Berichte 22.06.2018 | 09:13von Carlos Colodro

Paris GCT, Tag 2: So übernimmt die Führung

Wesley So hat bei der Grand Chess Tour in Paris dank zwei Siegen und einem Remis am Donnerstag die Führung beim Schnellschach übernommen. Levon Aronian and Sergey Karjakin liegen mit einem Punkt Rückstand auf dem geteilten zweiten Platz. In Leuven verlief das Turnier vor einer Woche ganz ähnlich - geht es in Paris auch so weiter?

Wesley So liegt in Paris in Führung | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Wesley So lässt nicht nach

Auf seinen Sieg in der letzten Runde am Mittwoch ließ Wesley So am Donnerstag zwei weitere Gewinnpartien folgen und setzte sich nach fünf Runden erstmals allein an die Spitze. Erst schlug er Vladimir Kramnik mit Schwarz, als er im Mittelspiel eine Qualität gewann und diese sicher verwertete. In der Runde darauf ließ er sich auf ein kompliziertes taktisches Scharmützel gegen Alexander Grischuk ein:


Weiß gewinnt eine Qualität, aber sein Königsflügel ist noch nicht entwickelt. Dafür hat Schwarz viele aktive Figuren. Der Computer ist wieder einmal materialistisch und bevorzugt die weißen Steine, schwer zu spielen ist diese Stellung aber für beide Seiten. In der Diagrammstellung folgte 19.Sxf6 Dxd4 20.Txd4 Sxf2:


Hier gab So mit 21.Sh5+ ein wichtiges Schach, da Schwarz gezwungen ist, seine Bauernstruktur zu schwächen. Im folgenden Endspiel war dies einer der entscheidenden Faktoren, dass Weiß den Sieg erringen konnte. 

Grischuk hat 6 aus 12 | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Aronian auf der Verfolgung

Levon Aronian begann die beiden bisherigen Spieltage jeweils mit einem Sieg und ließ danach zwei Remis folgen. Am Donnerstag spielte er als Schwarzer gegen Shakhriyar Mamedyarov Slawisch und musste sich eines aggressiven Aufbaus erwehren. Der Aseri setzte schon früh seine g- und h-Bauern in Bewegung und spielte damit so, wie Aronian dies schon mehrfach getan hatte. Bis zum 31.Zug befand sich die Stellung im dynamischen Gleichgewicht:


Nach 31.Dd7 folgte eine Sequenz erzwungener Abtäusche — 31...Txd6 32.Dxd6 Dxf3 33.Dxe6 — und der schwarze Angriff gegen den weißen König ist nach 33...Tf5 entscheidend. Der Computer zeigt eine sehr scharfe Variante an, mit der sich Weiß retten konnte. Bei dieser Bedenkzeit kann man dies kaum finden, es lohnt sich aber, sich das Patt anzuschauen, mit dem sich der Weiße retten konnte. Statt Dd7 konnte Mamedyarov 31.Dxa6 Txa6 32.Txe6 Dxe6 33.Sg5+ Kh6 34.Tc8 (droht Matt auf h8) 34...Te8 35.Txe8 spielen:


Nun muss Schwarz mit 35...Dxf2+ die Dame geben und ist nach 36.Kxf2 patt!

Levon Aronian | Foto: Spectrum Studios, Grand Chess Tour

Karjakin wacht nach vier Remis auf

Der letzte WM-Herausforderer Sergey Karjakin startete mit vier Remis, holte dann aber noch zwei Siege. Zunächst beseitigte er alle Zweifel, was abgesprochene Remis mit Mamedyarov betrifft, und besiegte den Aseri mit Weiß in 38 Zügen.    

Danach nutzte er als Schwarzer gegen Vladimir Kramnik die Löcher rund um den weißen König aus:


An dieser Stelle spielte 35...Dg6 und ließ damit den Qualitätsgewinn 36.Lxf8 zu. Nach 36...Txg4 37.De1 folgte 37...Th4:


Die Mattdrohung auf h1 erzwingt 38.f3, aber nach 38...Th3 39.Kg2 Dh5 kann Schwarz in elf Zügen mattsetzen. Kramnik machte noch drei Züge, ehe er aufgab.

Damit liegt Karjakin einen Punkt hinter dem führenden Wesley So, hat in der 8.Runde aber noch Weiß gegen ihn.

Karjakin beendete den Turniertag mit zwei Siegen | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Nakamura schlägt Caruana in einer Marathonpartie

In einer Stellung, in der lange alles nach Remis aussah, spielte Hikaru Nakamura so lange auf Gewinn, bis er Fabiano Caruana besiegt hatte. Nach 81 Zügen sah es bei dieser symmetrischen Struktur so aus, als würde der Punkt bald geteilt werden:


Caruana spielte hier 81...Se5, was einen Bauern verliert. Weiß antwortete mit 82.Lxh5, und Schwarz kann wegen der Springergabel auf f5 nicht schlagen. Der Computer sieht weiterhin keinen großen weißen Vorteil, und in einer Turnierpartie hätte Fabi wohl auch das Remis gerettet, aber das kleine materielle Plus lud Nakamura förmlich ein, bis zum bitteren Ende weiterzuspielen. Nach 100 Zügen sah die Stellung dann so aus: 


Hikaru hatte zuvor auf das Schlagen auf e4 verzichtet, da Schwarz mit Lxe3 und Sxe3 seinen Läufer für beide Bauern geben und ein Remisendspiel erreichen konnte. In dieser konkreten Stellung geht 101.Lxe4 aber, da 101...Bxe3 mit der Gabel 102.Sf5+ (wie im 82.Zug!) beantwortet wird. Mit den beiden verbundenen Freibauern fuhr Nakamura schließlich nach 123 Zügen den vollen Punkt ein.

Nakamura hat in Paris noch keine Partie verloren | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Wesley So führt mit einem Punkt Vorsprung, aber das Feld liegt noch so eng zusammen, dass alles möglich ist:


Am heutigen Freitag geht es wieder um 14:00 Uhr los. Wie immer könnt ihr live mit Kommentar und Computeranalyse auf chess24 dabei sein!

Alle Partien der Grand Chess Tour in Paris könnt ihr hier nachspielen:

Und hier noch einmal die gesamte Live-Übertragung mit Yasser Seirawan, Jovanka Houska und Alejandro Ramirez:

Weitere Links:


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