Berichte 04.06.2019 | 20:52von Colin McGourty

MVL schlägt Magnus und gewinnt das Norway Chess Blitzturnier

Maxime Vachier-Lagrave schlägt zum dritten Mal in Folge Magnus Carlsen im Blitz während des Eröffnungsblitzturniers zur 2019er Auflage des Altibox Norway Chess. Es war das perfekte Ende für das Turnier, denn Magnus hätte das Turnier gewonnen, wenn er Maxime in der letzten Runde geschlagen hätte. Stattdessen verspielte er eine Gewinnstellung und landete schlussendlich 1,5 Punkte hinter Maximes majestätischen 7,5/9. Mit diesem Resultat eroberte die französische Nr. 1 die Führung in der Blitzweltrangliste. Levon Aronian, Shakhriyar Mamedyarov und Ding Liren sind die anderen Spieler, die sich fünf Aufschläge mit Weiß für das Hauptturnier im klassischen Schach sichern konnten.

Maxime ist wie Kryptonit für Magnus, zumindest im Blitz! | Foto: Lennart Ootes, Altibox Norway Chess

Alle Partien des Blitzturniers kannst du dir hier ansehen und nachspielen:

Und hier findest du den Live-Kommentar von Peter Svidler und Jan Gustafsson:

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Schon wieder Maxime!

Maxime und Magnus mögen Konkurrenten um den Turniersieg sein, aber Grischuk war derjenige, der die Pressekonferenz gewann! | Foto: Lennart Ootes, Altibox Norway Chess

“+6 erreichst du nicht nur durch Zufall”, bemerkte Maxime Vachier-Lagrave - und in der Tat war das eine erstaunliche Leistung des Franzosen:


Er wies darauf hin, dass er in der Partie gegen Shakhriyar Mamedyarov viel Glück hatte (der Aseri hatte eine Gewinnstellung, fand sich dann aber schlussendlich in einem Mattnetz wieder), aber man könnte dem entgegenhalten, dass er in der Partie gegen Vishy seinen gewinnträchtigen Vorteil nicht verwertete. Davon abgesehen, dass er ziemlich übel gegen Fabiano unterging, war es eine beeindruckende Leistung von Maxime, der zumeist schnell spielte und gute Technik zeigte.

Die Miniatur gegen Grischuk war wie die Kirsche auf der Torte: ein schönes, zusätzliches Geschenk. Maxime dachte nicht zweimal nach, bevor er seinen Läufer opferte:


Es scheint so, dass 20...gxh6! nötig gewesen wäre, wonach Weiß wohl nicht mehr als Dauerschach hat, objektiv gesprochen. Aber Grischuk entschied sich für 20…Txe1+? 21.Txe1 gxh6 22.Dg6+ Kf8 23.Dxh6+ Kg8 24.Lc2! und Schwarz gab auf, weil es keine Verteidigung mehr gegen Lh7+, Lf5+ und Damenverlust gibt.


Der Unterschied zum sofortigen 20…gxh6! liegt darin, dass Schwarz nun die wichtige Verteidigungsressource ...Te6 hätte.    

Davon abgesehen, dass Maxime bis dahin sechs Partien gewonnen hatte, konnte er mit 5,5/6 Magnus Carlsen doch nicht abschütteln. Vor der letzten Partie lag dieser nur einen halben Punkt zurück. Und sollte mit Weiß spielen dürfen! Es war klar, dass der Weltmeister gegen MVL auf Sieg spielen würde und er begann die Partie mit dem wilden Sizilianischen Flügelgambit 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.b4!? - ein Gambit, das der große Paul Keres meisterhaft beherrschte.

chess24: Jan und Peter haben das Gefühl, dass 3.b4!? eine Hommage an MVLs inkorrektes Bauernopfer bei den GRENKE Chess Classic war!

Lange Zeit sah es so aus, als ob ein Bauern tatsächlich ein Bauer sei, aber dann brachte sich Maxime mit 17...f5?! selbst in Schwierigkeiten. Weiß kam in Vorteil und Magnus machte den Eindruck, als ob er mit seiner typischen Präzision den Sieg nach hause bringen würde. Aber dann kulminierte die hochgradig unausgeglichene Partie nach 27...Te8?!:


Der Zug erneuert die Drohung ...Dxc5 (27...Dxc5 wäre in 28.e7 mit Angriff auf den Tf8 gerannt) und erwischte Magnus unvorbereitet. Objektiv war der Zug zwar nicht gut wegen 28.Sd7! und Schwarz kann auf keine Art und Weise zurückschlagen, da das eine Menge Material kosten würde. Weiß könnte mit 29.f5 fortsetzen und vermutlich gewinnen, aber Magnus spielte sofort 28.f5? und nach 28...Dxc5! (keine Angst vor Gespenstern!) stand er einfach auf Verlust. Maxime brachte den Punkt dann auch locker nach hause.

