Berichte 18.06.2017 | 13:14von Colin McGourty

Russland schlägt China zum WM-Auftakt

Russlands Frauenteam hat in der Auftaktrunde der Mannschafts-Weltmeisterschaft in Khanty-Mansisk am Samstag den dreifachen Turniersieger China 3:1 besiegt und damit bereits jetzt hervorragende Aussichten auf einen erstmaligen Titelgewinn. Das waren aber nicht die einzigen guten Nachrichten für die Russinnen, da ihre engsten Rivalinnen aus Georgien gegen Indien nur Remis spielten. Im offenen Turnier erwischten die topgesetzten Teams aus China und Russland einen lockeren Turnierbeginn, aber die Ukraine kam gegen die Türkei nicht über ein Unentschieden hinaus, während sich die USA nur knapp gegen Norwegen durchsetzen konnten. Polen bezwang im Match der Runde Indien dank Duda und Piorun, die Wojtaszeks Niederlage gegen Vidit mehr als nur wettmachten.

Kosteniuk schlägt beim 3:1-Sieg Russlands über China mit Ju Wenjun die Nummer Zwei der Welt | Foto: Anastasia Balakhontseva, Offizielle Turnierseite

In der Vergangenheit waren die offene Mannschafts-Weltmeisterschaft und das Frauenturnier zu unterschiedlichen Zeitpunkten und an verschiedenen Orten abgehalten worden. 2015 fanden sie gleichzeitig statt, allerdings über 5000 Kilometer voneinander entfernt (in Zaghkadzor, Armenien und in Chengdu, China); dieses Mal werden jedoch beide Turniere Seite an Seite im sibirischen Schachmekka Khanty-Mansisk abgehalten.

Die Teilnehmer der Mannschafts-WM werden am Flughafen von Khanty-Mansisk empfangen.

Der frühe Ankunftstermin machte manchen zu schaffen! | Foto: Offizielle Turnierseite

Dadurch sollte sich das Turnier sehr wie eine Schacholympiade anfühlen (beide Turniere finden abwechselnd Jahr für Jahr statt), allerdings bleibt das Format unverändert: zehn Teams spielen in neun Runden gegeneinander, Matches werden an vier Brettern ausgetragen. Der Qualifikationsmodus war kompliziert, aber im offenen Turnier qualifizierte sich beispielsweise Ägypten als Afrikameister, Norwegen, die Türkei und Polen lagen bei der Schacholympiade weit vorne, und Weißrussland bekam das Freilos des FIDE-Präsidenten zugesprochen.

Bei der Eröffnungsfeier wählten die Spieler lebende Bauern, um die Setznummern zu bestimmen | Foto: Offizielle Turnierseite

Und natürlich gab es auch Tanzeinlagen | Foto: Offizielle Turnierseite

Hier sind die Begegnungen der ersten Runde (klickt auf ein Ergebnis, um die Partie mit Computeranalyse nachzuspielen):

Das Auslosungsglück bedeutete, dass Russland einen Beginn wie bei der Olympiade erwischte und auf seinen schwächsten Gegner Ägypten traf. Sie konnten diese Aufgabe auch ordnungsgemäß lösen, allerdings war Ian Nepomniachtchis Remis gegen den 360 Elopunkte schwächeren Abdelraman Hesham nicht gerade überzeugend. Peter Svidler bekam seinen Wunsch erfüllt und hatte an seinem Geburtstag frei!

Fedoseev, Matlakov und Vitiugov wirken ernst und einheitlich | Foto: Peter Ermakov, Offizielle Turnierseite

Ian Nepomniachtchi scheint der Vermerk zur Kleiderordnung entgangen zu sein - hier spielt er gegen Hesham | Foto: Anastasia Balakhontseva, Offizielle Turnierseite

China hat bei diesem Turnier wegen der Terminkollisionen mit dem Norway Chess sowie der Grand Chess Tour in Paris und Leuven den einzigen Top 10-Spieler in seinen Reihen, allerdings begann Ding Liren das Turnier mit einem Remis gegen den Weißrussen Sergei Zhigalko. Seine Teamkollegen sorgten für den Sieg ihrer Mannschaft, und der 18-jährige Wei Yi hat durch seinen Sieg in der Live-Weltrangliste einen neuen persönlichen Bestwert erreicht: 2740,9 Punkte, bzw. Platz 17.

