Berichte 29.09.2018 | 17:29von Colin McGourty

Olympiade Batumi 2018, R5: Shak bläst zum Angriff!

Shakhriyar Mamedyarov hat in Runde 5  der Schacholympiade in Batumi mit einer schönen Angriffspartie Levon Aronian besiegt. Damit behielt das Team aus Aserbaidschan seine weiße Weste und liegt gemeinsam mit den Polen (die gegen Frankreich gewannen), den Ukrainern (die gegen Spanien gewannen) und der Sensation der Runde, den Tschechen, die China besiegten, an der Spitze. Die favorisierten Amerikaner um Fabiano Caruana, der abermals eine Glanzpartie hinlegte, mussten ihren ersten Punktverlust hinnehmen, da Emil Sutovsky gegen Sam Shankland gewann. Dafür führen die US-Amerikanerinnen in der Damenkonkurrenz.

Böse Niederlage für Aronian und sein Team | Foto: Russischer Schachverband

Alle bisherigen Partien der Schacholympiade könnt ihr hier nachspielen:

Und hier noch einmal die Live-Übertragung mit den Kommentaren von IM Sopiko Guramishvili und GM Ivan Sokolov:

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Aserbaidschan schlägt Armenien

Wenn diese beiden Teams aufeinandertreffen, geht es immer um mehr als Schach, obwohl die Spieler es schaffen, den permanenten Konflikt ihrer Heimatländer aus dem persönlichen Verhältnis herauszuhalten. Auf dem Schachbrett waren die Armenier mit ihren Olympiasiegen 2006, 2008 und 2012 erfolgreicher, während Aserbaidschan noch auf den großen Triumph wartet. Dieses Jahr sind die Chancen vielleicht so gut wie nie zuvor, wenn Rauf Mamedov dieselbe Form wie der Mannschafts-EM 2017 zeigt und Shakhriyar Mamedyarov am Spitzenbrett sein absolutes Weltklasseniveau untermauert.

Auftakt bei Armenien - Aserbaidschan | Foto: Alina l'Ami, Turnierseite

Bei der EM unterlag Mamedyarov damals Levon Aronian, und auch dieses Mal ging der Aseri ein hohes Risiko ein. Mamedyarov opferte zunächst zwei Bauern für nebulöse Kompensation, doch als Aronian seine Dame auf das falsche Feld zog, wurde das schwarze Gegenspiel auf einmal sehr konkret!  


23…Lxg2!! kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel, und obwohl Weiß objektiv immer noch leicht im Vorteil war, kämpft er bereits ums Überleben. Nach 24.Kxg2 Dg6+ 25.Kf1 Lxh2 hat Weiß eine glatte Figur mehr, doch der Springer auf a4 kann seinem König in absehbarer Zeit nicht zu Hilfe kommen. Es folgte 26.Re1!? Tg5! 27.Ke2 Te8 28.Kd1 Tg1! und Weiß steckt in großen Problemen:


Aronian hatte nichts Besseres als 29.Le5 mit Rückgabe des Mehrmaterials, doch der weiße König steht immer noch unter Beschuss. Am Ende hatte Shak zwei Mehrbauern und verbesserte seine Elo auf die neue Höchstmarke von 2822,3.

Das armenische Team ist darauf spezialisiert, sich gegenseitig aus der Patsche zu helfen, doch obwohl Hrant Melkumyan als Erster seine Partie gegen Arkadij Naiditsch entschied, waren die Aseris nicht aufzuhalten. Teimour Radjabov besiegte Gabriel Sargissian nach einem Figurengewinn, und auch am letzten Brett sah es so aus, als hätte Rauf Mamedov seine Partie gegen Haik Martirosyan gewinnen können, falls dies nötig gewesen wäre. Stattdessen sicherte er aber mit einem Remis das 2,5:1,5 ab.

USA stolpern gegen Israel

Durch diesen Sieg hat Aserbaidschan mit 10:0 Mannschaftspunkten immer noch eine weiße Weste und liegt nun sogar vor dem Favoriten USA, der einen Punkt abgab. WM-Herausforderer Fabiano Caruana spielte dabei eine neuerliche Glanzpartie und ließ seinem Sieg gegen Vishy Anand eine weitere Kurzpartie gegen Boris Gelfand folgen. 

