Allgemein 07.01.2016 | 12:22von Colin McGourty

Norway Chess verlässt die Grand Chess Tour

Norway Chess hat die Grand Chess Tour verlassen - Turnierleiter Jøran Aulin-Jansson erklärte chess24 gegenüber, dass die Serie nicht tragfähig ist, bis sie sich mehr auf kommerziellen Erfolg konzentriert. Das Norway Chess Superturnier wird jedoch 2016 stattfinden und die Teilnahme von Weltmeister Magnus Carlsen wurde bereits bestätigt. Die Grand Chess Tour beschränkt sich somit zur Zeit auf den Sinquefield Cup und das London Chess Classic, hat aber vor weiterzumachen: VG.no zufolge kommt Anfang Sommer vielleicht ein Schnellschachturnier in Frankreich hinzu.

Nachdem Norway Chess nur ein Jahr lang Teil der Grand Chess Tour war, wird es 2016 wieder als unabhängiges Turnier stattfinden | Foto: Macauley Peterson 

Die brisante Ankündigung erschien gestern auf der Homepage von Norway Chess und zitierte unterschiedliche Ansichten "über die Zukunft von Spitzenturnieren":


Änderungen bei der Grand Chess Tour für 2016 und Altibox Norway Chess

Die Grand Chess Tour wurde mit einem Ziel vor Augen gegründet: es sollte eine Reihe internationaler Events geben, alle auf dem höchsten Niveau an Organisation für die weltbesten Spieler. Nach dem erfolgreichen Gründungsjahr wird die Grand Chess Tour 2016 fortgesetzt, jedoch ohne die Beteiligung von Altibox Norway Chess, das als unabhängiges Turnier fortbestehen wird.

"Nach langem, reiflichen Nachdenken hat Altibox Norway Chess beschlossen, aus der Grand Chess Tour auszutreten. Es ist eine traurige, aber für uns notwendige Entscheidung, da unsere Ansichten bezüglich der Zukunft von Spitzenturnieren von denen der GCT abweichen. Wir wünschen der GCT alles Gute und hoffen, dass unsere Partnerschaft in den kommenden Jahren vielleicht wiederhergestellt werden kann. Altibox Norway Chess findet dieses Jahr im April statt, mit denselben hohen Ansprüchen wie bei den vorherigen Events", erklärt Kjell Madland, Vorstandsvorsitzender von Altibox Norway Chess.

"Es tut uns leid, dass Altibox Norway Chess die GCT verlässt, aber wir wünschen ihnen alles Gute für die Zukunft. Wir hoffen, dass es sie noch viele Jahre lang geben wird und dass wir vielleicht in ein paar Jahren wieder kooperieren", sagte Malcolm Pein im Namen der Grand Chess Tour.


Norway Chess kann als Inspiration für die Grand Chess Tour angesehen werden, da es bei seiner Gründung im Jahr 2013 bereits das Einzelrunden-Format mit 10 Spielern besaß, das 2015 von der Tour übernommen wurde, sowie das Prinzip, ein möglichst starkes Spielerfeld einzuladen (was wiederum vom russischen Tal Memorial übernommen worden war). Daher musste das Turnier die wenigsten Änderungen umsetzen, als es der Tour bei seiner dritten Ausgabe beitrat. Es wurde lediglich der Hauptpreis reduziert, dafür flossen 50.000$ in den Gesamtpreisfonds der Grand Chess Tour.

Die Grand Chess Tour wurde im April 2015 gegründet, hier seht ihr Jøran Aulin-Jansson neben Nigel Short und dem Leiter des London Chess Classic, Malcolm Pein, bei der Pressekonferenz in St. Louis | Screenshot: St. Louis Chess Club

Warum also diese plötzliche Trennung nach nur einem Jahr? Turnierleiter Jøran Aulin-Jansson erklärte VG.no, dass sich sein Event von den anderen unterscheidet:

Von diesen drei Turnieren ist Norway Chess das einzige, das fast ausschließlich auf kommerziellen Sponsoren und einem hohen Arbeitsufwand von Freiwilligen beruht.

Im Gespräch mit chess24 führte er dies weiter aus:

JJ: Sie sind nicht auf unserer Wellenlänge: wir versuchen, dies zu einem kommerziellen Erfolg zu machen und sie sind nicht so motiviert.

chess24: Aber warum würde es sie stören, wenn Sie Sponsoren finden und kommerziellen Erfolg haben - wollen sie einen zu großen Anteil daran oder gibt es ein anderes Problem?

