Berichte 04.07.2018 | 14:19von Colin McGourty

Nepo und Naiditsch führen in Jerusalem

Ian Nepomniachtchi übernahm mit 3/4 die Führung beim Gideon Japhet Cup in Jerusalem, nach Siegen in beiden Mini-Matches gegen Vassily Ivanchuk und Boris Gelfand. Er musste dabei einige bange Momente überstehen. Der momentan Zweite Peter Svidler war ebenfalls froh, dass er seine Partien gegen Anna Muzychuk heil überstand, danach besiegte er Georg Meier. Derweil konnte Arkadij Naiditsch im Open seine Gegner verwirren - er hat 4/4, aber stand zu einem gewissen Zeitpunkt in allen Partien schlecht bis verloren!

Ian Nepomniachtchi brauchte viel Hilfe von Vassily Ivanchuk, um ihr Mini-Match zu gewinnen | Foto: Gideon Japhet Memorial/Jeruchess Facebook

Die Spieler konnten auch Jerusalem erkunden | Foto: Gideon Japhet Memorial/Jeruchess Facebook

Svidler-Ivanchuk wird am letzten Tag stattfinden | Foto: Gideon Japhet Memorial/Jeruchess Facebook

Dies ist die vierte Auflage eines attraktiven Schachfestivals in Jerusalem. Sponsor ist Gilad Japhet, Gründer und CEO von MyHeritage, im Gedenken an seinen Vater Gideon Japhet (1928-2013), Rechtsanwalt und begeisterter Amateur-Schachspieler. Der Höhepunkt ist dieses Jahr ein Schnellturnier mit 6 Teilnehmer(innen), aber zunächst zum ACP Open:

Der an eins gesetzte Arkadij Naiditsch führt drei Runden vor Schluss standesgemäss mit 4/4. Dabei war es ein quasi typischer Vortrag des Azeri mit Wurzeln in Lettland und Deutschland - er konnte schon immer jeden besiegen und gegen jeden verlieren. Runde 1 war die einzige relativ souveräne Partie - auch da gaben allerdings Engines dem titellosen Alexander Zlatin (2205) klaren Vorteil, wenn er im 34. Zug die Qualität genommen hätte.

Ein aufregender Test für Arkadijs jungen Gegner | Foto: Gideon Japhet Memorial/Jeruchess Facebook

In Runde 2 verpasste Salome Melia die Chance, einen der beiden gefährlichen gegnerischen Springer zu eliminieren, und landete in Zeitnot in einem Mattnetz.

Salome Melia war Naiditschs nächste Gegnerin | Foto: Gideon Japhet Memorial/Jeruchess Facebook

In Runde 3 hatte Arkadij einen unangenehmen Moment:


Anna Usheninas 22…Dd7! war die älteste und einfachste Schachtaktik – ein Doppelangriff auf zwei Bauern. Arkadij hatte das aber offenbar nicht gesehen, da er nun 10 Minuten überlegte, welchen Bauern er geben soll (a4, h3 oder gar c4). Er entschied sich für 23.Kh2, spielte voll auf Königsangriff und am Ende zappelte auch Anna in einem Mattnetz.

Am schmerzhaftesten war es für GM Michael Oratovsky, der nach weiteren verunglückten Abenteuern von Arkadij schlicht und ergreifend eine Mehrfigur hatte, bevor er 31.Dc5?? spielte (31.Dg2!):


31…Txd1! war ein vernichtender Schlag. Auf 32.Txd1 geht 32…Se4+, aber alles andere funktioniert auch nicht. Es folgte noch 32.Lxe5 Sg4+ 33.Kf3 Td3+ 1-0.

Wie Du siehst, spielen einige starke Damen im Open - auch Mariya Muzychuk, während ihre Schwester Anna beim Einladungs-Schnellturnier mitmischt:

ACP-Präsident Emil Sutovsky "überwacht" Anna Muzychuk und Peter Svidler beim Gespräch nach ihrer Partie | Foto: Gideon Japhet Memorial/Jeruchess Facebook

Anna Muzychuk, Schnell- und Blitzschach-Weltmeisterin 2016, wirkte im Schnellturnier (25 Minuten + 10 Sekunden Inkrement) keinesfalls fehl am Platz, um ein Haar konnte sie ihr erstes Match gegen Peter Svidler gar gewinnen. "Die erste Partie sollte ich wohl eigentlich nicht überleben" war Peters Fazit zu seinen Abenteuern in einem 3.Bb5-Sizilianer (weitere Videos hier, wobei deren Qualität nicht ideal ist):

Am Ende hatte Anna nur noch gut eine Minute und begnügte sich mit Remis durch Stellungswiederholung, aber Weiß stand klar besser bis gewonnen:


24.Da3! Sxd2 25.Tc1 - danach geht wohl der Sd2 verloren, oder der c-Bauer wird zum Monster, oder beides!