Wei Yi, Ding Liren und Yu Yangyi warten am Flughafen | Foto: Offizielle Turnierseite

Andernorts verliefen die Matches knapper - bei Türkei - Ukraine hatten die Partien an den hinteren drei Brettern bereits nach höchstens 30 Zügen remis geendet, obwohl die ukrainische Mannschaft an allen Brettern einen gesunden Elovorteil hatte. Damit musste Ruslan Ponomariov versuchen, ein Turmendspiel gegen Dragan Solak zu gewinnen, allerdings bekamen wir nur einen weiteren Beleg dafür, dass alle Turmendspiele remis sind.

Ruslan Ponomariov führt die Ukraine an, da Ivanchuk gerade ein dreitägiges Match gegen Navara in Prag gewonnen hat | Foto: Peter Ermakov, Offizielle Turnierseite

Norwegen schien auf dem besten Weg zu sein, der USA Punkte abzuknöpfen, aber dann wurde Frode Urkedal (gegen Alexander Onischuk) ein weiteres Opfer der Remistendenzen in Turmendspielen, während Varuzhan Akobians großartiges Jahr mit einem wichtigen Sieg über Frode Elsness weiter ging.

Shankland & Robson sind als einzige vom siegreichen Olympia-Team der USA übrig geblieben | Foto: Peter Ermakov, Offizielle Turnierseite

Der Papierform nach war die Begegnung des Tages Indien - Polen, und sie sollte den Erwartungen mehr als nur gerecht werden. Zuerst gab es einen Schockmoment, als der 22-jährige Vidit 6. Se5 spielte - einen Zug, den er als Sekundant Anish Giris vorbereitet hatte -, und nach 19 Zügen gegen den Eröffnungsexperten Radek Wojtaszek schon beinahe auf Gewinn stand. Er entschied die Partie mit 27. Txe8:


Nach 27. ... Dxe8 28. Dxf6 kann Schwarz das unvermeidliche Le6+ nur hinauszögern. Vidit ist durch dieses Resultat zum ersten Mal nur noch einen Sieg davon entfernt, die 2700 zu überqueren.

Vidit ist auf dem Weg nach oben | Foto: Offizielle Turnierseite

Die übrigen polnischen Spieler mussten sich nun steigern, und das taten sie auch. Zuerst sorgte Kacper Piorun gegen den indischen Meister Karthikeyan Murali mit einem brutalen Angriff am Königsflügel für den Ausgleich:


39. ... Tg2! beendete die Partie.

Polen hat bei der Mannschafts-WM sehr gute Chancen auf einen Medaillengewinn, da bei ihnen am zweiten Brett der 19-jährige Jan-Krzysztof Duda sitzt - in der Live-Weltrangliste hat er über 2700 Punkte und ist der zweitstärkste Juniorenspieler nach Wei Yi. In der ersten Runde ging er mit dem stets gefährlichen Adhiban locker um und spielte in der Folge die Partie der Runde, voller solider Strategie und brillanter taktischer Pointen. 

Jan-Krzysztof Duda und Mateusz Bartel beantworten bei ihrer Ankunft Fragen | Foto: Offizielle Turnierseite

Zum Beispiel nach 46. ... f4:


Nimmt Weiß sofort auf f4, kann Schwarz einfach zurückschlagen, aber der Zwischenzug 47. Tg1+! ändert alles. Falls Schwarz nach 47. ... Kf5 48. exf4 48. ... Sxf4 spielt, läuft er nach 49. Lxf4 Kxf4 50. Txg7! Txg7 51. Se6+! in eine Springergabel. In der Partie folgte 48. ... Lh6 49. Lb1! b6 50. Sxe4 Lxf4 51. Kd1!! Lxd2 mit der brillanten Pointe 52. Sg5+!


Schwarz hatte nichts Besseres als 52. ... Se4 und nach massenhaften Abtauschen eine Qualität weniger, da 52. ... Kf4 53. Sh3+! Kf3 54. Tg3# Matt ist! 


Duda gewann diese Partie in der Folge problemlos, und als Bartel nach 81 Zügen gegen Negi Remis erreicht hatte, stand Polens Sieg fest.

