Berichte 13.04.2017 | 14:19von Colin McGourty

Nakamura gewinnt Eröffnungsblitzturnier in Zürich

Hikaru Nakamura hat die weite Anreise aus den USA offenbar gut überstanden, denn er gewann das Eröffnungsturnier der Zürich Chess Challenge ohne Partieverlust. Damit hat er wie die Nächstplatzierten Boris Gelfand, Vladimir Kramnik und Ian Nepomniachtchi im heute beginnenden „neoklassischen“ Turnier viermal Weiß. Held des Tages war aber definitiv Vishy Anand, der mit einem bildschönen Damenopfer den Schaukampf gegen Turnierorganisator Oleg Skvortsov für sich entschied.

Hikaru Nakamura erhält vor dem Konterfei Viktor Korchnois den Siegerpreis| Foto: Russischer Schachverband

Gestern wurde die sechste Austragung der Zürich Chess Challenge im Hotel Savoy Baur feierlich eröffnet. Neben dem achtköpfigen Spielerfeld mit Kramnik, Anand und Nakamura war mit Ex-Weltmeister Anatoly Karpov und seinem alten Rivalen Jan Timman weitere Prominenz im Gedenken an Viktor Korchnoi vertreten. Auch Kirsan Ilyumzhinov war vor Ort – der Kalmücke wurde in der außerordentlichen Präsidiumssitzung in Athen Anfang der Woche als FIDE-Präsident bestätigt. 

Kirsan Ilyumzhinov saß gut gelaunt neben Anatoly Karpov  | Foto: Russischer Schachverband 

Ilyumzhinov weilte unter Freunden, denn Vladimir Kramnik hatte erst kürzlich in einem Interview betont, dass „Ilyumzhinovs Gegner weder eine rechtliche noch finanzielle Grundlage für ihren Umsturz hätten“ und „ihre Schachpolitikerkarriere bald für immer beendet wäre, wenn sie so weitermachten“.

Kramnik startete mit einem Remis gegen Nakamura | Foto: Russischer Schachverband 

Vor dem Turnier kam es zu einem interessanten Schaukampf zwischen dem Organisator des Turniers Oleg Skvortsov, einem starken Amateur, und Ex-Weltmeister Vishy Anand. Der Russe hat mit 30 Minuten doppelt so viel Zeit wie Vishy, aber natürlich sind die Schnellschachfähigkeiten des Inders geradezu legendär.

Vishy Anand und Oleg Skvortsov produzierten direkt einen Klassiker| Foto: Russischer Schachverband 

Das Ergebnis war wie erwartet, aber die Partie an sich grandios

"Skvortsov-Anand war eine der attraktivsten und romantischsten Partien, die ich je gesehen habe. Wie bei den alten Meistern!"

Schon in der Eröffnung ging es wild zu, als Skvortsov eine Opfervariante wählte, die ganz nach dem Geschmack Lawrence Trents war:

"Skvortsov spielt gegen Anand eine meiner unsoliden Lieblingseröffnungen im Blitzen."

Es folgte ein großes Spektakel, in dem Anand Feuer mit Feuer bekämpfte:


Der Springer ist angegriffen, und wie wird Anand darauf reagieren? Er geht auf ein Feld, auf dem er ebenfalls geschlagen werden kann! 10...Sb4! Zweifellos ein schöner Zug, aber unvergesslich wird das Damenopfer 16...Dxg3+!! bleiben:

"Anands spektakuläres Damenopfer war für Skvortsov dann doch zu heftig."

Oleg war so verblüfft, dass er über zwei Minuten für 17.hxg3 verbrauchte, obwohl die einzigen Alternativen 17.Kh1 und das direkte Matt 17…Qxf3# waren. 

"Anands 16...Dxg3 führt zu einer Stellung, die man von seinen Freunden auf dem Geburtstagskuchen serviert bekommt."

Nach 17…Txg3+ 18.Kh2 Txf3 findet der Computer die weiße Rettung 19.Dg7!, aber die Stellung war so kompliziert, dass es kein Wunder war, dass Skvortsov dem Druck nicht lange standhielt.

Die ganze Eröffnungsfeier des Turniers samt Gedenkminute für Viktor Korchnoi könnt ihr euch hier anschauen:

Das Format der Zürich Chess Challenge ist dasselbe wie im Vorjahr. Ab heute wird bis Sonntag mit der „neoklassischen“ Bedenkzeit von 45 Minuten für alle Züge plus 30 Zeitgutschrift pro Zug gespielt, ehe dann am Montag Blitz mit 10 Minuten plus 5 Sekunden pro Zug gespielt wird. Die Punkte der Schnellpartien zählen doppelt.

Beim Eröffnungsblitzturnier ging es darum, wer im Schnellturnier viermal Weiß bekommt, und mit einer Bedenkzeit von 4+2 war für beste Unterhaltung gesorgt. Alle Partien könnt ihr euch hier anschauen: 

Zwei Spieler ragten in dem Turnier heraus. Hikaru Nakamura unterstrich seinen Ruf als hervorragender Blitzer, und Boris Gelfand zeigte, dass er mit 48 Jahren noch immer nicht zum alten Eisen gehört.

