Berichte 25.06.2018 | 09:41von Carlos Colodro

Nakamura gewinnt die Grand Chess Tour in Paris

Hikaru Nakamura hat Sergey Karjakin am Schlusstag der Grand Chess Tour in Paris noch überholt und sich nach den letzten neun Runden Blitzschach an die Spitze gesetzt. Der US-Amerikaner zeigte seine Qualitäten bei verkürzter Bedenkzeit und verlor an allen fünf Turniertagen nur eine einzige Partie. Wesley So wurde nach acht Remis in Serie zum Abschluss Dritter hinter Karjakin und liegt in der GCT-Gesamtwertung weiter vorn.

Verdienter Sieg für Nakamura | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Karjakins toller Lauf

Bei unserem letzten Bericht aus Paris lag Wesley So noch einen Punkt vor Karjakin und Nakamura. Diese drei Spieler hielten sich auch am abschließenden Wochenende auf den Podiumsplätzen, tauschten am Ende aber die Ränge. Der erste Spieler, der davonzog, war Sergey Karjakin, und nach seinen fünf Siegen in Folge am Samstag sah alles nach einem klaren Sieg des Russen aus. Einmal war Karjakin sogar kurz davor, Magnus Carlsen im Live-Blitzrating zu überholen.

Fast geschafft |Quelle: 2700chess.com

In einer Schlüsselpartie besiegte Karjakin die französische Verteidigung Wesley Sos, obwohl Schwarz nach der Eröffnung eine gute Stellung erreicht hatte. Die weiße Initiative am Königsflügel erwies sich in dieser Partie aber als zu stark, und als 36.Sg6+ aufs Brett kam, wusste Wesley, dass ihn nur noch ein Wunder retten konnte:


Davor hatte Karjakin bereits Alexander Grischuks Ungenauigkeiten in einer scharfen taktischen Partie ausgenutzt. Mit 32...De3 hätte Grischuk seinen großen Vorteil entscheidend ausbauen können:


Weiß kann wegen Dxf4 — mit entscheidendem Angriff von h2 — nicht den Läufer schlagen. Stattdessen spielte Grischuk 32...Dc5, und nach 33.gxf4 sieht der Computer den Weißen im Vorteil. Karjakin hatte einmal mehr gezeigt, dass er unter Druck besonders stark spielt.

Wie immer Nerven aus Drahtseil | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Derweil verbesserte sich Nakamura durch drei Siege, fünf Remis und nur eine Niederlage auf Platz 2 und lag nur einen Punkt hinter Karjakin in Lauerstellung. Hier der Stand nach dem ersten Tag Blitzschach:


Nakamura lässt nicht locker

Der Schlusstag begann mit dem direkten Duell der beiden Führenden. In einem Endspiel mit Türmen und Springern hatte Nakamura leichten Vorteil, es ist aber kein Wunder, dass er diesen bei dieser Bedenkzeit nicht verwerten konnte, da der weiße Freibauer sehr weit entfernt vom schwarzen König und die Stellung damit sehr kompliziert war.

Schon in der nächsten Runde besiegte Nakamura aber mit Schwarz Vishy Anand. Der Ex-Weltmeister stand gedrückt, doch das anschließende Springeropfer war vermutlich nicht nötig, da er anders deutlich mehr Widerstand leisten konnte:


Anand spielte 27.Sxe5, und Nakamura brauchte danach nur zehn Züge, um den vollen Punkt einzufahren. Karjakin remisierte gegen Grischuk und hatte nur noch einen halben Punkt Vorsprung. In der dritten Runde des Schlusstags schlug er dann allerdings Kramnik, während Nakamura nur Remis spielte. Damit war sechs Runden vor Schluss wieder alles beim Alten.

Dann aber stellte Kramnik in der 14.Blitzrunde auf unerklärliche Weise eine Figur gegen Nakamura ein:


Die Partie endete nach 18...Td7? abrupt. Hikaru brauchte nur drei Sekunden, um den Springer mit 19.Lxf6 zu schlagen und gleichzeitig die Dame anzugreifen. Kramnik gab direkt auf, und Nakamuras Rückstand war wieder auf einen halben Punkt geschmolzen.

Die Vorentscheidung fiel dann in den Runden 15 und 16, als Karjakin komplett den Faden verlor und hintereinander gegen Anand und Vachier-Lagrave verlor. Der Inder sicherte sich mit Grundliniendrohungen den vollen Punkt, während MVL sich dank zweier aktiver Springer durchsetzte:


36...Sc2 folgte, und Sergey gab mit 37.b6 Sxb4 38.bxc7 Kd7 39.e5 Kxc7 einen Bauern. Die Partie dauerte bis zum 81.Zug, doch das Ergebnis stand nie infrage.

Durch zwei Remis lag Nakamura zwei Runden vor Schluss erstmals in Führung. Mit einem Sieg gegen Mamedyarov sicherte sich der Blitz-Spezialist eine Runde vor Schluss zumindest den geteilten Sieg. Sowohl in dieser als auch in der Schlussrundenpartie gegen Caruana stand sein Gegner erst besser und verlor am Ende trotzdem. Fabi beendete ein Turnier zum Vergessen mit einer weiteren Niederlage in einer Marathonpartie (nach 122 Zügen) gegen seinen Landsmann.


Der Sieger | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Nakamura erhielt für seinen Sieg $37.500 und 13 Grand Chess Tour-Punkte. Außerdem gewann er durch seine starken Leistungen beim Blitzschach in Leuven und Paris 37,2 Elo-Punkte dazu, wodurch er noch 24 Punkte hinter Carlsen zurückliegt. Hikaru kann den Sommer nun richtig genießen:

Wesley So remisiert sich auf Platz 3

Die letzten beiden Wochen haben gezeigt, dass Wesley So im Schnellschach deutlich besser ist als im Blitzen. Umso verständlicher ist es daher, dass er am Schlusstag auf Sicherheit setzte und wenig Risiken einging. Nach seinem Sieg gegen Vachier-Lagrave in der ersten Runde remisierte er die restlichen acht Partien und wurde ungeteilt Dritter. Dieses Ergebnis brachte ihm 8 GCT-Punkte und die Gesamtführung ein:


Drei Spieler liegen klar vorn, und es ist sehr unwahrscheinlich, dass einer von ihnen einen der vier Startplätze beim letzten Turnier in London noch verpassen wird. Dagegen ist die Vergabe des vierten Platzes noch völlig offen (nur Caruana fällt weg, der im November etwas völlig anderes vorhat…) Alles wird in St.Louis entschieden, wo die Spieler am 10.August eintreffen und neben einem weiteren Schnell- und Blitzturnier den  Sinquefield Cup bestreiten.

Nur Grund zur Freude | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Davor gibt es noch eine Menge anderer Höhepunkte wie die Higher League der Russischen Meisterschaft , das León Masters, das Sparkassenturnier in Dortmund und das Schachfestival in Biel (mit Carlsen). 

Wer die ganze Action noch einmal in bewegten Bildern nachvollziehen will, kann sich das Video mit dem Live-Kommentar von Yasser Seirawan, Jovanka Houska und Alejandro Ramirez ansehen:

Weitere Links:


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