Interviews 16.09.2016 | 20:14von chess24 staff

Nigel Short nennt Anti-Betrugsregel "Anti-Schach"

Nigel Shorts größter Moment bei der Olympiade - ein matchentscheidender Sieg über den Chinesen Li Chao - endete beinahe katastrophal. Er wurde offiziell verwarnt, aber nicht genullt, weil er einen Sicherheits-Check während der Runde verweigerte. In diesem Interview mit IM Dorsa Derakhshani lässt der ehemalige WM-Herausforderer seiner Wut über die Verantwortlichen hinter den neuen Anti-Betrugsregeln freien Lauf und meinte, "sie zerstören die ganze Schönheit, die Schach ist".

Nigel Short vertritt England bei seiner 17. Olympiade | Foto: Lennart Ootes 

Mit 51 ist Nigel Short der älteste Großmeister in den Top 100, in Baku spielte er über seiner Wertungszahl, und wirkte durch seine Schwarzsiege bei den Triumphen Englands über China und Aserbaidschan entscheidend mit. Die Mannschaft wäre mit einem Schlussrundensieg über Peru auf dem ungeteilten vierten Platz gelandet, musste sich nach einem Remis jedoch mit dem neunten Rang begnügen.

Nigel sprach nach der Niederlage in der achten Runde gegen den Inder Sethuraman mit Dorsa Derakhshani in der Bar des Boulevard Hotels bei ein bis zwei Gläschen Wein...


Dorsa Derakhshani: Bei wie vielen Olympiaden haben Sie mitgespielt?

Nigel Short: 17.

Wow! 17?!

Hintereinander. Ich war bei 18, habe aber in 17 gespielt.

Wojciech Bartelskis Olimpbase listet alle Einzelheiten der Turniere auf, die Nigel vor Baku gespielt hat

Wie hat sich die Atmosphäre verändert?

Nun, das ist wirklich eine gute Frage. Wenn ich sie etwas abändern kann, würde ich sagen, dass das in vielerlei Hinsicht eine sehr gute Olympiade ist - die Bedingungen sind wirklich gut. Die größte Schwierigkeit liegt meiner Meinung nach bei Fragen der Sicherheit und den Belastungen durch die Veranstalter und Schiedsrichter, daher ist sie auf viele Weisen sehr gut. Wir sind in einem schönen Turniersaal, wir sind in einem reizenden Hotel untergebracht, sie haben auf viele, viele Arten gute Arbeit geleistet. Ich denke, ich komme zu einem Punkt, über den Sie später gesprochen hätten; ich denke, dass die Welt zu groß ist und wir eine Situation haben, in der einige Leute denken, es wäre in Ordnung, einen Spieler während der Partie zu stören, und es ist mir egal, ob das nur für 30 Sekunden oder sonstwas ist, das ist die abscheulichste Zumutung gegenüber Schachspielern. Es ist unvorstellbar, dass so etwas bei irgendeiner anderen Sportart passieren könnte. Das ist im Grunde Anti-Schach, und ich denke, dass sich die Leute hinter dieser Entscheidung die Köpfe untersuchen lassen sollten! Sie sind krank! Sie zerstören die ganze Schönheit, die Schach ist.

Sie sagten während der Runde, was ist mir Vorsichtsmaßnahmen davor oder danach?

Damit habe ich kein Problem. Das macht mir nichts aus. Leider ist es nun einmal so, dass es Betrug mit Hilfe des Computers gibt, und dass eine sehr kleine Minderheit das ausnutzt, aber das ist hochgradig zerstörerisch und schadet dem Spiel sehr. Ich mag es nicht besonders, elektronisch durchsucht zu werden, ich begebe mich nicht gern auf Flughäfen, aber man versteht, dass bestimmte Dinge notwendig sind. Vor und nach der Partie, falls das nötig ist - soll es so sein. Das ist leider ein Teil des modernen Sports, und das ist in Ordnung! Während der Partie ist das völlig falsch. Philosophisch gesehen ist das falsch. Das ist Anti-Schach, das ist Anti-alles, was ich an dem Spiel mag worum es bei diesem Spiel geht.

Ruhigere Zeiten... Short gegen den Indonesier Ivan Pasaribu in der zweiten Runde | Foto: Dorsa Derakhshani

Könnten Sie schildern, was genau während Ihrer Partie gegen Li Chao in der siebenten Runde passiert ist?

