Berichte 03.10.2018 | 10:09von Colin McGourty

Olympiade Batumi 2018, R8: Caruana schlägt Mamedyarov

Fabiano Caruana liegt nach seinem Sieg gegen die Nummer 3 der Welt, Shakhriyar Mamedyarov, in Runde 8 der Schacholympiade in Batumi nur noch 4,5 Elo-Punkte hinter Weltmeister Magnus Carlsen. Der Herausforderer trug durch seinen Punkt entscheidend zum 2,5 zu 1,5 der USA gegen Aserbaidschan bei, mit dem der Titelverteidiger drei Runden vor Schluss die Führung übernahm. Die Polen schafften dank einer fantastischen Verteidigungsleistung von Jan-Krzysztof Duda gegen Levon Aronian ein Unentschieden gegen Armenien und treffen nun auf die Amerikaner. Bei den Damen haben China und Ukraine die Armenierinnen an der Spitze abgelöst.

Fabiano Caruana und sein Sekundant Rustam Kasimdzhanov können zufrieden sein | Foto: Eteri Kublashvili, Russischer Schachverband

Hier könnt ihr euch die Live-Übertragung mit IM Sopiko Guramishvili und GM Ivan Sokolov noch einmal anschauen:

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USA schlägt Aserbaidschan

Eindeutig das Match der Runde! | Foto: Alina l'Ami, Turnierseite

Die USA brachen in Runde 7 den erbitterten Widerstand der Aseris und machten mit ihrem Sieg einen Riesenschritt in Richtung Titelverteidigung.   


Aserbaidschan war erst der zweite Gegner aus den Top 5, gegen den die Amerikaner in Batumi bisher antreten mussten, aber dadurch bekamen wir das Duell zu sehen, auf das wir alle gewartet hatten – die Nummer 2 der Welt Fabiano Caruana gegen die Nummer 3 der Welt Shakhriyar Mamedyarov.

Bittere Niederlage für Mamedyarov | Foto: David Llada, Turnierseite

Zunächst schien alles in Shaks Sinne zu verlaufen, da die ersten 24 Züge eine Kopie der Partie Anand-Mamedyarov aus dem Sinquefield Cup waren. Vishy schien damals klaren Vorteil zu haben, doch gegen Caruana brachte Mamedyarov mit 24…Lf4 statt 24…Lh6 eine Neuerung, die auch der Computer empfiehlt:

Fabiano verbrauchte 45 Minuten für seine nächsten drei Züge, wonach es zunächst so aussah, als würde die Partie remis enden. Angesichts der späteren Ereignisse war nach 33.Td1 vermutlich die Schlüsselstellung erreicht:


Weiß hätte nach dem Damentausch 33…Dxd5 immer noch leicht besser gestanden, doch das Turmendspiel wäre vermutlich remis ausgegangen. Mit 33…f4!? war eine Verschärfung möglich, doch stattdessen spielte Shak 33…c4, wonach der Damentausch bald nicht mehr ging. Da Teimour Radjabov gegen Wesley So ein gewonnenes Turmendspiel auf dem Brett hatte, wusste Caruana, dass er weiter Druck machen musste. Die sicherere Königsstellung und bessere Bauernstellung gaben ihm die optimale Ausgangsposition, um seinen Gegner zu quälen. Weiß baute seinen Vorteil schrittweise aus, ehe es nach 64 Zügen keine Verteidigung mehr gegen 65.Dh5# oder 65.De2# gab:

Carlsen muss sich wegen Mamedyarov nun keine Sorgen mehr machen, aber Caruana ist eine echte Bedrohung. Am Montag hatte er noch gesagt:

Ich würde dir gern eine langweilige, politisch korrekte Antwort geben, aber die Wahrheit ist, dass es mich beschäftigt. Ich bin seit sieben Jahren immer die Nummer 1 gewesen, und es ist unangenehm, ihn und vermutlich auch Shakhriyar im Nacken sitzen zu haben. Daher hoffe ich definitiv, dass er mich nicht überholt. So wie es aussieht, wird er heute nicht gewinnen, aber wer weiß.

