Berichte 15.07.2019 | 13:32von Colin McGourty

Riga GP: R1, Stichkämpfe: Zweimal Entscheidung im Armageddon

Anish Giri, Levon Aronian, Peter Svidler und Hikaru Nakamura sind beim FIDE Grand Prix in Riga ausgeschieden. Dabei musste wie in Wimbledon und bei der Cricket-WM zweimal das Armageddon entscheiden, und im allerletzten Duell eliminierten Yu Yangyi und Sergey Karjakin dann ihre Kontrahenten Aronian und Giri. Im Viertelfinale lauten die Paarungen nun Karjakin-So, Duda-Mamedyarov, Grischuk-Yu Yangyi und Topalov-MVL.

Levon Aronian schied wie in Moskau in Runde 1 aus | Foto: Niki Riga, Offizielle Seite des FIDE Grand Prix 

Nachdem in Moskau merkwürdige Dinge geschahen – sechs Erstrundenduelle wurden beim Turnierschach und nur ein einziges Duell während des gesamten Turniers in den Zehnminuten-Partien entschieden - passiert beim FIDE Grand Prix Riga genau das, was man bei K.O.-Turnieren auf diesem Niveau erwarten kann: viele Remis in den Turnierpartien und einige Duelle, die sogar bis zum Armageddon gehen. Alle Partien könnt ihr hier nachspielen:

Hier die Live-Übertragung des dritten Turniertags, bei dem sich auch Daniil Dubov blicken ließ:

Hier die Duelle der 1.Runde in der Reihenfolge, in der sie beendet wurden:

Nach den Turnierpartien: 2 Matches

MVL 1,5:0,5 Navara

Nachdem David Navara am ersten Tag in nur 19 Zügen gegen Maxime Vachier-Lagrave verloren hatte, war er der einzige Spieler, der am zweiten Tag unbedingt gewinnen musste. Er hatte Weiß und bekam eine interessante Eröffnung aufs Brett, aber mit einer kleinen Kombination gelang es MVL, die Damen vom Brett zu bekommen. Weiß hatte zwar einen Mehrbauern, dieser war aber sehr schwer zu verwerten, und als MVL Zugwiederholung forcierte, stand er bereits besser. 

Kein Comeback für David Navara |Foto: Niki Riga, Offizielle Seite des FIDE Grand Prix 

Mamedyarov 1,5:0,5 Dubov

Nach einer tollen ersten Partie, in der Shakhriyar Mamedyarov ein Remisangebot von Daniil Dubov abgelehnt hatte, waren die Rollen nun vertauscht. Dieses Mal lehnte Dubov in einer auch aus seiner Sicht ausgeglichenen Stellung ab und traf damit eine verhängnisvolle Entscheidung.

Bei Daniil Dubovs Eröffnungen schauen die Leute genau hin! | Foto: Niki Riga, Offizielle Seite des FIDE Grand Prix 

Später bot er selbst Remis an, doch zu diesem Zeitpunkt hatte Shakhriyar Mamedyarov bereits Blut gerochen. Dubov räumte hinterher ein, dass er die Möglichkeit 34…Bb8! übersehen hatte:


Der Russe hatte angenommen, dass er den a-Bauern schlagen und dann mühelos das Remis erreichen könnte. Danach war die Stellung immer noch remis, aber Dubov zollte Mamedyarov Anerkennung, dass dieser erst dann Gewinnversuche unternahm, als der Druck durch Zeitnot noch größer wurde. Dort griff Dubov fehl und fasste die Partie hinterher so zusammen:

Er hat aus meiner Sicht gut gespielt, und ich bin natürlich ein Idiot, dass ich in dieser Stellung kein Remis gemacht habe.


Nach den 25-Minuten-Partien: 4 Matches

Duda 2,5:1,5 Svidler

Dies war sicher eins der interessantesten Matches der Runde, da in allen vier Partien von beiden Spielern hochklassiges und dynamisches Schach gezeigt wurde, wobei der 21-jährige Jan-Krzysztof Duda meist das Geschehen diktierte. Jan Gustafsson hat sich das Duell für euch angesehen:


Peter meinte zur letzten Partie:

Das tut am meisten weh: Wenn man sich 30 Züge lang verteidigt und einzige Züge findet, und es dann fast geschafft hat, setzt für eine Sekunde das Gehirn aus und man stirbt!

