·         2018 Harikrishna, Navara verliert 5 - 7

Hinterher meinte er:

Hari hat verdient gewonnen, und es überrascht mich nicht, dass ich am Ende müde war. In den letzten 22 Tagen spielte ich sehr viele Partien, war viel auf Reisen und am einzigen freien Tag krank. Ich habe mir diesen engen Zeitplan selbst auferlegt, doch nicht alles konnte ich vorhersehen. Nun bin ich dankbar, dass ich mich einige Tage erholen kann.

Harikrishna erwies sich als perfekter Ersatzmann in letzter Minute!

Sieg für die indische Nummer 2 Harikrishna | Foto: Anezka Kruzikova, Turnierseite

Das nächste Großereignis ist die Grand Chess Tour in Paris, die am Mittwoch beginnt. Der einzige Unterschied zu Leuven ist, dass Vladimir Kramnik statt Anish Giri spielt.


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