Berichte 18.07.2019 | 14:06von Colin McGourty

Riga GP: VF, Stichkampf: So gewinnt Thriller gegen Karjakin

Diese Überschrift klingt zwar nach purer Ironie, doch nach sechs völlig uninteressanten Remispartien explodierte das Duell So-Karjakin tatsächlich beim 5-Minuten-Blitz. Nach einer Partie voller Fehler und grandiosen Zügen hätten die Spieler es verdient gehabt, im Armageddon zu landen. Die anderen Stichkämpfe wurden dagegen schon beim Schnellschach beendet. Dabei wollte Jan-Krzysztof Duda seinen Gegner Shakhriyar Mamedyarov mit dessen eigenen Waffen schlagen, während Alexander Grischuk gegen Yu Yangyi zum perfekten Zeitpunkt eine Neuerung präsentierte. Im Halbfinale kommt es nun zu den Duellen Mamedyarov-So und MVL-Grischuk.

Nach ruhigem Start explodierte Wesley So beim Blitzschach | Foto: Niki Riga, Turnierseite

Alle Partien des Grand Prix in Riga könnt ihr hier nachspielen:

Und hier die Bilder von der Live-Übertragung:

Mamedyarov 2,5:1,5 Duda

Auf dieses Duell können beide Spieler stolz sein | Foto: Niki Riga, Turnierseite

Shakhriyar Mamedyarov und vor allem Jan-Krzysztof Duda haben in Riga bislang das unterhaltsamste Schach geboten und auch ihr direktes Duell enttäuschte nicht. Nach zwei spannenden Remis im Turnierschach war auch die erste Schnellpartie ein Augenschmaus:


Duda gab zu, dass er hier Mamedyarovs 20.Sxh7! übersehen hatte. Nach 20…Sxh7 verliert er den Turm auf d8, daher musste Duda mit 20…Txd1 21.Sxf6+ Dxf6 22.Dxf6 Txa1 seine Dame geben. Wie sich zeigte, war die Stellung aber weiter gut spielbar für Schwarz. Als Shak ein paar Bauern hergab – er wusste hinterher selbst nicht warum! – bekam Duda sogar Gewinnchancen, doch am Ende war das Remis das gerechte Ergebnis.

In der zweiten Partie machte der junge Pole keinen Hehl aus seinen Absichten, als er 8.Tg1!? spielte: 

Mamedyarov saß dieses Mal auf der anderen Seite des Brettes | Foto: Niki Riga, Turnierseite


Duda spielte im Stile seines Gegners, bereute das aber durchaus:

Vermutlich war das zuviel. Hinterher lässt sich zwar leicht sagen, dass es keine gute Idee war, aber es ist auch riskant, nichts zu riskieren!

Mamedyarov wusste, was er zu tun hatte:

Für ich ist die Stellung einfach zu spielen, da mir der Computer nach jeder Partie, in der ich Tg1, g4 und Angriff spiele, sagt: „Sehr schlechte Stellung, sehr schwacher Angriff!“

Einen Unterschied stellte er aber fest:

Ich spiele nie a3, Dc2, sondern h4, h5, und dann schaue ich, ob es Matt wird oder nicht!

Dudas Angriff gegen den schwarzen König kam nie ins Rollen, während der eigene König recht bald hoffnungslos geschwächt war:

Hier die Spieler nach der Partie:

Grischuk 2,5:1,5 Yu Yangyi

Nach zwei harten Turnierpartien gelang Grischuk in der ersten Schnellpartie der entscheidende Durchbruch | Foto: Niki Riga, Turnierseite

Das attraktive Schach, das die beiden in den Turnierpartien geboten hatten, setzte sich auch im Stichkampf fort. Schon die erste Schnellpartie sollte entscheidend sein, nachdem Grischuk mit einer subtilen Neuerung die Initiative ergriffen hatte. Nach dem frühen Damentausch folgte 14.Lc7:


Grischuk bezeichnete den Zug hinterher “als wichtige Neuerung”, kritisierte sich aber für seine Fortsetzungen. 16.h3 nannte er gar “die primitivste” Möglichkeit. Yu Yangyi hatte gute Chancen, die Partie zu retten, griff dann aber nach 27.b3 fehl: 


27…Sb4! war der einzige Zug, während nach 27…Lb4? 28.Lxb4 Sxb4 29.bxc4 Txc4 30.Ta4! Materialverlust unvermeidlich war. Bis zum 62.Zug kämpfte der Chinese weiter, konnte die Niederlage aber nicht mehr abwenden. Auch die zweite Partie war spannend, aber Yu Yangyi kam nie in die Nähe des ganzen Punkts, den er gebraucht hätte.

