Features 12.07.2014 | 09:00von IM Georgios Souleidis

Pattmotive, die jeder Schachspieler kennen sollte

In einer weiteren Folge unserer Kolumne "Die 7. Reihe" zeigen wir euch einige elementare Pattmotive, die in der Spielpraxis sehr relevant sind und damit jedem Schachspieler geläufig sein sollten. Es geht weniger darum sich Varianten, sondern vielmehr Motive einzuprägen.


1. Motiv: König und Bauer vs. König


Das ist ein Standardmotiv im Bauernendspiel. Schwarz am Zug kann seinen König nicht ziehen und deswegen ist die Stellung patt. Die Seite mit dem Minusbauern sollte diese Stellung immer anstreben. Grundvoraussetzung ist die Kenntnis der Oppositonsregel. Da diese sehr ausführlich und in vielen Fällen kompliziert ist, möchten wir nur kurz auf die normale bzw. einfache Opposition eingehen.


Schwarz hat im Diagramm die Opposition (Gegenüberstellung) zum weißen König eingenommen. Ist Weiß am Zug und spielt z.B. 1.Ke5 hält Schwarz die Opposition mit 1..Ke7. Zieht Weiß den Bauern vor, stellt sich der schwarze König in der Linie vor dem Bauern auf, bis der weiße König nach vorn zieht. In diesem Moment muss Schwarz die Opposition einnehmen. Beachtet Schwarz diese Regeln, kann er die Stellung im ersten Diagramm forcieren. 

1. Motiv (Variation): König und Turmbauer vs. König


Das ist eine Variation des vorangegangenen Beispiels. Hier muss die Seite mit dem Minusbauern mit dem König einfach nur in die Ecke gehen und solange hin- und herziehen, bis die stärkere Seite ihren Bauern auf die 7. Reihe stellt. Danach entsteht diese Pattstellung, die man spiegeln und in jeder Ecke des Brettes so aufbauen könnte. Der Unterschied zum ersten Beispiel ist, dass die schwächere Seite keine Oppositionsregel beachten muss.

2. Motiv: Falscher Läufer


Obwohl Weiß großen Materialvorteil besitzt, kann er diese Stellung nicht gewinnen, weil der Läufer nicht das Einzugsfeld des Bauern, h8, kontrolliert und damit den schwarzen König nicht aus der Ecke vertreiben kann. Die Verteidigung für die schwächere Seite ist denkbar einfach. Schwarz zieht im vorliegenden Beispiel seinen König in die Ecke und dann auf den Feldern h8 und g8 hin- und her, bis Weiß diese Pattstellung erzwingt. Diese Stellung kann man spiegeln und in jeder Ecke aufbauen. Man beachte dabei, dass mit einem schwarzen König auf a8 Weiß einen schwarzfeldrigen Läufer haben müsste, damit die Stellung patt ist. Damit die Stellung in diesem Beispiel für Weiß gewonnen ist, müsste er einen schwarzfeldrigen Läufer besitzen, um den König aus der Ecke, Feld h8, zu verdrängen.

3. Motiv: König und Turmbauer vs. Dame


Ein Standardmotiv, das man sich merken sollte. König und Turmbauer machen gegen eine Dame, die von ihrem König nicht unterstützt wird, remis. Schwarz kann zwar unendlich viele Schachs geben, den König aber nicht aus der Ecke drängen. Die Verteidigung ist denkbar einfach. Weiß stellt seinen Bauern auf die 7. Reihe und den König in die Ecke. Die Stellung lässt sich spiegeln und in jeder Ecke analog aufbauen.

Das folgende Diagramm zeigt, ab wann das Endspiel König und Turmbauer vs. Dame für die stärkere Seite gewonnen ist. 


In diesem Beispiel muss sich der schwarze König innerhalb der grünen Zone befinden und Schwarz muss natürlich am Zug sein. Die Grundregel lautet, dass der schwarze König in zwei Zügen das Mattfeld g6 oder in einem Zug die Mattfelder e6 oder e7 erreichen muss. Dann kann Schwarz zwangsläufig matt setzten, auch wenn Weiß sich eine Dame holt.  

3. Motiv (Variation): König und Läuferbauer vs. Dame


Das Endspiel König plus Läuferbauer gegen Dame, die nicht vom eigenen König unterstützt wird, ist remis. Schwarz hat in diesem Beispiel keinen besseren Zug - Weiß drohte den Bauern in eine Dame umzuwandeln - als mit 1...Dxf7 den Bauern zu schlagen und muss das Patt zulassen. 1...Dh6+ ändert nichts. Nach 2.Kg8 droht Weiß den Bauern in eine Dame umzuwandeln, deswegen muss Schwarz die Züge wiederholen.

Analog zum Endspiel mit dem Turmbauern gibt es auch hier Zonen, in denen der König platziert sein muss, damit die stärkere Seite gewinnt. Die Sache gestaltet sich aber komplizierter und hängt von der Stellung des verteidigenden Königs ab. Als Grundregel gilt auch hier, dass der angreifende König ein Mattfeld innerhalb eines Zuges erreichen muss.