Er meinte aber auch, “Jan-Krzysztof hat das gesamte Match über besser gespielt und den Sieg verdient.”

Grischuk 3:1 Vitiugov

Grischuks Angriff erwies sich als unwiderstehlich | Foto: Niki Riga, Offizielle Seite des FIDE Grand Prix 

Nach einer faszinierenden ersten Turnierpartie endete die zweite nach zehn Zügen remis. In der ersten Schnellschachpartie wurde es dann wieder dramatisch, in der laut Jan Gustafsson der „Zug des Tages“ aufs Brett kam. Tatsächlich war 18…0-0 schon der Verlustzug, denn nach 19.Se5! hat Schwarz nichts Besseres, als mit 19…Qe8 den tödlichen Schlag zuzulassen:


Es folgte 20.Lf6!!, mit der Pointe, dass es nach 20…gxf6 keine Verteidigung gegen Dh5 und Th3 (in beliebiger Reihenfolge) sowie Matt auf h7 gibt (20...g6 scheitert ebenfalls an 21.Dh5!). In der Partie kam 20…Ld8 21.Lxg7! Kxg7 22.Tg3+ Kh8 23.Dh5! und Schwarz gab auf:

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als böte ein Zug wie 23…f6 noch einige Hoffnung, doch darauf ist 24.Dxe8 Txe8 25.Sf7# Matt.

In der zweiten Partie brauchte Grischuk nur noch ein Remis, er gewann aber nach 20 Zügen einen Bauern und vier Züge später gab Vitiugov auf. Vitiugov war nach seinem zweiten Ausscheiden in der ersten Runde bei einem Grand Prix sehr selbstkritisch:

Vermutlich sollte ich mir erst einmal die Grundprinzipien des Schachspiels aneignen, wie die Königssicherheit. Viel mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Grischuk merkte an, dass seine Glanzpartie nur möglich wurde, weil er zuvor das ungenaue 17.Lh4!? und nicht 17.Lxc7 gespielt hatte:

So 2,5:1,5 Harikrishna

Bei diesem Match war bemerkenswert, dass in der ersten Schnellpartie dasselbe Endspiel mit Dame gegen Turm und zwei Leichtfiguren aufs Brett kam wie in der ersten Turnierpartie. Dieses Mal schaffte es Harikrishna nicht, die Partie zu halten, und anschließend hielt So sicher Remis, um in die nächste Runde einzuziehen.

Topalov 2,5:1,5 Nakamura

Dies war die vermutlich größte Überraschung der Auftaktrunde, denn Zuschauer wie Spieler hielten Hikaru Nakamura im Stichkampf für den klaren Favoriten. Der Amerikaner meinte jedoch, er habe sich von einer verpassten Chance in der zweiten Turnierpartie nicht richtig erholt, und sagte zu Yannick Pelletier: “Ich glaube, das Problem war, dass ich mich noch ziemlich über die gestrige Partie geärgert habe.“ Dort übersah er einen Zwischenzug:


Er spielte 20…bxc6, und nach 21.d4! stand Weiß gut. Stattdessen hätte Nakamura mit 20…Lf7! erst die Dame vertreiben und dann auf c6 schlagen können. Schwarz hätte dann aus seiner Sicht deutlich besser gestanden.

Auf Veselin Topalov lastet kein Druck, da er behauptet, er habe keine schachlichen Ambitionen mehr | Foto: Niki Riga, Offizielle Seite des FIDE Grand Prix 

Offenbar bekam Nakamura das auch in der zweiten Schnellschachpartie nicht aus dem Kopf, in der er erst ohne Notwendigkeit die Damen mit 35…Db6? (35…Lc6!) tauschte und in ein Endspiel abwickelte, ehe er bei 40…f5?! übersah, dass Veselin Topalov nicht direkt schlagen musste, sondern erst seinen König ins Spiel bringen konnte. Recht bald war die Stellung hoffnungslos:


Weiß räumt systematisch die schwarzen Bauern ab. Nicht klar ist, ob 46…Sc6 ein typischer Internet-Blitzzug in einem Live-Turnier war,  aber nach 47.Sxc6 war das Match auf jeden Fall beendet.

