Berichte 27.07.2017 | 08:52von Colin McGourty

Schachfestival Biel: Morozevich glänzt beim Jubiläum

Zum 50.Jubiläum haben sich die Veranstalter des Schachfestivals Biel einiges einfallen lassen. Beim Schnellschachturnier zu Beginn waren Schachlegenden wie Anatoly Karpov und Vlastimil Hort mit von der Partie, und beim zehnrundigen Großmeisterturnier ist der 65-jährige Rafael Vaganian am Start. Höhepunkt der Veranstaltung ist bisher aber die Teilnahme des dreimaligen Siegers Alexander Morozevich. Er spielte drei spektakuläre Partien, verlor dabei aber in Runde 1 gegen Hou Yifan, die gemeinsam mit Ruslan Ponomariov und Etienne Bacrot an der Spitze liegt.

Die beiden dreimaligen Sieger von Biel, Anatoly Karpov und Alexander Morozevich, treffen in der 1.Runde des Schnellschachturniers aufeinander| Foto: Internationales Schachfestival Biel

Vor dem Beginn des Großmeisterturniers des Schachfestivals Biel fand das ACCENTUS Schnellschachturnier statt, bei dem fünf aktive Profis auf drei Schachlegenden trafen und im K.O.-System den Sieger ermittelten. Auch die Legenden waren einst jung und hungrig, wie man an den Trainingsblitzpartien in unserer Doku von 1975 erkennen kann, die Anatoly Karpov damals als Vorbereitung auf den WM-Kampf gegen Bobby Fischer (der nie stattfand) mit Rafael Vaganian austrug. Los geht es mit den Blitzpartien bei 2:45 Minuten:

2017 war es mit der Romantik aber vorbei, denn alle Legenden schieden bereits in Runde 1 aus. Vaganian verlor gegen Pelletier, Hort rannte gegen Harikrishna ins Matt und Karpov verlor in ziemlich ausgeglichener Stellung gegen Morozevich.


Stand es nach zwei 10-Minuten-Partien mit fünf Sekunden Zeitgutschrift unentschieden, musste eine Armageddon-Partie entscheiden. Nötig war das nur beim Duell Hou Yifan-Navara, in dem Navara die erste Partie gewonnen hatte. In der zweiten Partie hat Navara gerade den weißen Springer nach h6 gelockt, der nach 20…Kg7 kein Feld mehr hatte:


21.Sg5! folgte, wonach 21…Kxh6 natürlich wegen der Springergabel 22.Sxf7+! sofort verliert. Die beste Frau der Welt ließ nicht mehr locker und gewann die Partie, wonach das Armageddon entscheiden musste. Dort allerdings gewann Navara sicher mit Weiß und zog in die nächste Runde ein.

Hou Yifan punktete in Runde 1 gegen Morozevich | Foto: Internationales Schachfestival Biel

Im Halbfinale verlor Morozevich in besserer Stellung auf Zeit gegen Navara, und Harikrishna schlug Pelletier sicher mit 2:0. Damit hatten die nominellen Favoriten das Finale erreicht, in dem Navara die Oberhand behielt, als Harikrishnas Verteidigung zusammenbrach:


Widerstand konnte Hari allenfalls mit 33…Txa5 leisten, doch 34.Sb3! hatte ihm verständlicherweise nicht gefallen. Stattdessen spielte er 33…Lc4, wonach Navara die beiden offenen Linien ausnutzte und beginnend mit 34.Tb8+ (welcher Turm zuerst auf die achte Reihe geht, spielt keine Rolle) 34…Kh7 35.Tee8 unabwendbar Matt drohte. In der zweiten Partie hielt Navara dann sicher remis und gewann damit das Schnellturnier.