Caruana ist nach verhaltenem Start nicht mehr aufzuhalten | Foto: Russischer Schachverband

In einem 3.Lb5-Sizilianer opferte Gelfand eine Qualität, um die weiße Königsstellung zu öffnen, doch am Ende nutzte Caruana die Linien aus, um seinerseits auf Königsjagd zu gehen:


Gelfand hat in dieser Stellung einen Trick – der scheinbare Gewinnzug 25.c3? scheitert an 25…Sf4+!, wonach Schwarz besser steht – aber Caruana spielte einfach das coole 25.Kg1! Danach konnte sich Gelfand nur noch seine Todesart aussuchen, und er entschied sich für 25…Tf8 26.Txh5! Lxe4 27.Dd7+!, wonach Schwarz verloren ist. Caruana ist kein Spieler, der sich einen schönen Mattangriff entgehen lässt, und er beendete die Partie stilvoll:

Dieses Mal allerdings reichte Caruanas Sieg nicht für einen Mannschaftssieg. Sam Shankland versuchte im Turmendspiel gegen Emil Sutovsky mit Minusbauer das Remis zu forcieren, spielte aber zu überhastet. Bei Hikaru Nakamura sah es so aus, als könnte er gegen Tamir Nabaty die Kohlen aus dem Feuer holen, musste sich aber nach ausgeschlagener Zugwiederholung trotzdem ins Remis schicken.

Emil Sutovsky holte mit seinem Sieg gegen Sam Shankland einen Punkt für Israel | Foto: Russischer Schachverband

Tschechien, Polen und die Ukraine setzen sich an die Spitze

Wojtaszek stellte mit seinem Sieg das 3:1 gegen Frankreich sicher | Foto: Przemek Nikiel, PZSzach

Radek Wojtaszek meinte nach seinem Sieg gegen Etienne Bacrot im Interview, dass man die Olympiade gewinnen kann, wenn man drei Spieler hat, die unter den Top Ten zu finden hat, oder wenn man mit einem schwächeren Team einen tollen Mannschaftsgeist hat. 

In unserer Vorschau schrieben wir:

Polen mit Radek Wojtaszek und Jan-Krzysztof Duda ist eines der Teams außerhalb der Top 6 mit zwei 2700ern und könnte eine Überraschung schaffen.

Bisher haben die beiden 2700er an den Spitzenbrettern wechselvolle Resultate erzielt, aber die drei Bretter dahinter mit Kacper Piorun, Jacek Tomczak und Kamil Dragun haben bislang sensationelle 11,5/12 errungen!

Gegen Frankreich hatten die Polen einen schlechten Start, denn Duda kam in einer Russisch-Partie im Mittelspiel vom rechten Weg ab. Einiges deutete darauf hin, dass diese Partie in Lehrbüchern und Kombinationsecken auftauchen würde:

29…f6 verhinderte das, aber Duda musste sich dennoch mit einem hoffnungslos verlorenen Endspiel abfinden. Die Polen gewannen die anderen Partien aber mit erstaunlicher Leichtigkeit, darunter auch Jacek Tomczak, der nach seinem Sieg gegen Vladimir Kramnik auch Christian Bauers Siegesserie stoppte. 33.Tff1 beinhaltete eine böse Absicht:


Die Drohung ist Lf2 mit Damengewinn. Schwarz muss etwas dagegen unternehmen, doch Bauers 33…Txf3? war der Verlustzug – erst musste er den starken Läufer für den Turm auf f1 geben.

Die negative Überraschung der fünften Runde waren die Chinesen. In unserer Vorschau auf die Olympiade schrieben wir, dass viel von der Form Wei Yis abhängen würde, und die scheint nicht gut zu sein. Gegen Tschechien verlor er bereits seine zweite Partie, und das in einer Art und Weise, die man von ihm nicht kennt. Jiri Stocek traute sich gegen den chinesischen Youngster, Sizilianisch zu spielen, doch dieses Mal gelang Wei Yi kein tief berechneter Angriff, sondern nur eine verzweifelte Ansammlung seiner Figuren in der Nähe des schwarzen Königs, als schon alles zu spät war. Stocek zeigte keine Gnade:

Eine Zeitlang sah es so aus, als könnte Ding Liren am ersten Brett den Ausgleich schaffen, doch David Navara hatte gesehen, dass er mit zwei Minusbauern eine theoretische Remisstellung erreichen konnte.

