Berichte 07.06.2017 | 13:33von Colin McGourty

Norway Chess, Runde 1: Nakamura schlägt als erster zu

Hikaru Nakamura nutzte einen Fehler Anish Giris, um schließlich im Endspiel zu gewinnen und nach der ersten Runde die alleinige Führung beim Altibox Norway Chess 2017 zu erobern - Peter Svidler hat diese Partie analysiert. Die übrigen Partien endeten unentschieden, wobei Wesley So die schwierigste Probe - mit Schwarz gegen Carlsen - bereits bestanden hat. Vladimir Kramnik war dem Sieg am nächsten, aber der frühere Weltmeister vergab gegen Sergey Karjakin in Zeitnot einen klaren Vorteil, da er Mühe hatte, sich auf die Zeitkontrolle umzustellen - es gibt vor dem 61. Zug keine Zeitaufschläge.

Hikaru Nakamura erwischte den bestmöglichen Start | Foto: Lennart Ootes

In der Eröffnungspressekonferenz hatte Magnus Carlsen gemeint, dass er wegen der Stärke des Turniers nur "+1" erreichen müsse, um seine Wertungszahl zu halten. Hikaru Nakamura meinte dazu später:

Wenn +1 gut genug für Magnus ist... Ich denke nicht, dass irgendjemand verrückte Dinge macht, zumindest nicht am Anfang.

SSo kam es dann auch - die besten Spieler der Welt spielten in der Eröffnungsrunde vorsichtig, anstatt sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen:

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Kommen wir nun also direkt zu den Partien - wir beginnen mit der einzigen entschiedenen Begegnung:

Nakamura 1 - 0 Giri

Anish Giris Auftakt beim Altibox Norway Chess verläuft immer schlimmer. Im Blitzturnier musste er die Schmach von sechs verlorenen Partien ohne einen eigenen Sieg hinnehmen und wurde dafür vom Weltmeister höchstpersönlich aufgezogen. In der ersten Runde des klassischen Turniers gelang es ihm, Nakamura in der Eröffnung zu erwischen - der US-Star hatte im zehnten Zug bereits 33 Minuten und 33 Sekunden nachgedacht -, bevor alles schief zu laufen begann. Hikaru meinte, er habe entschieden, keine Risiken einzugehen, und fügte hinzu: "Ich habe nicht wirklich gedacht, dass ich auf etwas spiele"; Giri beschloss hingegen, die Partie in ein Endspiel zu lenken, von dem er meinte, es sei "ungeschickt". Später reichte bereits eine kleine Unaufmerksamkeit, um eine Gelegenheit für Nakamura zu bieten, die dieser sofort nutzte.

Anish Giri und sein Sekundant Erwin L'Ami fragen sich, wo alles schief zu laufen begann... | Foto: Lennart Ootes

Der siebenfache russische Meister Peter Svidler hat die ganze Partie analysiert - er kennt die Grünfeld-Verteidigung, die in der Partie aufs Brett kam, ziemlich gut!

Die übrigen vier Partien endeten remis, doch in jeder davon wurde gekämpft:

Carlsen ½ - ½ So

Die Nummer 1 der Welt gegen die Nummer 2 der Welt | Foto: Lennart Ootes

Die mit größter Spannung erwartete Partie war die Begegnung zwischen den beiden ersten in der Weltrangliste. Würde Magnus Carlsen seine Vormachtstellung halten können, oder würde es Wesley So gelingen, den Abstand zu verringern und die Theorie zu stärken, dass er im Moment das beste Schach der Welt zeigt? Die Spieler neutralisierten sich schlussendlich gegenseitig. 

Svidler war von Magnus' Entscheidung erschüttert, 11. Le3 zu spielen, da der Läufer abgetauscht werden kann und bei beiden Spielern ein Doppelbauer auf der e-Linie entsteht:


Svidler bezeichnete das als "eine der toteren Stellungen im modernen Schach", da die Figuren für gewöhnlich auf der einzigen offenen f-Linie abgetauscht werden. Magnus räumte ein, dass es nicht die unternehmungslustigste Option gewesen war:

Was ich machte war vermutlich etwas zu zahm, klar. Wenn du dort Le3 spielst, weißt du, dass es kein einfacher Sieg wird.