Navara erlebte in Biel einen guten Start | Foto: Internationales Schachfestival Biel

Alle Partien könnt ihr mit einem Klick auf das Ergebnis bzw. die Runde nachspielen:

Hou Yifan, Bacrot und Ponomariov in Führung

Die Teilnehmer des 50. Bieler Großmeisterturniers | Foto: Internationales Schachfestival Biel

Nachdem im Vorjahr ein Zweikampf zwischen Maxime Vachier-Lagrave und Peter Svidler die Hauptattraktion war, knüpft der Veranstalter zum Jubiläum wieder an alte Traditionen an und veranstaltet ein Rundenturnier mit acht namhaften Großmeistern und zwei talentierten Schweizer IMs. Titelverteidiger MVL ist nicht dabei, dafür aber die Nummer 21 und 22 der Welt, David Navara und Pentala Harikrishna. Mit den früheren Topspielern Ponomariov, Leko und Morozevich, Bacrot, den beiden jungen Schweizern und natürlich Vaganian ist den Organisatoren eine gute Mischung gelungen.

Morozevich und Hou Yifan boten spektakuläres Kampfschach | Foto: Internationales Schachfestival Biel

Die armenische Legende startete mit zwei Remis in den ersten drei Runden eindrucksvoll, aber die klare Attraktion Nummer 1 war Morozevich. In Runde 1 überraschte er Hou Yifan im 17.Zug:


17.Sxd5! scheint ein korrektes Opfer zu sein, doch nach 17…exd5 18.e6 Sf8 19.exf7+ Kxf7 20.h6!? verlor Morozevich immer mehr den Faden und landete schließlich in einer Verluststellung. Nach der Partie meinte er, seine schlechte Zeiteinteilung sei ihm zum Verhängnis geworden, und er sei dadurch nicht in der Lage gewesen, die Komplikationen zu durchdringen. 

In Runde 2 musste Vaganian in einem messerscharfen Theorieduell gegen Bacrot seine einzige Niederlage hinnehmen | Foto: Internationales Schachfestival Biel

Es sah zu diesem Zeitpunkt nicht gut aus für Morozevich, da er in Runde 2 mit Schwarz gegen die Nummer 1 des Turniers Navara antreten musste, doch dann kam eine Benoni-Variante aufs Brett, die er sich vor 4 oder 5 Jahren angeschaut hatte und in der er bald in Vorteil kam. Schließlich konnte er sogar erneut einen Springer auf d5 opfern!


23…Sxd5! Natürlich kann der Springer nicht geschlagen werden, während der Versuch, den Bauern mit 24.Txc4 zurückzugewinnen, direkt an 24…Lb5! (oder noch besser nach Schlagen auf f4) scheitert. Morozevich spielte die Partie fehlerlos zu Ende und erklärte hinterher Danny King, warum er in diesem Jahr tatsächlich noch keine einzige Turnierpartie gespielt hat. Jeder Turnierveranstalter sollte wissen, dass der Querdenker Morozevich sich über Einladungen freut! 

In Runde 3 endeten alle Partien remis, aber Morozevich hatte gegen den anderen Topgesetzten Harikrishna erneut ein Handgemenge angezettelt. Nach 32.Sc7 sah es nach einem weißen Sieg aus…


…doch 32…Lxb5! bot ausreichendes Gegenspiel, denn nach 33.Sxb5 e2 34.Kd2 Tf1! 35.Kxe2 Txh1 hatte Schwarz zwar den wertvollen e-Bauern verloren, dafür aber genug Material eingesackt, um das Gleichgewicht zu halten.

Wie immer spielen die Heroen im selben Saal wie die Teilnehmer der anderen Turniere | Foto: Internationales Schachfestival Biel

Sam Shankland, die Nummer 1 des Open, zerstörte ein paar Träume... | Foto: Internationales Schachfestival Biel

Nach drei Runden führen drei Spieler, aber das Feld liegt noch dicht zusammen:


Am heutigen Donnerstag geht es um 14 Uhr weiter. Alle Partien aus Biel könnt ihr hier auf chess24 live verfolgen! Das ist auch mit unseren kostenlosen Apps möglich:

         
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