Der Abstand ist damit noch kleiner geworden:

Acht der zehn Top-10-Spieler haben in Batumi Boden gut gemacht! | Quelle: 2700chess

Magnus‘ Vorteil ist, dass Caruana immer noch zwei seiner drei letzten Partien gewinnen muss, um die Nummer 1 zu übernehmen.

Zurück zum Match, wo Nakamura gegen Naiditsch wieder einen Vorteil vergab und seine persönlich enttäuschende Bilanz „ausbaute“ – wobei sich nicht alle über die Gründe einig waren!

"Stimmt, er hätte in Runde 1 einen Ruhetag einlegen sollen!"

Damit hing alles von der Partie Mamedov-Shankland ab. Beide Kontrahenten hatten zuvor vier Siege und zwei Remis erzielt, wobei Sam Shankland zudem eine entscheidende Partie gegen Emil Sutovsky verloren und damit das 2:2 Israels ermöglicht hatte. Gegen Rauf Mamedov machte er dies aber mehr als wett und verwertete methodisch seinen Vorteil:


Weiß hat einen Doppelbauern auf der b-Linie und muss seinen rückständigen d-Bauern verteidigen, wodurch Schwarz die Stellung komplett kontrolliert. Shankland entschied sich zunächst, seinen König von f7 nach b7 zu überführen, um dann die Königsflügelbauern in Bewegung zu setzen. Mamedov spielte aktiv, verschlechtere dadurch aber weiter seine Stellung, ehe am Ende die schwarzen Bauern den Tag entschieden:

Polen bleibt am Ball

Die letzte Olympiamedaille haben die Polen 1939 in Buenos Aires gewonnen. Zwei der jüdisch-polnischen Mitglieder des Teams, Mieczyslaw (später Miguel) Najdorf und Paulin (später Paulino) Frydman blieben aus verständlichen Gründen in Argentinien, während Ksawery Tartakower wieder nach Europa zurückkehrte und bei der nächsten Olympiade, die erst 1950 stattfand, für Frankreich antrat. Nach langer Zeit greifen die Polen nun wieder in den Kampf um die Medaillen ein.

Bereits letztes Jahr haben die Polen mit Bronze bei der Mannschafts-WM ihr Potential gezeigt und nun haben sie drei Runden vor Schluss einen Punkt Rückstand auf die führenden USA. Erstmal am Spitzenbrett agiert dieses Mal der erst 20-jährige Jan-Krzysztof Duda:


Carlsen meint über ihn:

Ich denke, in puncto Erfahrung und Schachverständnis hat er noch einen weiten Weg vor sich, aber er macht vieles wett durch seine Energie und seinen extremen Optimismus. Seine Partien sind immer interessant, weil er immer auf Sieg und nie auf Remis spielt.

Gegen Levon Aronian brauchte er seinen gesamten Optimismus, da die Eröffnung ungünstig verlaufen war und nur noch verzweifelte Maßnahmen die Partie retten konnten. Der Schluss war sehenswert!

Nach 25…Txf2!! 26.Kxf2 Ld4+ 27.Kg2 Sxf4+! 28.Kf1 kam die Pointe 28…Lb7!!


Nach 29.Te8+? Dxe8! 30.Lxe8 gewinnt Schwarz mit 30…Th7!. 29.Da4! hätte Weiß immer noch Gewinnchancen gegeben, doch nach 22 Minuten hatte Aronian genug von seinem jungen Gegner gesehen und wickelte mit 29.Lxb7 Sh5 30.Kg2 Sf4+ 31.Kf1 Sh5 32.Kg2 ins Remis durch Zugwiederholung ab.

Radek Wojtaszek remisierte als Weißer gegen Gabriel Sargissian, während Hrant Melkumyan und Kamil Dragun an den hinteren Brettern leichte Vorteile hatten. Da auch diese beiden Partien remis endeten, ging das Match 2:2 aus und die Polen treffen in Runde 9 auf die USA.

