Berichte 17.06.2019 | 11:41von Colin McGourty

Norway Chess R9: Caruana vermiest Carlsen den Tag

Fabiano Caruana verpasste eine goldene Gelegenheit, Magnus Carlsen in der klassischen Partie mattzusetzen. Dennoch machte er sich in der Folge auf, das Armageddon zu gewinnen und damit der einzige Spieler zu werden, der den Weltmeister beim Altibox Norway Chess 2019 in einem Mini-Match besiegen konnte. Das vermasselte dem Norweger den Tag, aber nicht sein Turnier, das er dennoch mit 3 Punkten Vorsprung vor Levon Aronian und Yu Yangyi gewinnen konnte. Wir beleuchten im Folgenden 7 Dinge, die wir von diesem Turnier lernen können.

Selbst 7 Monate nach dem WM-Kampf ist Caruana-Carlsen noch immer das Aufeinandertreffen, das es zu verfolgen gilt | Foto: Lennart Ootes, Altibox Norway Chess

Alle Partien vom Altibox Norway Chess 2019 kannst du hier nachspielen:

Und nun zu dem, was wir vom Turnier in Stavanger lernen können:

1. Caruana ist immer noch Carlsens härtester Herausforderer

Magnus Carlsen gewann das Altibox Norway Chess 2019 bereits eine Runde vor Schluss, aber zum Glück für das insgesamt fesselnde Turnier hatten wir die bestmögliche Paarung in der letzten Runde: Caruana gegen Carlsen. Die Nr. 2 der Welt, Fabiano Caruana, schlug MVL in der zweiten Runde. Davon abgesehen hatte er einen schwierigen Start. Er verlor seine klassische Partie gegen Ding Liren und drei Aufeinandertreffen im Armageddon. Danach brauchte Caruana eine Aufmunterung - und die verschaffte ihm ein krasser Fehler seines Gegners aus Runde 6: "Alle, was ich brauchte, war, dass Grischuk gegen mich einen Läufer einstellt."

Das letzte Match beim Norway Chess 2019 | Foto: Lennart Ootes, Altibox Norway Chess

Im Anschluss schlug Caruana auch noch Vishy Anand im Armageddon, nachdem er auch die klassische Partie beinahe gewonnen hätte. Danach besiegte er Levon Aronian im klassischen Schach in der vorletzten Runde. Das war der perfekte Moment, um gegen Magnus anzutreten und Fabiano nahm das Momentum mit in das Match. Peter Svidler hat die klassische Partie wie das Armageddon analysiert:

Statt dem Sd5-Sveshnikov, der mittlerweile so verbreitet ist, kehrte Fabiano dieses Mal zu 3.Lb5 zurück, dem Rossolimo-Sizilianer, den er schon zu Beginn der Weltmeisterschaft in London spielte. Doch bereits im sechsten Zug hatten die Spieler neue Wege beschritten. Fabiano diktierte die Partie und hatte sogar 30 Minuten Vorsprung auf der Uhr, als er 16...Tad8 spielte:

chess24: Caruana spielte 17.Dxd8 an dieser Stelle, aber in dieser Stellung ist die Dame wohl weit mehr wert als zwei Türme!

Auch wenn zwei Türme typischerweise als wertvoller erachtet werden im Vergleich zur vereinzelten Dame, mag hier 17.Dxd8!? objektiv nicht die beste Wahl gewesen sein. Fabiano erklärte nach der Partie, dass die Alternative 17.De3 nur zum Remis geführt hätte und er "die Partie am Leben erhalten" wollte. Genau dieser Siegeswille ist das, was ihn für Magnus gefährlich macht. Auch merkte er an, dass er in der Folge bereit war, passiv zu spielen, um seine Stellung zu konsolidieren, denn er hatte das Gefühl, dass seine Chancen in der Partie später kommen würden. Genau das passierte auch, als Carlsens Siegeswillen beinahe spektakulär zum Verlust geführt hätte:


Fabi hatte noch fast 7 Minuten auf der Uhr und sein Gegner nur noch 1:18 Minuten. Und natürlich untersuchte er den natürlichsten Zug in der Stellung, 50.Sf5! Das gewinnt auf der Stelle, denn 50...Dd2+ wird mit 51.Kf3!! beantwortet. Nach 51...Dxe1 würde Weiß mit 52.g4+ Kg5 53.Tg7# matt in zwei Zügen setzen.


