Berichte 13.02.2020 | 10:44von Colin McGourty

Prague Masters 1: Duda, Vidit & Vitiugov gehen in Führung

Alireza Firouzja reiste verspätet zum Prague Masters an und erreichte in Runde 1 ein ruhiges Unentschieden gegen Markus Ragger, aber die Angst vor einem allzu ruhigen Tag kam nicht auf. Masters-Sieger Nikita Vitiugov schlug zu Beginn den Sieger des Challengers 2019, David Anton, obwohl gegen Mitte der Partie eher das Gegenteil zu erwarten war. Vidit erzielte den schnellsten und brutalsten Sieg der Runde gegen Sam Shankland, während der topgesetzte Jan-Krzysztof Duda durch den Sieg über den Lokalmatador David Navara auf Platz 13 der Weltrangliste vorrückte.

Na, welcher Spieler fehlt bei der Eröffnungszeremonie? | Foto: Turnierseite 

Alle Partien des Turniers kannst du hier nachspielen:

Bei der Eröffnungszeremonie des Internationalen Schachfestivals in Prag war es auffällig, dass ein Spieler fehlte - Alireza Firouzja. Der junge Spieler sprang als Ersatz für Wei Yi ein und es scheint so, als ob er zuvor noch Engagements in Katar nachkommen musste:

Dennoch schaffte er es schlussendlich nach Prag:

Alireza kam in Prag an und ist bereit fürs Turnier!

Seine erste Partie gegen Markus Ragger folgte mit den ersten 24 Zügen zwei Vorgängern, die ebenfalls Remis endeten - der Partie Naiditsch-Wojtaszek in der letzten Runde des Isle of Man-Turniers 2018, in der sie in einem Playoff um den ersten Platz spielten, und Anand-Svidler vom GRENKE Chess Classic 2019. 25.h3 war eine Neuerung, aber nicht gerade eine weltbewegende:


Raggers 25.Tfe8!? war ein mutiger Zug nach 10 Minuten des Nachdenkens, denn er erlaubte den Übergang in ein Damenendspiel: 26.Txe8+ Dxe8 27.Txa7 Txa7 28.Dxa7 De1+! 29.Kh2 Dxb4. Es scheint so, als ob Markus alles korrekt eingeschätzt hat, denn trotz der besseren Bauernstruktur war Alireza nicht in der Lage, irgendwelche Fortschritte zu erzielen. Die Partie endete dann nach 44 Zügen mit der Friedenspfeife.

Firouzja gegen Ragger und Grandelius gegen Harikrishna enden remis. Hari schaut bei der Analyse der Partie im Analyseraum vorbei.

Das einzige andere Unentschieden war Grandelius-Harikrishna, bei dem Nils den bescheidenen Zug 14.a3 statt des trickreichen 14.Sb5 wählte, den man erstmals in Bisguier-Penrose, Hastings 1960/61 gesehen hatte. Die Partie versandete schließlich in einer Punkteteilung.

Eine Partie, die sicherlich nicht versandete, war Vidit-Shankland. Vidit gab zu, dass er "während der Partie einerseits improvisierte und andererseits versuchte, sich an seine Varianten zu erinnern". Auf der Uhr war er im Rückstand und scheinbar in einigen Schwierigkeiten, zumindest bis Sam 15...c6? spielte. (15...Sbd7!). Das stolperte in eine überraschende taktische Widerlegung:


Doch Vidits Adlerauge entging 16.Db1! nicht, wonach e3-e4 nicht mehr verhindert werden kann.

Vidit: "In der Eröffnung verbrauchte ich viel Zeit, ich hatte diese Variante nicht erwartet und musste improvisieren. Ich denke, ...Sb8 und ...c6 war sehr passiv, denn ich hatte diesen taktischen Trick mit Db1 und habe dann die Initiative übernommen. Das einzige Problem war, dass ich in Zeitnot viel zu berechnen hatte."

Versucht Schwarz 16…De7, so spielte Weiß 17.e4 trotzdem, weil 17…dxe4 18.Sxe4 Sxe4 19.Lxe4 Dxe4 in 20.Tfe1! läuft.


Aufgrund der Grundreihenschwäche geht die Dame verloren. In der Partie folgte 16…Lc8?!, was zu 17.e4! geradezu einlud und es war schockierend, wie schwierig die schwarze Stellung zusammenzuhalten war. Schon alsbald wurde Sams Dame gefangen:

Sams Dame kam in eine schwierige Position

26…Lxe5 27.Txf6 Lxf6 Schwarz hatte zumindest ein wenig Material für die Dame, aber der weiße Angriff war immer noch brandgefährlich. Bis zur Schlussstellung nach 32.Tc3! glich die Partie einem Massaker:


Als nächstes gewann der 21-jährige Jan-Krzysztof Duda seine Partie.

