Berichte 17.04.2019 | 13:29von Colin McGourty

Reykjavik Open: Lupulescu gewinnt vor Firouzja

Der fünfmalige rumänische Landesmeister Constantin Lupulescu hat das Reykjavik Open 2019 dank der besseren Wertung vor sieben punktgleichen Spielern gewonnen, die ebenfalls 7 aus 9 holten. Von entscheidender Bedeutung erwies sich sein Sieg in der 7.Runde gegen den 15-jährigen Alireza Firouzja, der ansonsten keine Partie verlor und mittlerweile bei einer Live-Elo von 2682,6 steht. Die Nummer 1 des Turniers Gawain Jones hat durch einen Sieg gegen Lupulescu in der Vorschlussrunde die magische Elomarke von 2700 überschritten, musste sich aber mit dem vierten Platz hinter Nils Grandelius begnügen.

Lupulescus dramatische Gewinnpartie gegen Firouzja in Runde 7 entschied letztlich das Reykjavik Open 2019 | Foto: Fiona Steil-Antoni, Reykjavik Open Facebook-Seite

Alle Partien des Reykjavik Open 2019 könnt ihr hier mit Computeranalyse nachspielen:

Als nach fünf Runden der erste Ruhetag eingelegt wurde, lagen beim Reykjavik Open vier Spieler an der Spitze. 

Firouzja gewann am "Ruhetag" mit einem ganzen Punkt Vorsprung das Chess960-Turnier | Foto: Fiona Steil-Antoni, Reykjavik Open Facebook-Seite

In Runde 6 trennten sich mit Robert Hovhannisyan und Alireza Firouzja zwei der vier Führenden remis, wodurch sich der 35-jährige Constantin Lupulescu mit einem Weißsieg gegen Sergei Movsesian allein an die Spitze setzen konnte.

In der 7.Runde baute er diese Führung sogar noch aus, indem er Firouzja dessen einzige Niederlage zufügte. Romain Edouard twitterte schon früh:

"Fragt mich nicht warum, aber bislang gefällt mir die schwarze Stellung."

Womöglich hatte das etwas mit einer Partie zu tun, die vor kurzem bei der Europameisterschaft gespielt wurde!

"Ein Franzose spielt Französisch und findet ein stilvolles Finale."

Diese Partie dauerte 27 Züge, und erst im 16.Zug wich Lupulescu von Edouards Vorgängerpartie ab, als er 16…Da2 statt 16…Da1 spielte. Die taktischen Probleme blieben aber dieselben, und der Weiße war abermals nicht um seine Stellung zu beneiden!

"Constantin Lupulescus Gewinnpartie gegen das iranische Wunderkind Alireza Firouzja ist eine der unterhaltsamsten Partien des bisherigen Jahres."

Firouzja hielt etwas länger durch und hätte sich nach 27…Lxf2? (27…axb2+! war der richtige Zug) 28.Dxf2 Da1 sogar noch retten können:


Es ist kaum zu glauben, aber nach 29.Txd5!! hat Weiß objektiv keine Probleme mehr, da er auf 29…a2 30.Df5! spielen kann.

Stattdessen spielte Firouzja mit nur noch einer Minute auf der Uhr 29.e7, und nach 29...a2 war es zu spät für 30.Qf5 wegen des gleichen Turmopfers wie dem von Edouard: 30…Txc3+! Ein Hauptunterschied in den Varianten nach 29.Txd5! wird klar bei: 31.bxc3 axb1=D+ 32.Dxb1 Dxc3+:


Da der König nicht nach d1 entwischen kann, wird Weiß im nächsten Zug Matt. In der Partie folgte 30.e8=D+ Txe8 31.Df5 d4! und Weiß konnte aufgeben:

Nach dieser Partie hatte Lupulescu einen ganzen Punkt Vorsprung, und mit einem guten Resultat in der vorletzten Runde hätte er sich den ersten Platz schon sichern können. Doch Gawain Jones schenkte dem Verfolgerfeld in einer Grünfeld-Partie neue Hoffnung, indem er dem Weißen erst einen Tripelbauern auf der f-Linie verabreichte und sich nach 84 Zügen den Sieg sicherte. Nach diesem Sieg war auch mehr oder weniger klar, dass sich ein Spieler beim Reykjavik Open mit einer Elo von 2700 verabschieden würde!

Trotz der Niederlage ging Lupulescu als Führender in die Schlussrunde und begnügte sich dort mit einem kurzen Remis gegen seinen Landsmann Mircea-Emilian Parligras. 


Damit hatten die beiden den geteilten 1. Platz sicher, sofern der andere Führende, Gawain Jones, nicht gegen Erwin l’Ami gewinnen würde.

Gawain Jones wusste früh, dass er mit einem Sieg gegen Erwin L'Ami ganz vorn landen konnte | Foto: Fiona Steil-Antoni, Reykjavik Open Facebook-Seite

Der englische Großmeister nahm die Herausforderung an, doch der Schuss wäre um ein Haar nach hinten losgegangen, da l’Ami sukzessive die Kontrolle übernahm und auf dem Weg zum Sieg zu sein schien. Es sollte aber nicht sein:

"Heute habe ich einige Chancen verpasst, von denen 46...Sd5! 47.Tb7 Se3 48.e7 Txg2+ 49.Kh1 gefolgt von 49...Te2 50.e8D Te1+! 51.Kh2 Sf1+! mit komplett gewonnenem Turmendspiel vermutlich die beste war. Trotzdem habe ich beim #ReykjavikOpen eine tolle Zeit erlebt, und Glückwunsch an Lupu!"

