Berichte 14.06.2019 | 11:08von Colin McGourty

Norway Chess R8: Magnus triumphiert erneut

Magnus Carlsen hat beim Altibox Norway Chess mit einem Sieg in der Turnierpartie gegen Yu Yangyi in der vorletzten Runde vorzeitig den Turniersieg  sichergestellt. Der Weltmeister ging in der Eröffnung Risiken ein und bezeichnete den Einfluss seiner „Helden“ Daniil Dubov und AlphaZero als mit entscheidend, dass er dieses Jahr „ein anderer Spieler“ sei. Levon Aronian hätte gewinnen müssen, um im Rennen um den Turniersieg zu bleiben, doch der Armenier ging mit fliegenden Fahnen gegen Fabiano Caruana unter, der in der Schlussrunde auf Carlsen trifft.

Das Lächeln eines Seriensiegers! | Foto: Lennart Ootes, Altibox Norway Chess

Alle Partien des Altibox Norway Chess könnt ihr hier nachspielen:

Und hier der Live-Kommentar von Jan Gustafsson und Peter Svidler:

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Carlsen 2:0 Yu Yangyi: Magnus gewinnt vorzeitig

Magnus und sein Sekundant Peter Heine Nielsen betreten das Konzerthaus von Stavanger | Foto: Lennart Ootes, Altibox Norway Chess

Magnus hat in Stavanger nicht nur alle Mini-Duelle für sich entschieden und alle sechs Turniere gewonnen, die er 2019 bestritten hat, sondern er hat dabei scharfe Eröffnungen gespielt und einiges riskiert. Während seine Gegner früher langsam niedergekämpft wurden, müssen Sie nun damit rechnen, Opfer eines schnellen und heftigen Angriffs zu werden, wenn sie fehlgreifen. Wie kam es zu dieser Veränderung? Carlsen meinte nach der Partie: 

Ich wurde von meinen aktuellen Helden beeinflusst, nämlich AlphaZero und einer meiner WM-Sekundanten Dubov, der in der Eröffnung viele Opferideen hat. Im Grunde bin ich stilistisch gesehen ein völlig anderer Spieler als noch vor kurzem, und das macht richtig Spaß!

Der Kommentar zu Daniil Dubov war in der Partie gegen Yu Yangyi besonders relevant, da Carlsen laut eigenen Angaben von der Slawischen Verteidigung seines Gegners überrascht wurde und sich zu einer Nebenvariante mit 5.e46.Le2 entschied, die Dubov bei der EM 2018 einen Kurzsieg gegen Evgeny Postny eingebracht hatte. Yu Yangyi wich jedoch mit 6…b4 statt 6…e6 ab, und Peter Svidler hielt 7.e5!? bxc3 8.exf6 für einen “Eröffnungs-Bluff” von Magnus:


Yu Yangyi nahm offenbar an, dass Magnus auf 8…cxb2! etwas vorbereitet hatte, doch Schwarz steht danach vermutlich einfach besser, da die Varianten, in denen beide Spieler schnell eine neue Dame auf a1 bzw. h8 bekommen, klar vorteilhaft für Schwarz sind.

Bluffte Carlsen gegen Yu Yangyi in der Eröffnung? | Foto: Lennart Ootes, Altibox Norway Chess

Yu Yangyi versuchte offenbar solide zu spielen, doch nach 8…exf6 9.bxc3 stand Weiß sehr bequem, und es folgten die ersten schwarzen Ungenauigkeiten. Svidler bezeichnete 13…Lc7!? als prinzipiellen Fehler (der Läufer hätte nach f8 gehen sollen, um La3 zu verhindern und die Verteidigung des Bauern c6 zu ermöglichen) während 16…Sc4? (16…Dd7!) quasi schon der Verlustzug war:


Magnus meinte, “Sc4 war aus meiner Sicht ein schwerer Fehler – man könnte auch Einsteller sagen”. Die Computer meinen, dass Weiß nach 17.Lxc6 objektiv auf Gewinn steht, wobei Svidler anmerkte, dass es “danach chaotisch wird”. Magnus war sich sicher, dass sein Gegner sämtliche Konsequenzen berechnen wollte, aber 17.Dd3! übersehen hatte. Das aber führte zum Untergang: 17…Txe3 18.Txe3 Sxe3 19.Dxa6 Sc2 20.Td1 Sxa3 21.Dxa3 Dd6 22.Dxd6 Lxd6:


Auf den ersten Blick sieht die Lage für Schwarz gar nicht so schlecht aus, doch Carlsen spielte 23.c4! Tc8 24.c5!, wonach das Endspiel vor allem gegen diesen Gegner für den Chinesen hoffnungslos war. Svidler bezeichnete Carlsens Spiel in der Folge als “exemplarisches Beispiel positioneller Dominanz”. Peter Svidler hat die Partie analysiert:

Hinterher baten Judit Polgar und Anna Rudolf den Weltmeister, eine Einschätzung zu seinem Turnier abzugeben:

Ich würde sagen, dass ich in den Turnierpartien nicht so überzeugend gespielt habe, da ich vor allem mit Weiß zwar tolle Stellungen oder zumindest sehr interessante Stellungen bekommen habe, diese aber nicht gut behandelt habe. In einigen Partien stand ich entweder auf Verlust wie gegen Levon oder deutlich schlechter wie gegen Ding, daher war das nichts Tolles.