Ich kann es nicht beschreiben. Irgendwann ging ich auf die Toilette, wie ich es während der Partie natürlich einige Male mache, und als ich auf dem Weg zurück war - zufälligerweise in Zeitdruck, ich sage zufälligerweise, weil ich, vermutlich, ich kann mich nicht genau erinnern, ungefähr eine halbe Stunde für die nächsten 20 Züge hatte... wenn es nicht Zeitnot ist, ist es definitiv Zeitdruck - und dieser Idiot von einem Schiedsrichter, dieser rothaarige Schiedsrichter, Jamie Kenmure aus Australien, versuchte mich aufzuhalten, und ich bin einfach an ihm vorbei gegangen. Ich war an diesem Punkt verärgert. Er hat in der Tat Glück gehabt. Falls er mich aufzuhalten versucht hätte, hätte er ebenso gut tätlich angegriffen werden können. Ich war so wütend, dass irgendjemand versuchen könnte, bei etwas einzugreifen, das ich als heiligen Ritus betrachte, das Schachspielen, ein Spiel, das ich so sehr liebe und respektiere. Da hat man irgendeinen hochgekommenen kleinen D***** von Schiedsrichter und niemand, besonders jemand, der mir nicht das Wasser reichen kann, sollte versuchen, mich bei meiner Partie, in einer sehr wichtigen Runde zu stören, nur weil er die Macht dazu bekommen hat, weil er Teil Kirsan Ilyumzhinovs Teams ist, und nun wird er als Schiedsrichter zu all diesen Turnieren eingeladen. 

Ja, ich war in der Tat sehr verärgert. Mir haben Leute gesagt, dass Regeln nun mal Regeln sind. Das ist Unsinn! Wenn die Gesetze keinen Sinn ergeben, dann sollen sie sie weglassen! Das ist ein Beispiel für Regeln, die keinen Sinn ergeben. Sie wurden von Leuten gemacht, die sich selbst Macht verleihen wollen. Wenn man eine Gruppe Schiedsrichter hat, werden diese nie sagen, "Oh, wir sollten uns weniger Macht geben!" Sie verleihen sich nur mehr Macht, und das tut dem Schach nicht gut. Es schadet dem Sport sehr. Ich habe mein ganzes Leben mit etwas verbracht, das ich liebend gerne mache, und diese Idioten versuchen, das zu zerstören. (lacht laut) Das war meine diplomatische Antwort! Soll ich Ihnen meine wirkliche Antwort gebe?!

Haben Sie sich Sorgen gemacht, dass Sie genullt werden könnten?

Wissen Sie, unser Mannschaftsführer sagte, dass manche Dinge viel wichtiger sind als ein Punkt hier oder ein Wettkampf da, noch viel wichtiger, und das ist ein Beispiel, das so grundlegend falsch, so gegen das Schach gerichtet ist, dass es mir egal ist.

In diesem Moment war es Ihnen also egal?!

Absolut nicht! Und ich sagte zum Schiedsrichter, da ich am Ende der Partie eine offizielle Verwarnung bekommen hatte: "Geben Sie mir beim nächsten Mal, wenn Sie mich während der Partie durchsuchen wollen, keine offizielle Verwarnung, sondern nullen Sie mich einfach, da ich das nicht tun werde.”

Haben Sie mit Ihren Teamkameraden oder Ihrem Mannschaftsführer über diesen Zwischenfall gesprochen?

Mannschaftsführer Malcolm Pein weicht Nigel in einem schwierigen Moment nicht von der Seite | Foto: Mike Klein

Nicht während der Partie. Nach der Partie, da mein Mannschaftsführer mit mir gekommen ist, als ich zum elektronischen Check ging.

Wie sollten Anti-Betrugsregeln Ihrer Meinung nach aussehen?

Ich denke, dass elektronischer Betrug ein ernstes Problem ist, daher denke ich, dass bestimmte Maßnahmen nötig sind, und wenn sie elektronische Checks vorher und nachher durchführen wollen, können sie das tun. Sie können das alles machen! Aber einen Spieler während der Partie zu unterbrechen, das ist so unerhört, das ist eine große Beleidigung und ich kann nicht einmal beschreiben, wie falsch das ist.

Sie denken also, die Maßnahmen sind überzogen?

Völlig! Sie sind idiotisch, schwachsinnig, autoritär, sie sind autokratisch, sie stammen von Leuten, die nicht verstehen, worum es beim Schach geht.

Ihr Vorschlag an die Anti-Betrugs-Kommission wäre also, dass sie mehr Kameras und Sicherheitspersonal verwenden können?