Spielt Schwarz stattdessen 51...Dd3+, kann Weiß nach 52.Kf2 Dd2+ mit 53.Te2 den Turm dazwischen ziehen und die Partie ist vorbei.

Nach drei Minuten Nachdenken hatte Caruana den entscheidenden Schlag nicht gefunden und wie er im Anschluss zugab, hatte er Bedenken, seinen Zeitvorteil zu verspielen und dennoch keine endgültige Lösung der Stellung zu finden. Er beschrieb 50.Sf3?! als "pure Panik" und man kann sich die Emotionen des Weltmeisters vorstellen, der die Gewinnvariante gesehen hatte - er zeigte sie Caruana nach der Partie sogar!

Olimpiu G. Urcan: Magnus Carlsen scheint zugleich überrascht und erleichtert zu sein, dass Fabiano Caruana nicht 50.Sf5! spielte, was zu einem studienartigen Gewinn für den Amerikaner geführt hätte. Ein absoluter Thriller.

Fabis Zug war nahezu fast selbst ein Verlustzug, aber in diesem Fall hätte Carlsen nach 50…Dc2+ 51.Kh3 51…Db3!! finden müssen, was Peter Svidler als eine "absolut futuristische Idee" beschrieb. Er glaubte, dass es "für Menschen nicht unmöglich ist, das zu finden", selbst mit so wenig Zeit, und Magnus spielte 51...Kg6, sodass nach 52.Tc7! die Partie zum Remis verebbte.

Die Spieler wirken erschüttert, aber das Armageddon sollte erst noch kommen | Foto: Lennart Ootes, Altibox Norway Chess

Zum wiederholten Male könnte man denken, dass nun Carlsen einen psychologischen Vorteil hätte haben müssen, weil Caruana ein forciertes Matt übersah. Aber wie in der Partie gegen Anand ließ sich Caruana von dieser Enttäuschung nicht ins Boxhorn jagen.In der zweiten Partie gegen Magnus sahen wir wiederum den 3.Lb5-Rossolimo Sizilianer mit 3...Sf6 4.Sc3 Sd4!?. Das ist eine alte Variante mit einem zweifelhaften Ruf. Peter Svidler hatte daran allerdings gute Erinnerungen, denn in einer Schaupartie im norwegischen Svalbard gegen den 15 Jahre alten Magnus Carlsen konnte er 2006 in dieser Eröffnung einen Sieg erringen. Ein kurzer Rückblick für ein paar Züge lohnt sich!


Hier spielte Peter Svidler das beeindruckene 13.Tfe1!? Dxa4 14.Txe7+!! und gewann eine sehenswerte Partie. Im obigen Video sagt er dazu:

Ich kann einfach nicht anders, als hier ganz bescheiden an meine Partie zu erinnern. Ich gewann eine sehr, sehr schöne Partie vor langer Zeit gegen Magnus in dieser Variante. Wir spielten in einer Schaupartie in Svalbard und die Partie ist bis heute eine, an die ich mich am liebsten erinnere, weil es selten ist, dass man eine solche Partie voller Opfer gewinnt. Ich glaube, ich habe erst einen Läufer und zwei Züge später einen Turm geopfert gegen einen sehr starken Gegner, der zu dieser Zeit noch sehr jung vor - um ehrlich zu sein, war er viel jünger als heute zum Zeitpunkt der Partie.