Auch in der zweiten Partie ging Peters Eröffnung daneben, er beschrieb die spätere Stellung mit Minusbauer als "Traum-Endspiel" angesichts dessen, was er zuvor befürchtet hatte. Auch hier stand Anna am Ende besser, wobei Remis diesmal das logische Resultat war.

Anna remisierte danach zweimal gegen ihren Landsmann Vassily Ivanchuk | Foto: Gideon Japhet Memorial/Jeruchess Facebook

Nach diesen Houdini-Akten konnte Svidler tags darauf in einem komplizierten Endspiel gegen Georg Meier den vollen Punkt erzielen:


39.Txe6! Dd3 40.Te7+! und der demnächst von h-Bauer und Läufer unterstützte g-Freibauer war zu stark. 

Ein harter Kampf... | Foto: Gideon Japhet Memorial/Jeruchess Facebook

...und dann Analyse draussen | Foto: Gideon Japhet Memorial/Jeruchess Facebook

Der Führende ist jedoch Ian Nepomniachtchi, der Vassily Ivanchuk im Stil von Naiditsch besiegte - trotz einer (O-Ton Nepo) "Eröffnungskatastrophe". Er war sich seiner großen Probleme nach 14…Dd7! bewusst:


Plötzlich gibt es keine Verteidigung gegen 15…Sxe5!, was die ungedeckte Dame auf a4 mit einem gängigen taktischen Motiv ausnutzt (15.Df4 d4!).

Ian Nepomniachtchi meinte es ernst | Foto: Gideon Japhet Memorial/Jeruchess Facebook

Lange wirkten Vassilys Versuche, den materiellen Vorteil zu verwerten, überzeugend, und er hatte auch deutlich mehr Bedenkzeit. Aber dann verlor er allmählich und später komplett den Faden, 51…Te2? war der letzte Strohhalm:


Nach 52.Th3+! Kg7 53.Tg3+! war Schwarz hilflos, es folgte noch 53…Kh6 54.Td8 Kh7 55.f5 1-0.

Das Ende von Nepomniachtchi-Gelfand 1-0 war ähnlich - Boris fand nicht das richtige Feld für seinen König, um das entscheidende Eindringen der gegnerischen Figuren zu verhindern.

Gelfands Fanclub bestand aus seiner Frau und seinem Sohn - auf dem Schild steht "Papa ist unser Champion" | Foto: Gideon Japhet Memorial/Jeruchess Facebook

Gelfand hat 50%, da er sein Mini-Match tags zuvor gegen Georg Meier gewonnen hatte – 26.Df5?! war etwas zu clever…


26…Txg2+! war die brutale Antwort, 27.Kxg2 kostet wegen 27…Dg7+ nebst 28...exf5 die Dame. Nach 27.Kf1 exf5 (27…Te8!) 28.Txe7 war das Ergebnis weiterhin offen, aber Boris gab beide Mehrbauern zurück, koordinierte seine Figuren und gewann letztendlich.

Auch mit 50 ist mit Boris Gelfand immer noch zu rechnen | Foto: Gideon Japhet Memorial/Jeruchess Facebook

Nach zwei Siegen und zwei Remisen hat Nepo 3/4 und einen halben Punkt Vorsprung auf Svidler. Aber noch werden sechs Runden gespielt, Ians verbleibende Gegner sind Muzychuk, Svidler und Meier. Das Format ist entspannt - pro Tag ein Match (zwei Schnellpartien).

Rk.SNoNameFEDRtgPts. TB1 
16GMNepomniachtchi Ian27703.05.25
25GMSvidler Peter27472.53.50
32GMMuzychuk Anna25972.04.00
44GMGelfand Boris26742.03.00
51GMIvanchuk Vassily26821.53.50
63GMMeier Georg26621.02.25

Bleib hier auf chess24 dran am Geschehen, der Cup (Schnellschach) beginnt täglich um 14:45 MESZ, das Open um 16:00: Gideon Japhet Cup | Open

Siehe auch:


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