Berichte 23.07.2019 | 11:06von Colin McGourty

Riga Grand Prix Final 1: Mamedyarov geht in Führung

Shakhriyar Mamedyarov braucht in der zweiten klassischen Partie im Finale des Rigaer FIDE Grand Prix am heutigen Tag nur noch ein Remis, nachdem er gestern Maxime Vachier-Lagraves Grünfeld-Verteidigung auseinandernahm. Wie auch im Halbfinale gegen Wesley So brachte eine Eröffnungsneuerung den aserischen Starspieler schnell auf die Siegerstraße, während Maxime schmerzhafte Erinnerungen an die Endrunde der Zagreber Grand Chess Tour gehabt haben wird. Denn dort war es Magnus Carlsen, der unbeschreibliche Dinge mit seiner Grünfeld-Verteidigung machte.

Noch mehr Ärger für Maxime Vachier-Lagraves Grünfeld-Indische Verteidigung | Foto: Niki Riga, Turnierseite 

Alle Partien des Rigaer FIDE Grand Prix 2019 kannst du hier nachspielen:

Und hier findest du den dazugehörigen Live-Kommentar der ersten Finalpartie:

Es gibt nicht viele Spieler, gegen die die französische Nr. 1 Maxime Vachier-Lagrave eine schlechtere Bilanz hat als gegen Shakhriyar Mamedyarov. Im klassischen Schach gewann vor der Partie am Montag Shakh 6 Partien im klassischen Schach - bei nur einer einzigen Niederlage. Der tröstende Gedanke für Maxime war, dass er in der vorangegangenen Runde eine weitere negative Serie beendet hatte, indem er seinen ersten klassischen Sieg gegen Alexander Grischuk erzielte, aber die Serie gegen Shakh sollte noch schlimmer werden.

Mamedyarov 1-0 MVL | Riga FIDE Grand Prix Finale, Partie1

Mamedyarov hatte von Anfang bis Ende die volle Kontrolle in der Partie | Foto: Niki Riga, Turnierseite

Maxime Vachier-Lagrave hat ein viel engeres Eröffnungsrepertoire als viele seiner Super-Großmeister-Kollegen. Zumeist antwortet er auf 1.e4 mit 1...c5 und spielt Najdorf, während er auf 1.d4, wie von Mamedyarov gewählt, fast mit traumwandlerischer Sicherheit zur Grünfeld-Indischen Verteidigung 1…Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 d5 greift.

Mr. Dodgy: Lagrave bedeutet übersetzt: Schachspieler, der nur zwei Eröffnungen kennt.

Auf die Frage, ob ihn dieser Umstand leicht ausrechenbar für gezielte Eröffnungsvorbereitung macht, antwortete Maxime:

Naja, das gilt für die meisten Spieler. Du kannst ein Ziel in der Berliner Verteidigung, dem Mashall-Gambit und natürlich auch im Grünfeld-Inder abgeben. Aber dort ist es viel konkreter und sicherlich muss man sich viele Varianten merken. Ich konnte mich nicht dran erinnern, wie ich fortsetzen sollte, aber so oder so hätte ich besser spielen müssen.

Schach kann ein einsames Spiel sein | Foto: Niki Riga, Turnierseite

Es war unmöglich, das Folgende mitanzusehen, ohne sich an zwei der letzten Partien zu erinnern. Eine davon war Mamedyarovs Viertelfinalpartie gegen Weiß gegen Wesley So, als eine weitere Neuerung mit verheerender Wirkung bei Schwarz ins Kontor schlug:


13.a3 gegen Wesley So mag nicht nach viel aussehen, aber es war ein neuer Zug in einer Stellung, die bereits über ein Dutzend mal zuvor gespielt wurde. Und dieser Zug stellt sofort konkrete Fragen. Nach 14-minütigem Nachdenken spielte So den guten Zug 14...Tfb8, aber nach 15.e4 und 20-minütigem Nachdenken kollabierte Sos Stellung nach 15...c3?, da er nach 16.e5! in einer Verluststellung landete.

