Berichte 18.02.2020 | 12:06von Colin McGourty

Prager Masters 4-5: Vidit bestraft Firouzja

Der indische GM Vidit liegt beim Prager Masters mit einem ganzen Punkt Vorsprung in Führung und hat sich nach einem Sieg gegen Alireza Firouzja auf Platz 19 in der Weltrangliste verbessert. Der 16-jährige Iraner fand sich nach einem riskanten Bauernraub bereits nach 12 Zügen in einer Verluststellung wieder, und das nachdem er am Vortag in gegenseitiger Zeitnot noch einen brillanten Gewinn gegen Nikita Vitiugov übersehen hatte. Damit fiel Firouzja auf 50% zurück, während Vitiugov und Jan-Krzysztof Duda mit 3 aus 5 auf dem geteilten zweiten Platz liegen.

Vidit stand gegen Firouzja nach 12 Zügen auf Gewinn! | Foto: Vladimir Jagr, Turnierseite

Hier könnt ihr alle Partien des Prager Masters 2020 mit Computeranalyse nachspielen:

Firouzjas unvollendete Glanzpartie

Auftakt einer turbulenten Partie | Foto: Vladimir Jagr, Turnierseite

Alle fünf Partien der 4. Runde der Prager Masters endeten remis, aber während es bei vieren recht ruhig zuging, war eine richtig spektakulär. Alireza Firouzja hatte in der Runde davor Harikrishna besiegt und opferte im Spanier voller Selbstvertrauen nach 28 Zügen eine Figur:


28.Sf6! Nach 14 Minuten gespielt, wonach beide Spieler nur noch 12 Minuten auf der Uhr hatten. Nikita Vitiugov nahm die Herausforderung mit 28…gxf6 an, und nach 29.Dh4! war seine Lage bereits kritisch:


Der Computer behauptet seelenruhig, dass Weiß nach 29…Kg8! nichts Besseres als 30.Dg3+ Kh8 31.Dh4 und Remis durch Zugwiederholung hätte, aber es spricht einiges dafür, dass Alireza 30.Te3! probiert hätte, wonach Schwarz vor einer schweren Entscheidung steht – 30…Td3! ist einer der Züge, die zu funktionieren scheinen. 

Es folgte eine wilde Zeitnotschlacht | Foto: Vladimir Jagr, Turnierseite

Stattdessen spielte Vitiugov jedoch sofort 29…Td3?!, was ihn die Partie hätte kosten können. Nach 30.Lxh6! Lxh6 31.exf6! musste Schwarz seine Dame geben:


31…Dxe1+ 32.Dxe1 Se4 33.Dh4! Kh7 34.Dh5! Sd6 35.g4! Lf3:


Bisher hat Alireza fast perfekt gespielt, doch nach seinem letzten Zug blieben ihm nur noch 12 Sekunden übrig. Weiß möchte g5 spielen, aber der Läufer f3 fesselt momentan den Bauern g4. Firouzja entfesselte mit 36.De5?! den Bauern, aber auch den Läufer auf h6 und nach 36…Lf8 37.Kf2?! (z.B. 37.De3! und vielleicht kann die weiße Dame die schwarzen Leichtfiguren immer noch in die Knie zwingen) 37…Se4+! lebte Schwarz wieder.

Stattdessen hätte Weiß ausnutzen können, dass Schwarz fast komplett in Zugzwang ist. Es gibt mehrere Möglichkeiten, aber zum Beispiel 36.h4! ist völlig ausreichend. Der Turm auf d3 ist gefesselt, der Springer auf d6 muss den Bauern f7 decken und der Läufer auf f3 muss auf der Diagonale d1-h5 bleiben, um g5 zu verhindern. 36…b4 37.cxb4 hilft rein gar nichts, 36…Ld1 kann einfach mit 37.Lxd1 beantwortet werden, worauf g5 folgt, wobei 37.Lb1 (36.Lb1 geht auch) vielleicht noch abgebrühter ist. Damit bleibt noch 36…Le2 übrig, aber nach 37.Kf2 hat Schwarz nichts mehr:


Weiß muss nur noch auf 37…Se4+ 38.Kxe2?? Sg3+ aufpassen, aber alle anderen Königszüge gewinnen.

Nachdem Weiß diese Chance verpasst hatte, blieb es weiterhin spannend, da beide Spieler nur noch Sekunden auf der Uhr hatten:


Mit vier Sekunden auf der Uhr fand Nikita Vitiugov das elegante 39…Td5!, worauf 40.Dxd5?? natürlich wegen 40…Sg3+ verliert. Nach 40.Db8 Td2 41.Lxe4 Lxe4 war die Stellung völlig ausgeglichen und wenige Züge später wurde Remis vereinbart.