4. Motiv: Turm vs. Läufer (und König in der Ecke)


Radjabov,Teimour - Ivanchuk, Vassily (Weltcup 2011): Stellung nach 118...Lg3

Weiß hat zwar eine Qualität mehr, doch es reicht nicht zum Sieg. Schwarz als verteidigende Seite muss in diesem Endspiel mit seinem König entweder nach a8 oder h1 laufen und mit seinem Läufer die entsprechende Diagonale besetzen, um ihn bei einem Schach dazwischen zu stellen. In dieser Stellung muss Schwarz den Läufer auf der Diagonale h2-b8 hin- und herziehen. Würde der weiße König auf c6 stehen, mit der Idee auf der a-Linie mit dem Turm matt zu setzen, dann müsste Schwarz seinen Läufer auf der Diagonale g1-a7 postieren. Würde Schwarz einen weißfeldrigen Läufer besitzen, dann hätte er seinen König entweder auf h8 oder a1 postieren müssen. In dieser Stellung könnte es weitergehen mit 119.Th8+ Lb8 120.Tc8 (oder auf ein anderes beliebiges Feld auf der 8. Reihe) patt.

5. Motiv: Zweite-Reihe-Verteidigung im Endspiel Turm und Läufer vs. Turm


Das Endspiel Turm und Läufer vs. Turm ist zwar theoretisch remis, doch in der Praxis gewinnt häufig die stärkere Seite. Eine sehr wichtige Verteidigungsmethode ist die "2nd Rank Defence". In diesem Beispiel stellt Weiß als schwächere Seite seinen Turm auf die "zweite" Reihe - gespiegelt ist das hier die Reihe vor der letzten Reihe am Rand - und opfert ihn, sobald Schwarz matt droht. In diesem Beispiel droht Schwarz 1...Th2#, doch Weiß hält sichert sich mit 1.Tg6+! Remis. Schlägt Schwarz jetzt mit 1...Lxg6 den Turm, ist die Stellung patt.

6. Motiv: Spezielle Variation des Motivs "Falscher Läufer"


Hoolt, Sarah - Hirneise, Tobias (Schachbundesliga 2011/12): Stellung nach 63.Ka1

Schwarz hat großen Materialvorteil, doch er kann nicht gewinnen, da er den weißen König nicht aus der Ecke drängen und sein Läufer keinen der gegnerischen Bauern angreifen kann. Weiß zieht seinen König auf a1 und b1 hin- und her und erzwingt das Remis durch Patt. Die Beurteilung der Stellung ändert sich nicht, wenn Schwarz den c-Bauern gewinnt. Würde Schwarz dagegen einen schwarzfeldrigen Läufer besitzen, wäre die Gewinführung denkbar einfach. Er könnte den Läufer auf der Diagonale h8-e5 aufstellen und mit dem König nach c2 gehen, sobald der weiße König auf a1 steht. Weiß müsste den c-Bauer ziehen und Schwarz könnte mit ...Lxb2 matt setzen.

Das ist Quatsch. Weiß hält auch remis, wenn Schwarz einen schwarzfeldrigen Läufer hat. Das beschriebene Matt ist zwar möglich, aber nicht forciert, denn Weiß stellt seinen König nach b1, opfert einfach seinen c-Bauern und zieht danach seinen König auf a1 und b1 hin und her. (Der Dank geht an Großmeister Arik Braun, der den Fauxpas gemeldet hat.)

7. Motiv: Eingeklemmter König am Rand im Bauernendspiel


Nikoaevsky, Yuri - Taimanov, Mark (Tbilisi 19666): Stellung nach 54.Kd5

Die Lage sieht schlecht aus für Schwarz, da er den Verlust des Bauern auf c5 nicht verhindern kann. Das folgende Pattmotiv hilft ihm aber das Remis zu sichern. 1...Ka5! 2.Kxc5 Weiß hat keinen besseren Zug. Er muss irgendwann den Bauern auf c5 schlagen und das Patt forcieren. Dieses Motiv mit dem eingeklemmten König am Rand ist elementar und sollte man sich gut einprägen.

7. Motiv (Variation): Eingeklemmter König am Rand im Bauernendspiel


Anand,Viswanathan - Kramnik,Vladimir (Weltmeisterschaft 2007 Mexiko): Stellung nach 64...Ke4

Das ist eine Variation des vorangegangenen Beispiels. Weiß rettet sich, indem er sich mit seinem König an den Rand begibt. 65.Kh5 Kxf5 Schwarz muss den Bauern auf f5 nehmen und das Patt forcieren, denn Weiß drohte mit 66.Kg6 den Bauern auf g7 zu erobern und mit seinem dann entstehenden Freibauern auf der h-Linie zu gewinnen.

Waren diese Beispiele hilfreich für euch? Schreibt uns doch einfach eure Meinung als Kommentar.

Siehe auch:


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