Es war nicht Adhibans Tag | Foto: Anastasia Balakhontseva, Offizielle Turnierseite

Wie wir bereits erwähnten, hat das Frauenturnier mit einem Paukenschlag begonnen - in der ersten Runde gab es zwei für das Endergebnis maßgebliche Begegnungen:

China konnte die ersten drei Mannschafts-Weltmeisterschaften gewinnen (die Ukraine und Georgien gewannen die nächsten beiden Turniere), aber dieses Mal erwischte es mit einer 1:3-Niederlage gegen Russland einen denkbar schlechten Turnierbeginn. Nicht nur das Ergebnis war deprimierend, sondern auch die Art und Weise, wie sie die Partien verloren. Alles schien nach Plan zu laufen , bis Zhao Xue gegen Valentina Gunina mit 14. ... Tfe8?? einfach eine Figur einstellte, da der Springer auf b6 geschlagen werden kann:


Sie übersah dabei entweder, dass Weiß nach 15. Txe8+ Txe8 16. cxb6 Lxf3 mit dem Bauern zurücknimmt, anstatt sich auf der Grundreihe mattsetzen zu lassen - oder, dass Schwarz nach 17. gxf3 die Figur nicht mit 17. ... Te1+ 18. Kg2 Txd1 zurückgewinnt, da 19. bxc7! folgt - Schwarz kann nicht verhindern, dass eine neue Dame aufs Brett kommt.

Valentina Gunina wird nach ihrem Sieg von Eteri Kublashvili interviewt | Foto: Offizielle Turnierseite

Dieser Fehler wurde noch verschlimmert, als die Frauenweltmeisterin Tan Zhongyi eine Stellungswiederholung ablehnte und weitere Gelegenheiten ausließ, um sich mit einer Punkteteilung von Kateryna Lagno zu trennen - sie verlor später noch. Olga Girya revanchierte sich mit einem Fehler gegen Lei Tingjie dafür, allerdings hatte Ju Wenjun eine Stellung, mit der sie keine Chance hatte, das Match noch für China zu retten. Alexandra Kosteniuk nahm es gelassen, dass sie ihre Uhr abgeben musste...

Bring niemals eine Rolex zu einem Schachkampf. Interessante Erstrundenbegegnung bei der FIDE-Mannschafts-WM: Russland - China.

... und bezwang Ju Wenjun nach 104 Zügen.

Ein schwieriger Beginn für das chinesische Frauenteam | Foto: Anastasia Balakhontseva, Offizielle Turnierseite

Für Indien war ein 2:2-Unentschieden gegen die Titelverteidigerinnen aus Georgien bereits eine beeindruckende Leistung, aber es hätte noch mehr werden können. Vijayalakshmi schaffte es, die folgende Stellung mit Schwarz gegen Nino Batsiashvili zu verlieren:


Schwarz hat für zwei Bauern eine Figur mehr, doch diese Bauern sollten für die indische Spielerin zum Alptraum werden. Im 61. Zug war der Gewinn bereits weg, aber es war noch nicht zu spät für ein Remis:


61. ... b3! würde sicherstellen, dass auch Schwarz einen Bauern umwandeln und damit die Partie halten kann, aber nach 61. ... Kf8? 62. e6! Sc7 (andere Züge helfen auch nicht) 63. Kxc7 fxe6 64. g6 hxg6 65. h7 Kg7 66. fxe6 kann Schwarz die beiden Bauern auf der e- und h-Linie nicht aufhalten und gab daher auf.

Harika Dronavalli rettete das Mannschaftsremis mit einem siegreichen Gegenangriff gegen Nana Dzagnidze am Spitzenbrett.

Ein guter Beginn für das indische Frauenteam | Foto: Offizielle Turnierseite

Das 4:0 Vietnams über Ägypten war der einzige Zu-Null-Sieg des Tages - für die ägyptischen Teams wird es ein langes Turnier! | Foto: Anastasia Balakhontseva, Offizielle Turnierseite

Ihr könnt die Berichterstattung zur ersten Runde mit Anna Rudolf und Evgeny Miroshnichenko unterhalb nachholen:

Und hier geht es direkt zur 2. Runde: Open | Frauen. Ihr könnt bei allen Partien auch über unsere Apps zusehen:

         

Weitere Links:


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