David Navara schaffte es, Ding Liren zu stoppen | Foto: Russischer Schachverband

Und es kam noch schlimmer für die Chinesen, denn Viktor Laznicka ließ seinem Sieg gegen Parham Maghsoodloo einen weiteren Coup gegen Yu Yangyi folgen. Damit war das 3:1 der Tschechen unter Dach und Fach, in Runde 6 treffen sie nun auf Aserbaidschan.

Unterschiedliches Schlachtenglück für Ivanchuk & Eljanov, aber das Team steht vorn| Foto: Russischer Schachverband

Die dritte Mannschaft mit 10 Punkten sind die Ukrainer, die trotz der zweiten Niederlage in Folge von Pavel Eljanov gegen Spanien gewannen. Yuriy Kryvoruchko schlug Josep Lopez, und dann machte Vassily Ivanchuk mit einer strategischen Glanzpartie gegen David Anton den Sack zu. Sein Sieg war umso überzeugender, da er die letzten 15 Züge von der Zeitgutschrift lebte und wusste, dass alles von seiner Partie abhing. Für einmal behielt er die Nerven und sorgte dafür, dass die Ukraine in Runde 6 gegen Polen randarf.

Was sonst noch geschah…

Das deutsche Team zählt neben den USA und Israel mit nur einem Punkt Rückstand zu den ersten Verfolgern, denn obwohl Georg Meier am Spitzenbrett gegen Viktor Bologan verlor, reichte es zu einem 2,5 zu 1,5 gegen Moldawien. Daniel Fridman (4 aus 4 in Batumi) und Rasmus Svane (3,5 aus 4) holten die notwendigen Siege.

Außerdem feierten die Niederlande, Indien, Iran, England, Ungarn und Georgien überzeugende Siege, während die Russen nach der Schlappe gegen Polen mit einem 3:1 gegen Peru Boden gutmachten. Das Ergebnis erzählt aber nur die halbe Wahrheit. 

Kramnik spricht noch einmal mit seinen Bauern, bevor es losgeht?! | Foto: Russischer Schachverband

Bei der Olympiade 2010 hatte der damalige Teamchef der Russen, Evgeny Bareev die Peruaner als "Bauern” bezeichnet. Dieses Jahr hat er als Mitglied des kanadischen Teams 2,5 aus 4 geholt, während seine Landsleute locker gegen die Peruaner hätten verlieren können.

Ian Nepomniachtchi akzeptierte ein schnelles Schwarzremis gegen Jorge Cori, dem Nikita Vitiugov deutlich später den Friedensschluss am vierten Brett folgen ließ, doch die Partien von Sergey Karjakin und Vladimir Kramnik waren völlig unklar. Kramnik opferte im 19.Zug eine Figur und hätte große Probleme bekommen, wenn José Martinez sich im 25.Zug anders entschieden hätte:


25…Dg4! hätte für Kramnik und sein Team üble Konsequenzen haben können, doch nach 25…Sd3!? und einer Reihe von Vereinfachungen konnte Kramnik seine Endspielkünste demonstrieren. Sein Gegner gab auf, als klar war, dass Kramniks Bauern nicht mehr zu stoppen waren:

Anschließend hielt Sergey Karjakin dem Druck Stand und konnte eine zweischneidige Stellung gegen  Emilio Cordova gewinnen. Hier der Zwischenstand:

Rk.SNo TeamTeamGames  +   =   -  TB1  TB2  TB3  TB4 
14AzerbaijanAZE55001087,016,028
215Czech RepublicCZE55001085,515,029
311PolandPOL55001080,516,027
46UkraineUKR55001068,513,525
51United States of AmericaUSA5410982,014,033
610IsraelISR5410974,516,026
716GermanyGER5410966,514,526
823IranIRI5401881,015,530
95IndiaIND5401880,015,528
103ChinaCHN5401877,014,030
117FranceFRA5401876,015,030
1213NetherlandsNED5401873,516,526
1338NorwayNOR5320873,015,526
142RussiaRUS5401871,514,030
1556Bosnia & HerzegovinaBIH5401869,516,023
1622TurkeyTUR5401869,015,026
178ArmeniaARM5401868,013,030
1848SlovakiaSVK5401867,014,521
1918CroatiaCRO5401863,514,025
2043FYR MacedoniaMKD5401862,515,523
2117BelarusBLR5401858,512,527
2265Georgia 3GEO35401857,514,524
239EnglandENG5401856,512,527
2440EgyptEGY5401854,012,524