Den Unterschied beim Norway Chess machte dieses Jahr aber das Armageddon aus:

Irgendwann machte ich mir wegen der Turnierpartien keine so großen Gedanken mehr, da ich wusste, dass ich die Armageddon-Partien gewinnen würde, hinsichtlich der Ideen war es aber sehr gut. Mir scheint, es sind noch viele Ideen vom WM-Kampf übrig.

Sein Lauf seitdem ist unglaublich:

Das norwegische Fernsehen war natürlich auch wieder da! | Foto: Lennart Ootes, Altibox Norway Chess

Wie motiviert sich Carlsen nach zehn Jahren an der Weltspitze immer aufs Neue?  

Dieses Jahr fiel mir das leicht, da ich 2017 und 2018 meist schlechtes Turnierschach gespielt habe. Aus dem Grund wollte ich mir meine Stellung in der Elo-Liste und überhaupt zurückerobern. Motivation ist kein Problem für mich. Ich denke, ich kann sogar noch besser werden.

Unheildrohende Worte, bei denen Magnus sich ein Lächeln nicht verkneifen konnte. Sein diesjähriges Niveau wird allerdings schwer zu überbieten sein. Das ganze Interview mit Magnus Carlsen könnt ihr in der offiziellen Liveshow verfolgen:

Aronian 0-2 Caruana

Der einzige Spieler, der Magnus’ Turniersieg noch verhindern konnte, war Levon Aronian, doch dafür hätte er seine Turnierpartie gegen Fabiano Caruana gewinnen müssen. Er spielte die Variante mit 4.e4, mit der er im Armageddon Wesley So einzügig mattgesetzt hatte und die Magnus Carlsen in London bei der WM im Schnellschach eingeführt hatte. Fabianos Titelhoffnungen erhielten in dieser Partie den vorentscheidenden Dämpfer, doch dieses Mal spielte er 4…Lxc3 (nicht 4…0-0, was auch So in Stavanger spielte) und war auf Aronians Neuerung 6.Qc2 eindeutig vorbereitet. 

Levon Aronian traf auf einen Fabiano Caruana, der wieder in die Form von 2018 zu kommen scheint | Foto: Lennart Ootes, Altibox Norway Chess

Schon wenige Züge später investierte Aronian viel Zeit in ein bizarres Springermanöver, das auch in zwei Zügen möglich gewesen wäre:


Die verlorenen Tempi nutzte Caruana zum Durchbruch 21…d5!, wonach die einzige Frage lautete, wie groß der schwarze Vorteil war, ehe 35.Le2? schon die letzte Chance vergab (35.Sg4! war der einzige Zug):


35…Sf3+! war der entscheidende Schlag. Es ging weiter mit 36.Lxf3 (36.Kg2 Sd4!) 36…Txf3 37.Dxb6 Df6 38.Td1 e3! 39.Sg4 De6! 40.Db8+ Kh7 41.Se5 Dh3!


Weiß gab auf, da es keine Verteidigung gegen das Turmschach und folgende Matt auf g2 gibt.

Magnus ist Fabianos nächster Gegner | Foto: Lennart Ootes, Altibox Norway Chess

Aronian liegt nach der Niederlage immer noch auf dem 2.Platz, hat aber nun vier Punkte Rückstand auf Magnus. Caruana dagegen hat MVL und Aronian in den Turnierpartien besiegt, allerdings auch gegen Ding Liren in Runde 3 verloren. In der Schlussrunde wartet nun Carlsen auf ihn.

Magnus wies darauf schon in der Live-Show hin:

Nun habe ich Schwarz gegen Fabi, das wird schwer genug. Es ist schön, bereits den Turniersieg in der Tasche zu haben, aber noch ist es für mich nicht vorbei – das wird morgen eine wichtige Partie. Wir spielen um die Ehre, um Elo-Punkte. Gegen Fabi ist es immer wichtig, daher freue ich mich auf die Partie!

Die anderen Duelle wurden allesamt beim Armageddon entschieden:

MVL 1,5:0,5 Ding Liren

Magnus bekam das Ende der Turnierpartie zwischen MVL und Ding mit| Foto: Lennart Ootes, Altibox Norway Chess

Nachdem er das Duell gewonnen hatte, blieb für Maxime Vachier-Lagrave eine Frage offen:

Ich frage mich immer noch, wie meine Vorbereitung in der Turnierpartie aussah!

