Berichte 04.01.2021 | 08:45von Colin McGourty

Radjabov schlägt Aronian und gewinnt das Airthings Masters

Teimour Radjabov hatte Freudentränen in den Augen nachdem er Levon Aronian nach 3 Partien im zweiten Match besiegte, und den $60000 Preis und einen Platz für das große Finale der Meltwater Champions Chess Tour gewann. Levon musste gewinnen und hatte seine Chance in der ersten Partie, die einem James Bond Film glich, aber er verpasste den Gewinn und überzog in der nächsten Partien. Bereits in der dritten reichte Teimour ein Remis und das erlangte er auch! Maxime Vachier-Lagrave wurde dritter nach einem weiteren spannungsgeladenen Tag gegen Daniil Dubov. 


Du kannst alle Partien der KO-Runde mit der untenstehenden Auswahl nachspielen.

Und hier sind die Kommentare von Jan Gustafsson und Niclas Huschenbeth.


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Nach einem weiteren super spannenden Tag, ist das Airthings Masters nun beendet.


Radjabov 2:1 Aronian

Teimour Radjabovs Sieg in der letzten Partie des ersten Tages hieß für Levon Aronian, dass er das zweite Schnellschachmatch gewinnen musste, um noch ein Playoff um den Titel spielen zu können. Fast hatte er einen Traumstart. In einem Giuoco Piano, der alles andere als ruhig war, zerstörte er zunächst die Bauernstruktur seines Gegners in der Nähe des Königs und dann zog er bei erster Gelegenheit das hübsche 21.e5!!?

Der Zug hatte eine Widerlegung, zu der wir noch kommen werden, aber Teimour reagierte mit 21…dxe3 22.Dg6+ Kh8 23.Dxh6+ Sh7 24.Ld3!!


Levon lud 24…exf2+ 25.Kf1 fxe1=D+ 26.Txe1 ein und kommentierte später:

Ich denke, ich wurde in Partie 1 sehr aufgeregt, als ich den Turm mit Schach opferte - das erinnere mich an eine Partie von Spassky gegen Bronstein im Königsgambit. Es ist im Prinzip ähnlich, er gab seinen Turm mit Schach und dann gab es keine Verteidigung.

Das ist die berühmte Partie zwischen Boris Spassky und David Bronstein bei der USSR-Meisterschaft von 1960: 14…e2:


Es folgte 15.Sd6!!? Sf8? 16.Sxf7!! und hier nahm Bronstein den Turm auf f1, aber war schon verdammt. Die Partie wurde noch berühmter, da es eine ähnliche Version im 1963er James Bond Film "From Russia with love" gab.

Zurück zu Aronian-Radjabov, wir bekamen die folgende Stellung, nachdem der Turm die neue schwarze Dame schlug:


Das ist die Stelle, an der die Widerlegung der gesamten Variante klar wird, wenn Teimour 21…d3!! 22.Dxd3 fxe3! gespielt hätte, hätten wir fast die gleiche Stellung wie in der Partie bekommen, aber mit einem wesentlichen Unterschied.


Levon erklärte:

An einem Punkt in der Partie hättest du d3 spielen können, was absolut brilliant ist - man kriegt die selbste Stellung ohne den Bauern auf f4.

In diesem Fall würde 27…f5! gewinnen, mit dem Unterschied, dass nach 28.exf6 Df7 kann Weiß nicht mit White 29.Ng5 gewinnen, da das Fehlen des f-Bauern dazu führt, dass 29…Dxf6+ Schach ist!

In der Partie blieb Teimour nichts besseres, als mit dem bronsteinähnlichen Opfer 26…Lf5 27.Lxf5 eine Verteidigung anzustreben, aber nach 27…f6 28.exf6 Df7 hätte Weiß gewinnen müssen.


Das Problem hier ist, dass Levon nur 17 Sekunden auf der Uhr hatte und diese auf 2 Sekunden ablaufen ließ, als er seine wunderschöne Partie mit 29.Te6? abgab, denn nach 29…Txe6 30.Sg5 Txf6 31.Sxf7+ Txf7 32.Lxh7 Txh7 hatte Schwarz zwei Türme und einen Läufer gegen die weiße Dame.

