Berichte 17.07.2019 | 18:50von Colin McGourty

Riga Grand Prix VF: MVL gewinnt!

Maxime Vachier-Lagrave war der erste Spieler, der beim Rigaer FIDE Grand Prix das Viertelfinale erreichte. Das schaffte er durch den einzigen Sieg im klassischen Schach des gesamtem Viertelfinals. Er besiegte Veselin Topalov mit Schwarz in einer komplizierten ersten Partie und nahm dann ein unerwartetes Remisangebot des Bulgaren im 12. Zug des Rückspiels an, was seinen Sieg im Mini-Match besiegelte. Die anderen Matches werden im Tiebreak entscheiden, wobei man in Mamedyarov-Duda noch am ehesten dran war, einen Sieger im klassischen Schach zu produzieren.

Wenn dein Gegner gewinnen muss und dann im 12. Zug ein Remisangebot abgibt... | Foto: Niki Riga, Turnierseite

Alle Partien des FIDE Grand Prix aus Riga kannst du hier nachspielen:

Im klassischen Part des Viertelfinals konnten wir ebenso viele Remisen beobachten, nämlich 87,5% (oder 7 von 8), wie wir es auch in der ersten Runde gesehen hatten. In zwei der Matches gab es dabei nicht mal das Anzeichen von Leben. Von daher waren die Erwartungen im Aufeinandertreffen Karjakin-So gering...

Mr. Dodgy: Karjakin gegen So ... das ist für diejenigen, die ein noch stärkeres Sedativum als Karjakin gegen Giri brauchen

...und was das anging, wurden wir auch nicht enttäuscht. Die Partien endeten nach 17 bzw. 19 Zügen mit Punkteteilungen, auch wenn Sergey anmerkte: "Ich bin gekommen, um Schach zu spielen". Doch klar war auch, dass vor den Tiebreaks keine Brücken hinter sich abgebrannt werden sollten.

Wesley So und Sergey Karjakin brachten ihre Partien im klassischen Schach schnell über die Bühne | Foto: Niki Riga, Turnierseite

Grischuk-Yu Yangyi hingegen waren zwei kampfreiche Remisen, auch wenn die wahre Action mit bloßem Auge schwer zu erkennen war. Alexander Grischuk tauchte tief in beide Partien ein, um zu verhindern, dass der Vorteil seines chinesischen Gegners in beiden Partien außer Kontrolle geriet. Auch hatte er das Gefühl, nicht in bester Verfassung zu sein und verglich sein Spiel mit dem des Boxers Nikolai Valuev:

Es war verdammt schwer. Es gibt einen russischen Film mit dem Boxer Nikolai Valuev in der Hauptrolle. Der Name ist glaube ich "Holes in the Head" - er spielt einen Boxer, nachdem er niedergeschlagen wurde. Ich wurde zwar nicht niedergeschlagen, kann mich aber trotzdem an nichts erinnern.

In Duda-Mamedyarov konnten wir vollblutige Komplikationen miterleben, wobei Mamedyarov in der ersten Partie das denkwürdige 14...f5!? spielte:

chess24: Eine radikale Maßnahme Mamedyarovs!

Jan-Krzysztof Duda hatte das Gefühl, dass er großen Vorteil reklamieren könnte, wenn er es schafft, gleichzeitig Springer nach e5 und f4 zu bringen. Doch stattdessen spielte Mamedyarov selbst ...f4, wonach die Stellung schlussendlich endgültig einen geschlossenen Charakter bekam und nach 34 Zügen mit Remis endete.

Duda hat bisher in jeder Partie alles gegeben | Foto: Niki Riga, Turnierseite

Die zweite Partie war so spannend wie die erste und Mamedyarov erwischte Duda in einer Variante, die er nicht so gut kannte, wie er zugab: "Das ist die erste Partie in diesem Grand Prix, in der ich nicht zu jeder Zeit besser stand." Er kopierte Mamedyarovs ...f5-Konter, aber dieses Mal war es sogar noch riskanter:


Doch auch dieses Mal gelang es dem Nachziehenden, eine festungsänhliche Konstruktion zu errichten.

