Berichte 09.04.2021 | 14:24von Colin McGourty

Polgar Challenge Tag 1: Praggnanandhaa kämpft sich zurück an die Spitze

Der 15-jährige Praggnanandhaa kämpfte sich nach einer Niederlage gegen Volodar Murzin in der ersten Runde zurück an die Spitze. Er übernimmt damit am ersten Tag die Führung in der Polgar Challenge, dem 1. Turnier der 100.000$ Julius Baer Challengers Chess Tour. Mit einem Ergebnis von 4/5 Punkten teilt er sich den ersten Platz mit den einzigen bisher noch ungeschlagenen Spielern, dem 14-jährigen Christopher Yoo und dem 16-jährigen Nodirbek AbusattorovDie drei Topplatzierten sind Teil von Team Kramnik, jedoch ist das Teamergebnis mit 25:25 noch ausgeglichen. Lei Tingjie ist die beste Spielerin und besaß große Chancen, die alleinige Führung mit 4.5/5 Punkten zu übernehmen, während Awonder Liang mit einem brillanten erstickten Matt gewann.

Praggnanandhaa erlangt die Führung, jedoch erst nachdem Lei Tingjie ihre Chance auf 4.5/5 verpasste

Ihr könnt alle Partien nachspielen und die Paarungen der Polgar Challenge einsehen, indem ihr die Ergebnisse unten anwählt. Klickt auf ein Ergebnis, um euch eine Partie mit Computeranalyse anzeigen zu lassen oder haltet euren Cursor über den Namen des Spielers/der Spielerin, um deren Gesamtresultate einzusehen. 

Außerdem könnt ihr die gesamte Live-Kommentierung von Tag 1 ansehen, kommentiert von den beiden Team-Kapitänen Wladimir Kramnik, dem 14. Schachweltmeister und Judith Polr, der besten Schachspielerin aller Zeiten.

Drei Führende nach Tag 1

Es war schwer abzusehen, dass Praggnanandhaa an Tag 1 der Polgar Challenge die Führungim Tiebreak mit den meisten Siegen gewertetübernehmen würde, nachdem er in der ersten Runde gegen den 14-jährigen Russen Volodar Murzin unterlag. Dieser spielte die Königsindische Verteidigung und konnte eine derart überwältigende Position erreichen, dass sogar sein Landsmann Wladimir Kramnik, berühmt für seine Spielstärke gegen jene Variante, lieber mit den schwarzen Figuren gespielt hätte.  

Von da an gewann Pragg jedoch alle seine Partien und konnte seinen Landsmann Nihal Sarin in einem komplizierten Endspiel bezwingen. 

Die letzte Partie des Tages war für beide Seiten offen, als der junge Inder gegen die ehemalige Chinesische Schachmeisterin Lei Tingjie spielte. Ihr Können im Schnellschach stellte die Chinesin bereits mit ihren zweiten Plätzen in der Schnellschachweltmeisterschaft 2017 und 2019 unter Beweis. Lei Tingjie remisierte gegen Nihal Sarin und gewann gegen Olga Badelka, Zhu Jiner und Carissa Yip und gelangte somit als alleinige Erstplatzierte, mit einem Ergebnis von 3.5/4 Punkten in die letzte Runde. Bis zum 26. Zug der Partie war sie gegen Pragg in großen Schwierigkeiten. 


Die meisten Züge sichern einen Siegvorteil für Weiß, nicht jedoch 26.Sxg7?. Nach 26...Txg7 28.Lc3 wäre Weiß klar im Vorteil, allerdings konnte der Plan vom einzigen Zug 26...d4! vereitelt werden. Zudem bereitet der Zug Lc6 mit Druck auf g2 vor. 

Nach 27.Dd3 Txg7 besaß Lei Tingjie praktisch einen Figurenvorteil und war auf Kurs, den Tag als alleinige Führende mit 4.5/5 abzuschließen. Als die beiden Kontrahenten jedoch in Zeitnot gerieten und jeweils nur noch zehn Sekunden besaßen, löste sich ihr gewonnener Vorteil schnell in Luft auf. 30...Tag8? ließ Weiß umgehend zurück ins Spiel kommen. 


31.Tc5! sorgte für eine Fesselung und dem Gewinn des Läufers auf f5, da 31...Tg5 mit 32.h4 beantwortet wird, während Tingjies 31...Sh6? auf 32.Le5! stieß. Plötzlich besaß Weiß wieder Gewinnchancen. Diesmal unterlief Praggnanandhaa dann kein Fehler mehr. 

Neben Pragnanandhaa kann auch der Topgesetzte des Turniers, der 16 Jahre alte Nodirbek Abdusattorov aus Usbekistan, eine Leistung von 4/5 Punkten verbuchen. Er wurde den Erwartungen gerecht, indem er nicht nur seine Partie in der ersten Runde gewann, sondern den Tag auch mit drei Siegen und zwei Remisen beendete. Eine reibungslose Leistung, die einzig durch seine wackelige Partie gegen den Mitführenden amerikanischen IM Christopher Yoo ins Wanken zu geraten drohte. 


