Berichte 15.02.2020 | 22:18von Colin McGourty

Prague Masters 2-3: Vidit führt, Firouzja holt ersten Sieg

Vidit führt das Prague Masters 2020 mit 2,5/3 an, nachdem er in Runde 2 eine brenzlige Stellung gegen David Antón überlebte und dann in Runde 3 Markus Ragger glatt besiegte. Neben Nikita Vitiugov und Jan-Krzysztof Duda liegt der 16-jährige Alireza Firouzja mit einem halben Punkt Rückstand in Lauerstellung. In Runde 3 gelang Firouzja ein bemerkenswert leichter Sieg gegen Harikrishna, nachdem er in Runde 2 gegen Nils Grandelius noch auf großartige Weise seinen Hals aus der Schlinge ziehen konnte. David Antón schaffte es wieder auf 50 %, nachdem er David Navara in Zeitnot überlisten konnte.

Alireza Firouzja spielt nur in Prag, weil Wei Yi zurückzog. In Runde 3 gewann er gegen Harikrishna und steht nun bei +1 | Foto: Vladimir Jagr, Turnierseite

Alle Partien des Turniers kannst du hier nachspielen:

Runde 2: Siege, die aus den Händen glitten

Mit einem mutigen Qualitätsopfer kam David Anton dem Sieg nahe | Foto: Petr Vrabec, Turnierseite

In Runde 5 endeten alle Partien remis, doch das hätte leicht auch anders ausgehen können. Vidit dachte, dass er gegen David Anton gut stehen würde, bis er von folgendem Zug überrascht wurde:


28.Tb5!! Ein positionelles Qualitätsopfer, auf das auch Tigran Petrosian stolz wäre. Weiß stand alsbald deutlich besser und David war nah dran am Sieg, doch dann wählte er im 45. Zug das falsche Feld für seinen König, wonach ein Remis durch Zugwiederholung folgte.

Nils Grandelius war nah dran,  in Runde 2 das Wunderkind zu schlagen | Foto: Vladimir Jagr, Turnierseite

Nils Grandelius war ebenfalls nah dran, Alireza Firouzjas Berliner Verteidigung zu überwinden. Aber später bereute er den Turmtausch im 42. Zug. Er sagte, er habe eine Idee nicht vorausgesehen, die erst 15 Züge später relevant wurde:


57…h3! 58.Kh2 e3! und die absolute Kontrolle von Schwarz über die Diagonale h1-a8 ist ausreichend, um das Remis sicherzustellen, auch wenn nun alle schwarzen Bauern fallen:

Runde 3: Bretter in Flammen!

War Runde 2 ruhig, dann war Runde 3 alles andere als das. Es hätte leicht fünf entschiedene Partien geben können, wobei Nils Grandelius gegen Nikita Vitiugov (29...f6! statt 29...Kh8?!) einen Trick übersah und Sam Shankland eine große Chance verpasste, Jan-Krzysztof Duda zu besiegen:


Nach 28…Txa2+? versandete die Partie schnell im Remis, aber Sam hätte sich gar nicht beeilen müssen. Stattdessen hätte er zuerst 28...Txc2! spielen sollen. Der schwarze c-Bauer wird vermutlich bald die Qualität gewonnen - und damit wohl auch die Partie.

Alireza Firouzja zeigte, dass er doch gar nicht so schlecht Spanisch spielen kann | Foto: Vladimir Jagr, Turnierseite

Es war jedoch nicht nötig, sich auf verpasste Chancen zu konzentrieren, da wir drei entschiedene Partien sehen durften. Alireza Firouzja hatte in Prag einen gemächlichen Start, aber sein Selbstvertrauen wurde weder durch den Ausgang der Eröffnung in Runde 2 noch durch die Geschehnisse gegen Magnus Carlsen in Wijk aan Zee negativ beeinträchtigt.…

Firouzja sollte besser gut im Spanier vorbereitet sein. Denn kürzlich bekam er von Magnus Carlsen erst eine Lektion in der Eröffnung.

In Runde 3 spielte er den klassischen Spanier gegen den 33 Jahre alten Harikrishna und wies nach, dass er die Stellung besser verstand als sein Gegenüber:


Hier spielte Hari 15…axb5?!, wozu Alireza meinte:

Er sollte nicht ...axb5 spielen. Wahrscheinlich muss er auf b3 schlagen, da diese Struktur sehr bekannt ist. Weiß hat immer einen gewissen Druck und es ist sehr schwierig für Schwarz, aber ok, ich musste einige präzise Züge machen. Ich bin froh, dass ich sie gefunden habe.