Nach dem Armageddon: 2 Matches

An einem Tag, an dem das Wimbledon-Finale beim Stand von 12:12 im fünften Satz in den entscheidenden Tiebreak ging und auch die Cricket-WM zwischen England und Neuseeland ein dramatisches Ende nahm, mussten auch zwei GP-Duelle im Armageddon entschieden werden:

Yu Yangyi 4,5:4,5 Aronian (Yu gewinnt, weil er im Armageddon Schwarz hatte)


Dieses Match verlief extrem ausgeglichen, bis Levon Aronian in den 5-Minuten-Partien einen Patzer im Endspiel ausnutzen konnte:


Hätte Yu Yangyi diesen Bauern mit dem Bauern geschlagen, wäre sein eigener e-Bauer schnell genug gewesen, um seinen Turm gegen Aronians b-Bauern opfern zu können, aber so kam der weiße König nach 51…Kxe4? 52.b7 nach c7 und die Partie war vorbei.

Yu Yangyi und Levon Aronian im Interview mit Yannick Pelletier | Foto: Niki Riga, Offizielle Seite des FIDE Grand Prix 

Aronian brauchte danach "nur" noch ein Remis in der nächsten Blitzpartie, aber offenbar stand er nach der Eröffnung schon zu gut!


Schwarz hat großen positionellen Vorteil, und obschon 23…c3!? vermutlich überhastet war, weil 24.Lxc3 bxc3 25.Txc3 zugelassen wurde, musste Schwarz diese Stellung sicher nicht verlieren. Der Damentausch mit 25…Dxd4 26.Sxd4 wäre vermutlich die prosaischste Lösung gewesen, doch nach 25…h6 gelang es dem Chinesen, einen tödlichen Angriff auf den schwarzen König zu organisieren.

Beim Armageddon hatte Yu Yangyi Schwarz und hielt relativ locker Remis. Aronian ist damit in Moskau und Riga jeweils in der ersten Runde ausgeschieden und kann sich damit nicht über den Grand Prix für das Kandidatenturnier qualifizieren. Das gilt auch für Anish Giri …

Karjakin 5:4 Giri


Schon bei den Schnellpartien erwachte dieses Match zum Leben, als Sergey Karjakin mit den weißen Steinen eine beeindruckende Positionspartie gelang, diese aber durch eine nicht minder starke Leistung von Anish Giri in der nächsten Partie wettgemacht wurde. Sergey Karjakin fasste das Match gut zusammen:

Zuallererst bin ich sehr froh und muss zugeben, dass dies vermutlich eines der schwersten Matches meiner Karriere war. Wir hatten beide unsere Chancen, etwa in der zweiten (Zehn-Minuten)-Schnellpartie, als ich Schwarz hatte … Einmal stand ich auf Gewinn, konnte den Vorteil aber nicht verwerten, und dann hatte ich in der letzten Blitzpartie vor dem Armageddon viel Glück. Im Armageddon kann dann alles passieren.

Anish Giri verlor beim Armageddon | Foto: Niki Riga, Offizielle Seite des FIDE Grand Prix

Giri brauchte nur ein Remis und stand nach der Eröffnung sehr gut, aber Karjakin kritisierte den Abtausch der Springer auf c3, und nach 28.La4! spürte er bereits, dass er gewinnen würde:


Der Computer findet sich kaltblütig mit dem Verlust des Bauern c6 ab und kämpft mit Minusbauer weiter. Giri dagegen verhinderte Dxd5 und das Schlagen des Bauern mit 28…Se7?, doch darauf folgte 29.d5! Tc8 30.dxc6 Sxc6 und Schwarz hatte zwar Materialverlust vermieden, aber mit 31.Dh4+! zeigte Karjakin, dass er nun ans Eingemachte ging. Vier Züge später war das Matt auch schon da!

Nach drei Tagen können damit acht Großmeister bereits wieder ihre Sachen packen, und der einzige Trost ist sicher, dass sie sich nun ein paar Tage Ruhe gönnen können. Nakamura meinte dazu:

Zu dem Turnierplan in diesem Jahr könnte ich viel sagen, aber mit ihm muss jeder klarkommen. Schauen wir also, wer am Ende übrigbleibt!

Die Viertelfinalpaarungen sehen so aus:

  • Karjakin vs. So
  • Duda vs. Mamedyarov
  • Grischuk vs. Yu Yangyi
  • Topalov vs. MVL

Alle Runden könnt ihr täglich ab 14 Uhr auf chess24 live verfolgen.

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