Sie können viele Dinge machen. Sie möchten im Vorhinein Checks, sie möchten im Nachhinein Checks? Das ist in Ordnung. Sie wollen verschiedene Maßnahmen, aber einen Spieler während der Partie stören - man stört einen Spieler während der Partie unter keinen Umständen. Man könnte nur darüber nachdenken, wenn es einen klaren Verdacht gegen einen Spieler gibt, aber viele Leute wären auch damit nicht einverstanden. Wenn man klare Verdachtsmomente, Beweise oder einen starken Grund dafür hat, könnte man diese Regel vielleicht einführen.

Ich komme aus einem Land, in dem wir einen bestimmten Satz Regeln haben. Wenn Sie zum Beispiel ein Auto lenken, werden Sie nicht angehalten werden, sofern sie nicht denken, man sei betrunken, habe das Auto gestohlen oder wasauchimmer. Die Polizei muss einen echten Grund haben, um jemanden anzuhalten. Sie können jemanden nicht anhalten, nur weil sie gerade Lust dazu haben! Das können sie nicht machen! Sie haben nicht das Recht dazu! Denn das wäre Schikane, das wäre Einschüchterung. Nun können sie gewissermaßen etwas erfinden, wenn sie wollen, aber man hat eine Gesellschaft, in der - falls künstlich Mittel erfunden werden, um jemanden ohne gute Begründung in Gewahrsam nehmen zu können - sie diejenige ist, die darunter leiden muss, und ich denke, dass das hier zutrifft.

Nach der Kontroverse um den mutmaßlichen Betrugsfall bei der Einzel-EM der Frauen 2015 wurde eine Regel eingeführt, welche besagt, dass bei einer falschen Anschuldigung und fälschlich bezichtigten Spielern Konsequenzen für die Spieler drohen, die die Anschuldigungen erhoben haben. Würden Sie sagen, dass so etwas auch für Schiedsrichter gelten sollte?

Nun, eine zufällige Überprüfung macht gar keinen Sinn. Wir haben sehr, sehr strenge Sicherheitsvorkehrungen beim Betreten des Spielorts, die sogar noch strenger sind als am Flughafen! Ich kam heute hinein und hatte kein Telefon, keine Uhr, nichts, und dennoch hat das Ding noch angeschlagen (lacht). Es ist wirklich schlimmer als Flughäfen. Sie untersuchen die Ohren und alles. Ich warte nur noch darauf, dass sie die Gummihandschuhe auspacken, Sie wissen, was ich meine (lacht). Man muss für diese Behandlung extra bezahlen!

Sind Sie zur Bermuda-Party gegangen?

Ja, bin ich.

Wie fanden Sie es?


Es war sehr nett. Ich denke, dass sie eher von den Aseris als den Bermuda-Leuten organisiert wurde. Es gab viel Unterhaltung und es war so nett, dass sie kostenlos war! Es war eine gute Party, sie hat mir sehr gefallen und ich hielt mich im richtigen Raum auf, als Magnus Carlsen hereingekommen ist.

Was waren die Ziele Englands vor dem Turnier?

Wir haben nicht wirklich darüber gesprochen, da wir hier üblicherweise nicht gut spielen. Ich war der Ansicht, dass ein Top 10-Ergebnis ein gutes Resultat sei.

David Howell: Alles außer dem ersten Platz ist eine Enttäuschung!

Hatten Sie irgendeine Art Trainingslager?

Nun, wir zogen uns ein Wochenende lang zurück, um den Mannschaftsgeist zu stärken - Kokain, Drogen und Prostituierte!

David Howell: Das hat China falsch gemacht!

Das war ein Witz. Nein, wir hatten kein Trainingslager.

David Howell unterstützt Nigel nicht nur am Brett, sondern auch in Interviews | Foto: Dorsa Derakhshani

Haben Sie einen 3:1-Sieg über China erwartet?

Ja, für China! Ich machte irgendwann einen Rundblick und mir gefiel Lukes Stellung nicht, David stand gut und ich hatte keine Sorgen. Er spielte sowieso schnell Remis. Michael Adams stand etwas besser. Mir gefiel Lukes Stellung nicht, meine gefiel mir auch nicht, daher betete ich - inshallah! -, um ein 2:2 zu schaffen und nicht zu verlieren!

Wie kam das 3:1 dann zustande?