Yu Yangyi zeigte einmal mehr, dass er mit den Besten der Welt mithalten kann | Foto: Niki Riga, Turnierseite

Alexander Grischuk ist aktuell der Top-Scorer beim FIDE Grand Prix, nachdem er für die Finalteilnahme in Moskau 8 Punkte kassierte und in Riga nun bereits 3 Punkte gesammelt hat. Wieder beschwerte er sich aber, dass es in Riga nur einen Ruhetag direkt vor dem Finale gibt und nicht schon früher:

Ich werde es immer wieder sagen. 4 durch 2 ist gleich 2, und nicht 3 und 1!

Hier die Spieler nach dem Match:

So 4,5:3,5 Karjakin

Sechs Partien lang war dieses Match ein absoluter Langweiler, denn nach 17, 19, 31, 27, 17 und 18 Zügen war jeweils Schluss, ohne dass irgendwas passiert wäre... 

"Mit einer 15-minütigen Pause nach 15-zügigen Remis streut man nur Salz in die Wunde!" 

Beim Fünf-Minuten-Blitz brachen dann aber die Dämme, nachdem die Eröffnung für Sergey Karjakin einfach zu gut verlaufen war!

Das ist ziemlich schade, da ich zum ersten Mal in diesem Turnier die Eröffnung sehr genau gespielt, mich an alle Züge erinnert und dann doch verloren habe.

Wesley Sos zeigte sich von seiner besten Seite, als er in einer verzweifelten Lage war | Foto: Niki Riga, Turnierseite 

Wesley verpasste 11.h3! wie bei Nepomniachtchi-Vitiugov bei der Russischen Meisterschaft 2018, sondern verdarb die Partie mit 11.Sc3?. Das ermöglichte 11…Se5!


Nach sechs ruhigen Partien war Sos einzige Chance, mit einem Damenopfer All-In zu gehen: 12.Sxe5! Lxd1 13.Sxf7 De7 14.Sxd6 cxd6 15.cxd6 Dxd6 16.Txd1:


Wie sich zeigte, waren das Läuferpaar und zwei Bauern ein passabler Ersatz für die Dame, da Weiß keine echte Schwäche hat. Karjakin meinte, die weiße Stellung sei „im Blitz spielbar“, und womöglich spielt sie sich sogar leichter mit Weiß. Allerdings hätte Schwarz hier mit 16…Db4! einen Bauern gewinnen können, denn c4 kann nicht gedeckt werden. Stattdessen folgte die Zentralisierung 16…De5!?

Der Computer sieht Schwarz bis zum 30.Zug im Vorteil, doch schon ein Fehler (30…Td6?) reichte, um Weiß ans Ruder zu bringen. Wenig später endete die Partie bereits mit dem brutalen 33.Tc4+!

"Trotz eines frühen Patzers schlägt So Karjakin, und der muss nun gewinnen, um das Armageddon zu erreichen."

Karjakin musste also mit Weiß gewinnen, um das Armageddon zu erreichen, doch nach missratener Eröffnung war erst einmal Schwarz am Drücker:


19…Lxh3! wäre wohl der Anfang vom Ende gewesen (der Computer zeigt bald ein Plus von fast fünf Bauern für Schwarz an), aber vielleicht dachte So zu intensiv daran, dass ihm zum Weiterkommen schon ein Remis reichte. Jedenfalls verdarb er erst seine Angriffsstellung und ließ dann sogar noch mehr zu:


In diesem Moment lösten sich Karjakins Hoffnungen, sich via Grand Prix für das Kandidatenturnier zu qualifizieren, in Luft auf. Nach dem geradlinigen 33.Lxf7+! Kh8 34.Lxe8 hätte Schwarz angesichts des fehlenden Turms auf der e-Linie keine Chance auf ein Dauerschach gehabt. Es wäre auch möglich gewesen, den Springer auf f4 todesmutig mit dem König zu schlagen, aber stattdessen kam 33.Txf7? 

Sergey Karjakin verpasste eine goldene Chance, doch noch das Armageddon zu erreichen | Foto: Niki Riga, Turnierseite

Auch das sieht tödlich aus, aber nach 33…Dh5+! kann Weiß nicht mehr gewinnen:


In Wirklichkeit kann er sogar ganz leicht verlieren, denn nach 34.Kxf4? g5+! ist Schwarz derjenige, der mattsetzt. 34.g4 war erzwungen, und da der weiße König nach 34…Dh3+ 35.Kxf4 Dh2+ wegen Matts nicht nach f5 gehen kann, endete die Partie remis durch Dauerschach.

Hier die Spieler nach diesem dramatischen Schlussakkord:

Damit lauten die Halbfinalpaarungen beim Grand Prix in Riga Mamedyarov-So und MVL-Grischuk, und dort geht es ohne Ruhetag heute gleich weiter.

Alle Partien des Grand Prix könnt ihr live ab 14 Uhr auf chess24 verfolgen!

Weitere Links:


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