Features 02.11.2016 | 14:52von IM David Martínez

MVL triumphiert auf Corsica

Maxime Vachier-Lagrave gewinnt die 20. Auflage des Corsican Circuit nach seinem Finalsieg Vishy Anand. Die französische Nummer 1 dominierte die Konkurrenz und entschied jedes seiner vier Matches innerhalb der beiden Rapid-Partien für sich, ohne sich auch nur einmal in Blitz-Stichkämpfen beweisen zu müssen. Teil unseres Reports ist die dramatische Entscheidungspartie, in der Maxime mit den schwarzen Steinen gegen Anand spielte und in einem messerscharfen Najdorf-Sizilianer das Brett in Flammen versetzte.  

Maxime Vachier-Lagrave in Fahrt auf Corsica | Foto: Offizielle Webseite 

Das korsische Turnier besteht traditionell aus zwei Phasen. Zuerst wird ein klassisches Open mit neun Runden gespielt, dessen erste 12 Plätze sich für die zweite Phase qualifizieren. Anton Korobov erzielte in diesem 7/9 und wurde klarer Sieger. Die Top-Partien aller Runden dieses Qualifikationsturniers können hier nachgespielt werden: 

Anschließend gesellen sich zu den 12 Qualifizierten vier Stars der Weltspitze - Vishy Anand, Maxime Vachier-Lagrave, Teimour Radjabov und Hou Yifan. Das 16-köpfige Feld kämpft dann in einem Schnellschach-K.O.-Turnier um den Sieg. Die Klasse der Favoriten setzte sich schließlich durch, wobei manche mehr Schwierigkeiten hatten als andere.

Das erst 15-jährige Talent GM Bogdan-Daniel Deac aus Rumänien hielt sich wacker gegen Radjabov in beiden Rapid-Partien, in der ersten Blitzpartie und für weitere 125 Züge in der zweiten Blitz-Partie. Es deutete alles in Richtung einer Armageddon-Entscheidung, bis Deac 126...Ke5?? spielte.


Im obigen Video ist der Moment zu sehen, in dem Radjabov 127.f4+! zieht.

Der letztliche Sieger Maxime Vachier-Lagrave war von Beginn an voll auf Kurs und besiegte IM Bilel Bellahcene 2-0. In diesem Match stach besonders das exzellent geführte Läuferpaar in seinem Schwarzsieg hervor. 

Die entscheidende Partie im Halbfinale | Foto: Offizielle Webseite

Im Halbfinale erwartete MVL mit Anton Korobov eine ziemich harte Nuss. Maxime gewann die erste Partie mit den weißen Steinen, obwohl er schlecht aus der Eröffnung kam. Als sich aber die Damen tauschten, schaffte er es, die Initiative an sich zu reißen und die Partie schließlich noch zu gewinnen. In der zweiten Partie wählte Korobv in einem Grünfeld-Inder den Zug 9.Sd2, der eine interessante Alternative zum tausendfach gesehenen Zug 9.Dd2 ist:


Die Partie fand sich schnell auf jungfräulichem Terrain wieder. Maxime schaffte es nicht auszugleichen und musste mit Minusbauern in einem Turmendspiel mit ungleichfarbigen Läufern leiden.

Halbfinal- und Finalbegegnungen des Corsican Masters 2016

Im anderen Halbfinale saßen sich Anand und Radjabov gegenüber. Bis dato gab der Inder nur einen halben Punkt im gesamten Turnier ab und war in dieser Stellung mit Weiß am Drücker. Es schien, als hätte der Azeri gerade eine uneinnehmbare Festung gebildet, als er schwer fehlgriff :


Radjabov hätte mit 67...Ta7 die Züge wiederholen sollen, wonach es so aussieht, als könne Weiß keine Fortschritte erzielen, da 68.Tf6 mit Le8 beantwortet kann, was keine Liquidierung zulässt. Stattdessen spielte 67... Td5+? , was zwar forciert den Bauern zurückgewinnt... aber auch sofort die Partie verliert! Nach 68.Kc6 Td4 69.Tb7 Txf4 tauschte Anand einfach alles mit 70.Txf7+! und erreichte ein einfach gewonnenes Bauernendspiel. Ein Remis in der zweiten Partie sicherte Anand den Finaleinzug.

Video-Zusammenfassung der Viertel- und Halbfinals:

Final-Showdown

Wäre es ein Armdrücken-Turnier gewesen, hätte die Sache anderes ausgehen können! | Foto: Offizielle Webseite

Nachdem Vishy in der ersten Runde das Remis mit einer klassischen Turm-gegen-Dame-Festung behaupten konnte, entschied Maxim das Match in der zweiten Partie mit den schwarzen Steinen für sich.

Das Finale wurde in Korsikas Haupstadt Ajaccio gespielt | Foto: Offizielle Webseite

Sein Eröffnungsspiel mag teilweise zwar etwas ungenau gewesen sein, aber als die Partie in dynamische Fahrwasser seines geliebten Najdorf steuerte, beging Maxime keine Fehler:


Alle Partien der K.O.-Runden gibt es hier zum Nachspielen:

In einem Satz: Auf Korsika fand ein großartiges Turnier mit theoretischen Diskussionen, versiertem Spiel und Zeitnot-Dramen statt - was will man mehr?

Gute Gesellschaft und gutes Essen sind das wichtigste im Leben


Die Philosophie hinter Nakamuras Tweet während der US-Meisterschaften im Frühjahr diesen Jahres scheint inzwischen einige Anhänger in der Schachelite gefunden zu haben:

Nakamura:"Not the best result, but good company and good food are the most important things in life!"
Giri: "Not the best result, but good company and good food are the most important things in life!
Karjakin: "Not the best result, but good company and good food are the most important things in life!"

Gute Gesellschaft und gutes Essen +  gutes Resultat scheint offensichtlich auch gut zu funktionieren.

Weitere Links:


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