Stattdessen hatte Levon den fantastischen computerunterstützten Zug 29.Txe8+ Txe8 30.b3!!

Peter Leko sah diesen Zug - die Idee ist es, Dc4+ zu verhindern - aber man muss wirklich tief in die Stellung einsteigen, um auch an die Idee zu glauben, und es gibt immer noch das Problem der Fortsetzung. Wenn Schwarz 30…Tg8 antwortet, ist der Gewinnzug wohl 31.h4!!

Es sollte jedoch festgehalten werden, dass auch 29.Td1! gut gewesen wäre, um aus der Schusslinie des schwarzen Turms zu gehen und auf Dc4+ Ld3 spielen zu können, was wie ein vernünftiger Weg zu gewinnen aussieht. Mit dieser stabilen Stellung hätte Levon seinen Springer für den Todesschlag heranholen können.

Stattdessen schien Radjabov in der Partie auf Gewinn zu stehen, konnte aber mit unter einer Minute auf der Uhr keinen Weg finden, den Schachs zu entgehen, und entschied sich, dass es in seinem Interesse war, Remis zu spielen.

Später offenbarte er, dass er einfach glücklich war überlebt zu haben:

Die erste Partie heute war wirklich schlecht, also richtig schlecht, und ich weiß nicht, ob ich in der Lage gewesen wäre zurückzukommen, wenn ich diese verloren hätte, aber ich war sehr glücklich, dass ich die Stellung gerettet habe.

Es war eine außergewöhnliche Partie, Teimours Landsmann Rauf Mamedov kommentierte:

Der Rest des Matches konnte mit der Aufregung nicht mithalten, aber man konnte die Spannung spüren.

In Partie 2 überrasche Levon Teimour mit seiner Lieblingseröffnung aus Kinderzeiten, der Grünfeldindischen Verteidigung, machte jedoch in Zug 21 einen Fehler.


Hier hatte er das Gefühl, dass 21…Ta7 in 22.Lb8 läuft und die Züge wiederholt werden, daher spielte er 21…c5?!, aber nach 22.dxc5 Tac8 23.Lf2 hatte Weiß einfach einen Bauern mehr. Später erklärte Levon:

Ich wusste, dass ich Risiken eingehen muss, aber vermutlich traf ich eine komische Entscheidung. Ich muss zugeben, dass c5 in der zweiten Partie einfach falsch war. Ich wollte nur der Stellungswiederholung aus dem Weg gehen...

Dann ging es abwärts für Levon, denn Teimour nutzte c5 aus und konnte nach 62 Zügen den vollen Punkt verbuchen. Um doch noch ein Playoff zu erreichen, musste Levon beide nächste Partien gewinnen.

Levon bekam die Art Stellung, die er in der dritten Partie brauchte, er behielt viele Figuren auf dem Brett und die Anspannung stieg, dann fand er ein nettes Damenmanöver.


28.Dc6 Tb8 29.Dd7 Ted8 30.Dg4 war eine unerwartete Wendung der Ereignisse, obwohl er nach 30…De6 mit Damentausch den Vorteil mit dem Zug 31.Lxf4 behielt, sahen wir später ein Turmendspiel und Teimour gab zu in diesem besorgt gewesen zu sein:

Ich weiß nicht, was in der letzten Partie passierte, aber es waren definitiv die Nerven. Ich hatte wirklich Angst, dieses Turmendspiel zu verlieren, aber dann fand ich diese nette Idee, den König auf f4 zu fangen, was mich wirklich glücklich machte, denn ansonsten muss man die ganze Zeit rechnen.

50…Rg5! zusammen mit dem König auf d4 droht Schwarz Matt in 1.


Levon spielte bis nur noch nackte Könige auf dem Feld waren, aber das Ergebnis war schon eine Weile klar. Nachdem die Partie vorbei war, konnte Teimour seine Emotionen nicht mehr zurückhalten.