Er meinte, dass man dazu mit "extremer Präzision" spielen muss, aber das war natürlich noch nie ein Problem für Magnus. Das Problem war hingegen, dass sich Wesley So mit seiner üblichen Präzision verteidigte und so selbstsicher eine Stellung halten konnte, die Carlsen als "95% ausgeglichen" beschrieb. 

Magnus Carlsens Brille hat mysteriöse Eigenschaften... | Foto: Lennart Ootes

Am Ende hatte Weiß in einem Springerendspiel einen Mehrbauern, doch der war nicht genug. Wesley war froh, nach seiner Leistung im Blitzschach (dank der er fünf Schwarzpartien hat) einen guten Start erwischt zu haben:

Ich bin noch immer wirklich von meinem Ergebnis beim Blitzschach gestern enttäuscht... irgendwie verlor ich völlig die Kontrolle.

Am Ende der Partie gab es jedoch ein Kuriosum. Den Spielern war tags zuvor sorgfältig erklärt worden, dass ein Remisangebot verboten ist, selbst in einer völlig toten Stellung...

Man kann nicht behaupten, dass sie nicht gewarnt wurden! | Foto: Jose Huwaidi

Dennoch: die Spieler "einigten sich auf Remis", was dazu führen hätte können, dass den beiden ersten der Weltrangliste ein halber Punkt abgezogen würde! Ein Skandal wurde jedoch abgewendet, da die Spieler nur höflich ersucht wurden, das Remis am Brett zu zeigen, was sie mit der Wiederholung der Züge machten:

Carlsen & So einigten sich auf Remis, was gegen die Regeln ist. Aber mit einer dreifachen Stellungswiederholung ging das.

MVL ½ - ½ Anand

Maxime gelang es nicht, Vishy an zwei Tagen in Folge zu besiegen | Foto: Lennart Ootes

MVL hatte gegen Vishy am Vortag im Blitzturnier mit 1. b3 eröffnet und gewann später mit einem Damenopfer; in ihrer klassischen Partie gab es zwar eine Überraschung in der Eröffnung - MVL dachte im sechsten Zug 23 Minuten lang nach, bevor er ein seltenes Abspiel im Caro-Kann wählte -, doch was folgte, war weniger dramatisch. Die Feindseligkeiten waren im Grunde nach 30 Zügen beendet, und die Spieler führten im Blitztempo Züge aus, bevor sie in einem Bauernendspiel im 44. Zug eine Stellungswiederholung fanden. Maxime fasste zusammen:

Ich spürte, dass ich besser stand, aber ich konnte es nicht wirklich beweisen.


Aronian ½ - ½ Caruana

Diese Partie verlief ähnlich, allerdings war hier ein voller Erfolg viel wahrscheinlicher. Fabiano Caruana rochierte im zwölften Zug und bereute das beinahe sofort; er beschrieb den Zug als "eine kleine Ungenauigkeit, die zu einer sehr schlechten Stellung führt". Levon Aronian stimmte zu und sagte: "Es ist sehr enttäuschend, das nicht verwertet zu haben". 

Levon Aronian war nicht begeistert, wie er mit einem klaren Vorteil nach der Eröffnung umging | Foto: Lennart Ootes

Es wurden zwar keine völlig klaren Möglichkeiten vergeben, aber Fabianos aktive Verteidigung bedeutete, dass Levon mehrmals die Möglichkeit hatte, einen Bauern zu schlagen. Zum Beispiel:


Nach 23. e4 hat Schwarz vermutlich nichts Besseres als 23. ... Sc3 24. Lxc3 bxc3 25. Txc3 und die Frage würde nur noch lauten, ob Weiß die Stellung verwerten können würde. Aronian erklärte jedoch, dass er nach mehr Ausschau hielt, und sprach abschätzig über sein Spiel in gegnerischer Zeitnot:

Anstatt solide Züge auszuführen begann ich, Tricks zu spielen... ich versuchte, auf Zeit zu gewinnen!