Magnus war damals mit großen Schritten dabei, die Schallgrenze von Elo 2700 zu überspringen, aber lass uns nun ins Jahr 2019 zurückkommen. Fabiano wusste, was er zu tun hatte, aber zuerst musste er ein Problem lösen - "Das letzte Mal, als ich das sah, war, als ich 8 Jahre alt gewesen bin!" Er spielte die "Widerlegung" 5.e5 Sxb5 6.Sxb5 Sd5 7.Sg5, war von dort an aber auf sich allein gestellt. Die Partie ging weiter mit 7...f6 8.Se4 f5 9.Sbc3 und einer kuriosen Stellung:

chess24: Jan: "Das ist eine der absurdesten Stellungen, die man in einer Partie zwischen der Nummer 1 und 2 der Welt sehen kann."

Die Eröffnungsüberraschung schien geglückt, aber nachdem Magnus die schwarzfeldrigen Läufer tauschte, stand er klar schlechter. Nach einigen weiteren Ungenauigkeiten konnten wir das bekannte Bild beobachten, dass Fabiano so viel Selbstvertrauen ausstrahlte, die Partie zu gewinnen, als er 29.Se3! spielte.


Magnus hatte hier nun die Wahl zwischen Pest und Cholera und auch, wenn es in der Folge mehr Drama gab, als nötig gewesen wäre, gewann Caruana schließlich nach 52 Zügen.

"Der Sieg heute fühlt sich seltsam an", meinte Fabi, der alles für den Sieg gegeben hatte | Foto: Lennart Ootes, Altibox Norway Chess

Mit dem Sieg im Armageddon belegt Fabiano nun Platz 4 in der Schlusstabelle, er verpasste allerdings auch die Chance, Magnus' Serie von 67 ungeschlagenen Partien in Folge im klassischen Schach zu beenden. Aber der Sieg im Armageddon mag auf andere Art sehr wertvoll für ihn gewesen sein. Über viele Jahre war man der Meinung, dass Fabiano gegen Magnus in kürzeren Zeitkontrollen keine Chance hätte, aber nun konnte er bei Magnus' Heimspiel einen Sieg aus dem Hut zaubern.

Anish Giri: Eine Sekunde, ich bin verwirrt, ist Fabiano Caruana nun der neue Schachweltmeister?

Hier kannst du sehen, was Fabiano im Anschluss an die Partie zu Judit Polgar und Anna Rudolf sagte:

2. So sieht schlecht und mittelmäßig aus

Svidler kommentierte bezüglich des Turniersiegers:

Eine der seltsamsten und schlechtesten Gefühle in der Welt ist es, ein herausragendes Turnier zu spielen und dann die letzte Partie zu verlieren... das ist extrem unangenehm. Das fühlt sich an, als ob du ein Meisterwerk ruiniert hättest.

Das beschreibt die Emotionen des Weltmeisters sehr gut:

Tarjei J. Svensen: Toller Schluss von Caruana, der Carlsen in der letzten Partie schlägt. Das ist die einzige Niederlage des Weltmeisters.

Tarjei J. Svensen: Carlsen bei TV2: "Es war ein verdammt schlechter Tag. Da gibt es nichts Weiteres zu sagen. Zwei schlechte Leistungen. Ich hatte bereits Glück, dass ich aus der ersten Partie noch etwas geholt habe."

Tarjei J. Svensen: Carlsen: "Ich muss besser spielen. In diesem Turnier war mein Spiel nicht gut."

Tarjei J. Svensen: Carlsen ist offensichtlichen nicht zufrieden mit seinem Schach: "Meine Leistung bei diesem Turnier war durchschnittlich. Irgendetwas fehlt derzeit. Aber ich sollte mich nicht allzu sehr beschweren. Aber in der letzten Runde war es eine Katastrophe."