Weiter im Rennen und raus aus dem Rennen

Die Goldmedaille geht vermutlich an die USA, Polen oder eines der Teams, die zwei Punkte Rückstand haben. Das sind neben Armenien und Aserbaidschan folgende in Runde 8 siegreiche Mannschaften: Indien, Frankreich, China, Deutschland und England. Alle siegten 2,5:1,5, alle gewannen jeweils nur eine Partie und alle versetzten ihrem Gegner den entscheidenden Rückschlag.

Indien durfte sich bei Krishnan Sasikiran für dessen Sieg gegen den Tschechen Jiri Stocek bedanken, Deutschland schlug dank Daniel Fridmans (nun 6,5 aus 7!) Sieg gegen Josep Lopez Martinez Spanien, während Frankreichs Held Etienne Bacrot war, der gegen den Ukrainer Yuriy Kryvoruchko erst einen Angriff abwehrte und dann entscheidend zurückschlug. Das hatte direkt ein Selfie zur Folge!

Dramatisch ging es bei Israel-England zu, und das wurde in einer Fußballmetapher ausgedrückt:

"Tolle Parade von Mickey, der Ball kommt zu Luke, der ihn verwandelt. Tor für England!"

Mickey Adams hatte Probleme gegen Boris Gelfand, während David Howell gegen Emil Sutovsky seine Gewinnchancen nicht nutzen konnte, doch am Ende sicherte Luke McShane für England den zweiten Sieg in Folge! Er brachte ein schönes Qualitätsopfer, ehe Maxim Rodshtein mit 57…Txd4? (57…Kg7!) fehlgriff:


58.h5! Td2!? 59.hxg6 Txb2? (59...b4! war die letzte Chance) 60.f5! und die verbundenen Freibauern waren nicht mehr zu stoppen.

Ding Liren bleibt weiter unbesiegt | Foto: Eteri Kublashvili, Russischer Schachverband

China-Niederlande wurde letztlich durch den Sieg von Bu Xiangzhi gegen Loek van Wely entschieden, aber die Chinesen hätten deutlich klarer gewinnen können. Yu Yangyi vergab im 77.Zug im Endspiel den Sieg, während Ding Liren seinen Angriff unter anderen Umständen sicher fortgesetzt hätte:


32.Sxh5+! gxh5 33.Dg5+ Kh8 34.Dxh5+ führte dazu, dass Sopiko Guramishvili ihrem Ehemann kräftig die Daumen drücken musste!

"Obwohl Sopiko ihrem Ehemann "Energie" übertrug, griff Ding Liren dessen König an!"

Zunächst spielte Ding Liren weiter und schlug die Zugwiederholung aus, doch wenig später wollte er im Mannschaftssinne kein Risiko eingehen und nahm sie letztlich doch an.

Drei Punkte Rückstand haben unter anderem die jungen Norweger, die dank des vierten Siegs in Folge von Johan Salomon die Griechen besiegten, und Russland, das Weißrussland locker mit 3:1 besiegte. 

Vladimir Kramnik und Ian Nepomniachtchi holten die russischen Siege gegen Weißrussland | Foto: Eteri Kublashvili, Russischer Schachverband

Vladimir Kramnik verbesserte seine Dortmunder Partie gegen Nisipeanu und ließ gegen Aleksej Aleksandrov einen starken Mattangriff vom Stapel:


24.Sxd5! cxd5 25.Tb6+ Kd7 26.Lf1!!, machte den Unterschied zwischen einer guten und einer Gewinnstellung. Kramnik gewann in der Folge sicher, und hat trotz des Desasters gegen Polen in Batumi ein Eloplus erzielt.

Erwähnt werden muss auch der Sieg des Kroaten Ivan Saric gegen Juniorenweltmeister Parham Maghsoodloo. Einerseits brillierte Saric mit einem frühen Figurenopfer, doch dann ließ er gleich mehrfach den Gewinn aus!