JJ: Um kommerziell erfolgreich zu sein, muss jedes Turnier mit diesem Ziel vor Augen geplant und durchgeführt werden. Wenn das nicht die Priorität ist, schafft es keiner.

chess24: Also verlassen sie sich zu sehr auf Rex Sinquefield oder andere und man kann sich für die Zukunft mit diesem Geld nicht absichern?

JJ: Es ist nicht nachhaltig. Um es nachhaltig zu machen, braucht man einen Markt, nicht einzelne Personen.

Der Rückzug von der Grand Chess Tour wird keine großen Änderungen bei dem Turnier nach sich ziehen: Jøran wies darauf hin, dass es einfach so abgehalten wird wie 2013 und 2014 auch. Die Absicht, die besten Spieler anzuziehen, bleibt bestehen, obwohl die Organisatoren natürlich mehr Freiheiten haben werden und zum Beispiel den zweimaligen Sieger Sergey Karjakin oder den aufstrebenden Star Wei Yi einladen können (JJ gab dazu aber keine Details preis).   

Wie sieht es jetzt für Norway Chess aus?

Das diesjährige Event, das am 18. April mit einem Blitzturnier beginnt, wird wohl ein Erfolg werden, wenn auch nur aus einem Grund – Weltmeister Magnus Carlsen wird teilnehmen! Er war kürzlich in einem Werbespot für den Turniersponsor Altibox, dem norwegischen Breitbandanbieter, zu sehen:

Magnus' Manager Espen Agdestein erzählte TV2:

Magnus wird bei Norway Chess spielen, aber die anderen Turniere stehen unter Vorbehalt, da wir noch keine Einladungen erhalten haben. Die Priorität dieses Jahr ist natürlich die Weltmeisterschaft. Abgesehen davon würde Carlsen gerne an Turnieren teilnehmen, die so stark wie möglich sind und in seine Vorbereitung hineinpassen.

Espen bedauerte, dass Norway Chess aus der Grand Chess Tour austritt, sowie die "fragmentierte" Struktur der Schachturniere, war aber der Meinung, Norway Chess würde weiterhin Erfolg haben:

Sie haben bereits die Fähigkeit und den Willen zur Innovation bewiesen und mein Eindruck ist, dass sie das sorgfältig bedacht haben und spannende Pläne für das kommende Turnier haben.


 Wie sieht es jetzt für die Grand Chess Tour aus?

Bei einer Tour muss es natürlich mindestens drei Events geben, wir können uns also auf eine Ankündigung gefasst machen:

‌"Grand Chess Tour besteht 2016 fort, aber ohne NorwayChess, Stellungnahme folgt heute zu einem späteren Zeitpunkt"

VG.no behauptete, Insiderinformationen zu besitzen:

VG weiß, dass die Grand Chess Tour-Organisatoren Norway Chess mit einem Schnellschachturnier ersetzen wollen - vielleicht Anfang des Sommers in Frankreich.

Malcolm Pein zog das jedoch auf Nachfrage von chess24 in Zweifel und sagte uns:

Im Moment werden sechs Orte in Betracht gezogen.

Es war von Anfang an geplant gewesen, mehr Events in die Grand Chess Tour aufzunehmen, aber bis jetzt haben sich Gerüchte um Events für 2015 und 2016, insbesondere um ein neues Turnier in Indonesien, nicht bestätigt. Eine höhere Anzahl von Turnieren würde es Spielern ermöglichen, eines auszulassen, sodass ein größeres Feld eingeladen werden könnte. Das könnte wiederum die Kritik daran verringern, dass immer dieselben Spieler aufeinander treffen. Diese Kritik wurde von der hohen Anzahl an Remis in London und der darauffolgenden Aufregung beim Qatar Masters noch verstärkt.  

Natürlich sieht eine Erweiterung der Grand Chess Tour im Moment wie ein frommer Wunsch aus, da der gerammelt volle Schachkalender für 2016 - allein schon mit dem Kandidatenturnier, dem Weltmeisterschaftsmatch und der Olympiade - den Spielraum deutlich verringert. 

Wir werden diesen Artikel weiter aktualisieren, insbesondere wenn es neue Nachrichten über die Pläne für die Grand Chess Tour 2016 gibt. Bis jetzt konnten wir keinen Vertreter aus St. Louis erreichen.

Siehe auch:


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