Der junge Iraner identifizierte den nächsten positionellen Fehler seines Gegners im Abschließen des Königsflügels mittels 23...f4?!, da Weiß am Damenflügel bereits dominant stand. Die Stellung flog Hari alsbald um die Ohren, weil Alireza den Druck langsam erhöhte (29.Sb1!, 32.Sa3! war ein schönes Manöver), bis die Stellung von Schwarz zusammenbrach:


Es scheint so, als ob Schwarz trotz all der Fesselungen das materielle Gleichgewicht halten könnte. Doch: 37.Ld7! Db7 38.Le6+ Kg7 39.Lxe5+ Lf6 40.Dd4! und Schwarz kann Materialverlust nicht mehr vermeiden.


David Antón ließ seine lange Partie vom Vortag hinter sich und besiegte die tschechische Nummer 1 David Navara

Die zwei Davids analysieren ihre Partie | Foto: Vladimir Jagr, Turnierseite

Dazu meinte er:

Ich glaube, am Anfang stand ich vielleicht etwas schlechter. Er hat Druck gemacht, aber ich habe es geschafft, alles zu verteidigen. Ich denke, ich habe mehr oder weniger dann Ausgleich erzielt und dann haben wir eine komplizierte Stellung erreicht. Ich glaube, der Schlüssel dazu war die Zeit. Wir waren beide in Zeitnot. Ich denke auch, in der Zeitnotphase habe ich etwas besser gespielt als er und ich konnte gewinnen, aber ich habe das Gefühl, dass alles hätte passieren könnte.


33.h4?!, mit 9 Sekunden auf der Uhr gespielt, könnte der Hauptgrund für das Folgende gewesen sein. Das sieht aggressiv aus, aber, wie David meinte, nach einigen präzisen Zügen... – 33…f6! 34.Sg4 Txe2 35.Txe2 Lg3! – ist es klar, dass Schwarz besser steht. Nach einigen weiteren Zügen fiel Navaras Stellung dann auch auseinander, wonach es Zeit war, aufzugeben.

Die Schachlegende Vlastimil Hort (76) machte den ersten Zug in der Partie Vidit-Ragger | Foto: Vladimir Jagr, Turnierseite

Der alleinige Führende heißt aber dennoch Vidit, der derzeit in der Live-Rangliste bei 2732,1 steht und damit nur einen Platz hinter Firouzja den Weltranglistenplatz 21 einnimmt. Er reihe sich in eine Reihe von Spielern ein, die gegen Grünfeldindisch mit einem eher harmlos aussehenden Aufbau erfolgreich waren. Doch Markus Ragger hatte das Gefühl, dass sein Bauernopfer nicht korrekt war und dass der österreichische Großmeister sein Spiel nach 25.Lb3!? durchaus hätte rechtfertigen können:


Markus spielte 25…Sd5!? und nach 26.Lxd5! stand er immer unter etwas Druck und kollabierte in Zeitnot. Stattdessen war 25...Sd3! stark mit der Idee, dass auf 26.Tc2 Schwarz zu 26...Lb4+ 27.Kd1 (erzwungen) 27...La5! greift und der c7-Turm nun die c-Linie verlassen muss. Falls Weiß aber mit 26.Tb1 beginnt, kann der c7-Turm immer noch nach c2 zurück. Doch Schwarz kann den Turm wieder mit 28...Sb4 angreifen.

Das war jedoch fast der einzige Schönheitsfehler in einer sehr ruhigen Partie, und Vidit sagte: "Ich hätte es mir nicht besser erhoffen können", nachdem er die alleinige Führung übernommen hatte:


Der 17 Jahre alte Andrey Esipenko gewann eine Partie, die wie er selbst sagte sehr schwach war und liegt damit einen halben Punkt hinter Hannes Stefansson auf dem alleinigen zweiten Platz im Challengers-Turnier | Foto: Vladimir Jagr, Turnierseite 

Die wichtigen Partien des Masters, bei denen es um den ersten Platz geht, sind in Runde 4 Anton-Duda, Grandelius-Vidit und Firouzja-Vitiugov. Alle Partien aus Prag kannst du ab 15 Uhr MEZ hier verfolgen: MastersChallengersFutures, Open!

Weitere Links:


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