Damit kommen wir auch schon zu Topalov-Vachier-Lagrave, wo man zumindest in der ersten Partie sich nicht über mangelnden Kampfgeist hätte beschweren können. Denn dort war Veselin Toplaov mehr als bereit, gegen MVLs Najdorf anzutreten:

Romain Edouard: Was Topalov mit seinen beiden Springer will, ist völlig unklar.

Schlussendlich wurde der f4-Springer auf seinem derzeitigen Standfeld geopfert, doch blieb die Stellung im dynamischen Gleichgewicht, bis Maxime nach der Zeitkontrolle das Ruder übernahm. Laurent Fressinet führt uns durch den beeindruckenden Sieg der französischen Nr. 1:

Und hier kannst du hören, was Maxime nach der Partie zu sagen hatte:

Daraus folgte, dass in der zweiten Partie Topalov zwingend gewinnen musste, wenn er das Match in den Tiebreak retten wollte. Aber so wie es lief, darf man sich durchaus fragen, ob er das auch wollte? Nach seinem schockierenden Sieg gegen Nakamura in der Runde zuvor antwortete er nur darauf, wie er seine Chancen gegen Maxime einschätzt, mit: "Das interessiert mich absolut nicht!"

In der Partie wurde er von Maximes 4.La4 überrascht, auch wenn das bereits von Nakamura gegen MVL beim FIDE Grand Prix in Kroatien vor 12 Tagen gespielt wurde. Veselin dazu: "Es gibt so viele trickreiche neue Züge und ich verfolge die Trends nicht." Das alles kulminierte in der folgenden Stellung, in der Veselin Maxime Remis bot:


Was wurde passiert? | Foto: Niki Riga, Turnierseite

Weiß hat sicherlich die etwas bessere Stellung, aber das Handtuch hätte man mit so viel Material auf dem Brett nun wahrlich nicht werfen müssen. Eine der wenigen vergleichbaren Fälle ist Alexander Morozevichs Aufgabe in der folgenden Stellung (er hatte Weiß) nach 12 Zügen in einer Partie, die er gegen Alexander Grischuk beim FIDE World Cup 2011 zwingend gewinnen musste:


Grischuk sagte damals, dass er im Schach noch nie von etwas so schockiert war, auch wenn er später ein wenig relativierte, dass in der Stellung Weiß auch nicht so viele gute Ideen hatte. Hier begründet Topalov seine Entscheidung:

Natürlich gibt es auch Verschwörungstheorien bezüglich der wahren Gründe:

Mr. Dodgy: Der Grund für Topalovs Remisangebot

So oder so, das bedeutet, dass Maxime bereits im Viertelfinale steht. Dort wird er entweder auf Grischuk oder Yu Yangyi treffen. Die verbliebenen drei Matches werden dann am Mittwoch im Tiebreak entschieden. Und dieses Mal ist Unterhaltung garantiert!

Doch auch woanders findet derzeit Action in Riga statt, nämlich beim Tal Memorial (erst im Schnellschach, dann im Blitz). Die Partien des Tal Memorials kannst du dir hier ansehen:

David Navara und Nikita Vitiugov nutzten gleich die Gelegenheit und spielten nach ihrem Ausscheiden beim Grand Prix sogleich beim Tal Memorial mit. Nach sechs Siegen führte eine Niederlage Davids zu folgender, denkwürdiger Analyse nach der Partie:

Olimpiu G. Urcan: Alexandr Predke besiegte David Navara beim Tal Memorial mit einigen spektakulären Feuerwerken. Aber Navara gewann definitiv die Analyse im Anschluss.

Die Partien des Grand Prix kannst du dir hier täglich live ab 14:00 Uhr auf chess24 anschauen.

Weitere Links:


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