Aber trotz des Schmerzes über diese eine Niederlage zum Schluss des Turniers darf man festhalten, dass Magnus lediglich in einer nicht-gewerteten und vergleichsweise unwichtigen Blitzpartie geschlagen wurde. Ja, seine klassischen Partien gegen Aronian, Ding Liren und Caruana waren nicht das Gelbe vom Ei, aber die ganzen positiven Dinge, die er aus dem Turnier noch vor der letzten Runde ziehen konnte, sind immer noch unverändert vorhanden. Auch die Endtabelle sieht nur marginal weniger beeindruckend aus!


3. Das Armageddon-Experiment lief gar nicht schlecht

Das Altibox Norway Chess Turnier versuchte dieses Jahr einen neuen Modus - und von der Perspektive der Zuschauer her war es einer, den man begrüßen konnte. Die Remisen im klassischen Schach verschwanden zwar nicht (Remisquote: 76%), aber während diese Partien dann nur lauwarme, langweilige Pressekonferenzen produzierten, gab es in diesem Jahr nach (langweiligen) Remispartien nun noch mehr Action. Denn die Armageddon-Partien hielten oftmals gute Unterhaltung bereit, während die restlichen klassischen Partien nur langsam voranschritten. Es gab selten einen wirklichen Stillstand bei den Partien und eine Runde konnte nach 4-5 Stunden zu Ende sein. Berichten aus Norwegen folgend legen den Schluss nahe, dass dadurch mehr Zuschauer Schach im Fernsehen verfolgt haben.

Man muss nicht betonen, dass das Altibox Norway Chess alles hatte, was wir von anderen Topturnieren kennen: Top-Spieler, Top-Spielbedingungen und Top-Organisatoin | Foto: Lennart Ootes, Altibox Norway Chess 

Die Angst, dass das 10 gegen 7 Minuten Format eine Seite klar bevorteilen würde, erwies sich als unberechtigt. Weiß gewann 15, Schwarz 19 Armageddon-Partien. Die Spieler waren sich uneinig, welche Farbe am besten im Armageddon ist. Fabiano sah das zum Beispiel so:

Normalerweise habe ich in 10 Blitzpartien generell nur ein Remis, von daher ist es für mich egal. Ich könnte auch immer Weiß nehmen!

Die Zeitkontrolle von zwei Stunden für die ganze Partie sowie zehn Sekunden Inkrement von Zug 41 an stellte die schnellste Zeitkontrolle dar, die noch eine Elo-Auswertung erlaubte. Und sie war eine Herausforderung für die Spieler. Aronian merkte an, dass wenn man einmal in Zeitnot kommt, man "tot ist"! Und er sah die Zeitkontrolle auch nicht wirklich als klassisch an. Fabi war in diesem Punkt mit ihm nicht einer Meinung, aber er hatte auch das Gefühl, dass es eine harte Herausforderung war:

Es ist eine klassische Partie, aber ich spielte sehr schnell in diesen Partien. Heute habe ich sehr, sehr schnell gespielt und gestern ebenso und dennoch kamen wir in Zeitnot! Im Prinzip habe ich das Gefühl, die ganze Partie intuitiv spielen zu müssen, zumindest bis es wirklich sehr konkret wird. Du hast einfach keine Zeit zu verlieren.

Ein zuschauender Großmeister meinte zur kurzen Bedenkzeit:

Jonathan Tisdall: SO viele der letzten Caruana-Carlsen-Aufeinandertreffen haben mich schlicht wütend zurückgelassen. Im modernen klassischen Schach gibt es zum Ende der Partie nicht mehr ausreichend Bedenkzeit. Sie haben seit Jahren gekämpft und die Uhr ruiniert nun die Partien.

Svidler konnte allerdings positives wie negatives sehen, als er die klassische Partie Caruana-Carlsen classical beschrieb:

Insgesamt eine sehr interessante und komplizierte Partie, von der man sagen könnte, dass sie ein wenig durch die großen Fehler in gegenseitiger Zeitnot gezeichnet wurde... oder man könnte sagen, dass die gegenseitigen großen Fehler um den 49. Zug herum die Juwelen in der Krone einer etwas fehlerhaften, aber dennoch sehr, sehr interessanten Partie sind!