Nun, Luke spielte Remis und Adams ist ein sehr starker Spieler, daher machte er das Beste daraus und ich spielte eine schwere, und wirklich spannende, Partie! Ich schaffte es ins Ziel und es war einfach so großartig! Wir waren so froh über das Ergebnis. Wir haben China seit 1982 nicht mehr geschlagen! Was hast du damals gemacht, Dorsa?!

Ich war nicht einmal ein Gedanke. Was war bislang Ihre Lieblingspartie?

Eine Partie, die ich hier gespielt habe?

Ja.

Definitiv die Partie gegen Li Chao. Ohne Zweifel. 

1. d4 ♘f6 2. c4 e6 3. ♘c3 ♗b4 4. ♘f3 b6 5. e3 ♗b7 6. ♗d3 O-O 7. ♗d2 d5 8. cxd5 exd5 9. O-O ♘bd7 10. ♖c1 a6 11. ♘e5 ♖e8 12. f4 ♘f8 13. ♗e1 c5 14. ♗h4 c4 15. ♗c2 b5 16. g4 ♕b6 17. g5 ♘e4 18. ♘xe4 dxe4 19. ♕e2 ♗d5 20. ♕g2 ♕b7 21. f5 ♘d7 22. ♘g4 ♔h8 23. ♗g3 ♖ac8 24. ♕h3 f6 25. g6 ♘f8 26. ♖f2 ♖c6 27. ♖cf1 a5 28. ♖g2 a4 29. ♖f4 c3 30. bxc3 ♗xc3 31. ♗h4 ♕b6 32. gxh7 ♖e7 33. ♘e5 fxe5 34. ♗xe7 exf4 35. ♗xf8 ♗xd4 36. ♕g4 ♖c7 37. ♕h5 f3 38. ♖g4 ♗e5 39. ♗c5 ♕h6 40. ♕e8+ ♔xh7 41. ♕xe5 ♖xc5 42. ♕e7 f2+ 43. ♔g2 ♗c4 44. ♔xf2 ♕xh2+

0-1

Zu einem gewissen Zeitpunkt stand ich auf Verlust, einen Zug lang, und in einem weiteren Zug später machte ich einen Fehler und stand nicht mehr auf Gewinn, daher war das in Ordnung. Die Anzahl der Leute, die zu mir gekommen sind - starke Spieler - und sagten, "Wow! Das war eine unglaubliche Partie. Das war wirklich brillant und aufregend und wir haben es genossen!" So etwas bringt mir große Freude. Ich spiele seit 35 Jahren professionelles Schach! Das ist eine lange Zeit, und wenn Leute noch immer sagen, dass sie mein Schach genießen, dann ist das großartig.

In Tromsø schien die Schachpolitik Ihr Spiel beeinflusst zu haben - konnten Sie sich dieses Mal mehr auf das Schach konzentrieren? 

Ja, ich habe vor zwei Jahren aufgegeben, Delegierter zu sein, und für mein Schach war das ein großer Unterschied. In Tromsø versuchte ich sehr, sehr angestrengt, gutes Schach zu spielen, aber ich hatte im Hinterkopf so viele Dinge, dass ich mich nicht darauf konzentrieren konnte.

Sie werden beim FIDE-Kongress nicht dabei sein?

Nein, überhaupt nicht. Malcolm Pein wird das erledigen.

Werden Sie ihn verfolgen?

Ich werde ihn verfolgen, wenn es interessante Entwicklungen gibt.

Denken Sie, dass wir in den kommenden Tagen einen neuen FIDE-Präsidenten haben werden?

Ilyumzhinov scheint noch länger im Amt zu bleiben und gab einige sehr seltsame Interviews, darunter auch eines, in dem er behauptet, er wäre wegen den US-Angriffen in Syrien bereit, dem elektrischen Stuhl entgegenzutreten... | Foto: Maria Emelianova, Schacholympiade Baku 

Ich denke, dass die Antwort vermutlich ja lautet, aber ich bin deswegen nicht großartig aufgeregt, weil das Problem mit der FIDE nicht ein Mann allein ist. Das Problem ist die Struktur und eine Menge korrupter Offizieller, und wenn die Grundstrukturen intakt bleiben, Kirsan jedoch durch jemanden ersetzt wird, sehe ich darin keine dramatische Verbesserung.

Was halten Sie von der Association of Chess Professionals?

Ich habe keine besonders hohe Meinung von der ACP. Ich denke nicht, dass sie charakteristisch für alle Schachprofis ist. Ich denke, dass sie eine kleine Gruppe ist, was mehr Gruppen mehr Macht gibt.