USA übernimmt die Führung bei den Damen

Die Damenkonkurrenz erlebte einen ereignisreichen Tag, an dessen Ende von sechs führenden Mannschaften eine übrigblieb. Titelverteidiger China musste sich gegen Armenien mit einem 2:2 begnünge, da Lei Tingjies Sieg von Lilit Mkrtians Sieg gegen Shen Yang wettgemacht wurde. Derweil erreichte die Mongolei mit allen Chancen auf den Mannschaftssieg gegen die USA die Zeitkontrolle, warf diese aber komplett weg. Die achtzehnjährige Nomin-Erdene Davaademberel entschied sich gegen Irina Krush für den falschen Plan, während die 16-jährige Jennifer Yu sich gegen Batchimeg Tuvshintugs auf sehenswerte Weise retten konnte:


Von der stolzen weißen Stellung mit +14 ist nicht mehr viel übrig, und Yu ließ mit 48…Tf7! nicht locker. Mit 49.Lxg6+! hätte Weiß immer noch Vorteil behalten, doch es war nicht leicht, sich auf die neue Situation einzustellen. Am Ende gewann Schwarz und die USA feierte einen 3:1-Sieg.

Bela Khotenashvili errang einen geradezu unglaublichen Sieg gegen Natalia Zhukova | Foto: Alina l'Ami, Turnierseite

Damit sah es so aus, dass die USA gemeinsam mit der Ukraine in Führung gehen würde, denn die Ukrainerinnen steuerten nach einer Gewinnpartie von Anna Ushenina gegen Nino Batsiashvili einem sicheren Sieg gegen Georgien entgegen. Natalia Zhukova musste gegen Bela Khotenashvili nur Remis spielen, stand aber völlig auf Gewinn:


Das einfache 53.f5! hätte den Läufer auf g8 abgeschnitten und den großen Vorteil bewahrt, doch mit 53.Sf5?! wollte Zhukova offenbar die Stellung vereinfachen und das Remis sichern. Es folgten weitere schwächere Züge, die Khotenashvili immer besser ins Spiel brachten. Die Stellung war objektiv immer noch remis, doch letztlich war es nicht überraschend, dass im 77.Zug der entscheidende Fehler kam: 

Wie kommt man über so eine Partie hinweg? Offenbar weiß Zhukova, wie es geht...

Eine riesige Enttäuschung für die Ukraine, aber verbesserte Chancen für die anderen Teams, die sich noch etwas ausrechnen wollen. 

Aleksandra Goryachkina holte an ihrem 20.Geburtstag einen Sieg | Russischer Schachverband

Dazu zählt sicher Russland, das gegen Deutschland 3,5 zu 0,5 gewann und den Rückstand auf die schärfsten Rivalen verkürzen konnte:

Rk.SNo TeamTeamGames  +   =   -  TB1  TB2  TB3  TB4 
110United States of AmericaUSA550010100,015,532
23ChinaCHN5410991,015,031
32UkraineUKR5410981,015,529
414Georgia 2GEO25410980,015,527
512ArmeniaARM5410977,014,529
64Georgia 1GEO15410975,014,526
75IndiaIND5410972,516,524
811AzerbaijanAZE5401884,015,529
918ItalyITA5401872,514,029
108KazakhstanKAZ5320872,014,527
1140CanadaCAN5401871,015,027
1226Czech RepublicCZE5401870,515,526
1342LatviaLAT5320869,014,527
141RussiaRUS5401868,015,524
1531UzbekistanUZB5401868,014,029
1617MongoliaMGL5401868,013,529
1722CubaCUB5401866,515,526
1816NetherlandsNED5401863,014,524
1928IranIRI5401860,014,025
2034LithuaniaLTU5401858,014,022
2120RomaniaROU5401856,014,523
2251LuxembourgLUX5401841,014,023

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