Berichte 01.10.2018 | 11:22von Colin McGourty

Olympiade Batumi 2018, R6: Aserbaidschan und Polen gehen in Führung

Shakhriyar Mamedyarov hat bei der Schacholympiade in Batumi gegen David Navara seinen dritten Sieg in Folge erzielt und dafür gesorgt, dass Aserbaidschan nach sechs Runden mit 12:0 Punkten weiterhin eine weiße Weste hat. Nur Polen kann da mithalten, allerdings räumte Jan-Krzysztof Duda nach seinem Sieg gegen Vassily Ivanchuk ein, dass er diesen eher seinem Gegner als seinem guten Spiel zu verdanken hatte. Russland gab durch ein 2:2 gegen Indien weitere Punkte ab, doch drei Punkte Rückstand sind allemal besser als die Situation der russischen Damen, die gegen Armenien bereits die zweite Niederlage einstecken mussten. 

Shakhiryar Mamedyarov steht erstmals in seiner Karriere bei einer Live-Elo von 2826,2 | Foto: Lana Afandiyeva, Turnierseite

Hier noch einmal die Live-Übertragung mit den Kommentaren von IM Sopiko Guramishvili und GM Ivan Sokolov:

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Aserbaidschan und Polen mit Kopf-an-Kopf-Rennen

Es ist schon eine Weile her, seit wir uns fragten, wann Shakhriyar Mamedyarov wieder “normal" Schach (und damit wie ein Top-Ten-Spieler) spielt, doch mittlerweile haben wir uns daran gewöhnt, dass er einfach ein 2800er ist. Mit seiner Elo-Leistung von bisher 2925 hat er seine Live-Elo auf bisher unerreichte 2826,2 gesteigert und dabei andere Stars wie Mickey Adams, Levon Aronian und jetzt David Navara besiegt.

David Navara ist für viele der höflichste Schachspieler überhaupt | Foto: Russischer Schachverband

Gegen Navara entschied sich Mamedyarov für eine Variante, mit der er beim Kandidatenturnier in Berlin seine einzige Partie gegen Ding Liren verloren und seine Chancen auf einen WM-Kampf gegen Magnus Carlsen eingebüßt hatte. In jener Partie war Mamedyarov im Gewinnstreben in einen Gegenangriff gelaufen, aber dieses Mal brachte ihm kontrollierte Offensive einen leichten Sieg ein:


29.e6! Der Bauer kann nur unter Figurenverlust geschlagen werden, und nach 29…Sf4 30.exf7+ Kxf7 31.g3! musste sich Schwarz entscheiden, wie er Material geben wollte. Am Tag zuvor hatte Navara es noch geschafft, mit zwei Minusbauern gegen Ding Liren remis zu halten, aber gegen Mamedyarov kam jede Rettung zu spät.

Arkadij Naiditsch schlug Zbynek Hracek an Brett 3, womit Aserbaidschan einen sicheren 3:1-Sieg errang und die Tschechen wieder auf den Boden der Tatsachen beförderte. Dagegen setzten die Polen ihren Höhenflug fort und stehen wie die Aseris nach einem beeindruckenden 2,5 zu 1,5 gegen die Ukraine bei 12:0 Punkten.

Jan-Krzysztof Duda holte nach gemischtem Turnierverlauf einen wichtigen Sieg in Runde 6 | Foto: Russischer Schachverband

Der 20-jährige Jan-Krzysztof Duda schlug am Spitzenbrett die Schachlegende Vassily Ivanchuk, räumte aber hinterher ein:

Das war eine merkwürdige Partie. Ich habe sie nicht gewonnen, sondern Vassily hat sie verloren.

In der Eröffnung spielte Ivanchuk schnell, während Duda für die Züge 10 und 11 ganze 47 Minuten verbrauchte und sich hinterher Vorwürfe machte:


Ich dachte, dass er mit 11…Ld5 eine super-scharfe Theorievariante angesteuert hat. Ich konnte mich nicht mehr an die Varianten erinnern und ärgerte mich sehr, dass ich diese Stellung zugelassen hatte. Dann spielte er überraschenderweise 11…Lf5, und ich bekam nach einigen natürlichen Zügen die klar bessere Stellung.