Ich hatte nicht erwartet, eine solch einseitige Partie zu gewinnen.

Die tschechische Nr. 1 David Navara reagierte nicht gut auf das mutige 11.g5!? seines Gegners im Najdorf. Und bald war Weiß in großen Schwierigkeiten. 17.Df3 war bereits ein erstes Anzeichen von Verzweiflung:


Duda spürte, dass sein Gegner von 17...Dxb2 18.0-0 träumte, und plötzlich haben sich die Aussichten für Weiß verbessert. Aber Duda hielt den König mit 17...Lg5 in der Mitte fest. David erzwang den Damentausch mit 18.h4 De3+ 19.Dxe3 Lxe3, aber die Stellung von Weiß war immer noch hässlich und Duda war äußerst skrupellos in der folgenden Partiephase:


29…f5! 30.exf5 Lc6+! 31.Ke2 exf5! 32.Sg3 Lxg2 (einziger Zug) 33.Sxf5+ Kf6 34.Sxd4 Txg4! 35.Sf5 e4 36.Sxh6 Lf3+! Das letzte kleine Schmankerl der Partie, wonach David aufgab:

Der topgesetzte Jan-Krzysztof Duda ist nach seinem Sieg gegen die tschechische Nr. 1 David Navara nun auf Weltranglistenposition 13 vorgerückt.

Die letzte Partie war eine interessante Begegnung zwischen den letztjährigen Siegern in Prag. Nikita Vitiugov hatte das Masters gewonnen, während David Antón das Challengers gewann und sich damit für das diesjährige Masters qualifizierte. David wiederholte dieses Kunststück dann im vergangenen Monat in Wijk aan Zee, wo er sich für das Masters 2021 qualifizierte, während Nikita als später Ersatz für Ian Nepomniachtchi enttäuschte - er holte keinen Sieg und verlor drei Partien.

Das Prager Schachfestival war bisher ein glückliches Jagdrevier für Nikita Vitiugov | Foto: Turnierseite 

Zuerst sah es so aus, als ob sich dieser Schwung (oder das Fehlen eines solchen) in Prag durchsetzen könnte, da David den Rossolimo-Sizilianer überzeugender spielte als Magnus Carlsen gegen Vishy Anand in Wijk und sogar Nikita die Herangehensweise seines Gegners bewunderte. Es war jedoch eine komplizierte Struktur, und Davids unternehmungslustiges Spiel sollte letztlich nach hinten losgehen:


Hier entschied sich der junge Spanier für 27...Lxh3! 28.Dxe5 (28.gxh3?? Df2+!) und hätte vielleicht mit 28...Sxg2 nachlegen sollen. Der Computer ist der Ansicht, das dann eine der beiden Seiten alsbald Dauerschach geben muss. Stattdessen hatte Nikita nach 28...Lg4 29.d6! einen gefährlichen Freibauern.

Die Partie hing jedoch noch immer am seidenen Faden und was letztendlich zu Antons Untergang führte, war vielleicht die Uhr. Er spielte 36...Tf3?! (36...Kf6! scheint die beste Chance zu sein) mit nur noch 39 Sekunden:


Nach 37.Kg2! gab es nichts Besseres, als zuzugeben, dass der letzte Zug Zeitverschwendung war und nur der Rückzug nach f8 vernünftig war, denn nach 37...Te3 38.Sa6! ist der e4-Bauer immun, da Sc5 eine tödliche Gabel sein würde. Nach 38...Td3 39.Txd3 cxd3 40.Kf2 verblieb Weiß mit einem leicht gewonnen Endspiel. Mit Zug 44 kam dann auch die Aufgabe.

Also führen drei der ersten vier Spieler der Setzliste, aber es ist noch ein langer Weg bis zum Turniersieg!





Währenddessen gewann im Challengers der 12-malige isländische Meister Hannes Stefánsson die einzige Partie des Tages gegen den Lokalmatador Tadeas Kriebel.  

Alle Partien der beiden Turniere kannst du ab 15 Uhr live verfolgen: MastersChallengersFutures. Es lohnt sich schon alleine aufgrund der Hemden!

Weitere Links:


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