26.Txb7! gewinnt leicht, da Weiß nach jedem Schlagen auf einfach Dxh6 mit Matt auf g7 spielen kann. Nach 26.Se4!? Dh5! ging die Partie munter weiter, ehe Saric erneut zuschlagen konnte:

Er dachte 21 Minuten nach, sah es aber wieder nicht!

31.Tg7+ Kf8 32.Tf7+ Kg8 33.Td7? Lxd4! und 34.f7+! führte nur zu einem ungefähr ausgeglichenem Endspiel, das Saric dann doch noch gewann und den wichtigen Sieg gegen die Iraner sicherte.

Drei Runden vor Schluss steht es so:

Rk.SNo TeamTeamGames  +   =   -  TB1  TB2  TB3  TB4 
11United States of AmericaUSA871015227,023,079
211PolandPOL862014209,522,581
34AzerbaijanAZE861113236,022,589
45IndiaIND861113203,022,578
57FranceFRA861113195,522,578
63ChinaCHN861113193,021,075
78ArmeniaARM861113191,521,577
816GermanyGER853013182,521,076
99EnglandENG861113175,019,577
1038NorwayNOR852112180,523,069
112RussiaRUS852112178,021,076
1218CroatiaCRO860212167,520,577
1330MoldovaMDA852112160,519,572
1434ItalyITA860212156,520,571
1535AustriaAUT860212151,020,567

Armenien fällt zurück

Die Armenierinnen hatten in den ersten sieben Runden mit Russland und China bereits zwei große Brocken aus dem Weg geräumt, so dass der Traum von einer olympischen Goldmedaille bei einem guten Verlauf gegen die an Nummer 2 gesetzten Ukrainerinnen äußerst realistisch geworden wäre. Dieses Mal ließen die Ukrainerinnen nach den beiden verpatzten Mannschaftskämpfen zuvor aber nichts anbrennen und gewannen sicher 3:1.

Ukraine-Armenien - der Kampf um die Krone | Foto: Eteri Kublashvili, Russischer Schachverband 

Anna Muzychuk feierte am Spitzenbrett einen beeindruckenden Sieg gegen Elina Danielian, während Anna Sargsyan gegen Anna Ushenina an Brett 3 totalen Schiffbruch erlitt. Schon nach sieben Zügen (!) hatte sie große Probleme und hätte nach neun Zügen schon fast aufgeben können:


Das hässliche 9…f6 wäre vermutlich am besten gewesen, denn die restliche Partie nach 9…fxe6 war zum Vergessen. Die beiden Schlussstellungen:

Die Ukraine liegt nun gemeinsam mit China an der Spitze. Die Chinesinnen schlugen Rumänien mit 3,5:0,5, außerdem gewannen die USA gegen Italien, Ungarn gegen Indien und Kasachstan gegen Georgien mit 3:1. Die deutschen Damen besiegten Luxemburg klar mit 3,5:0,5, nur Elisabeth Pähtz gab gegen WGM Berend ein Remis ab.

Indien musste seine Goldhoffnungen gegen Ungarn begraben | Foto: Eteri Kublashvili, Russischer Schachverband 

12 Mannschaften liegen drei Runden vor Schluss in Schlagdistanz:

Rk.SNo TeamTeamGames  +   =   -  TB1  TB2  TB3  TB4 
13ChinaCHN862014227,523,581
22UkraineUKR862014226,023,084
310United States of AmericaUSA861113203,522,080
413HungaryHUN861113198,522,575
511AzerbaijanAZE861113196,022,573
612ArmeniaARM861113193,021,081
78KazakhstanKAZ853013192,523,071
81RussiaRUS860212205,523,573
94Georgia 1GEO1852112191,020,081
1028IranIRI860212185,522,076
1117MongoliaMGL860212181,021,573
1220RomaniaROU860212159,520,075

Während bei den Frauen die Favoritenrolle bei Kasachstan-China und Aserbaidschan-Ukraine in Runde 9 klar verteilt ist, wird es im Offenen Turnier wieder richtig spannend:

Verpasse das Geschehen nicht hier auf chess24: Offenes Turnier | Damen. Du kannst die Partien auch mit unseren Gratis-Apps verfolgen:

         

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