In der Finalpartie war Mamedyarovs 12.Lf4 ebenfalls ein neuer Zug in einer Stellung, die man bereits über ein Dutzend Mal gesehen hatte, wobei der Großmeister Sebastian Bogner einmal 12.Td1 gegen MVL in der Bundesliga gespielt hatte. Dieses Mal dachte Maxime für den einen guten Zug sieben Minuten nach und spielte 12...cxd4. Doch nach 13.cxd4 spielte er fast a tempo 13...Sc6?, wozu er später meinte: "Vermutlich begab ich mit mit 13...Sc6 auf die schiefe Bahn." Dem stimmte Mamedyarov zu und Maxime verschlimmerte seinen Fehler noch, indem er auf das folgende 14.d5! seinen Springer mit 14...Sa5?! an den Rand stellte. 

Diese Fehler führten zwar nicht wie bei Wesley zum sofortigen Verlust der Partie, aber Mamedyarov fiel auch noch ein weiterer Grund ein, worin man diese zwei Partien unterscheiden konnte:

Die Partie gegen Wesley und Maxime sind total unterschiedlich, denn wenn in der Partie gegen So Wesley die besten Züge spielt, dann ist es sofort Remis - 15...Sxe4 ist eine sehr starke Variante. Wenn er sie findet, ist es Remis!

Doch wenn Maxime in der Finalpartie die besten Züge (13...e6 oder 13...Lxd4) gespielt hätte, hätte Weiß wohl eine spielbare Stellung mit einem angenehmen Vorteil bekommen, wie Mamedyarov ausführte. Daher wird der Zug 12.Lf4 viel wahrscheinlicher ein Dorn im Fleische des Schwarzen bleiben.

Shakhriyar Mamedyarov ist nach einem üblen Start ins Jahr 2019 wieder zurück in der Spur | Foto: Niki Riga, Turnierseite

So wie sich die Partie entwickelte, schrie sie quasi nach einer weiteren Parallelen - und zwar nach der Partie Carlsen-MVL von der Grand Chess Tour in Kroatien. Mamedyarov dazu: "Ich erinnerte mich an seine Partie in Zagreb gegen Carlsen, die letzte Partie. Und ohne Damen sieht die Stellung nahezu gleich aus."

In beiden Partien wird der weiße d-Bauer - unterstützt vom weißen Läuferpaar - schnell zu einem Monster. Und in beiden Fällen spielt Schwarz praktisch mit einer Figur weniger, wenn man sich den deplatzierten Sa5 vor Augen führt:


In der Stellung aus der Mamedyarov-MVL Partie spielte Maxime 18...Lxf3 und erklärte im Anschluss, dass er dachte, hier noch einmal "davonzukommen". Aber er hatte den Zwischenzug 19.exf6! übersehen, wie er im Nachhinein zugab: "Danach stehe ich wohl schlicht auf Verlust." Es ging für Maxime schnell bergab und auch wenn die Aufgabe im 28 Zug für die Kommentatoren, die keine Computer benutzten, überraschend kam, war es dennoch nicht zu früh, das Handtuch zu werfen. Schwarz ist vollkommen geplatzt und kann schwerlichst überhaupt irgendeinen Zug ausführen:


Maxime gibt auf | Foto: Niki Riga, Turnierseite

Für eine Zug-für-Zug-Analyse der Partie solltest du auf keinen Fall das folgende Video von Großmeister Jan Gustafsson verpassen:

Und hier kannst du dir die Reaktionen der Spieler nach der Partie anhören:

Das Ergebnis bedeutet natürlich auch, dass Maxime in der zweiten klassischen Partie mit Weiß zwingend gewinnen muss, wenn er das Match in den Tiebreak retten will. Seine Herangehensweise?

Gewinnen zu müssen ist nie angenehm, aber ich bin bereit, so lange zu spielen, wie es eben sein muss!

Sei dabei ab 14:00 Uhr MEZ hier auf chess24!

Weitere Links:


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