4. Beachtet Ding Liren! (oder wie man das Punktesystem ändern könnte)

Anwälte für Bürgerrechte nahmen sich der chinesischen Nr. 1 und der Nr. 3 der Welt, Ding Liren, an. Der Fall? Naja, so würde die Schlusstabelle aussehen, wenn man nur die klassischen Partien werten würde:

1-2: Carlsen, Ding Liren: 5.5 (+2)
3-4: Caruana, So: 5 (+1)
5-6: Aronian, Yu Yangyi: 4.5 (50%)
7-8: MVL, Anand: 4 (-1)
9-10: Mamedyarov, Grischuk: 3.5 (-2)

Insgesamt sind die Ergebnisse im klassischen Schach und der kombinierten Wertung ähnlich, aber man muss auch anmerken, dass die Armageddon-Partien Caruana und So hinter Aronian und Yu Yangyi zurückfallen ließen. Dramatischer erging es allerdings noch Ding Liren. Vom geteilten ersten Platz im klassischen Schach fiel der Chinese in der kombinierten Wertung auf einen weit abgeschlagenen 6. Platz zurück.

Ding Liren betonte mit seiner Niederlage in der letzten Runde gegen Grischuk noch einmal seinen speziellen "Fall" | Foto: Lennart Ootes, Altibox Norway Chess

Natürlich ist das teilweise auch seine eigene Schuld, denn niemand hat ihn dazu gezwungen, 6 Armageddon-Partien zu verlieren! Aber auch Vishy merkte in der achten Runde bereits an, dass er das Gefühl hat, "Dings +2 sollten etwas zählen". Er führte weiter aus, dass "wenn du stundenlang kämpfst, sollte das mehr ins Gewicht fallen als eine 20-Minuten Partie". Mehrere Großmeister stimmten dem nach der letzten Runde zu:

Aronian:

Für Ding mit +2 ist das nicht wirklich fair, damit ist er nicht einmal in den Top 3. Das ist einfach verrückt. Zumindest meiner bescheidenen Meinung nach!

Caruana:

Ich denke, man kann das Punktesystem anpassen. Es fühlt sich falsch an, dass du eine perfekt geführte Partie gewinnen kannst (und es ist verdammt schwer, diese Spieler im klassischen Schach zu schlagen) und du dafür nur 2 Punkte bekommst, wenn du auf der anderen Seite eine schlechte Partie spielen kannst, der Gegner im Armageddon einen Läufer einstellt und du dafür 1,5 Punkte bekommst.

Fabiano hatte dabei sicherlich sein Match gegen Grischuk im Kopf, der ein weiterer Befürworter davon war, das Punktesystem zu Gunsten des klassischen Schachs zu verändern. Svidler baute sogar ein paar Excel-Tabellen um ein Punktesystem aufzuzeigen, bei dem das klassische Schach vier, ein Sieg im Armageddon 2,5 und eine Niederlage im Armageddon 1,5 Punkte gibt:

Peter Svidler: Und damit es nicht für die Katz' ist: So hätte die Abschlusstabelle mit veränderter Gewichtung des Armageddons ausgesehen. Ich bin nicht gut genug, um das ganze nach Punkten zu sortieren, ohne alles noch einmal neu machen zu müssen, aber ich habe ein paar hilfreiche rote Kreise eingezeichnet.

Peter Svidler: Hier noch einmal die komplette Tabelle mit veränderter Gewichtung des Armageddons. Das 4/2,5/1,5 System scheint näher an dem gefühlten Endergebnis zu sein. Dings +2 sind dort ausreichend für einen geteilten 4. Platz statt einem abgeschlagenen 6. Platz.