Nach 74 Zügen standen schließlich die nackten Könige auf dem Brett, wodurch acht Spieler punktgleich an der Spitze lagen und Jones mit seiner neuen Elo von 2701,8 auf Platz 4 landete.

Nils Grandelius schlug in der Schlussrunde Sabino Brunello | Foto: Fiona Steil-Antoni, Reykjavik Open Facebook-Seite

Der dritte Platz ging nach einem starken Schlussspurt verdient an Nils Grandelius. In der Schlussrunde besiegte er Sabino Brunello in einem Schwerfigurenendspiel, richtig unterhaltsam ging es aber in der Vorschlussrunde gegen den Inder Abhijeet Gupta zu. 

„Ein Open ist harte Arbeit! Abhijeet Gupta & @GMGrandelius versuchen ihren Augen vor dem Beginn der 8.Runde noch ein wenig Ruhe zu gönnen.“

Interessant wurde es nach 21 Zügen:


Auf das Figurenopfer 21…Ld3!! folgte nach 22.Lxd3 Sxg4! mit Königsangriff. Danach waren alle Resultate möglich – Grandelius hätte mit mehr als einer Minute auf der Uhr den tödlichen Schlag sicher gefunden, doch auch Gupta hatte am Ende mit mehreren Minusbauern die Chance, die Partie studienartig zu gewinnen.

„Kann mich nicht erinnern, wann mir das Zusehen mehr Spaß gemacht hat als heute bei @GMGrandelius vs Gupta beim #ReykjavikOpen. Schwarz baute erst eine enorme Spannung auf und setzte dann zu einem hochinteressanten Opferangriff an, der extrem schwer zu berechnen war. Tolles Handgemenge.“

Auch Gupta feierte einen versöhnlichen Abschluss, indem er in der Schlussrunde seinen 15-jährigen Namensvetter Prithu Gupta schlug und ebenfalls geteilter Erster wurde.

Am Ende des Duells Alt gegen Jung zwischen Hjartarson und Firouzja feierte die Jugend einen hart umkämpften Sieg | Foto: Fiona Steil-Antoni, Reykjavik Open Facebook-Seite

Derweil erholte sich Alireza Firouzja ausgezeichnet von seiner Niederlage in Runde 7 und schloss das Turnier mit schierer Willenskraft mit zwei Siegen ab. In der Vorschlussrunde verwirrte er FM Alisher Suleymenov mit haarsträubenden Komplikationen so lange, bis dieser fehlgriff, und in der Schlussrunde riskierte er gegen den isländischen Veteranen GM Johann Hjartarson, in Nachteil zu geraten, nur um die Stellung aus dem Gleichgewicht zu bringen. Erst im 62.Zug zahlte sich das Risiko aus:


Firouzja hat als Weißer nur noch eine Minute auf der Uhr, während sein Gegner noch 23 Minuten auf der Uhr hat, doch Schwarz war es, der die Partie einstellte. Nach einem Zug wie 62…Te1 muss Schwarz für den weißen b-Bauenr einen Turm geben, hat aber mit seinem h-Bauern ausreichend Kompensation für das Remis. Nach 62…Txb2+? 63.Sxb2 Ke5 64.b6 jedoch kann der b-Bauer nicht mehr rechtzeitig gestoppt werden. Hjartarson gab vier Züge später auf.

Ebenfalls auf 7 aus 9 kamen Tigran Petrosian (der wie Gawain Jones keine Partie verlor), und der ehemalige Junioren-Weltmeister Aryan Tari.

Hier der Endstand:

Rk.SNo NameTypFEDRtgIPts. TB2  TB3  TB4 Rprtg+/-
16GMLupulescu ConstantinROU26347,0944,56276415,4
23GMFirouzja AlirezaU16IRI26697,0943,5627327,5
32GMGrandelius NilsSWE26877,0941,5626901,4
41GMJones Gawain C BENG26987,0941,5527173,8
57GMParligras Mircea-EmilianROU26337,0941,0626645,3
611GMPetrosian Tigran L.ARM26057,0941,0526657,2
79GMTari AryanNOR26157,0940,5626373,1
812GMGupta AbhijeetIND26027,0938,5625632,6
98GMHovhannisyan RobertARM26306,5944,04270510,4
105GMMovsesian SergeiARM26376,5943,5526624,2
114GMl'Ami ErwinNED26476,5943,5426795,0
1213GMVan Foreest JordenNED25986,5940,552585-0,1
1334IMKevlishvili RobbyNED24516,5939,0624908,2
36IMKorley KassaDEN24406,5939,06255915,4
1532IMLoiseau QuentinFRA24616,5939,0525299,9
1627GMTang AndrewUSA25016,5933,562420-3,3
1728GMSalomon JohanNOR24956,5840,04260213,9
1819GMStefansson HannesISL25586,5837,0625192,5

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