Boris Gelfand mit Ian Nepomniachtchi und Ilya Levitov | Foto: Russischer Schachverband

Zum Auftakt hatte Gelfand in einer Verluststellung gegen Yannick Pelletier aber Glück!


Als Schwarzer hatte Gelfand gerade seine Dame in den Dunstkreis des weißen Königs gezogen, aber mit 21.Sxe4 oder dem spektakuläreren 21.Dxe4 hätte Weiß alles im Griff gehabt. Doch Yannick spielte 21.Txd8? und nach 21…Dh2+ Kxg4 war er in drei Zügen matt. Boris brauchte einen Zug länger, aber das spielte keine Rolle.

Pelletiers Leiden setzten sich in der nächsten Runde gegen Nakamura fort, als er mit 39.Tc4? eine einfache Fesselung übersah: 


Nach 39…Tcd7! war der Springer auf d6 verloren, da nach 40.Tc6 eine dritte Figur in den Angriff eingreifen konnte: 40…Ke7. In seiner Partie gegen Gelfand zeigte Nakamura dann brillante Technik und beendete die Partie mit einem schönen Zug: 71.Lb4!


Danach konnte Hikaru keine Partie mehr gewinnen, doch +2 reichte, um Erster zu werden. Fast verloren hätte er in Runde 4 gegen den gefährlichen Russen Grigoriy Oparin. Die Eröffnung verlief außergewöhnlich, denn Hikarus Springer gerieten doch ziemlich auf Abwege:

"Was um Himmels Willen machen die weißen Springer da?"

Davon sollte man tunlichst die Finger lassen, wenngleich Nakamura erst viel später in eine hoffnungslose Stellung geriet. Doch damit war die Messe noch nicht gelesen!   


Fast jeder Zug gewinnt hier für Oparin, aber nicht 54…Kh3?, wonach seltsamerweise das Patt nicht mehr zu verhindern ist.

Danny King und Gennadi Sosonko hatten eine Menge Spaß! | Foto: Russischer Schachverband

Auch in diesem Blitzturnier gab es die üblichen Glanzzüge und Einsteller. Peter Svidler etwa spielte 23…Sd8? gegen seinen Landsmann Vladimir Kramnik (23…Sd4! war der einzige gute Zug):


24.Lg5! gewann auf untypische Art eine Figur.

Kramnik verlor gegen einen stark aufspielenden Anand, der sich erst einen riesigen Vorteil erspielte und seinen Gegner dann um ein Haar noch entwischen ließ.   

Vishy zeigte seine beste Leistung im Schaukampf | Foto: Russischer Schachverband

Vladimir wurde nach ansonsten starkem Spiel Dritter und bezwang auch Landsmann Nepomniachtchi:


Kramnik hatte die Eröffnung für sich entschieden und schon im 16.Zug einen Freibauern auf der a-Linie gebildet. Doch wie kann er nun seinen Springer retten (der Läufer auf g7 ist gefesselt, weshalb 22…Sc3 einfach an 23.Lxc3 scheitert) Die Antwort ist überzeugend genug 22…Df6!! und nach 23.Txa2 Dxf2+ 24.Kh1 Se4! hielt Weiß nur noch zwei Züge durch.

Auf der Zielgeraden gelang es Ian Nepomniachtchi, den vor ihm platzierten Vishy Anand noch zu überholen und sich die vierte Weißpartie zu sichern. Er bezwang erst Oparin mit einer hübschen Schlusspointe und dann in der Schlussrunde Boris Gelfand.

Gelfand führte bis zur Schlussrunde, verlor dann aber gegen Nepo | Foto: Russischer Schachverband

Boris lag mit seinem Qualitätsopfer in haltbarer Stellung falsch, denn Nepo konnte mit der Rückgabe der Qualität die Partie direkt für sich entscheiden.


45.Txd8! und nach 45…Lxb7 hatte der schlechte Läufer dem weißen Turm nichts entgegenzusetzen. Und hier der Endstand:

Hier die Paarungen im neoklassischen Turnier:

Alle Partien übertragen wir ab 17 Uhr live hier auf chess24, GM Danny King wird das Geschehen auf Englisch kommentieren.

Mark Glukhovsky unterstützt Sergey Shipov bei der russischen Live-Übertragung| Foto: Russischer Schachverband

Außerdem beginnen heute noch zwei große Open: das Korchnoi Zürich Open (mit Shirov und Van Wely) sowie das GRENKE Open in Karlsruhe (Wojtaszek, Vitiugov, Matlakov, Rapport, Bacrot, Kamsky...). Alle Partien könnt ihr auch mit unseren kostenlosen Apps verfolgen:

         

Weitere Links:


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