In der Partie folgte 12.e4 Lg4 13.Le2 und danach hatte Weiß eigentlich nur noch Probleme mit der Bedenkzeit. Duda hatte gerade einmal eine Minute übrig, während Ivanchuk mehr als eine Stunde hatte, um die Komplikationen zu meistern. Eine Rolle spielte das aber nicht mehr, da es sich um eine der Partien in diesem Jahr handelte, bei denen die ukrainische Schachlegende ihre Nerven in schlechter Stellung offenbar nicht im Griff hatte. Er spielte unnötig schnell und ließ mit dem Patzer 31…Th8?? das starke 32.e6+! zu:

Der Springer auf g6 geht verloren, da 32…Kg7 an 33.h5 scheitert. Ein tolltes Ergebnis für Duda, der sich in den nächsten Runden aber noch steigern will:

Am zweiten Brett hielt Radek Wojtaszek gegen Pavel Eljanov remis, wonach alles nach einem perfekten Nachmittag für die Polen aussah, da Kacper Piorun eine Dame gegen Turm plus zwei Bauern von Yuriy Kryvoruchko hatte und mit einem Sieg den polnischen Matchsieg sicherstellen konnte. Laut Tablebase war der Gewinn durchaus drin, zum Beispiel mit 61.Kxe5!…

Schwarz verliert in 51 Zügen... | Quelle: Knowledge4IT

…doch für Menschen ist das keineswegs so leicht, und nach 61.De1 hielt Schwarz remis:

Damit hing alles von der völlig unklaren Partie zwischen Anton Korobov und Kamil Dragun am letzten Brett ab. Beide Spieler hatten zuvor 4 aus 4 erzielt, und eine Zeit lang sah es so aus, als könnte Korobov seine makellose Bilanz behalten und den Ausgleich erzielen. Am Ende schaffte Dragun aber mit einigen starken Verteidigungszügen das Remis.

Die hinteren drei Bretter der Polen haben somit immer noch keine Partie verloren, womit das polnische Märchen vorläufig weitergeht. Nach Russland, Frankreich und der Ukraine kommt es nun zum Showdown gegen Aserbaidschan in Runde 7!

Notwendige Siege

Hinter Aserbaidschan und Polen gelang es mehreren Mannschaften, den Anschluss zu halten. Das US-Team brachte gegen Bosnien-Herzegovina an jedem Brett im Schnitt 300 Punkte mehr auf die Waage und münzte diesen Vorteil in ein 3,5 zu 0,5 um. Fabiano Caruana kam durch seinen dritten Sieg in Folge auf 7,5 Elopunkte an Magnus Carlsen heran, Wesley So gewann bereits seine vierte Weißpartie und Ray Robson verbesserte sich auf 2,5 aus 3, während sich nur Hikaru Nakamura mit einem Remis begnügen musste. Der Titelverteidiger hat somit nur einen Punkt Rückstand auf die Spitze und hat zumindest auf dem Papier mit den Kroaten, die gegen Norwegen 3:1 gewannen, einen recht leichten Gegner erwischt.

Nach dem Sieg gegen Bosnien & Herzegovina müssen die US-Boys nun gegen Kroatien ran | Foto: Russischer Schachverband

Zwei Punkte Rückstand auf die beiden Führenden haben zehn Mannschaften. Armenien schlug Mazedonien mit 3,5:0,5, doch einige andere Teams taten sich schwerer. China schlug die Iraner dank eines Sieges von Bu Xiangzhi am dritten Brett gegen Tabataei mit 2,5 zu 1,5, und mit demselben Ergebnis fuhren Weißrussland gegen die Türkei, die Ägypter gegen die Slowakei und die Niederländer gegen die gefährlichen Youngsters von Georgien 3 Siege ein. Jorden van Foreest verlor erneut, doch Erwin l’Ami und Anish Giri machten dessen Niederlage wett. Giri ist mit 5,5 aus 6 und einer Elo-Leistung von 2944 bisher der Star am ersten Brett, was kann seinem Kapitän da nicht gefallen?