Teimour erklärte früher im Turnier, dass er nicht die Art Mensch sei, die einfach so feiert,aber jetzt erklärte er:

Wenn man versucht den Fokus und die Konzentration bis zum Ende zu behalten, kostet das eine Menge Kraft und Emotionen, um die Ruhe, die ich versuche zu haben, zu produzieren. Ich möchte nicht zeigen, ob ich glücklich oder unglücklich über meine Stellung bin, aber ja, ich weiß auch nicht, es kostete mich so viel Energie, dass ich total ausgelaugt bin... Manchmal werde ich auch emotional!

Der Sieg gab Teimour $60000, 80 Tourpunkte zusammen mit den 8, die er in der Vorrunde gewann, und einen Platz für das große Finale der Tour, welches (unter Vorbehalten) in San Francisco im September, in den Headquarters des Neuen Toursponsors  Meltwater stattfinden soll.

Teimour war begeistert, und gab zu, dass er vor dem Beginn des Finales nur hoffte, Aronian in die Blitzpartien zu kriegen, weil Levon vorher zu stark spielte. Tatsächlich war auch Teimour sehr eindrucksvoll in seinem Halbfinale gegen Dubov und im Finale, er begründet seinen Erfolg damit, dass er im Blitzplayoff gegen Nepomniachtchi zurückkommen konnte:

Ich hoffte nur, dass ich nicht gegen Magnus spielen werden, das war meine Hoffnung und als Dubov gewann, dachte ich, dass das meine Chance wäre. Denn als Nepomniachtchi die erste Blitzpartie gegen mich gewann, sagte ich mir, okay, Magnus ist nicht hier, aber trotzdem verliere ich, was ist das, und dann entschied ich mit 1...b6 zu spielen. Ich brauchte einige Zeit, um mich dafür zu entscheiden, aber ich glaube das war ein wichtiger Moment für mein Selbstbewusstsein später im Event. Ich hatte das Gefühl, eine zweite Chance bekommen zu haben. Vor der zweiten Blitzpartie gegen Nepo dachte ich, ich wäre raus... Ich weiß nicht, ob ihr an Zeichen oder Energien oder so glaub, aber das war ein Zeichen für mich, bis zum Ende zu kämpfen!

Selbstbewusstsein scheint den Unterschied für Teimour zu machen, sein Weg zurück in die Spitze war der Weltcupsieg 2019. 2013 startete er schon einmal im Kandidatenturnier, und zwar als Weltranglistenvierter, aber er verlor dort 7 Partien. Er sagte dzu:

Es gab ein Problem, ich spielte dieses Kandidatenturnier 2013 und verlor plötzlich alle Partien gegen die Topspieler, also sagte ich mir, vielleicht sollte ich einfach aufhören? Das war der einzige Weg, denn nach dem Kandidatenturnier fehlte mir Selbstbewusstsein, also machte ich eine Pause und arbeitete an meinem Schach. Ich veränderte mein Repertoire, fing an Berliner Mauer zu spielen usw. Vorher spielte ich Königsindisch, Sizilianer und so, manchmal sogar Königsgambit, also sagte Chuchelov, das ist nicht der Weg, mit dem man ein moderner Profi wird, und ich habe meinen Stil geändert und versuchte in offiziellen Events zu spielen.

Erst kürzlich entdeckte Teimour seinen Glücksbringer, und erklärte, dass während seiner Streams mit Anish Giri und anderen auch hart am Schach gearbeitet würde! Natürlich gratulierte ihm Anish:

Teimour wurde gefragt, wie er feiert und er sagte: “Bis zum Morgen,denke ich!” Später tweetete er:

Aronian fasste zusammen, dass er gemischte Gefühle über sein Spiel im Finale habe, aber er im gesamten Turnier eigentlich gut spielte. Als er über seine Highlights befragt wurde, erwähnte er die oben gezeigte Kombination, aber sagte auch, dass es sehr cool war Vachier-Lagrave und Nakamura zu besiegen, weil sie oft das gleiche mit ihm tun!


Und Ponchik war natürlich immer da, um Levon zu trösten!