Zeit war ebenso ein großer Faktor in jener Remispartie, in der es am ehesten einen Sieger gegeben hätte:

Kramnik ½ - ½ Karjakin

Karjakin stand in letzter Zeit im Rampenlicht, doch Kramnik ist noch immer die russische Nummer Eins | Foto: Lennart Ootes

Dieses russische Duell begann langsam, und Vladimir Kramnik meinte hinterher, er müsse im Giuoco Piano etwas durcheinander gebracht haben, da er eine Menge Bedenkzeit verbrauchte, um in einer Stellung zu landen, die er nicht erreichen wollte:


Hier nahmen die Dinge jedoch einen seltsamen Verlauf. Peter Svidler erklärte sofort, dass 14. ... Lxf2+ 15. Kxf2 Dh4+ 16. Kh1 Dxc4 "ein bombensicheres Remis" wäre, und obwohl Weiß noch etwas Spiel hätte, war das auch jener Zug, den Vladimir erwartet hatte. Karjakin dachte hingegen 38 Minuten lang nach und spielte dann 14. ... c6?! ("Das sieht für mich ziemlich zweifelhaft aus" - Kramnik); nach 15. Lg5!? dachte er weitere 25 Minuten lang nach und zog danach 15. ... Db6?! ("Das sieht für mich furchtbar zweifelhaft aus!" - Kramnik).

Karjakin gab seinen Fehler zu:

Ich wusste, dass 14. ... Lf2 gespielt werden musste, doch ich begann mich vor einigen Wundern zu fürchten. Ich bin aber zumindest froh, eine schlechte Stellung in Zeitnot gerettet zu haben!

Weiß hatte plötzlich alles, was er sich in der Stellung wünschen könnte, und nach Vereinfachungen wurde im 24. Zug diese Stellung erreicht:


Vladimir wurde hinterher darauf aufmerksam gemacht, dass er den Bauern auf a6 hätte nehmen können, aber er verwies einfach auf das Turmendspiel nach 25. ... Lxf3 und erklärte, dass wir alle wissen, wie diese ausgehen... Karjakin war sich nicht so sicher, aber Kramniks Entscheidung, 25. Se5 zu spielen, wäre gerechtfertigt gewesen, wenn er mehr Zeit gehabt hätte, um ein paar feine Netze zu spannen. Er räumte jedoch ein, wegen der fehlenden Zeitaufschläge vor dem 40. Zug (30 Sekunden pro Zug kommen erst ab dem 61. Zug hinzu) nervös geworden zu sein:  

Ich verfiel in Panik und begann ab einem gewissen Zeitpunkt, sinnlose Züge zu machen.

Kramnik dachte bis zum Erreichen des 40. Zuges nur an einem einzigen Zug über eine Minute lang nach, doch dann war sein Vorteil völlig weg. Die Partie endete nach 44 Zügen remis.

Schach kann ein einsames Spiel sein... | Foto: Lennart Ootes

Nach der ersten Runde liegt somit Nakamura mit 1 aus 1 in Führung, Giri ist Letzter mit 0 aus 1, und die übrigen acht Spieler stehen bei einem halben Punkt. 

Der Spielsaal des Clarion Hotel Energy in Stavanger | Foto: Lennart Ootes

Der Höhepunkt der zweiten Runde ist vermutlich Caruana - Carlsen, aber man könnte auch für jede der übrigen Partien Argumente finden!

Die nächste Runde beginnt um 16:00 Uhr MEZ - Peter Svidler und Jan Gustafsson berichten wieder live. Ihr könnt auch über unsere kostenlosen Apps zusehen (wenn ihr Premium-Mitglieder werdet, um Peter und Jan zuzusehen, bekommen auch die Apps eine kostenlose Aufwertung ohne Einschränkungen bei Schachengine und Taktiktrainer):

         

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