Als nächster Gegner wartet Deutschland auf die Niederländer, nachdem das Match gegen Israel mit 2:2 endete. Daniel Fridman hat nach seinem Sieg gegen Tamir Nabaty 5 aus 5 auf dem Konto und machte die Niederlage von Rasmus Svane gegen Emil Sutovsky wett.

Frustrierende Unentschieden

2016 durfte man nur zwei Punkte abgeben, wenn man um die Goldmedaille kämpfen wollte, doch nachdem bei Russland-Indien alle Partien remis endeten, haben beide Teams schon drei Punkte verloren. Noch ist damit nicht alles verloren, denn die Chinesen gaben bei ihrem Olympiasieg 2014 drei Punkte ab, doch Ausrutscher sind nun nicht mehr erlaubt. 

Mit diesem Ausgang konnte kein Team so recht zufrieden sein! | Foto: David Llada, Turnierseite

Gewinnchancen hatte Russland am ehesten am Spitzenbrett, wo Sergey Karjakin aussetzte und Ian Nepomniachtchi mit Weiß gegen Vishy Anand spielte. Um ein Haar hätte Nepo gewonnen, nachdem Vishy Anand anstatt zu rochieren, den König nach f7 stellte. Tatsächlich rochierte an diesem Tag als einziger Inder Harikrishna!

Nach einem Fehlgriff war es aber am Ende Nepo, der ums Remis kämpfen musste.

Dmitry Jakovenko musste gegen Adhiban ebenfalls aufpassen, meisterte seine Aufgabe aber recht souverän.

England-Frankreich, das hätte auch im WM-Endspiel die Paarung sein können... | Foto: David Llada, Turnierseite

England und Frankreich zählen vermutlich nicht zu den heißesten Titelanwärtern, haben aber ebenfalls drei Punkte Rückstand auf die Spitze. Auch hier gingen wie am Brett von Maxime Vachier-Lagrave und Mickey Adams alle Partien remis aus.

Die spannendste Partie lieferten Bacrot und McShane, die sich in einem interessanten Mittelspiel bekämpften:

20…Sxe5! 21.fxe5 Sxg3! 22.Kxg3 f4+ 23.Kh2 fxe3 hätte zu einer spannenden Stellung geführt, aber McShanes 20…Sa5 war vermutlich sogar stärker. Später ließ Bacrot eine gute Chance aus, doch das Unentschieden war ein gerechtes Ergebnis.

Auch Spanien hat 9:3 Punkte, wobei deren eigentliche Nummer 1 die Schweizer und damit das Team trainiert, das gegen Spanien mit 1,5:2,5 unterlag:

Vallejos Ersatz an Brett 1 David Anton holte den entscheidenden Sieg gegen Sebastian Bogner.

Fünf Runden vor Schluss steht es damit so:

Rk.SNo TeamTeamGames  +   =   -  TB1  TB2  TB3  TB4 
14AzerbaijanAZE660012135,019,044
211PolandPOL660012122,518,540
31United States of AmericaUSA651011120,517,545
43ChinaCHN650110114,016,543
513NetherlandsNED650110111,019,040
610IsraelISR642010111,018,041
78ArmeniaARM650110110,016,544
815Czech RepublicCZE650110106,016,044
96UkraineUKR650110106,015,044
1016GermanyGER642010105,016,543
1118CroatiaCRO65011095,017,037
1217BelarusBLR65011089,515,039
1340EgyptEGY65011087,015,038
145IndiaIND64119115,017,543
157FranceFRA64119109,517,045
1624SpainESP64119108,017,042
172RussiaRUS6411998,016,043
189EnglandENG6411990,014,543
1912HungaryHUN6411986,515,037
2045SerbiaSRB6411982,515,038
2157AlgeriaALG6411974,015,036

Russischer K.O. bei den Damen

Nach einer Niederlage gegen Armenien sind die russischen Goldhoffnungen dahin | Foto: Russischer Schachverband