In einer Italienisch-Partie wurden nach 17 Zügen die Züge wiederholt:


Maxime illustrierte hinterher, dass er 17.g3? wegen 17…Sxd3! 18.Dxd3 Txf3 mit Bauernverlust nicht spielen konnte. Die Partie endete dann mit der Zugwiederholung 17.Sh4 Dh6 18.Sf3 Dg6 19.Sh4, obwohl Ding noch Dg5 probieren konnte.

MVls Läufer ließen Ding Liren beim Armageddon keine Ruhe | Foto: Lennart Ootes, Altibox Norway Chess

Unsere Kommentatoren waren einigermaßen überrascht, dass Ding so bereitwillig das Armageddon anstrebte, da der Chinese die letzten vier Duelle verloren hatte. Und es folgte die Nummer 5, nachdem MVl mit 25.d3!? eine hübsche Idee entkorkte:


Nach 25…Sxd3 folgte die Pointe 26.Txd3! und obwohl Ding nach 26…Lxd3!? 27.Lxd3 Txf1+ 28.Lxf1 a5! objektiv gut stehen dürfte, machten ihm die beiden Läufer das Leben schwer. 26…Tde8!? wäre die vermutlich sicherere Variante gewesen, aber auch danach hätte MVL mit Türmen plus verschiedenfarbigen Läufern im Endspiel noch Druck ausüben können. Das Ende war auf jeden Fall wieder bitter für Ding Liren:

Damit kommen wir zu Ex-Weltmeister Anand:

Grischuk 0,5:1,5 Anand

Vishy meinte, dass mit dem Format "etwas nicht stimme" | Foto: Lennart Ootes, Altibox Norway Chess

Trotz eines Eröffnungsdesasters im Spanier gegen Caruana in der Runde zuvor blieb Vishy auch gegen Alexander Grischuk seiner Hauptwaffe treu, und dieses Mal zahlte es sich aus. Die Stellung nach 18…h6 war kurios:


Hier dachte Grischuk 17 Minuten nach und spielte das hübsche 19.e6, aber Anand hatte diese Variante bis zum Schluss in der Vorbereitung auf dem Brett gehabt, und nach 19…fxe6 20.Dh5+ Kf8 21.Lf4 Dd5 dauerte es nur noch zehn Züge, bis das Remis unterschriftsreif war.

Die Armageddon-Partie war von Anfang bis Ende sehr interessant, nachdem Grischuk Anand mit 12.b4! überrascht hatte: 


Die Pointe war 12…cxb4 13.axb4 Sxb4 14.Le7!, aber Vishy meinte zu 14…a5!, “Mir gefiel dieses Qualitätsopfer sehr gut”. Grischuk dachte 2 Minuten und 32 Sekunden nach, ehe er es mit 15.c5!? ablehnte, aber Vishy kritisierte die Zeiteinteilung seines Gegners nicht im geringsten:

Wenn du drei Minuten mehr hast, solltest du nicht spielen, als ob du nur sieben Minuten hast. Du musst den Gegner vor Probleme stellen.

Das gelang dem Weißen, doch Vishy konnte mit einem Gegenangriff „seine Aufgabe erfüllen“ und nach 40 Zügen den Punkt einfahren.

Mamedyarov 0,5:1,5 So

Wesley So hat sich heimlich, still und leise auf Rang 3 verbessert | Foto: Lennart Ootes, Altibox Norway Chess

Bei diesem Duell ging es um recht wenig, aber Shakhriyar Mamedyarov versuchte dennoch 46 Züge lang, die Turnierpartie zu gewinnen. Im Armageddon kam sein Königsflügelangriff nie richtig ins Rollen, und am Ende hatte So alles unter Kontrolle::


21…d4! greift den Bauern f4 an und schwächt die weiße Königsstellung, und nach 22.Tc1 Dxf4 23.Thd1 Dxh4 24.Sf3 Dxf2 gab es die weißen Königsflügelbauern nicht mehr. Danach nahm So in gewonnener Stellung das Remis mit, was natürlich für den vollen Punkt reichte.

Und so sieht die Tabelle vor der letzten Runde aus:


Der rote Teppich für den Turniersieg kann schon ausgerollt werden, doch in der Schlussrunde muss Magnus gegen Caruana noch einmal alles zeigen | Foto: Lennart Ootes, Altibox Norway Chess

Unabhängig von der Turniersituation ist ein Duell Caruana-Carlsen immer spannend. Gewinnt Caruana, hat er mehr Punkte in den Turnierpartien erzielt als der Weltmeister. Verliert er, könnte er den 2.Platz in der Weltrangliste einbüßen. Bei einem Remis müsste der Amerikaner ins ungeliebte Armageddon.

Auch heute könnt ihr wieder ab 17 Uhr live auf chess24 from 17:00 CEST!daebisein

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