Die Endstellung ist traurig - aber zumindest der Weltmeister nicht! | Foto: Lennart Ootes, Altibox Norway Chess

Maxime sprach über die Partie am Ende des offiziellen Live-Kommentars mit Judit Polgar und Anna Rudolf:

Damit hat der Franzose die letzten drei Blitzpartien in Folge gegen den Weltmeister gewonnen und ist damit wenig überraschend nun die neue Nummer 1 der Blitzweltrangliste:


Diese Gelegenheit konnte sich Anish natürlich nicht entgehen lassen!

Anish Giri: Wenn du einen netten Menschen aussuchen möchtest, gegen den du alle deine Blitzpartien verlieren willst, wähle MVL!

Magnus als Unterhalter

Nachdem die letzte Partie des Tages so schlecht lief, gab es kein Entkommen vor dem norwegischen Fernsehen | Foto: Lennart Ootes, Altibox Norway Chess

Magnus hatte sowieso nicht den besten Start ins Turnier erwischt, denn seine Pirc-Verteidigung endete gegen Levon Aronian bereits mit einem Minusbauern ausgangs der Eröffnung, wonach Magnus ohne großen Kampf verlor. Die meisten Spieler hätten das vielleicht bereits als schlechtes Zeichen gesehen, sich nicht allzu viel in den Eröffnungen zu erlauben, aber Magnus entschied sich stattdessen, eine seltsame und wacklige Variante nach der anderen aufs Brett zu bringen. Und damit hätte er beinahe noch das Turnier gewonnen:


Eine Lieblingsvariante von Richard Rapport brachte ihm einen doppelten g-Bauern nach 7 Zügen gegen Anand. Die Partie gewann er mit einem hübschen taktischen Schlag:


Weiß würde gut stehen, gäbe es da nicht das lästige 41…La5! und nach  42.Dxa5 Dxd3+ 43.Kg4 Df5+ gab Vishy auf, weil sich das Matt schon am Horizont abzeichnet...

Die beeindruckendste Partie kam allerdings von Alexander Grischuk, der sich gegen 1.e4 e6 2.f4!? erwehren musste. Ein einziger Fehler reichte dann bereits aus:


Magnus entkorkte hier das starke 25.Df6!, da er gesehen hatte, dass nach 25…Dxf6 26.exf6 der weiße Springer bald ein Monster werden würde, während der Ld7 ein trauriges Dasein fristen wird. Auch die in diesen Varianten oftmals wacklige Grundreihe sollte dem Weißen in die Hände spielen. Magnus gewann eine schöne, positionell geführte Partie nach 42 Zügen.

chess24: Carlsens vierter Sieg nach fünf Runden, aber MVL schlägt Ding Liren und bleibt immer noch vorne!

So locker und leicht war es allerdings auch nicht. Wesley So erwischte einen schrecklichen Tag und gewann nur noch die beiden letzten Runden, hätte aber den größten Skalp sein Eigen nennen können. Mit wenig Bedenkzeit wiederholte er hier die Züge, auch wenn das eine Entscheidung war, die unser Kommentatoren-Team rätselnd zurückgelassen hatte:

chess24: Nach 3 Niederlagen und einem Remis scheint es so, dass Wesley So gar nicht glauben kann, gegen Magnus glatt auf Gewinn zu stehen. Daher wiederholte er die Züge und nahm das Remis! Fairerweise sei aber gesagt, dass er kaum noch Zeit auf der Uhr hatte.

Das alles andere als offensichtliche 25…d3! ist stark, weil es das Feld d4 räumt! Es hätte beispielsweise folgen können: 26.cxd3 Dh4+ 27.Kg1 Dd4+ 28.Kh1 und nun gewinnt die Killertaktik: 28…Df2!!


Magnus parierte diesen Elfmeter und saß Maxime weiter im Nacken, aber es war dann doch nicht genug. Und Magnus wurde sogar noch vom zweiten Platz durch einen herausragend spielenden Aronian verdrängt. Der Armenier verlor nur eine Partie gegen Maxime, gewann aber die denkwürdigste Partie des Tages!

Levon scheint gut in Form für das Hauptturnier zu sein | Foto: Lennart Ootes, Altibox Norway Chess

In Runde 4 erspielte sich Grischuk eine Stellung mit einem weit entfernten Extra-Freibauern. In der folgenden Stellung gewinnt nahezu jeder Zug, aber nicht der Zug, den man vielleicht für die Galerie spielt: 64.Ta2??

chess24: Ich stand total auf Gewinn, bis ich Td2-a2 spielte.

Altibox Norway Chess: Finde für dieses Bild eine Überschrift

Das war einfach ein Fehler, auch wenn es nach 64…Txa2 65.b7 zuerst so aussehen mag, als ob der Bauer nicht zu stoppen ist:


Aber Aronian hatte noch ein As im Ärmel: 65…Se2+! 66.Kb3 (Weiß muss ...Tb2 verhindern) 66…Sc1+ 67.Kc3 Ta3+! 68.Kc2 Tb3 und Schwarz gewinnt Bauer und Partie!


Ein schönes, studienartiges Endspiel - aber keines, an das sich Grischuk allzu gern erinnern werden wird!