Während es für die russischen Herren im Offenen Turnier alles andere als berauschend läuft, erleben die favorisierten russischen Damen bisher ein Desaster. Nach der überraschenden Niederlage gegen Usbekistan in Runde 2 holte das Team in den folgenden Runden auf, unterlag nun aber überraschend Armenien. Lilit Mkrtchian hatte gegen Aleksandra Goryachkina eine Druckstellung, aber das rechtfertigte nicht deren drastische Entscheidung in Zeitnot:


33…Sxg2? (33…Td8!) 34.Kxg2 Sh4+ 35.Kf1 und Schwarz hatte keine Kompensation für die Figur. Ein ähnliches Missgeschick widerfuhr Natalia Pogonina an Brett 4, während die anderen beiden Partien remis endeten und den Armenierinnen einen 3:1-Sieg einbrachten.

Kein Remis bei Indien-USA! | Foto: David Llada, Turnierseite

Auch die USA lagen gegen Indien nach Siegen von Koneru Humpy und Tania Sachdev gegen Anna Zatonskih und Tatev Abrahamyan mit 0:2 zurück. Irina Krush und Jennifer Yu schafften aber mit Siegen in leicht besseren Endspielen noch das 2:2. Krush steht nun bei 5 aus 5, während die 16-jährige Yu 5,5 aus 6 aufweist! Der Teamgeist ist gut:

Die Nummer 2 der Setzliste Ukraine hätte die alleinige Führung übernehmen können, doch zum zweiten Mal in Folge vergab das Team in der siebten Stunde den Mannschaftssieg.

Nachdem Natalia Zhukova in Runde 5 stolperte, vergab Anna Ushenina in Runde 6 den Sieg | Foto: Russischer Schachverband

Dieses Mal musste Anna Ushenina ein remisliches Turmendspiel mit Minusbauer halten, um den Mannschaftssieg zu sichern, doch mit 119.Tb8? (119.Tb3! war immer noch remis) stellte sie die Partie endgültig ein:


Nach 119…Tg2! gewinnt Schwarz den Bauern und die Partie, doch es ging noch einige Zeit weiter. Am Ende vermutete Sopiko, dass das langsame Tempo, mit dem Huang Qian in dieser klaren Gewinnstellung spielte, eine Qual für ihre Gegnerin sein musste, aber Ivan Sokolov konterte, dass Ushenina auch aufgeben konnte! Letztlich hielt sie nach 144 Zügen lediglich die Uhr an, anstatt ihrer Gegner die Hand zu geben. Die Gründe dafür sind unklar:

"Ihr nicht die Hand zu reichen, ist wirklich schlechter Stil. Auch ich wäre angewidert, wenn ich diese Stellung verliere, aber ihr den Handschlag zu verweigern ist inakzeptabel. Auch ich bin kein Fan des „Slowrolls“ der Chinesin, aber nach Th5 hätte Ushenina aufgeben können."

Damit liegt China weiterhin einen Punkt hinter den führenden Teams aus USA, Armenien und Georgien (die gegen Georgien 2 gewannen), während das deutsche Team durch eine Niederlage gegen Griechenland (Sieg für Pähtz, Nullen für Osmanodja und Fuchs) weiter zurückfiel:

Rk.SNo TeamTeamGames  +   =   -  TB1  TB2  TB3  TB4 
110United States of AmericaUSA651011125,017,544
24Georgia 1GEO1651011119,517,042
312ArmeniaARM651011118,017,543
43ChinaCHN642010124,517,046
55IndiaIND642010119,518,543
62UkraineUKR642010119,017,545
711AzerbaijanAZE650110113,518,042
818ItalyITA650110106,017,041
931UzbekistanUZB650110102,016,542
1028IranIRI65011097,017,038
1116NetherlandsNED65011096,017,536
1220RomaniaROU65011095,517,037

Bei den Damen trifft Armenien in Runde 7 auf die USA, während bei den Herren bei Aserbaidschan-Polen ein Team erstmals Punkte lassen muss!

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