Es gab also einen definitiven Konsens darüber, dass das Punktesystem Dings Leistung unfair herabstufte, aber es sieht auch so aus, als ob man das leicht "beheben" könnte". So oder so, es war ein großartiges Turnier für den chinesischen Spieler, der nun über 30 Elo Vorsprung auf den vierten, Anish Giri, in der Weltrangliste hat. Damit scheint sein Platz im Kandidatenturnier 2020 umso sicherer.

5. Aronian bleibt ein Unterhalter

Levon Aronian holte am Ende 50% im klassischen Schach, auch wenn er nur einen oder zwei Züge davon entfernt war, Magnus zu schlagen. Aber seinen zweiten Platz hat er sich dennoch verdient, weil er der Spieler war, der vielleicht am besten den Geist des Turniers in sich aufnahm. Nie wurde es im Armageddon wilder als in seiner Erstrundenpartie gegen Alexander Grischuk...

…und hier hätte es womöglich eine ähnliche Zeitnotschlacht gegeben, wenn Wesley nicht ein Matt in einem Zug übersehen hätte!

Olimpiu G. Urcan: Der zufriedenstellendste Turmschwenk von allen.

Die Armageddon-Partie Anand-Aronian aus der letzten Runde war ebenfalls ein Thriller. Aronian überlebte einige knifflige Momente, bevor er schlussendlich das brillante 36...Td3!! fand.


Es ist lediglich die Drohung des Grundreihenmatts, die bedeutet, dass nach 37.Se5 Dg3+ 38.Kg1 Txd5! 39.Dxg3 fxg3 40.Sg6+ Kh7 (40…Kg8?? 41.Se7+! und Weiß gewinnt) 41.Sxf8+ Weiß auf Verlust steht. Vishy bot hier Remis, was seinem Gegner zum Sieg im Armageddon reichte.

6. Yu Yangyi übertraf alle Erwartungen

Play-Magnus-Chef Anders Brandt macht den ersten Zug in Yu Yangyi vs. Mamedyarov | Foto: Lennart Ootes, Altibox Norway Chess

Die einzige Unbekannte in der diesjährigen Auflage des Altibox Norway Chess war Yu Yangyi, der trotz einiger guter Resultate wie dem Sieg beim Qatar Masters und beim Capablanca Memorial noch nie in einem Superturnier diesen Kalibers mitgespielt hatte. Zuletzt holte er beim Shenzhen Masters -3, wonach manche die schlimmsten Befürchtungen hatten.

Er begann dann damit, den Erwartungen beim Eröffnungsblitz die Stirn zu bieten. Er holte dort zu Beginn Siege gegen Ding Liren und Anand und auch im Hauptturnier war er sofort bei der Musik. Er schlug in den Eröffnungsrunden MVL und ein weiteres Mal Ding Liren im Armageddon. Von einer Niederlage gegen Wesley So im klassischen Schach in Runde drei kam er sofort zurück, indem er Grischuk die Runde drauf besiegte. Das gleiche tat er später noch einmal: Nach einer Niederlage gegen Carlsen gewann er in der letzten Runde noch gegen Mamedyarov, was die einzige entschiedene Partie im klassischen Schach in der letzten Runde darstellte.

chess24 Mitgründer Enrique Guzman macht Wesley Sos ersten Zug - nachdem dieser Yu Yangyi besiegte, kehrte er in die Top 10 der Welt zurück | Foto: Lennart Ootes, Altibox Norway Chess

Yu Yangyi wählte das schottische Vierspringerspiel, wie er es bereits in Runde 7 gegen Aronian gespielt hatte, aber während Aronian Jans Empfehlung in seiner kürzlich erschienenen Videoserie folgte, nahm Mamedyarov sein Schicksal in die eigene Hand in Runde 9 und folgte seinen eigenen Pfaden!

Jan empfiehlt 11...cxd5 statt Mamedyarovs 11...Dd6

In Wahrheit sieht 11...Dd6 gar nicht so schlimm aus für Schwarz, selbst als Yu Yangyi es schaffte, einen Bauern nach d7 zu bringen...