Die Abschlusstabelle sieht damit so aus:


Wie du sehen kannst, konnten drei absolute Stars nicht über -3 hinauskommen, wohingegen Yu Yangyi bei seinem Debüt eine gute Figur in diesem Teilnehmerfeld abgab. Es hätte sogar noch besser sein können, da er mit feinen, technischen Siegen gegen Ding Liren und Vishy Anand begann, im Anschluss aber nur noch einen weiteren Sieg seinem Konto hinzufügen konnte.

Yu Yangyi begann mit zwei Siegen, während Magnus bei 0,5/2 stand. Aber der Sieg in dieser Partie war das Zeichen für Magnus, die Aufholjagd zu starten und um den Turniersieg zu kämpfen | Foto: Lennart Ootes, Altibox Norway Chess

Maximes Preis für den Sieg im Blitzturnier lag darin, dass er sich seine Startnummer fürs Hauptturnier aussuchen durfte. Wenig überraschend: Er wählte die 4, womit er gegen Carlsen Weiß bekommt!

Lennart Ootes: Der Sieger des Altibox Norway Chess Blitzturniers ist Maxime Vachier-Lagrave. Er wählte die Nummer 4 und hat damit in Runde 5 gegen Magnus Weiß. Daraus folgt auch, dass wir in der letzten Runde die Begegnung Carlsen-Caruana sehen werden! MVL spielt in der ersten Runde ab 17:00 Uhr gegen Yu Yangyi.

Die weiteren vier besten Spieler, Aronian, Carlsen, Mamedyarov und Ding Liren bekamen automatisch die höchsten noch freien Nummern und haben deshalb im Hauptturnier ebenfalls fünf mal Weiß. Magnus beginnt seine erste Weißpartie gegen Vishy Anand, der gegen den Weltmeister nur um Haaresbreite seiner dritten Niederlage in Folge im klassischen Schach bei den GRENKE Chess Classic entkam. Hier kannst du alle Paarungen sehen:

Die mit "A" gekennzeichneten Runden bezeichnen die Armageddon-Partien. Nach einer kleinen Rebellion seitens der Spieler wurde entschieden, dass die Armageddon-Partien 15 Minuten nach Beendigung der klassischen Partie gespielt werden (so diese mit Remis endete). Es wird also nicht auf das Ende aller klassischen Partien gewartet. Du wirst also womöglich während der Übertragung die Runden wechseln müssen!

In unserem Vorbericht kannst du mehr zu dem neuen Format und den Armageddon-Partien erfahren. Wenn du etwas einfach nur genießen willst, kannst du aber auch einfach Alexander Grischuk zuhören, wie er über die neue Zeitkontrolle und das Armageddon spricht. Unschlagbar!

Altibox Norway Chess: Grischuk während der Pressekonferenz mit dem Schalk im Nacken

Hier einige Zitate von ihm:

Natürlich ist die Zeitkontrolle in den klassischen Partien nicht gut für mich, aber du musst damit klarkommen. Nadal zum Beispiel bevorzugt Sand, Roland Garros und einige weitere auch, aber wenn er dann nach Wimbledon kommt, spielt er eben auch auf Gras. Und er beschwert sich nicht - ich sollte es also auch nicht tun!

Grischuk übernimmt | Foto: Lennart Ootes, Altibox Norway Chess

Vor allem wollte ich über das Armageddon reden, denn für mich war jede einzelne Armageddon-Partie denkwürdig. Ich habe bisher glaube ich neun Stück gespielt. Die erste war die beschämendste. Ich spielte gegen Alexander Morozevich and stellte eine Figur ein und bekam eine völlig hoffnungslose Stellung. Aber wir beide waren in horrender Zeitnot und es gelang mir zum vielleicht einzigen Male in meinem Leben, dass meine Figuren ein unglaubliches Eigenleben entfalteten. Da gab es einen Springer und der begann zu springen... drei oder vier Figuren zauberten zusammen und er verlor völlig die Kontrolle und ich gewann auf Zeit. Das war mir so peinlich. Ich fühle mich dafür immer noch schlecht und es ist immer noch das dreckigste, was ich jemals im Schach getan habe, auch wenn ich das nicht beabsichtigt hatte. (...)

Die dritte war die lächerlichste von allen. Ich spielte gegen Vladislav Tkachiev und ich hatte einen Turm gegen einen blanken König und wir beide hatten jeweils 10 Sekunden. Normalerweise sollte man da mattsetzen können. Aber sei König fiel um und er begann, ihn zu rollen. Er rollte auf die d-Linie, auf der man nicht mattsetzen konnte, keine Chance. Deshalb lief ich meinen Turm ebenfalls fallen und begann, ihn zu rollen und da ich nur noch 3 oder 4 Sekunden mehr hatte, verlor er auf Zeit. Aber das war das dümmste Armageddon meines Lebens! (…)

Über diese Armageddon-Partien könnte ich noch Stunden reden, von daher hoffe ich, so viele Armageddon-Partien wie möglich zu spielen!

Schalte ein und schau dir die ganze Action an, es kommentieren ab 17:00 Uhr MEZ Jan Gustafsson und Peter Svidlerlive action with Peter Svidler and Jan Gustafsson from 17:00 CEST!

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