Sie sind ein freimütiger Schachspieler - haben Sie Interesse daran, in der Zukunft ein offizielles Amt (in der ACP, FIDE etc.) zu übernehmen?

Ich hätte nichts dagegen, FIDE-Präsident zu werden. Ich möchte nicht der Sekretär in einem Unterkomitee sein.

Sie sind der einzige Spieler über 50 in den Top 100 der Welt. Warum ist das Ihrer Meinung nach so?

Ich denke, dass ich Schach mag. Das ist der Hauptgrund, warum ich auf einem einigermaßen hohen Niveau spielen kann - ich liebe Schach wirklich. Habe ich immer, und werde ich immer (lächelt). Es ist das beste Spiel der Welt!

Meinen Sie, dass Sie keine Ziele mehr im Schach haben und einfach spielen, weil sie das Spiel mögen?

Ich möchte gewinnen und gewinne noch immer Turniere in allen Ländern. Ich hoffe, ein Turnier in der Antarktis gewinnen zu können. Ich habe Turniere auf sechs Kontinenten gewonnen, daher möchte ich auch den siebenten hinzufügen! Sie werden wegen mir dort Turniere abhalten (lacht).

Würden Sie sagen, dass das Alter Einfluss auf das Schach hat?

Ja, einen nachteiligen. Die Hauptsache ist die, dass man immer weiterlernen muss, egal, wie alt man ist. Man kann sich nicht nur auf sein Kapital verlassen, daher muss man versuchen mitzuhalten, und das ist eine schwierige Aufgabe.

Wie sehr hat der Computer während Ihrer Karriere das Spiel verändert?

Dramatisch! Ich denke, dass die taktischen Fähigkeiten viel höher sind, und natürlich ist die Eröffnungsvorbereitung auch viel besser geworden.

Welche aktiven Spieler beeindrucken Sie am meisten?

Das kann ich nicht beantworten.

Short war mit dem 15-jährigen Karjakin zu einer Trainingseinheit in Griechenland unterwegs, als ihr Auto von einem entgegenkommenden Fahrzeug getroffen wurde - zum Glück für die Schachgeschichte hat Sergey überlebt | Foto: Tatiana Karjakina, ChessBase 

Sie hatten einige Trainingseinheiten mit Karjakin. Wie schätzen Sie seine Chancen im Match gegen Carlsen ein?

Ich würde ihm rund 40% geben.

Warum?

Ich denke, 60-40 ist fair. Ich erwarte einen Sieg Magnus', aber ich denke nicht, dass es so sicher ist.

Sehen Sie jemanden am Horizont, der nicht nur seinen Titel erobern, sondern auch ein besserer Spieler als er sein könnte?

Um ehrlich zu sein, denke ich nicht in diesen Ausdrücken, und daher suche ich nicht danach. Ich sehe eine Menge Talente. Heute haben wir gegen Indien gespielt und sie haben diesen Spieler, Vidit, der sehr stark und fantastisch vorbereitet ist und über gute Technik verfügt. Ist er ein Weltmeister? Vermutlich nicht, aber es gibt viele Spieler wie ihn.

Wei Yi? Praggnanandhaa, die jungen iranischen Spieler? 

Sie haben alle eine Chance, aber ich würde gerne noch etwas mehr sehen. Es gibt viele talentierte Spieler, die später nichts mehr leisten, daher sind diese Leute - die ich von ihren Partien her kenne - ich würde noch etwas warten und sehen, wie sie sich entwickeln.

Arbeiten Sie noch als Trainer?

Nicht wirklich sehr viel. Ich mache sehr wenig, ich habe jedoch nächsten Monat ein Trainings-Wochenende in Marrakesch.

Eine letzte Frage: Was denken Sie ist der Unterschied zwischen einem guten Spieler (2650) und einem Spitzenspieler (2750)? Es scheint schwierig einzuschätzen.

Energie, Arbeit, es ist Entschlossenheit - viele Faktoren.

Vielen Dank, und viel Glück!

Danke.

IM Dorsa Derakhshani

Dorsa kam 1998 in der Teheran (Iran) zur Welt und lebt nun in Barcelona. Sie ist sowohl Internationaler Meister als auch Frauen-Großmeisterin mit einer persönlichen Höchstwertung von 2405 Punkten. Sie hat die asiatische Jugendmeisterschaft drei Mal gewonnen (2012-14) und war in Baku als von der FIDE akkreditierte Journalistin dabei.


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