… aber Yu hielt den Druck weiterhin Zug für Zug aufrecht und gewann schlussendlich nach nur 30 Zügen. Aronian wurde aufgrund des Tiebreaks Zweiter, aber die Spieler teilten das Preisgeld. So oder so war es eine tolle Leistung des 25-jährigen Chinesen. Das sollte eine gute Bewerbung darstellen, für weitere Superturniere eingeladen zu werden!

7. Grischuk im Kerker

Vishy Anand, Maxime Vachier-Lagrave und insbesondere Shakhriyar Mamedyarov hatten nicht allzu viel zu feiern in Stavanger, aber für Alexander war es trotz seines Letztrunden-Armageddon-Siegs gegen Ding Liren ein katastrophales Turnier. Vor dem Turnier konnte man bei ihm das Auftreten von Zeitnot in den beschleunigten klassischen Partien vorhersagen (selbst, wenn Alexander in exzellenter Form ist wie zuletzt beim Moskauer FIDE Grand Prix), aber wenige hätten gedacht, dass der dreifache Blitzweltmeister sich so schwer im Armageddon tun würde.

Selbst mit einem Sieg konnte Grischuk die rote Laterne nicht mehr abgeben | Foto: Lennart Ootes, Altibox Norway Chess

Vielleicht war es einfach alles zu viel für ihn, denn seine verrückte Erstrundenniederlage gegen Aronian nannte Grischuk einer der drei schlimmsten Niederlagen in seinem Leben. In den drei darauffolgenden Runden verlor er gegen So im Armageddon und im klassischen Schach gegen Magnus und Yu Yangyi. Als er er gegen Ende des Turniers von Anna und Judit interviewed wurde, schlug er vor, dass sie ihn mit "Gratulation zum Ende des Turniers" begrüßen sollten!

Grischuk fuhr fort:

Nach zwei Runden war ich mit dem letzten Platz zufrieden. Wenn man mir gesagt hätte, "du bist Letzter, aber das Turnier ist sofort zu Ende", hätte ich solch ein Angebot sofort ohne Nachdenken angenommen! Ich tippe, dieses Knock-Out-Turnier (der Moskauer FIDE Grand Prix) ist einfach zu anstrengend.

Grischuk dachte, dass er irgendwie den letzten Platz vermeiden könnte, nachdem er Mamedyarov in ihren Mini-Match geschlagen hatte, aber es stellte sich heraus, dass der "direkte Vergleich" keiner der Tiebreaks sein sollte. Alles in allem also ein Turnier zum Vergessen. Aber so schlecht es auch gewesen sein mag, kann es nicht noch schlechter werden als zu dem Zeitpunkt, als Svidler hilfsbereit zustimmte, ein Hotel für Grischuk in St. Petersburg zu organisieren! Verpasse auf keinen Fall den letzten Akt von Peter Svidler und seiner "Zeit für Geschichten":

Das war es also mit dem Norway Chess 2019, aber wenn du mehr der klassischen Superturniere sehen möchtest, brauchst du nicht lange warten! In wenigen Tagen macht die Grand Chess Tour Halt in Zagreb, Kroatien. Das wird ein neues Superturnier mit Magnus Carlsen und allen Hauptteilnehmern der Grand Chess Tour in einem Turnier mit 11 Runden klassischen Schachs. Ok, es hat ebenfalls eine ungewöhnliche Zeitkontrolle (130 Minuten für die gesamte Partie und ein Bonus von 30 Sekunden ab Zug 1), aber es sollte dennoch zu langsameren Schach zwischen den besten Spielern der Welt führen. 

Davor gibt es aber noch ein wenig Zeit für unsere Helden, einen bekannten holländischen Großmeister aufzuziehen!

Fabiano Caruana: Habe meine Sammler-Edition bekommen. Einmal alle 8 Jahre.
MVL: Habe meine auch bekommen.

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