Berichte 12.04.2021 | 09:57von Colin McGourty

Praggnanandhaa kommt in die Champions Chess Tour

Das 15 Jahre alte indische Wunderkind Praggnanandhaa hat die Polgar Challenge schon eine Runde vor Schluss gewonnen und damit auch 3.000$ und einen Platz im fünften Event der Meltwater Champions Chess Tour, wo er in weniger als zwei Wochen wahrscheinlich gegen den Weltmeister Magnus Carlsen antreten wird. Am Ende waren Praggs 3.5/4 am letzten Tag mehr als genug, um 1,5 Punkte vor seinen Verfolgern zu landen, zu denen Nodirbek Abdusattorov, Gukesh, Nihal Sarin und Volodar Murzin gehörten. Das Team Polgar gewann mit 96,5 gegen die 88 Punkte des Teams Kramnik.


Hier kannst du alle Partien der Polgar Challenge nachspielen.

Und die Live-Kommentierung des letzten Tages mit Judit Polgar, Vladimir Kramnik, Arthur Kogan und Surya Ganguly.

Praggnananadhaa verlor die erste Partie der Polgar Challenge gegen den Russen Volodar Murzin, aber danach trat er kaum noch fehl. Er holte 11,5 Punkte in den folgenden 12 Partien, und nur seine Niederlage gegen den Deutschen Vincent Keymer in der letzten Runde am Samstag gab seinen Fans Anlass zur Sorge um den letzten Tag.

Dies war jedoch unbegründet: Pragg machte am Sonntag keinen Fehler, spielte solides Schach und nutzte jede Chance die sich ihm bot. Dadurch konnte er Leon Mendonca, Zhansaya Abdumalik und Sarasadat Khadelmalsharieh in den ersten drei Partien des Tages besiegen und somit seinen Turniersieg bereits nach der vorletzten Runde sichern. 


Saras 27...Db4!? war objektiv betrachtet eine brillante Ressource, um sich ein Remis in der Partie zu sichern. Allerdings fand die iranische IM nach 28.Dxd7 Dxd4+ nicht die korrekte Kombination, um ein Dauerschach zu forcieren. Damit gab sie Pragg die Gelegenheit zum entscheidenden Sieg, die sich der indische Großmeister nicht entgehen ließ.

Praggs Verfolger hatten allesamt Probleme, mit ihm mitzuhalten. Nihal Sarins Turnier endete mit einer Niederlage gegen Christopher Yoo in der 16. Runde. Awonder Liang, der den Tag ebenfalls mit einem Punkt Rückstand auf den Führenden begann, verlor in Runde 17 gegen Gukesh. In derselben Runde verlor auch Nodirbek Abdusattarov, der zuvor nur einen halben Punkt Rückstand hatte, gegen Lei Tingjie

Der usbekische Star hatte in der Runde zuvor sein Glück gegen Olga Badelka verbraucht und konnte nun nicht mehr seine Form aufrechterhalten.


In dieser Stellung entschied sich Nodirbek, vermutlich frustriert von seinen zuvor vertanen Siegeschancen, dazu, die Damen mit 39.De7?? abzutauschen. Jedoch stellte sich heraus, dass nach 39...Dxe7 40.Sxe7+ Kf8 sowohl sein Springer als auch sein Läufer attackiert waren und er eine Figur und das Spiel einbüßte.

Die ehemalige chinesische Schachmeisterin machte keine Fehler. Sie und ihre Landsfrau Zhu Jiner erreichten am letzten Tag 3/4 Punkten, konnten damit ein positives Ergebnis erreichen und das Turnier knapp außerhalb der oberen Hälfte der Rangliste beenden.

Diese Niederlage bedeutete für Nordibek, dass Praggnanandhaa die Chance bekam, in der vorletzten Runde seinen Turniersieg zu sichern. Eine Chance, die sich das indische Jungtalent nicht entgehen ließ, was die Begegnung der beiden Spieler in der letzten Runde zu einer reinen Formalität machte. Zwar kam Nodirbek einem Sieg in der Partie sehr nahe, das letztendliche Remis bedeutete für Pragg jedoch einen Gesamtsieg mit starken 1,5 Punkten.


Praggnanandhaa gewann nicht nur das viertägige Event und 3.000$, sondern qualifizierte sich mit seinem Sieg auch für das nächste Turnier der Meltwater Champions Chess Tour, dass am 24. April beginnt.