Die Spieler bei der Post-mortem-Analyse | Foto: Vladimir Jagr, Turnierseite

Ein Blick auf die 5.Runde des Prager Schachfestivals, das mittlerweile mehrere starke Turnier beinhaltet | Foto: Vladimir Jagr, Turnierseite

Nach diesem verpassten Sieg kam es für Firouzja in der 5.Runde noch schlimmer. Vidit gelang es, bei seiner dritten Weißpartie den dritten Sieg einzufahren, wobei ihm dieser sicher leichter als erwartet fiel. Nach 9.Le2 im Abtausch-Slawen fragte er sich zunächst, warum sein Gegner 18 Minuten lang abtauchte:


Vidit hatte nur 9…Ld6 oder 9…Le7 erwartet, aber Firouzja entschied sich für den Bauerngewinn 9…Db6!? 10.0-0 Dxb2!?, auf den Vidit rasch 11.Sa4 Db4 12.a3 folgen ließ:


Der indische GM meinte, er stehe hier auf Gewinn, aber nach 12…Dxa3! bekommt Schwarz eventuell genug Material, um den heraufziehenden Sturm mit zum Beispiel 13.Sb6 Td8 14.Lc7 mit Qualitätsgewinn aushalten zu können. Stattdessen meinen unsere Silizium-Freunde, dass die Partie nach 12…Da5? 13.Db3! bereits vorbei sei. Firouzja kämpfte mit 13…b5 weiter, aber als er endlich zur Rochade kam, sah es nur so aus, als hätte er nicht mehr als einen Bauern verloren:


Seine Qualen waren aber noch nicht vorbei, denn es folgte 22.Sc6! mit Angriff auf den Läufer b4 und der Drohung Se7+ nebst Sxf5. Nach 22…Tc8 konnte Weiß einfach auf b4 nehmen, doch stattdessen spielte er 23.g4! und nahm alle Ideen für ein Grundreihenmatt aus der Stellung. Nach 23…Sc3 24.Lf1 gab Schwarz auf.

David Antón entwischte gegen Sam Shankland ins Remis | Foto: Vladimir Jagr, Turnierseite

Damit liegt Vidit mit 4 aus 5 einen vollen Punkt vor Vitiugov, der sich von Harikrishna remis trennte, und Jan-Krzysztof Duda, der gegen Markus Ragger unentschieden spielte. Dahinter liegen mit 50% Firouzja und David Antón, der gegen Sam Shankland eine schwierige Stellung überstehen musste:


Shanklands a-Bauer droht vorzugehen und die Partie zu gewinnen. Was kann man dagegen tun? Anton zerschlug den Gordischen Knoten mit 48…Lxa5! und Remisschluss. Die schwarzen Bauern am Königsflügel wiegen den Läufer locker auf.  

David Navara im Interview nach der Partie | Foto: Vladimir Jagr, Turnierseite

Den zweiten Sieg in der 5.Runde des Masters feierte Lokalmatador David Navara, der damit gleichzeitig den ersten Sieg eines der fünf tschechischen Spieler im Masters oder Challengers überhaupt erzielte. Er besiegte Nils Grandelius mit einer feinen Leistung, nachdem sich der schwedische Großmeister in Zeitnot nicht vom gegnerischen Druck hatte befreien können:


Als sich der Rauch verzogen hatte, ging Navara zur Verwertung über: 41.f6! Lxf6 42.Lb5! Te1+ 43.Kc2 Dg8 44.Txf6! und nach 10 weiteren genauen Zügen gab Schwarz auf.

Beim Fußball stand Nils Grandelius' Abwehr! | Foto: Vladimir Jagr, Turnierseite

 Vier Runden vor Schluss sieht die Tabelle beim Masters nun so aus:


Bei den Challengers führt derweil weiterhin der isländische GM Hannes Stefansson, der sich letztes Jahr beim Open qualifiziert hatte:   

Zwei Spieler sind ihm aber auf den Fersen. Der 17-jährige Russe Andrey Esipenko hat zwei seiner letzten drei Partien gewinnen können, und der Pole Mateusz Bartel landete sogar zwei Siege in Folge, darunter in Runde gegen die Nummer 1 des Turniers Nijat Abasov.

Bartel trifft in Runde 6 mit Weiß auf den Führenden, und auch beim Masters kann Vitiugov Vidit mit einem Weißsieg einholen. Alle Partien aus Prag könnt ihr ab 15:00 Uhr live verfolgen: MastersChallengersFuturesOpen!

Weitere Links:


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