Mit 31...Ke7! besaß Christopher alle Chancen, um seinen Figurenvorteil zu behalten und zu gewinnen. Jedoch war er zeitlich unterlegen und entschied sich für 31...Kc7? und nach 32.Td7+ Kb6 33.Txa7 Kxa7 34.Kxa3 entwickelte sich die Partie zu einem Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern. Remis!  

Yoo gewann alle drei seiner Partien mit den weißen Figuren, unter anderem in beeindruckender Weise gegen Leon Mendonca und Volodar MurzinSarasadat Khademalsharieh konnte er sogar auf dem Brett Schachmatt-setzen. 

Lediglich einen halben Punkt platziert hinter den Führenden sind Lei Tingjie, Vincent Keymer und Gukesh, die für ihre Leistung allesamt großes Lob von Wladimir Kramnik und Judit Polgár erhielten. 


Als Judit in dieser Stellung 14.Se2 empfahl, erklärte Wladimir Kramnik den Zug als den eines alten weisen Mannes”, nicht den eines jungen Spielers. Aber nach 2 Minuten und 37 Sekunden Bedenkzeit spielte der 16-Jährige Vincent Keymer exakt diesen Zug. Systematisch tauschte er daraufhin auf d5 ab, zog seinen Läufer auf c3 und gewann ohne Probleme gegen den Dänen Jonas Bjerre im darauffolgenden Endspiel. Wladimir erkannte den Einfluss von Keymers Trainer Péter Lékó in dessen Spielweise. Zur Erinnerung: Kramnik verteidigte 2004, dem Geburtsjahr Vincent Keymersseinen Weltmeistertitel gegen Lékó bei der Schachweltmeisterschaft in Brissago. 

Gukesh, der als zweitjüngster Spieler der Schachgeschichte den Großmeistertitel gewann, verlor in der ersten Runde gegen Bjerre, konnte dann jedoch eine Leistung von 3.5/5 Punkten erbringen. Dafür gewann er unter anderem in einer beeindruckenden Partie gegen Vincent KeymerSeine Partie gegen den aufsteigenden Stern des russischen Schach Polina Shuvalova sorgte ebenfalls für Lob von Kramnik. 

Züge des Tages

Manchmal reicht ein einziger Zug, eine einzige Position, einen gesamten Tag Schach wieder gut zu machen. Dies war sicherlich der Fall für zwei der Teilnehmenden. Die 17-jährige Nurgyul Salimova erlitt drei Niederlagen. Allerdings gelang ihr gegen Volodar Murzin ein wunderbarer SiegVolodar patzte” im 18. Zug, merkte vermutlich aber nicht, dass ihm ein Fehler unterlaufen war, bis er 21.Le3 spielte. Weiß wäre mit Sicherheit in Führung, wenn nicht das schockierende 21...Qd2!! möglich wäre. 

Der weiße Läufer kann aufgrund der Fesselung nicht die Dame schlagen. 22.Lxc5 verliert natürlich die Dame auf g5Volodar versuchte seinen Läufer mit 22.Tae1 zu verteidigen, aber 22...Td3! überlud die Verteidigung. Nurgyul konnte die Partie nach weiteren taktischen Manövern im 31. Zug für sich entscheiden. 

Der 18 Jahre alte Awonder Liang hatte einen durchwachsenen Tag und verlor sowohl in der ersten Partie gegen Zhansaya Abdumalik als auch in einem Endspiel gegen Volodar Murzin, das in der Theorie als Remis gewertet wird. 

Er entschädigte diese Partien mit einem wunderbaren Zug in der finalen Runde gegen Aserbaidschans Gunay Mammadzada37.Sb6# ist einer der Züge, von denen Schachspieler sonst nur träumen können! 

Es handelt sich hierbei nicht nur um ein ersticktes Matt, sondern auch um eines, bei dem der Springer von zwei Figuren angegriffen wird. Jedoch kann er nicht geschlagen werden, da beide Figuren gefesselt sind. Kramnik und Polgár verfolgten die letzten Momente der Partie. 

Das ist die Rangliste nach dem ersten Tag der Polgar Challenge. 


Wie ihr sehen könnt, herrscht zwischen Team Kramnik und Team Polgar Gleichstand, obwohl alle Erstplatzierten Teil von Team Kramnik sind. 

Selbstverständlich handelt es sich bei der Polgar Challenge um ein individuelles Turnier. Dennoch spielen die Punkte der Teams eine große Rolle, da diese am Ende der gesamten Tour zusammengezählt werden und die Sieger einen bezahlten Trip nach Dubai gewinnen, um Teile der Schachweltmeisterschaft mit Magnus Carlsen vor Ort mitzuverfolgen. 

Noch ist es bis dahin ein langer Weg, auf dem das erste Turnier, die Polgar Challenge, gerade erst begonnen hat. Es sind noch 14 Runden zu spielen, von denen fünf weitere an diesem Freitag, den 9. April ausgetragen werden. Verfolgt alle spannenden Partien live hier auf chess24 ab 16:00 Uhr CEST. 

Siehe auch: 



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