Jeder Sieger, jede Siegerin, hätte zurecht gewonnen, jedoch handelt es sich bei Praggnanandhaa um einen Spieler, der in den Augen vieler bereits als zukünftiger Weltmeister gesehen wird. Wladimir Kramnik sieht in ihm Ähnlichkeiten zu einem weiteren Weltmeister, der auch namentlich an das indische Wunderkind erinnert.

Er erinnert mich in allem so sehr an den jungen Vishy - in seinem Charakter ist er, in gewisser Hinsicht, sehr unbeschwert. Mir scheint, dass er sehr präzise, schnell und unbeschwert ist. Und seiner Liebe für Schach, dem stimme ich voll und ganz zu. Und diese Art der Präzision, diese Art Vishys. Als ich Pragg zum ersten Mal hab spielen sehen, dachte ich, okay, wir werden sehen, ob er soviel erreichen wird wie Vishy - das ist nicht einfach, um es so zu sagen - aber... sein Schach erinnert mich ziemlich eindeutig an Vishy - universell, präzise, schnell, mit einem guten Sinn für Dynamik und einem guten Gefühl für Positionen. Irgendwie fühlt es sich so an, als sei er die Wiedergeburt von Vishy, obwohl Vishy immer noch präsent ist und Schach spielt! Aber er erinnert mich sehr an Vishy in diesem Alter und ich habe zum ersten Mal gegen Anand gespielt als er 17 Jahre alt war. Ich erinnere mich mehr oder weniger an ihn, als er in diesem Alter war.

Vishy selbst schloss sich dem Lob für den Jungstar an.

Pragg's Trainer gratulierte ebenfalls seinem Schüler.

Ebenso wie … sein Vater, der das Turnier zuvor auf „PolgChamps“ getauft hatte!

Hinter Praggnanandhaa reihten sich einige Spieler mit gleichem Ergebnis ein. Nodirbek Abdusattorov, der Pragg das gesamte Turnier über vorangetrieben hatte, konnte sich immerhin noch den zweiten Platz sichern. Dies gelang ihm, indem er im Tiebreak aller Platzierten mit 14/19 Punkten das beste Ergebnis erzielte (er besiegte Gukesh und Murzin). Gukesh gewann seine letzten fünf Partien, Nihal Sarin gewann fünf aus seinen letzten sechs und Volodar Murzin gewann sechsmal in Folge sowie zehn seiner letzten elf Partien. In einem Turnier, geprägt von entscheidenden Partien, gab es am letzten Spieltag in 40 Partien lediglich drei Remis - einzig Volodar gelang es, kein einziges Unentschieden zu erzielen.

Der einzige Spieler, der ganz am Ende seine Chancen einbüßte, war Vincent Keymer aus Deutschland. Dieser hatte sich nach einem schweren zweiten Tag zurück gekämpft, indem er sieben Partien in Folge gewann. Er besaß einen Bauernvorteil und war kurz davor, in der letzten Runde gegen Christopher Yoo zu gewinnen. Damit hätte er sich einen eindeutigen zweiten Platz gesichert. Stattdessen musste er für seinen Freibauern eine Figur opfern und selbst dann wäre es ihm möglich gewesen, mit vier Bauern für einen Turm zu remisieren. Doch es sollte nicht sein und Vincent musste sich mit einem 6. Platz begnügen.


Team Polgar hatte nach Tag 3 des Turniers bereits einen Vorsprung von 4 Punkten erzielt, konnte seine Führung am letzten Tag jedoch noch mehr als verdoppeln, um die Polgar Challenge mit 96.5:88 zu gewinnen. Team Kramnik bekommt seine Chance, zurückzuschlagen, in zwei Monaten, wenn die Gelfand Challenge vom 10.—13. Juni abgehalten wird.


Davor tritt Pragnanandhaa jedoch zuerst in der Meltwater Champions Chess Tour ab dem 24. April an, und noch davor wird das Kandidatenturnier im russischen Jekaterinburg in einer Woche, ab dem 19. April, fortgesetzt. Den vollständigen Live-Kommentar mit Videos der Spieler und einigen Spitzenkommentatoren findet ihr hier auf chess24!


Siehe auch: 


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