MVL 2.5:1.5 Dubov

Maxime Vachier-Lagrave brauchte bereits ein kleines Wunder, um die Vorrunde zu überstehen, denn vor der letzten Runde stand er bei -2, zudem sah er am ersten Tag dieses Matches total verloren aus, nachdem Daniil eine 2:0 Führung übernahm. Er kämpfte sich jedoch zu einem 2:2 zurück und gewann ein turbulentes zweites Match, um den dritten Platz zu erklimmen. Teimour sagte:

Es gibt auch noch ein super spannendes Match, Dubov gegen Maxime Vachier-Lagrave. Sie spielen um den dritten Platz, aber könnt ihr das erkennen? Sie spielen, als würden sie um den WM-Titel spielen. Und das ist so aufregend. Gestern war ich nicht in der Lage, mich nur auf meine Partien zu konzentrieren. Ich habe ihre Partien verfolgt, sie waren so aufregend. 

Der Insider Maxime sah das ein bisschen anders:

Ich denke von meiner Seite gab es eine Menge unnötiger Einsteller. Die Partien wurde dadurch lustig, aber interessat... das weiß ich nicht, aber definitiv lustig und ich startete so schlecht, und konnte mich am Ende des Tages trotzdem retten, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass das ein Tag guten Schachs war.

Die erste Partie folgte kurz einer Sizilianischvariante, die Harikrishna gegen MVL in der Vorrunde spielt, doch Dubov konnte nach Zug 12 eine Gewinnstellung erreichen!


13.Db3! war der stärkste Zug, es droht Sxd6+, danach folgt d3, Lf4, Ta1 und Sc7+ und Schwarz wird nicht in der Lage sein, seine Entwicklung zu beenden bevor seine Figuren überfordert sind. Stattdessen spielte Dubov 13.c4?! und gab Maxime ein wenig Zeit zur Entwicklung. Weitere kleine Fehler erlaubte der französischen Nummer 1, die Initiative zu übernehmen und am Ende gewann er überzeugend.

Auch in der zweiten Partie hatte Maxime Probleme, aber rettete sich ins Remis, doch in der dritten Runde gewann Dubov eine starke Partie. Die Partie, die sich als die letzte herausstellte, wurde im Prinzip in Zug 27 entschieden:


Es war ein weiterer Fall, in dem einem die Anfängerlogik “die Figur ist angegriffen, zieh die Figur” weiterhelfen konnte, denn nach 27…Ta8! ist die Stellung ungefähr ausgeglichen. Daniil ist jedoch viel ambitionierter als das, und spielte 27…Sxf5?! aber nach 28.Txe5! dxe5 29.Sxb8 Txb8 30.Tc6! stellte es sich heraus, dass nach dem Schlagen auf a6, der weiße a-Bauer die Partie entscheiden würde, oder zumindest die Figuren zu ablenkt, dass Maxime einen Königsangriff starten konnte!

Nach dem Matchsieg gegen Magnus Carlsen ging es für Dubov nur noch bergab, während Maxime, in Anbetracht seines Starts in das Event, fantastisch aufhörte.


Es ist Zeit, sich die Tourtabelle anzuschauen, diese ist für drei Dinge wichtig:

  1. Die ersten 8 Spieler qualifizieren sich direkt für das nächste Turnier, welches am 6. Februar startet.
  2. Die Teilnehmer des großen Finales, welche nicht durch den Gewinn eines Majors qualifiziert werden, werden durch die Tourtabelle entschieden.
  3. Die Spieler starten mit einem Vorteil ins Finale, wenn sie besser in der Tour performten.

Kurz, das sind die 9 Spieler, die bisher Punkte in der Tour gewinnen konnten (man muss mindestens unter die ersten 8 kommen in der Vorrunde):


Wie ihr sehen könnt, wurde der erste Sieger eines Major, Teimour Radjabov, reichlich belohnt, während die Stars wie Magnus Carlsen und Hikaru Nakamura einiges an Arbeit leisten müssen, nachdem sie bereits im Viertelfinale ausschieden.


Vor unserem nächsten Event wird noch das Tata Steel Masters Turnier in Wijk aan Zee stattfinden, dort spielen Magnus Carlsen, Fabiano Caruana und Co. Es wird hier live kommentiert werden.

Für den Moment hoffen wir aber, dass ihr die Show über Weihnachten und Neujahr genießen konntet!

Siehe auch:


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